Mir fällt das Weggeben oder "Ausmisten" sehr schwer - nicht nur bei Büchern, auch bei anderen Dingen. Ich denke mir immer: Du magst vielleicht jetzt gerade keine Verwendung dafür haben oder nicht in Stimmung für das eine oder andere Literaturgenre oder einen bestimmten Autor sein, aber irgendwann... Und natürlich kam für manche Bücher oder Autoren oder Pullover (oder oder oder... ) das "Irgendwann" niemals (bisher), aber für vieles eben doch. Und aus früherer Erfahrung, daß ich irgendetwas entsorgt oder weggegeben habe und dann Monate später natürlich ausgerechnet das gut gebrauchen konnte, bin ich inzwischen überaus zögerlich damit, mich von Dingen zu trennen. Die müssen dann ihren Zweck absolut nicht mehr erfüllen können -also kaputt sein- oder, im Falle von Büchern, einem Autoren oder einer Literaturrichtung entstammen, dem ich keine dritte Chance mehr gebe (und ja, eine zweite Chance gebe ich dann doch meist, eine schlechte Arbeit kann bei allem und jedem schließlich mal vorkommen).
Was nun Bücher im Speziellen angeht, so habe ich gerade in den letzten paar Jahren oft festgestellt, daß ich mich für einen Autor oder ein Buch erst beim zweiten oder dritten Versuch erwärmen kann. Manche Titel lagen bei mir jahrelang un- oder nur angelesen im Regal (oder inzwischen auf dem Festplatten-SUB), bevor 1. richtiger Zeitpunkt mit 2. persönlicher Laune und seinerzeitigem Interesse und 3. den passenden äußeren Umständen zusammenkamen, um genau dieses Buch lesen und angemessen genießen zu können. Wenn ich daran denke, welche schönen Leseerlebnisse mir da entgangen wären, wenn ich nicht manchmal den Luxus gehabt hätte, aus einer augenblicklichen Eingebung heraus oder einfach nur beim Vorbeigehen an meinem Regal auf das ganz genau richtige Buch zu stoßen und sofort beginnen zu können es zu lesen....
Für mich funktioniert meine Art der Handhabung, besonders da mein Platzproblem zumindest bei Büchern dank der Entwicklungen im Ebook-Bereich praktisch behoben ist. Die waren für mich eine nahezu perfekte Lösung. Und für Sachbücher, besondere Lieblinge und Fachbücher (gerade aus dem Kunstgeschichts-Bereich) findet sich dadurch sogar immer noch ein Platz im Regal.

). Aber ich fürchte, ich persönlich habe es mit dem horten eine Zeit lang übertrieben, was bestimmt auch an den ganzen Rezensionsexemplaren lag, die ich über Jahre bekam. Ein Buch für das man sich ganz bewusst entscheidet, und Geld ausgegeben hat, ist etwas anderes. Meistens sind das auch die Bücher, an denen ich das Interesse nicht so häufig verliere. Aber auch da gab es Zeiten wo ich einfach zu viel gekauft habe. Bücher, die gut klingen, aber wo mir die letzte Überzeugung für fehlt, um sie dann wirklich zu lesen (das ehrliche Eingeständnis kam dann aber erst nach dem Kaufen). Das hast Du so vermutlich gar nicht erst gemacht. Davon habe ich mich dann getrennt, und von den Büchern habe ich auch im Anschluss noch kein eines vermisst. Und da ich diese Angst aber auch im Vorfeld hatte, dass ich vielleicht doch eines von ihnen irgendwann noch mal lesen möchte, habe ich mir gesagt: dann habe ich Pech gehabt, und kaufe es mir lieber noch mal neu, und nehme den kleinen finanziellen Verlust hin, habe aber für die anderen Bücher mehr Platz. Und vor allem auch wieder innere Ruhe, weil ich mich nicht mehr von den Massen erdrückt fühle. Das hatte mich irgendwann echt belastet. Aber das geht auch jedem anders. Solange die Dinge Freude und nicht Fluch sind, ist alles gut, finde ich. 

Gott sei Dank komme ich da aber nicht so oft hin.

