Erinnerungen an Bücher

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Erinnerungen an Bücher

Beitragvon Christine » Mo 7. Apr 2008, 21:24

Huhu in die Runde,

gestern habe ich mit einer Freundin *winke* telefoniert und wir haben uns wie immer über unsere gelesenen Bücher unterhalten. Ich hatte gerade "Sanft entschlafen" von Donna Leon beendet, das ist der 6. Fall von Brunetti. Von ihr weiß ich, dass sie den Brunetti immer aktuell liest, "Sanft entschlafen" hatte sie also vor 10 Jahren gelesen. Wir stellten fest, dass sie sich nicht im geringsten daran erinnern konnte, dass es in diesem Band eine Szene gibt, wo Brunetti mit einem Messer angegriffen und am Arm verletzt wird, er muss wegen einer Infektion der Wunde sogar 10 Tage ins Krankenhaus. Ich war ziemlich überrascht, weil ich diese Szene doch sehr ungewöhnlich für Brunetti fand und erinnernswert.

Was behaltet ihr eigentlich von gelesenen Büchern und wie lange? Ich weiß, dass ist eine komplizierte Frage. Aber wisst ihr zum Beispiel noch nach Monaten oder Jahren, wer der Täter im Krimi war, was es für ein Motiv gab?
Wenn ich vor meinem RGB (Regal gelesener Bücher) stehe, habe ich hauptsächlich Stimmungen im Kopf, also etwa, das Buch war schön, da habe ich mich wohl gefühlt, das fand ich doof usw. Den Inhalt kenne ich oft nur noch grob. Bei Serien fällt mir aber auf, dass beim Lesen eines Folgebandes immer wieder Erinnerungen zu den früheren Bänden kommen. Stück für Stück fallen mir dann Szenen wieder ein. Wie ist das bei euch?

Liebe Grüße,
Christine
Es wäre gut Bücher kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte, aber man verwechselt meistens den Ankauf der Bücher mit dem Aneignen ihres Inhalts. (Arthur Schopenhauer)
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Re: Erinnerungen an Bücher

Beitragvon Barbara » Mo 7. Apr 2008, 22:09

Liebe Christine,

das ist eine tolle Frage. In einen genauen Zeitrahmen kann ich das vergessen allerdings nicht packen.

Ich habe mich aber nicht nur einmal geärgert, dass ich bei ganz tollen Büchern, die ich zumindest beim Beenden als solche empfunden hatte, nach längerer Zeit kaum noch deren Inhalt rekapitulieren konnte. Komischwerweise bleiben mir Filme weitaus länger im Gedächtnis. Bei Büchern habe ich oft nur noch den groben Ablauf oder ganz vereinzelte Fragmente im Gedächtnis, wenn überhaupt. Je schwieriger ein Buch, desto schneller entschwindet es und desto gröber werden die zusammenhänge in der Erinnerung. Ganz platte Bücher halten länger: Oh Gott, was schreibe ich denn da :o ! Sollte ich doch zuuu blond sein und mein Hirn nur für Badewannenliteratur geeignet sein?

Nein, im Ernst, ich fand das immer so schade, weil mir nie wirklich etwas einfiel, wenn ich ein Buch verschenken wollte. Dann stand ich immer vor den Regalen der Buchhandlung und dachte: Du hattest doch letzt so ein tolles Buch, wie war nochmal gleich die Handlung?

Aus dem Grunde habe ich damals eine Lesetagebuch begonnen, in das ich kurz den wesentlichen Inhalt, Gedanken oder ein Stichwort zu jedem Buch hineinschreibe. Seitdem behalte ich mir mehr und kann die Bücher auch besser nach Monaten oder Jahren rekapitulieren.

Aber ich denke, das es sicherlich auch daran liegt, dass auch hier die Schnelllebigkeit des Konsums Einzug gehalten hat und man einfach nicht immer alle Bücher lange genug auf sich wirken lässt: Sie können nicht sacken und nicht "verdaut werden". Denn , wenn ich mich zurückerinnere an Bücher aus meiner Kindheit, die ich sehr gerne gelesen habe, so weiß ich von diesen noch mehr. Dies gilt ebenso für Bücher, die wir hier besprechen oder über die wir uns hier austauschen: Sie bleiben mir auch länger im Gedächtnis, weil sie irgendwie "verarbeitet" wurden.
:lesen_und_nachdenken:
Liebe Grüße
Barbara
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Re: Erinnerungen an Bücher

Beitragvon lucy » Di 8. Apr 2008, 09:32

huhu christine,

gute frage :) . ich bräuchte eigentlich nur etwa 5oo bücher im regal, die ich immer wieder lese... komischerweise vergesse ich krimihandlungen weit schneller als *normale* belletristik.

lg heike
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Re: Erinnerungen an Bücher

Beitragvon Petra » Di 8. Apr 2008, 09:48

Liebe Christine,

eine wirklich interessante Frage!

