Britti hatte geäußert, dass sie sich gern mit mir über das Buch austauschen möchte, wenn ich es gelesen habe. Ich habe dazu diesen Thread eröffnet, da nun kräftig gespoilert wird. Wer diesen Thriller also noch lesen möchte, sollte jetzt lieber wieder zurückklicken!
Britti, das war ja spannend! Puh!
Und ganz besonders mochte ich an dem Buch (habe ich eben im "Ich lese gerade"-Thread auch noch mal geschrieben), dass es so überzeugend und authentisch erzählt über den Sommer, die Jugendlichen, ihre Außenseiterrollen, ihre familiären Situationen, ihr buhlen um die Gunst - hier natürlich besonders Anita um Kyles Gunst.
Ja, so ist es, nicht wahr? Ein geheimnisvoller Junge, das fasziniert solch ein Mädchen. Da möchte man mehr wissen... die Neugierde ist geweckt. Und schon bald darauf der Wunsch akzeptiert zu werden, dazu zu gehören.
Und wie sich zum Schluss herausstellt, auch der brennende Wunsch geliebt zu werden. Und lebendig zu sein... ich glaube, wenn man so an den Rand gedrängt lebt, wie dieses pakistanische Mädchen, kann der Wunsch wahrgenommen zu werden schon sehr groß werden. Und, wie in ihrem Fall, auch eine Persönlichkeitsstörung mit sich bringen. Hier in der Form, dass sie für die anderen so sehr Luft ist (so unwichtig), dass sie sich selbst nicht spürt.
Ob ich die psychologische Begründung komplett überzeugend finde, weiß ich nicht. Aber mir reichte das so in den Ansätzen. Denn in dem Buch waren zwei Dinge besonders faszinierend: Die Art wie es über die Freundschaft, den Sommer, die endlosen Tage erzählt. Und die Wendungen, die es nimmt und den Leser damit überrascht und schockt.
Wenn Du nicht vorher gesagt hättest, dass Du ganz geschockt warst, und dachtest, nicht richtig gelesen zu haben, hätte ich mich vielleicht mehr in Sicherheit gebettet, dass Kyle ganz klar der Gestörte ist. Aber so war ich etwas wacher. Und das Geheimnis, das Anita mit ihrer Mutter hatte, und das die anderen Geschwister denken ließ, dass die Mutter Anita mehr liebe als sie, machte mich auch hellhörig. Irgendwas musste da ja sein, was Anita verbarg.
Und trotzdem: Dass Anita selbst die Täterin war, die ihre Freunde tötete, das hätte ich nicht gedacht. Zumindest nicht in der Form. Ich hatte zwischendurch ja mal schwer den Verdacht, dass sie eine gespaltene Persönlichkeit haben könne. Und Kyle gar nicht existent war. Aber da sprachen ja einige Details gegen, die das Unlogisch gemacht hätten. Ich hätte das deshalb auch doof und zu abgedreht und abgedroschen gehalten.
Mit der Auflösung, dass Anitas Wunsch, von Kyle voll und ganz akzeptiert zu werden, so weit ging, dass sie ihm ein "Opfer" brachte, um ihm zu zeigen, dass sie ist wie er (wo sie ja dachte, er habe seine kleine Schwester getötet), war wirklich ein Schock. Für mich ein leiser, aber eindringlicher!
Eine weitere Sache, die ich kurz bevor sie offenbart wurde ebenfalls ahnte, war der Missbrauch Kyles durch Patrick. Es dann aber durch Anitas Augen zu sehen, war dennoch schockierend. Das erklärte auch Kyles sehr gestörtes Verhalten. Hier fand ich auch sehr gut geschildert, wieso Kyle nie was gesagt hat. Diese Verantwortung, die Patrick ihm als Fünfjährigen auferlegt hat, dass seine Mutter sterben würde, wenn sie es erführe, ist so hart! Wie kann jemand einem kleinen Jungen solche Ängste auferlegen - und natürlich überhaupt ihm sowas antun! Und da sieht man es mal wieder: Man sieht es einem Patrick nicht an! So nett und aufmerksam und edel.
Wie ging es Dir mit dem Buch? Wo was hattest Du gedacht, was hinter allem steckt? Und war gab es für Dich den größten Überraschungsmoment? Und wie haben Dir die Beschreibungen und die Figuren gefallen?
Das war wirklich ein kurzweiliges, spannendes, charismatisches Lesevergnügen!
Übrigens kam in 2010 ein weiteres Buch von Camilla Way heraus:


