Way, Camilla: Schwarzer Sommer (SPOILER!)

Plattform zum Austausch über Bücher und Themen rund ums Buch.
Forumsregeln
Kommerzielle Einträge werden ohne Kommentar gelöscht!

Way, Camilla: Schwarzer Sommer (SPOILER!)

Beitragvon Petra » Mi 2. Mär 2011, 10:35

Hallo zusammen,

Britti hatte geäußert, dass sie sich gern mit mir über das Buch austauschen möchte, wenn ich es gelesen habe. Ich habe dazu diesen Thread eröffnet, da nun kräftig gespoilert wird. Wer diesen Thriller also noch lesen möchte, sollte jetzt lieber wieder zurückklicken!

Britti, das war ja spannend! Puh! :D

Und ganz besonders mochte ich an dem Buch (habe ich eben im "Ich lese gerade"-Thread auch noch mal geschrieben), dass es so überzeugend und authentisch erzählt über den Sommer, die Jugendlichen, ihre Außenseiterrollen, ihre familiären Situationen, ihr buhlen um die Gunst - hier natürlich besonders Anita um Kyles Gunst.

Ja, so ist es, nicht wahr? Ein geheimnisvoller Junge, das fasziniert solch ein Mädchen. Da möchte man mehr wissen... die Neugierde ist geweckt. Und schon bald darauf der Wunsch akzeptiert zu werden, dazu zu gehören.

Und wie sich zum Schluss herausstellt, auch der brennende Wunsch geliebt zu werden. Und lebendig zu sein... ich glaube, wenn man so an den Rand gedrängt lebt, wie dieses pakistanische Mädchen, kann der Wunsch wahrgenommen zu werden schon sehr groß werden. Und, wie in ihrem Fall, auch eine Persönlichkeitsstörung mit sich bringen. Hier in der Form, dass sie für die anderen so sehr Luft ist (so unwichtig), dass sie sich selbst nicht spürt.

Ob ich die psychologische Begründung komplett überzeugend finde, weiß ich nicht. Aber mir reichte das so in den Ansätzen. Denn in dem Buch waren zwei Dinge besonders faszinierend: Die Art wie es über die Freundschaft, den Sommer, die endlosen Tage erzählt. Und die Wendungen, die es nimmt und den Leser damit überrascht und schockt.

Wenn Du nicht vorher gesagt hättest, dass Du ganz geschockt warst, und dachtest, nicht richtig gelesen zu haben, hätte ich mich vielleicht mehr in Sicherheit gebettet, dass Kyle ganz klar der Gestörte ist. Aber so war ich etwas wacher. Und das Geheimnis, das Anita mit ihrer Mutter hatte, und das die anderen Geschwister denken ließ, dass die Mutter Anita mehr liebe als sie, machte mich auch hellhörig. Irgendwas musste da ja sein, was Anita verbarg.

Und trotzdem: Dass Anita selbst die Täterin war, die ihre Freunde tötete, das hätte ich nicht gedacht. Zumindest nicht in der Form. Ich hatte zwischendurch ja mal schwer den Verdacht, dass sie eine gespaltene Persönlichkeit haben könne. Und Kyle gar nicht existent war. Aber da sprachen ja einige Details gegen, die das Unlogisch gemacht hätten. Ich hätte das deshalb auch doof und zu abgedreht und abgedroschen gehalten.

Mit der Auflösung, dass Anitas Wunsch, von Kyle voll und ganz akzeptiert zu werden, so weit ging, dass sie ihm ein "Opfer" brachte, um ihm zu zeigen, dass sie ist wie er (wo sie ja dachte, er habe seine kleine Schwester getötet), war wirklich ein Schock. Für mich ein leiser, aber eindringlicher!

Eine weitere Sache, die ich kurz bevor sie offenbart wurde ebenfalls ahnte, war der Missbrauch Kyles durch Patrick. Es dann aber durch Anitas Augen zu sehen, war dennoch schockierend. Das erklärte auch Kyles sehr gestörtes Verhalten. Hier fand ich auch sehr gut geschildert, wieso Kyle nie was gesagt hat. Diese Verantwortung, die Patrick ihm als Fünfjährigen auferlegt hat, dass seine Mutter sterben würde, wenn sie es erführe, ist so hart! Wie kann jemand einem kleinen Jungen solche Ängste auferlegen - und natürlich überhaupt ihm sowas antun! Und da sieht man es mal wieder: Man sieht es einem Patrick nicht an! So nett und aufmerksam und edel.