Also, diesen besagten Brunetti-Band habe ich wohl ebenfalls vor ca. 10 Jahren gelesen, wie die Freundin mit der Du telefoniert hast, der ich jetzt hier mal winke, weil ich weiß, wer sie ist! ;-) (*winkewinke*)

Die Szene mit dem Messer und dem Krankenhaus sagt mir NICHTS! ;-)

Warum das so ist? Es mag sein, dass Du Dich in 10 Jahren wirklich noch dran erinnerst. Weil sie Dir so bemerkenswert erschien. Eher unüblich für Brunetti. Ich habe auch einiges Szenen von Brunetti, die für mich herausgestochen sind. Aber es sind andere. Da ist das Gedächtnis wohl sehr individuell. Und richtet sich danach, was man persönlich in dem Moment als sehr einprägsam empfunden hat.

Den Inhalt eines Buches kann ich mir auch nur sehr bedingt merken. Es sind auch bei mir eher die Empfindungen und Stimmungen, die ich heraufbeschwören kann. Aber wie alles im Einzelnen war, kann ich eher nicht so wiedergeben.

Mir fällt auf, dass ich mich besonders gut an gemächliche Erzählungen erinnern kann. Englische Klassiker z. B.. Oder aber Bücher von Leon de Winter, Ian McEwan, Patricia Highsmith. Einfach weil sie nicht nur die Geschichte voran treiben wollen, sondern eine Szene durchleuchten.

Ansonsten kann ich mir auch schon mal ganz gut einen Thriller merken. Aber nur die, die für mich herausstechend waren. Also BESONDERS spannend. So z. B. bei „Die Chemie des Todes“ (Das Buch hatte ich im neuen Forum noch gar nicht erwähnt – dann wird es ja jetzt Zeit! *g*) oder „Höhenangst“ von Nicci French. Auch Patrick Redmonds „Das Wunschspiel“ ist mir noch relativ (im Vergleich zu anderen Büchern!) gut im Gedächtnis, obwohl das wirklich schon lange her ist (ca. 8 Jahre schätze ich).

Viel erschreckender als dass ich vergesse was in einem Buch passiert ist, finde ich allerdings oft, dass ich manchmal nicht mehr weiß was ich vor 5 Minuten getan habe! ;-)) (Dagegen ist mein Buch-Gedächtnis noch fast gut! *ggg*)

Und da es so schön passt: Ich habe mal von einer lieben Freundin (hier aus dem Forum) einen kleinen Aufstell-Kalender bekommen, auf dem schöne Zitate gedruckt sind. Für heute steht da: „Glück, das sind eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis.“ (Ingrid Bergmann) ;-)

Liebe Grüße,
Petra

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Re: Erinnerungen an Bücher

Beitragvon Christine » Fr 11. Apr 2008, 09:35

Huhu zusammen,

Petra, ich gebe dir Recht, dass jedes Gedächtnis anders funktioniert und man sich aus Bücher die Sachen merkt, die einem selbst bedeutungsvoll erscheinen, ob besonders angenehm oder unangenehm. Da hat jeder seine eigenen "Merkmuster".

Schön finde ich Heikes Idee, dass man eigentlich nur etwa 500 Bücher braucht, die man dann immer wieder liest, also vielleict jedes Buch so alle 10-15 Jahre einmal. Was könnte man da sparen :lol: . Heike, testest du das mal für uns, ob das funktioniert :) ?

In dieser Woche passierte mir übrigens eine nette Geschichte: Ich fahre ja beinahe jeden Morgen mit dem gleichen Zug und da trifft man natürlich auch immer die gleichen Leute. In dieser Woche sagte eine Frau zu mir, die die gleiche Strecke fährt und auch immer liest: "Heute kann ich nicht reden, ich habe so ein spannendes Buch, da muss ich unbedingt weiter lesen. Das müssen Sie auch unbedingt mal lesen." Ich fragte natürlich nach und sie zeigte es mir. Es war "Die Chemie des Todes". Ich fühle mich verfolgt! :lol:

Liebe Grüße,
Christine
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Re: Erinnerungen an Bücher

Beitragvon Petra » Fr 11. Apr 2008, 10:00

Liebe Christine,

In dieser Woche passierte mir übrigens eine nette Geschichte: Ich fahre ja beinahe jeden Morgen mit dem gleichen Zug und da trifft man natürlich auch immer die gleichen Leute. In dieser Woche sagte eine Frau zu mir, die die gleiche Strecke fährt und auch immer liest: "Heute kann ich nicht reden, ich habe so ein spannendes Buch, da muss ich unbedingt weiter lesen. Das müssen Sie auch unbedingt mal lesen." Ich fragte natürlich nach und sie zeigte es mir. Es war "Die Chemie des Todes". Ich fühle mich verfolgt! :lol:


ach echt?? Hat die Frau doch tatsächlich meinen Auftrag ausgeführt, Dir zu unterbreiten, dass „Die Chemie des Todes“ ein unsagbar spannendes Buch ist?? *ggg*

