Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Mi 2. Mär 2011, 11:04

Hallo zusammen,

ihr lest ja alle sehr interessante Sachen.

steffi hat geschrieben: Ich habe am Samstag Ein Mord den jeder begeht beendet. Schwierig, das Buch zu beschreiben, es ist nicht im eigentlichen Sinne in Krimi obwohl gerade dieser Teil doch sehr spannend ist. Ein Entwicklungsroman ist es auf jeden Fall, Doderer zeigt wieder einmal eine "Menschwerdung". Ja, ich bin sehr beeindruckt von dem Buch, die Atmosphäre und die Personenbeschreibungen haben mich manchmal richtig atemlos zurückgelassen. Also, wer sich mal an Doderer wagen will, das ist das richtige Buch !


uih, ich seh schon, das Buch muß ich mir auch noch besorgen. Aber erst nach den "Wasserfällen von Slunj", das bei mir noch subt .

Ich lese ein Buch das ich mir aus der Bücherei ausgeliehen habe:

Per Petterson: Pferde stehlen.
soviel kann ich bereits sagen, dass mir der leise Stil sehr gut gefällt.

Außerdem noch eine Wiederholungstat, nämlich:

Goethe: Die Leiden des jungen Werther
Goethe schildert die Gefühlswelt eines jungen Mannes, konzipiert als Briefroman. Es ist schon lange her, als ich die Geschichte las und stelle fest, dass sie mir immer noch gefällt.

Gruß,
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Mi 2. Mär 2011, 11:24

Liebe Didonia,

ich habe Deine Rezi auch eben entdeckt, als ich meine neuste eingestellt habe. Und ich finde überhaupt nicht, dass sie Dir misslungen wäre oder "keine richtige Rezension" ist. Denn es steht genau drin, was ich mir davon erwarte: Deine Eindrücke und Deine Gedanken zu dem Buch. Und im besten Fall machen sie auf das Buch neugierig. In diesem Fall ist es Dir gelungen, zumindest soweit es für mich gilt! :-)

Und die Fragen, die sich Dir beim lesen gestellt haben, finde ich auch sehr nachvollziehbar. Und auch sicher gut, dass Du sie nicht selbst beantwortest. Denn DIE Antwort gibt es vielleicht nicht. Fragen können da manchmal mehr anstoßen.

Ich bin auf die Suche gegangen und habe einen sehr interessanten Artikel bei :arrow: DeutschlandRadio Berlin über das Buch gefunden. Es macht mir den Eindruck, dass "Wie der Stahl gehärtet wurde" durchaus für die Ideologie benutzt wurde. Es war Pflichtlektüre in den Schulen der DDR. Und Nikolai Ostrowski verstand laut Artikel seinen Roman als eine Art Parteiarbeit. Ebenso hat er seine autobiografische Geschichte wohl anschließend gefärbt, um ein heldenhafteres Bild abzugeben, im Sinne des Kommunismus. Und auch die biografischen Details, die man übers Internet über den Autor herausfinden kann, zeigen ihn mir als Menschen, der aus Überzeugung kämpfte. Somit wurde er vielleicht (weiß man aber natürlich auch nicht) nicht vom Staat bezahlt. Aber fanatischisch ist das sicher trotzdem. Und vor allem bedenklich, dass man diese Heldengeschichte zur Pflichtlektüre in den Schulen machte.

Soweit meine Gedanken und Eindrücke dazu. Du hast da ein sehr interessantes Buche (wieder)gelesen! Danke fürs hier mitteilen und die, aus meiner Sicht, sehr interessante und gelungene Rezension! :-)
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Barbara » Mi 2. Mär 2011, 13:46

Liebe Didonia,

schön, dass Du wieder da bist. Da bin ich gespannt, was Du in Deiner Kiste so alles mitbringst/mitgebracht hast. Ich hoffe, es sind nicht zu viel Verführer, da ich bis jetz tnoch ganz tapfer SUB-Abbau betreibe und nichts kaufe!
:lesen_und_nachdenken:
Liebe Grüße
Barbara
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Barbara » Mi 2. Mär 2011, 14:03

Liebe SilkeS,

ich habe gestern Ich weiß du bist da beendet. Beim Schluss bin ich gespalten.
Einerseits finde ich ihn logisch, passend und der Entwicklung angemessen.
Andererseits bin ich enttäuscht. Dieses Enttäuschtsein hat aber mit mir und meinen selbst aufgebauten Erwartungen zu tun und weniger mit dem Buch und dem Verlauf der Geschichte selbst.

