Hallo zusammen,
Inzwischen habe ich
Christian Jungersens „Ausnahme“ beendet und meine Eindrück in einer
Rezension zusammengefasst. Ein wirklich interessantes Buch, das viele Gedanken darüber anstößt, wie es zu Völkermorden, wie es zu Mobbing kommen kann. Und was das eine mit dem anderen gemeinsam hat. Soziologisch und psychologisch hochinteressant. Auch der Thriller-Anteil in dem Buch ist spannend zu verfolgen. Zum Schluss hin hat Jungersen eine so bedrohliche Situation aufgebaut, dass ich kurzzeitig Angstzustände bekam. Aber nicht reißerisch – sondern gerade weil es so real geschildert war, ging es mir so nahe. Eine wirklich tolle Empfehlung, die ich da von unserer unsichtbaren Anja bekommen habe!
Als nächstes lockte mich eigentlich nun die Autobiografie von Marcel Reich-Ranicki sehr. „Ausnahme“ wirft man jedoch in einigen Rezensionen vor, dass es durchweg prosafrei sei, was auch stimmt (aber ich sehe das als positiv an, da die nüchterne Schreibweise den Themen sehr entgegen kommt – sie haben dadurch eine direktere Wirkung). So wollte ich erst mal etwas weniger sachlich geschriebenes lesen.
Und da ich Britti so neugierig auf
„Schwarzer Sommer“ von Camilla Way gemacht hatte (ich hatte mir das Buch selbst vor einiger Zeit gekauft, weil in einer Buchhandlung so sehr davon geschwärmt wurde, dass ich sehr neugierig wurde), und sie kürzlich so begeistert davon war, habe ich mir das jetzt gegriffen. Es ist ausgesprochen kurzweilig und lebensnah aber dicht erzählt. Ich wurde direkt reingezogen in die Geschichte von Anita, einem pakistanischen Teeny. Anita führt ein von ihrer Familie unbemerktes Leben, seit die Mutter gestorben ist. Der Vater wird von seinem Kummer verzehrt und die Geschwister führen ihr eigenes Leben. Der Londoner Vorort, wo sie kürzlich hingezogen sind, wird zum Ausgangspunkt für eine Freundschaft zwischen Anita und einem Jungen von gegenüber, dessen kleine Schwester vor einiger Zeit spurlos verschwunden ist. Er trägt die gleichen Wunden des Verlusts und des Außenseiterdaseins, wie Anita. Gemeinsam, mit noch einem anderen Jungen, streifen sie in den Schulferien in einem heißen Sommer durch die Gegend. Und, das wird am Anfang bereits klar, steuern auf eine Tragödie zu.
Bisher wirklich klasse geschildert. Ich bin mitten drin und freue mich schon sehr aufs weiterlesen. Dankeschön also für den zurückgegebenen Tipp, liebe Britti!

Tja, und da schaut man ein, zwei Tage nicht ins Forum (Arbeit und meine neue Küche rief *g*), und schon haben sich hier wieder so viele interessante Lese-Eindrücke gesammelt. Da will ich doch mal:
@DorisV: Wie schade, dass es das Buch von Greg Lawrence nicht auf Deutsch gibt. Hoffentlich wird es noch übersetzt. Das klingt nämlich ganz fantastisch! Und Deine Begeisterung verstärkt mein Interesse noch. Jackie Kennedy Onassis als Verlegerin – das stelle ich mir sehr reizvoll vor. Eben auch, weil man auf Bekannte (Autoren, Verleger etc.) stößt. Und wie sympathisch, dass sie ihren Namen größtenteils in den Veröffentlichungen herausgehalten hat, um den Autoren und ihren Büchern die volle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Eine interessante Frau, die auf mich sehr stark wirkt.