Nein im Ernst: Das ist ja zum Kugeln! Musstest Du nicht lachen, als Du den Titel hörtest?! *ggg*

Unbekannter Weise meine herzlichsten Grüße an die Frau, ja?! Ich kann sie ja so gut verstehen! Und finde sie auf Anhieb (blind) sehr sympathisch! ;-)

Liebe Grüße,
Petra

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Re: Erinnerungen an Bücher

Beitragvon Britti » Fr 11. Apr 2008, 15:44

Hallo zusammen.

Mensch da bin ich ja echt beruhigt das es euch auch so geht wie mir. Bin ich also kein hoffnungsloser Einzelfall :D

Mir geht es nämlich ähnlich. Ich erinnere mich auch eher an die Stimmungen die besonders gut rüber gekommen sind oder eher nicht so. Ob ich noch jeden Mörder wieder wüsste glaube ich eher nicht.

So wie Barbara schon schrieb. Wenn die Bücher "abgearbeitet" wurden in gemeinsamen Leserunden oder ich eine Rezi dazu geschrieben habe o.ä. dann gehts, aber sonst *hüstel*
Bei Filmen und ich denke auch Hörbüchern ist es eher anders. Bei Filmen sind es die Bilder die im Kopf bleiben.Ich bin eh so ein visueller Typ. Ich kann mir gut merken was ich sehe. Ich brauche immer Bildchen. Vielleicht liegt es daran.

@Christine: Die Geschichte mit der Chemie des Todes ist ja köstlich :lol:
Das Buch verfolgt dich aber echt. Vielleicht solltest du es doch mal lesen ;)
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Re: Erinnerungen an Bücher

Beitragvon Barbara » Fr 11. Apr 2008, 19:49

Liebe Britti,

Britti hat geschrieben:Bei Filmen sind es die Bilder die im Kopf bleiben.Ich bin eh so ein visueller Typ. Ich kann mir gut merken was ich sehe. Ich brauche immer Bildchen. Vielleicht liegt es daran.


Das geht mir auch so. Bilder kann ich mir auch sehr viel besser merken, da auch ich eine visueller Mensch bin. Das bemerke ich immer wieder daran, dass ich kaum ein Gesicht vergesse oder aber auch an meinen, wie ich denke, prima Orientierungssinn liegt, der auch über das Einprägen von Umgebungsbildern oder besonderen Gebäuden läuft.

Das würde aber bedeuten, dass unsere Phantasie nicht so eingängige Bilder während des Lesens hervorrufen kann. Vielleicht kann man das ja trainieren. :(
:lesen_und_nachdenken:
Liebe Grüße
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Re: Erinnerungen an Bücher

Beitragvon Martina » Sa 12. Apr 2008, 12:59

Ich bin eigentlich auch ein visueller Typ, aber mir Filme zu merken, fällt mir noch schwerer, als mir Bücher zu merken.

Wenn ich ein Buch ein zweites Mal lese, merke ich, dass ich es bereits kenne. Aber wer der Mörder war o.ä. weiss ich trotzdem oft nicht mehr. Stimmungen kann ich mir da auch besser merken. Manchmal merke ich mir aber auch die Bilder, die ich mir beim Lesen so vorgestellt habe. Bei erneutem Lesen, was mittlerweile aber sehr selten vorkommt, merke ich dann, dass ich mir jetzt etwas gänzlich anderes vorstelle.

Je mehr Bücher ich in kurzer Zeit lese, z.B. im Urlaub, desto weniger behalte ich. Ich bin dann oft ganz erschrocken, wenn Ihr Euch über ein Buch unterhaltet, wie wenig ich noch davon weiss. Ich freue mich dann immer, wenn ich höre, dass es Euch doch auch oftmals genauso geht. :twisted:

@Christine: Da würde ich mich aber auch verfolgt fühlen. *g* Dieses Buch erinnert mich so sehr, an mein erstes Treffen mit Euch. Weder das Treffen noch dieses Buch werde ich jemals vergessen. :P
Liebe Grüße
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Re: Erinnerungen an Bücher

Beitragvon Turni » So 13. Apr 2008, 20:29

Interessantes Thema!
Manche Bücher bleiben lebhaft im Gedächtnis, andere verblassen. Warum? Keine Ahnung! Das sind wohl die mittelprächtigen.
Die guten Bücher merke ich mir und die miesen! Wobei ich bei keinem noch alles weiß! Erst wenn ich ein Buch nochmal in die Hand nehme und ein oder zwei Seiten anlese, fällt mir alles wieder ein!

Gruß Turni
Ending a novel is almost like putting a child to sleep—it can't be done abruptly.

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