Hallo zusammen,
nun habe ich die ersten 70 Seiten von
Olga Tokarczuks „Der Gesang der Fledermäuse“ gelesen. Am Anfang wird der tote Nachbar von Janine (sie hasst diesen Namen, überhaupt Namen, die achtlos vergeben werden, obwohl man den Menschen noch gar nicht kennt, wenn er gerade erst geboren wurde) gefunden. Matoga, ein weiterer Nachbar, hat ihn leblos aufgefunden. Das meiste der Handlung spielt sich im Kopf von Janine ab, da sie, Matoga und der nun verstorbene Nachbar im Winter die einzigen Bewohner dort am Hochplateau sind. Viel Geselligkeit findet also nicht statt. Die anderen Bewohner halten sich im Winter in der Stadt auf. Janine passt derweil auf deren Häuser auf, und verrichtet nötige Arbeiten daran. Somit ist der Leser allein mit Janine und ihren verschrobenen Gedanken, die einen ganze eigenen Blick auf die Welt freisetzen. In Janines Gedankenwelt spielt die Astrologie eine große Rolle. Ihre Rückschlüsse sind somit gewiss nicht immer auch die des Lesers. Das Ergebnis (z. B. im Urteil über einen Menschen) ist zwar meist gleich, aber der Weg dahin ein anderer. Interessant, diese Figur zu begleiten. Weil sie so ganz anders ist, und anders denkt.
Das, und die abgelegene Atmosphäre der Siedlung im Glatzer Kessel machen derzeit das Buch aus. Ich lese es sehr gern. Bewege mich neugierig in der Winterwelt hoch oben auf dem Plateau, sowie in der gedanklichen Welt der verschrobenen betagten Janine.
@Doris @Maria: Es freut mich, dass Ihr Euch für meine Eindrücke zu „Der Gesang der Fledermäuse“ interessiert. Ich werde auch weiterhin berichten.
@Maria: Du wühlst in einer ganz frischen Wunde. Gestern machte Rachel ja auf die wunderschönen Sonderausgaben von Mario Vargas Llosa aufmerksam. Und wie ich gestern sagte, würde mich „Tod in den Anden“ auf Anhieb am meisten von diesen Sonderausgaben reizen. Nachdem was Du über das Buch hier berichtest, kann ich kaum noch widerstehen. Das ist gemein!

Bitte berichte weiter. Ich bin ausgesprochen neugierig auf Deine Eindrücke. Und die Textstelle, die Du hier zitierst, gefällt mir ausnehmend gut. Auch im Zusammenhang mit der Auflösung des Menschen in der Natur. Dem kann ich was abgewinnen.