@Barbara: Wie schön, dass "Zwei Buchhändlerinnen in New York" so interessant und nett ist. Und wie ich sehe, gibt es noch sehr viele hier im Forum, die (außer mir) das Buch noch vor sich haben. So auch DorisV. Du machst auf jeden Fall große Lust auf das Buch. Diese kleine bezaubernde Welt, in die das Buch hineinversetzt, ist für Buchliebhaber ganz gewiss eine
Reise wert. Richtig auch, dass sicher viele von uns schon mal davon geträumt haben, selbst eine Buchhandlung zu führen. In solch ein Leben mal hineinzuschnuppern, ist eine schöne Vorstellung – wie schön, dass das Buch uns die Möglichkeit dazu gibt.
"Deine Juliet" von Mary Ann Schaffer habe ich auch noch auf meinem SUB. Es soll ja sehr schön sein. Und ich hoffe, dass Du weiter berichtest!
Auf einem Vergleich bei Franzen („Die Korrekturen“ / „Freiheit“) bin ich auch sehr gespannt, wenn ich „Freiheit“ mal gelesen habe. Ich werde es auf jeden Fall hier posten.
@Maria: Ich bin Dir dankbar für Deine Ausführungen zu „November“ von Gustave Flaubert. Denn ich werde es wahrscheinlich nie lesen (es gibt einfach zu viele Bücher), und lerne so wieder eine Kleinigkeit dazu. Und verständlich, dass Du es trotz (ein bisschen zuviel) des Pathos lesen willst, wenn es solch eine wichtige Stellung in seinem Gesamtwerk einnimmt.
Doris: Was wieder für aufregende Bücher! Bei "Die Spur des Bienenfressers" bitte ich wieder um ausführlichen Bericht! Ihr hattet mich da schon vor einiger Zeit drauf neugierig gemacht. Jetzt liest Du es. Wie schön. Ich bin sehr gespannt was Du sagst, denn es klingt sehr vielversprechend!
Für Deinen abschließenden Bericht über „Jacob beschließt zu lieben“ bin ich sehr dankbar. Er ist Dir außerordentlich gut gelungen! Und macht große Lust auf das Buch. Es freut mich auch zu hören, dass der Autor auf jegliche Gefühlsduselei verzichtet hat – das ist ganz nach meinem Geschmack. Denn in meinen Augen gehen solche Geschichten dann besonders nahe, weil sie von alleine wirken – ohne Nachhilfe. Hier scheint das auch zu funktionieren. Danke – das Buch steht bei mir hoch im Kurs! Und ich kann mir richtig vorstellen, wie Du in Deinem Sessel aufgeschreckt bist, und laut dachtest: „Nein,… das gibt es doch nicht!“ Wenn einen ein Buch so aufbringen kann, dann ist es ein gutes Buch.
@Didonia: Liebe Didonia, gute Reise und viel Vergnügen! Und anschließend bin ich sehr gespannt auf Deine Rezension (falls Du sie angehst) über Pawel Kortschagin. Das kann ich mir gut vorstellen, dass das heutige Lesen ein ganz anderes ist. Manche Bücher sollte man als Erwachsener doch ein zweites Mal lesen… mir ging das mit Wolfang Borcherts Kurzgeschichten so. Die Schullektüre war so steif. Man hatte dies oder jenes herauszulesen. Das noch mal völlig frei auf sich wirken zu lassen, war etwas ganz anderes. Zumal in einem reiferen Alter.
@Jana: Den Film zu „Der Vorleser“ habe ich auch noch zu Hause. Ich las damals das Buch, aber muss ehrlich sagen, dass ich schon viele Bücher gelesen habe, die mir mehr zu sagen hatten. Es enthält viele Themen – auch vor allem wichtige. Aber es hat mich nicht so ganz überzeugen können. Vielleicht auch, weil ich mir sehr viel davon versprochen hatte, da es ja sehr viel Lob bekommen hat und als enorm wichtig angesehen wird. Mal sehen, wie der Film auf mich wirkt.