Ungefähr zur Hälfte des Buches baute sich bei mir meine Erwartungshaltung auf, die in eine ganz andere Richtung ging als die Autorin für den Fortgang der Geschichte vorgesehen hat. Ich wollte einen Thriller ähnlichen Verlauf. Die Autoren wollte ein psychologisches Buch, welches die inneren Kämpfe/Sorgen/Ängste und Zweifel während der Verarbeitung eines so harten und plötzlichen Verlustes – bei dem noch hinzukommt, dass der Tote nicht real zu beerdigen ist, aufzeigt und nachvollzieht. Da ich von Hause aus ein sehr phantasievoller Mensch bin und daher auch „meine Geschichten“ gedanklich weiterspinne, fällt es mir oft schwer, mich auf die Phantasien des Autors einzulassen. Es dauerte bis zum dritten Teil „Auferstehung“, bis ich mich schweren Herzen von „meiner Phantasie/Erwartung“ verabschiedet habe und mich auf die Autorin und ihre Gedanken eingelassen habe. Bis zum Teil vier haderte ich noch mit ihr und ließ mich schließlich vollends auf ihren psychologischen Weg ein. Nachdem ich meinen Frieden damit gemacht habe, konnte ich auch den Schluss so annehmen, wie er vorgesehen war. Auch wenn er mir doch zu offensichtlich und zu logisch folgend war. Außerdem war es auch nach den ersten Seiten mein Eindruck, dass es so kommen wird. Und aufgrund des Klappentextes habe ich mich verleiten lassen, anderes zu denken und zu erwarten.
Ich muss sagen, der Klappentext bezüglich der Ankündigung des Inhalts und dessen Verlauf war völlig irreführend und wieder einmal ein klassisches Beispiel für viel zu reißerisch.
:lesen_und_nachdenken:
Liebe Grüße
Barbara
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Barbara » Mi 2. Mär 2011, 14:11

Hallo ihr Lieben,

nachdem ich gestern "Bibliomania" gelesen habe, bin ich nun auf der Suche nach neuen Verlockungen aus meinem SUB.

Eventuell schließe ich Maria an und lese den Werther. Seit dem Film Goethe habe ich ihn hier stehen und, da ich Werther nicht in der Schule gelesen habe (Wir haben Shakespeare gelesen.), wusste ich, dass ich das Buch sowieso lesen wollte.
Mal sehen, was es letztlich werden wird.
:lesen_und_nachdenken:
Liebe Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon SilkeS. » Mi 2. Mär 2011, 15:59

Barbara hat geschrieben:Liebe SilkeS,

ich habe gestern Ich weiß du bist da beendet. Beim Schluss bin ich gespalten.
Einerseits finde ich ihn logisch, passend und der Entwicklung angemessen.
Andererseits bin ich enttäuscht. Dieses Enttäuschtsein hat aber mit mir und meinen selbst aufgebauten Erwartungen zu tun und weniger mit dem Buch und dem Verlauf der Geschichte selbst.

Ungefähr zur Hälfte des Buches baute sich bei mir meine Erwartungshaltung auf, die in eine ganz andere Richtung ging als die Autorin für den Fortgang der Geschichte vorgesehen hat. Ich wollte einen Thriller ähnlichen Verlauf. Die Autoren wollte ein psychologisches Buch, welches die inneren Kämpfe/Sorgen/Ängste und Zweifel während der Verarbeitung eines so harten und plötzlichen Verlustes – bei dem noch hinzukommt, dass der Tote nicht real zu beerdigen ist, aufzeigt und nachvollzieht. Da ich von Hause aus ein sehr phantasievoller Mensch bin und daher auch „meine Geschichten“ gedanklich weiterspinne, fällt es mir oft schwer, mich auf die Phantasien des Autors einzulassen. Es dauerte bis zum dritten Teil „Auferstehung“, bis ich mich schweren Herzen von „meiner Phantasie/Erwartung“ verabschiedet habe und mich auf die Autorin und ihre Gedanken eingelassen habe. Bis zum Teil vier haderte ich noch mit ihr und ließ mich schließlich vollends auf ihren psychologischen Weg ein. Nachdem ich meinen Frieden damit gemacht habe, konnte ich auch den Schluss so annehmen, wie er vorgesehen war. Auch wenn er mir doch zu offensichtlich und zu logisch folgend war. Außerdem war es auch nach den ersten Seiten mein Eindruck, dass es so kommen wird. Und aufgrund des Klappentextes habe ich mich verleiten lassen, anderes zu denken und zu erwarten.
Ich muss sagen, der Klappentext bezüglich der Ankündigung des Inhalts und dessen Verlauf war völlig irreführend und wieder einmal ein klassisches Beispiel für viel zu reißerisch.



Hallo Barbara!

Wie schön, daß nicht nur im am Ende etwas enttäuscht war.
Vorsicht Spoiler:
Wie geht das Buch denn nun letztendlich aus??? Lebt er oder hat sie sich das alles nur eingebildet und gehört damit glaube dann schon irgendwie in Behandlung. Ich mag solche offenen Enden nicht, wo jder sich sein Ende überlegen kann
Die Gefühle der Witwe sind super nachzuvollziehen, ihr Handeln, ihre Art damiit umzugehen, aber das Ende das hat mir nicht gefallen.

