Hallo zusammen,
bevor ich zu Eurem interessanten Lesestoff komme, hier erst mal meine
Rezension zu
Gerbrand Bakkers "Oben ist es still". Das Jahr ist noch so jung, und schon durfte ich volle Punktzahl vergeben. Ein so leises Buch, das gerade deshalb so eindringlich ist. Und eine Figur, die ich nicht vergessen werde. Helmer, der Bauer wider Willen, der aufbegehrt gegen seinen Vater und sein Leben. In seinen kleinen Grenzen. Das ist so ergreifend. Helmers karges Leben ist hier in eine karge und doch so wunderschöne Sprache gefasst, dass ich das einfach nur bewundern kann. Ein ganz stilles und doch so intensives Leseerlebnis. Ich bin begeistert!
Zum Ausgleich habe ich nun wieder zu einem schottischen Thriller gegriffen. Ich war eh zu neugierig auf
Peter Mays "Blackhouse", der soeben erschienen ist. Als ich anfing, war ich mir nicht sicher, ob diese Geschichte nicht zu sehr Tana Frenchs "Sterbenskalt" gleicht, als dass ich ihn so kurz nach "Sterbenskalt" lesen möchte. Denn auch hier kehrt jemand (Fin) unfreiwillig wegen Ermittlungsarbeiten in seine Heimat (Isle of Lewis) zurück und wird dort mit seiner Kindheit konfrontriert. Auch Fin wollte nie zurückkehren. Die Gründe dafür kenne ich noch nicht, außer dass sein Heimatort keine Zukunft bot und er sicher den dort starken religiösen Zwängen entfliehen wollte. Aber mehr weiß ich noch nicht dazu. Doch er hat das Angebot angenommen, da er so aus seinem häuslichen Umfeld entfliehen konnte, wo gerade seine Ehe die Basis verloren hat, da das gemeinsame Kind gestorben ist.
Meine Zweifel, ob ich jetzt kurz hintereinander zwei so ähnlich klingende Geschichten lesen will/kann, haben sich bisher zum Glück nicht bestätigt. Das reinlesen hat mich immer mehr hineingezogen in das Geschehen, so dass ich mich da nun auch nicht mehr würde lösen wollen.
Auch hier gibt es zwei Erzählstränge: Einen in der Jetzt-Zeit, einen in der Vergangenheit, also Fins Kindheit. Eine zweite Befürchtung war, dass die Kindheitserinnerungen mich nicht so fesseln würden. Denn aus einer der ersten beiden Kundenrezensionen bei Amazon klang heraus, dass dieser Erzählstrang ein bisschen das Tempo heraus nehme und ein bisschen weniger der Erinnerungen besser gewesen wäre, obwohl sie schon auch für den Krimi wichtig seien. Doch bisher haben sich meine Befürchtungen auch hier nicht bestätigt. Ich fand die ersten Szenen aus Fins Kindheit genauso ansprechend und fesselnd, wie die in der Jetzt-Zeit. Und wenn das so bleibt, dann wird mir das vielleicht besser gefallen als dem Rezensenten, da ich ein Krimi mit viel Beiwerk - wenn es denn gut gemacht ist und der Geschichte dient - eigentlich oft lieber mag, als einen zu strikten Thriller, der nach Schema F geschrieben ist. Diese Versatzstücke, aus denen solche Thriller manchmal gemacht sind, langweilen mich dann eher.
Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt. Bisher bin ich jedenfalls so richtig mitten drin und freue mich schon sehr aufs weiterlesen - in beiden Strängen!
Und das Hörbuch zu dem Thriller habe ich auch bereits auf meinem iPod und kurz reingehört. Schade sicher in dem Fall, dass es gekürzt ist (von 460 Seiten sind 5 CDs übrig geblieben). Aber zum später die Geschichte noch mal erleben bestimmt genau richtig. Denn der Sprecher (David Nathan) hat mich auch direkt in die Geschichte reingezogen.
Ich werde weiter über mein Leseerlebnis berichten!
@Maria: Ich glaube mir geht es mit Annie Proulx ähnlich. Ich habe wohl auch Angst, dass ein weiterer Roman von ihr so gar nicht mit ihren "Schiffsmeldungen" mithalten kann. Denn dieses Buch ist mir unvergessen. Ich lasse mich hier aber gerade sehr gern von Dir ermutigen! Vielen Dank auch für die Zitate. Ich habe auch den Anfang in der Leseprobe bei buecher.de nachgelesen. Doch, das klingt ganz nach einem weiteren tollen Buch von dieser ungewöhnlichen Autorin. Berichte bitte auch unbedingt abschließen, wie es Dir gefallen hat, ja? Auch im Vergleich zu "Schiffsmeldungen". Das interessiert mich sehr!
@Didonia: Da Dir der Film zu "Schiffsmeldungen" gut gefallen hat, wird Dir das Buch inhaltlich vermutlich auch liegen. Denn der Film ist erfreulicher Weise nahe an der Vorlage. Und auch die Stimmungen sind darin sehr schön eingefangen. Und um der Atmosphäre Willen schon lohnt das Buch. Einzig ist es ein Buch, für das man Zeit braucht. Denn die Geschichte ist langsam und eigenwillig erzählt. Spröde - was aber die Figur des Quoyle absolut passend in Szene setzt. Und überhaupt: auch die spröde Landschaft. Da muss man sich drauf einlassen. Aber ich finde es lohnt - sehr sogar! Schön, dass Du durch unsere Unterhaltung nun auch auf das Buch neugierig geworden bist! Für mich eines der wenigen wirklich unvergesslichen Leseerlebnisse, die man im Leben hat.
@Silke: Oh wie schön, Du liest "Winter in Maine". Ebenfalls ein Buch, das mich nie ganz loslassen wird. Es ist für mich ein ganz besonderes Buch. Und schon zu Anfang bekommt man eine Vorstellung davon, wie eindringlich es ist. Denn diese Szene mit dem Hund, trifft Julius Winsome ebenso ins Herz, wie den Leser. Am Ende des Buches konnte ich mich lange Zeit nicht von Julius Winsome lösen. So sehr hat er mich berührt.
@Doris: Oh, Du liest "Tom Sawyer". Mark Twain ist wirklich ein so toller Erzähler, dass es immer wieder eine große Freude ist! Und Figuren wie Tom Sawyer wiederzubegegnen, ist ebenfalls eine große Freude. Weiterhin viel Vergnügen mit dem Buch, liebe Doris! (Deine Januar-Liste hast Du somit dann ja schon abgearbeitet!

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