Wie ging es Dir mit dem Buch? Wo was hattest Du gedacht, was hinter allem steckt? Und war gab es für Dich den größten Überraschungsmoment? Und wie haben Dir die Beschreibungen und die Figuren gefallen?

Das war wirklich ein kurzweiliges, spannendes, charismatisches Lesevergnügen! :-)

Übrigens kam in 2010 ein weiteres Buch von Camilla Way heraus: :arrow: Little Bird. Vom Thema her wäre das jetzt nicht so mein Griff. Aber ich glaube, dass sie von diesem Mädchen sehr gut erzählen kann! Das ist gewiss eine Figur für diese Autorin!
Liebe Grüße,
Petra


Ich lese gerade: :lesen:
Cyril Hare - Mord auf dem Landgut (HC)
- (ebook)

Ich höre gerade: :kopfhoerer:
Simon Beckett - Die ewigen Toten (ungekürzte Lesung)

Buecher4um
Hoerbuecher4um
Seifen4um
Petras SeifenKUNST
Benutzeravatar
Petra
Administrator
 
Beiträge: 14497
Registriert: Do 27. Mär 2008, 13:34

Re: Way, Camilla: Schwarzer Sommer (SPOILER!)

Beitragvon Britti » Mi 2. Mär 2011, 19:28

Huhu liebe Petra.

Da bist du aber auch durch das Buch gerast, gell?
Das konnte man aber auch sehr gut durchlesen, durch die Stimmung und die Bilder die Camilla Way im Kopf entstehen lässt. So geht es mir immer bei Thrillern. Jed bildlicher ich mir das vorstellen kann und je mehr ich mich hinein versetzen kann umso schneller kann ich es lesen. Hinzu kommt natürlich die Spannung die erzeugt wird.

Erstmal zu dem verlinkten Buch von C. Way das 2010 erschien.
Ich denke die Frau hat echt Potential und das Buch wird vielleicht auch richtig klasse sein, aber es klingt als wäre es nichts für mich.
Es klingt für mich etwas sehr gruselig ;) Ein bissl Casper Hauser der nicht sprechen konnte weil er weg gesperrt wurde und später wird sie von einem Mörder verfolgt... Nee, ich glaube das ist nix für Britti :) obwohl ich der Autorin wie gesagt sehr viel zutraue!

Jetzt aber zum schwarzen Sommer.
Ich sehe du hast es ebenfalls genossen und ungefähr die gleichen Gedanken gehabt wie ich.
Ein bissl hat es mich an Tana Frenchs Erstlingswerk erinnert wegen dieser Atmosphäre, der Freundschaft zwischen den Kindern und diese bildhafte Sprache. Ich fand es genial. Auch hier konnte ich die Wärme auf der Haut spüren und Gerüche wahrnehmen. Die Umgebung und die endlos langen Tage waren so schön beschrieben, genau wie die Gefühlswelt der drei Aussenseiter.

Die drei Kinder fand ich jeden auf seine Weise toll beschrieben. Ihre Einsamkeit, ihre Gefühle, ihren Kummer...
Auch der Einblick in deren Familien. Anitas Geschwister und ihr trauriger Vater der diese schreckliche Frau ins Haus holt.
Der nette Patrick und die tieftraurige Mutter von Kyle und dann noch die streng gläubige Mutter von Dennis. Alles passte einfach.

Das mit Anita etwas nicht stimmt habe ich erst mitbekommen durch das Geheimnis das sie mit ihrer Mutter hat. Sonst wäre ich wohl nie drauf gekommen. Aber ich fand es sehr gut.

Extrem geschockt war ich bei der Szene als Anita durch Kyles Haus irrt und ihn dann mit Patrick in der Kammer entdeckt. Ich dachte die ganze Zeit, nein Anita, geh icht weiter, kehr bitte um, da kann nichts gutes beii rum kommen. Aber was sie dann entdeckte hat mch vollkommen geschockt. Ich fand Patrick bis dahin so nett aber Kyles gestörtes Verhalten lies es in der Tat erahnen.
Ich finde das Thema Kindesmissbrauch und Misshandlung unerträglich. Zumal es ja leider traurige Wahrheit ist wie Kinder z.B. so wie Kyle unter Druck gesetzt werden nichts zu verraten da sonst seine Ma stirbt. Ganz schlimm. Da wusste ich dann auch warum Kyle seinen Geburtstag nicht feiern wollte und schon garnicht im Schwimmbad.
Gruselig. Meinst du Kyles Mutter wusste es? Ich glaube schon. Und das kam zu ihrer großen Trauer wahrscheinlich noch dazu.

