Hallo zusammen,
ich habe nun "Herztier" von Herta Müller zu 3/4 gelesen und ihre Art zu schreiben macht mich platt, so beeindruckt sie mich.
Eine ungewöhnliche Prosa, man folgt nicht der Geschichte, sondern den Worten und den Stimmungen die hinter den Worten stecken. Soviel Aggressivität, jedoch versteckt in harmlosen Umschreibungen.
Zimmer die kein Zuhause sind, nennt die Erzählerin "das Viereck". Das Leben, die Ängste, die ein Gesicht prägen, nennt sie "die Gegend im Gesicht".
harmlos und bedrohlich zugleich dieser Satz:
Die Großmutter summt sich während all dieser Zeit ein Lied in den Kopf. (S. 40)
und wird nebenbei irre; man könnte sagen, sie summt sich eine Kugel in den Kopf. Solche Assoziationen kommen während des Lesens in einen hoch.
Das Leben im Rumänien der 80iger Jahren konnte man nur irre oder tod ertragen, das vermittelt dieses Buch. Eine unterschwellige Gewalt und selbst wenn die Gewalt ausbricht (Verhöre, Selbstmorde) findet die Autorin erschreckend lyrische Worte dafür. Unheimlich und so stark!
@Steffi,
deinen Eindrücken in der Rezi möchte ich zustimmen:
viewtopic.php?f=8&t=1347du zitierst:
Wenn der Richtige gehen müßte, könnten alle anderen im Land bleiben. (S. 69)
hinzufügen möchte ich noch diesen Satz:
Wie müßte man leben, dachte ich mir, um zu dem was man gerade denkt, zu passen. (S. 71)
Das Cover des Fischer Taschenbuchs (
Herztier) mit den abgebildeten Pflaumen in einer Schüssel passt ja sehr gut, denn die Aggressoren betitelt man mit dem Schimpfwort 'Pflaumenfresser'.
Viele Metaphern sind sehr einprägsam, wie z.B. der Maulbeerbaum, den ich mit 'Metamorphose' in Verbindung bringe.
Manche Sätze sind recht rätselhaft:
Aber ich sah sie Maulbeerbäume aus der Gegend hinaustragen; hinein ins Gesicht. (S. 41)
manche bringen es auf den traurigen Punkt:
In einer Diktatur kann es keine Städte geben, weil alles klein ist, wenn es bewacht wird.Das Buch ist für mich in diesen Jahr ein weiteres Highlight.
Gruß,
Maria