Gruß SilkeS.
SilkeS.
 
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Barbara » Mi 2. Mär 2011, 16:51

Liebe Silke,

da das Buch, wie ich herauszulesen meine, psychologisch angelegt ist und aufzeigen soll, wie Trauerarbeit geleistet werden kann, endet das Buch für mich ganz klar so:

SPOILER:
Davis ist tot und war es auch von Anfang an!!!
Erzählt wird, wie Sarah nach und nach verarbeitet, dass ihr Mann gestorben ist. Denn es ist ganz eindeutig, er ist tot. Zunächst, da es so abrupt ist, kann sie es nicht glauben und sieht logischer Weise David immer mal irgendwo. Das sind Trugbilder des Inneren, der Wunsch, den man tief in sich trägt.
Aufgrund der Tatsache, dass Davids Leiche nicht gefunden wurde, verstärken sich der Wunsch nach seinem Leben und der Glaube an sein noch vorhandenes Dasein. Auch dies ist verständlich. Es kommt wohl ganz häufig vor, dass Menschen einfach nicht glauben können und nicht loslassen können, bis sie den Toten leibhaftig sehen bzw. anfassen können. Wir Menschen glauben nur das, was wir sehen. Auch Sarah glaubt erst an den wirklichen Tod von David, als sie am Ende (S. 327) von seiner bereits stark verwesten Leiche berichtet bekommt.

Warum wir als Leser glauben, dass Davids noch lebt, ist nichts anderes als die Zwiesprache der Hinterlassen mit den Toten: Sarah unterhält sich sehr intensiv mit Davids und begibt sich bewusst an die Orte, an denen sie ihm besonders nahe sein kann: die Hütte, in der er seine letzten Stunden verbrachte. Und gerade in diesen sehr real zu seien scheinenden Szenen wird deutlich wie schwer es zu fallen scheint, loszulassen, einen Menschen ins Reich der Toten zu entlassen und sich mit dessen Tod abzufinden. Sarah kann sich noch nicht damit abfinden. Sie versucht es. Aber letztendlich kann sie es noch nicht.
Das Ende des Buches zeigt, die Bereitschaft Sarahs Davids Tod nun anzunehmen; verstärkt wird dies noch durch den Fund der Leiche. Nun nachdem sich Sarah nach und nach innerlich von David gelöst hat (Nate verkörpert übrigens für mich, die sporadischen Formen des Loslassens, gepaart mit der Wut auf den Toten, weil man alleingelassen wurde – daher auch seine extreme Ähnlichkeit. Zudem verkörpert Nate die Verherrlichung des toten im Nachhinein)), kann sie auch akzeptieren, dass er tot ist. Und als sie bereits ist, zu akzeptieren, wird auch die Leiche gefunden.

Wenn man das Buch so deutet, dann ist es klar, dass die Geschichte so enden muss und nur so enden kann! Dann ist das Ende aber auch vorab schon genauso vorhersehbar. Von der Dichte der Darstellung und der Bewusstmachung dieser Problematik, in der solche Menschen wie Sarah stecken, empfinde ich das Buch sehr gelungen. Es kann fast schon als Buch zur Lebenshilfe gesehen werden.


Ich hoffe, meine Deutung des Endes hilft Dir ein wenig weiter.
:lesen_und_nachdenken:
Liebe Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Mi 2. Mär 2011, 18:47

Liebe Petra,

vielen lieben Dank für Deinen Link. Gerade habe ich mir den Beitrag durchgelesen. Ja, der Ostrowski scheint schon ein Fanatiker gewesen zu sein.
Auch "Timur und sein Trupp" haben wir damals lesen müssen. Da kann ich auch eine kurze Rezi reinsetzen. "Der wahre Mensch" von Boris Polewoi habe ich auch gelesen. Da ging es um einen Flieger, der mitten in einem riesigen Wald abstürzte und dort tagelang im Schnee überlebte, ein oder beide Beine verlor und trotzdem wieder flog. Ja, es gab viele derartige Bücher und Filme ja auch.
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Britti » Mi 2. Mär 2011, 19:00

Hallo zusammen,

Ihr habt ja alle ein ordentliches Lesetempo drauf ;) und so viel interessante Literatur.

@Petra: Ich checke gleich mal dein posting zum schwarzen Sommer ;)

Nun hast du dir also die Biografie gegriffen. Das klingt ja schon interessant was du da berichtest. Das wird ganz bestimmt ein großes Leseerlebnis!
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Barbara » Mi 2. Mär 2011, 19:07

Liebe Petra,

ich kann mich Britti nur anschließen. Ich bin schon gespannt, was Du berichten wirst.
Auf jeden Fall, wie Britti bereits schrieb, ein großes Leseerlebnis.
:lesen_und_nachdenken:
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