An der Stelle als Anita ihre Entdeckung bei Kyle zu Hause gemacht hatte musste ich das Buch erstmal weg legen. Ich hatte echt Herzrasen *g*
Ich fand das Buch sowas von spannend bis zum Schluss.
Überhaupt die Idee den Leser am Anfang auf ein schlimmes Ende vorzubereiten und dann Stück für Stück darauf hin zu arbeiten finde ich sehr gut.

Danach ging es bei mir ja gleich mit Schändung weiter, dann Sterbenskalt und jetzt Verwesung - was für ein Thrillerjahr. Ich glaube ich muss danach mal zu etwas ruhigerem greifen um mal wieder zu Atem zu kommen :lol:
Britti
 
Beiträge: 1468
Registriert: Mo 31. Mär 2008, 11:02

Re: Way, Camilla: Schwarzer Sommer (SPOILER!)

Beitragvon Petra » Sa 5. Mär 2011, 17:47

Huhu liebe Britti,

ja, das Buch ließ sich wirklich so weg lesen! Aber ich war auch so schnell, weil ich die letzte Zeit mehr Lesezeitfenster habe. Macht sich wirklich bemerkbar. Bei so einem kleinen Buch fällt es dann auf. :-)

Doch es stimmt, mir geht es auch so: Wenn die Handlung (gerade bei einem Thriller) so richtig bildhaft ist, komme ich auch schneller voran. Und genau das ist die Stärke bei "Schwarzer Sommer" - das Bildhafte. Wie Camilla Way den Sommer beschrieb und spüren ließ, erinnerte mich auch an Tana French. Das ist ja ihr Steckenpferd. Aber Camilla Way hat das hier ebenso intensiv geschafft.

Schön, dass wir auch die Sicht über den zweiten Pluspunkt dieses Buches teilen: Die Figuren und ihre Gefühlswelt wurde sehr schön - und ebenfalls so vorstellbar - beschrieben. Man konnte sich sehr gut einfühlen in das Leben dieser drei Außenseiter.

Jetzt weiß ich auch Deinen Schockmoment genauer einzuschätzen. Patrick war es, der Dich so geschockt hat. Ja, das kann ich verstehen. Denn er wächst dem Leser ans Herz. Man mag ihn, weil Anita ihn so faszinierend findet, und ihn so gern hat. Auch das ist eine Stärke des Buches. Denn wahrscheinlich sind viele Kinderschänder genau so. Man kann ihnen das nicht ansehen. Und wie sie ihre Opfer unter Druck setzen, das ist seelisch sehr brutal! Das wurde hier wirklich gut beschrieben. Ich habe Kyle sofort verstanden, warum er kein Sterbenswort gesagt hat.

Petra hat geschrieben:Überhaupt die Idee den Leser am Anfang auf ein schlimmes Ende vorzubereiten und dann Stück für Stück darauf hin zu arbeiten finde ich sehr gut.


Das hätte ich Camilla Way fast als Schwachpunkt angekreidet. Mir schien es ein ganz klein wenig gewöhnlich (billig). War nicht weiter schlimm, da die eigentlichen Szenen - also die des besagten Sommers - so intensiv waren. Aber es drängte sich mir immer wieder bei den Passagen mit den Gesprächen mit dem Dr. der Gedanke auf, dass das doch ein wenig reißerisch und gewöhnlich gemacht ist. Ein gängiger Effekt. ABER, am Ende war ich auch mit diesem Punkt versöhnt. Denn Camilla Ways Story lebte von diesem Effekt und sie hat das zum Schluss hin auch gut zu Ende geführt. Somit war das für mich für dieses Buch ok. Das war auch der Grund, warum ich in der Rezension 8,5 Punkte gegeben habe. Ohne diese Kleinigkeit hätte es noch etwas mehr bekommen.

"Little Bird" ist thematisch leider auch nicht meins. Aber ich denke, dass die Autorin sich in dieses verstörte Mädchen sehr gut eindenken kann und eine tolle Geschichte daraus macht.
Liebe Grüße,
Petra


Ich lese gerade: :lesen:
Cyril Hare - Mord auf dem Landgut (HC)
- (ebook)

Ich höre gerade: :kopfhoerer:
Simon Beckett - Die ewigen Toten (ungekürzte Lesung)

Buecher4um
Hoerbuecher4um
Seifen4um
Petras SeifenKUNST
Benutzeravatar
Petra
Administrator
 
Beiträge: 14497
Registriert: Do 27. Mär 2008, 13:34


Zurück zu Diskussionsforum

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 28 Gäste

cron