Hallo zusammen,
ich habe den Rankin gestern dann zu Ende gelesen, wie ich schon angekündigt hatte. Und eine
Rezension habe ich auch sofort geschrieben. Bei der Punktevergabe tendiere ich zwischen 6 und 7 Punkten. Kann sein, dass ich die Wertung (vorerst 7 Punkte) noch etwas nach unten abändere. Ich lasse das jetzt erst mal ein wenig auf mich wirken. 7 Punkte passt, weil es ein ganz netter, solider Krimi ist. Aber der Lesespaß tendiert eigentlich trotzdem mehr zu 6 Punkten. Ich will für mich noch abwägen, ob ich mit 6 zu wenig objektiv wäre.
Binchen, Deine ersten Eindrücke habe ich sehr interessiert eingesogen. Humor - ja, da sagst Du was! Auch das habe ich mich im Verlauf des Buchs mehrfach gefragt. Denn Rankin wird Humor bescheinigt. Man schreibt auch über diesen ersten Malcom Fox-Krimi, dass Rankin auch hier seinen Humor beweist, so dass Rebus-Fans auch diesbezüglich auf ihre Kosten kommen. Und ich fragte mich mehrfach:
Humor? So eine kleine Frotzelei zwischen Kollegen (die weniger humorvoll, als vielmehr typisch/klischeehaft männlich wirkt) kann doch nicht alles sein. Ich konnte diese Erwähnung von Rankins Humor wirklich nicht nachvollziehen. Auch die Spötteleien über Schottland, gelingen Stuart MacBride einfach viel besser! Aber vielleicht ist auch genau das der Punkt: Hat man den Vergleich, kommt Rankin dagegen vielleicht (zumindest bei einigen) nicht gut weg. (Oder auch Hill, der ja auch humorvoll schreibt - etwas, womit Du mich immer wieder sehr neugierig auf seine Krimi-Serie machst).
Binchen hat geschrieben:Oft Sarkasmus, klar - oder Ironie [...]da ist mir hier ein hallo 'Starbucks' für den Kollegen, der immer den Kaffee kochen muss entschieden zu wenig.
Das hast Du gut zum Ausdruck gebracht. Denn Sarkasmus und Ironie kann man Rankin bescheinigen. Aber ohne dass es witzig wäre. Gut, Humor ist natürlich Geschmackssache. Aber ich finde, den könnte man intelligenter anbringen - käme der Wirkung zu Gute.
Binchen hat geschrieben:Außerdem empfinde ich die Sprache auch als ein wenig hölzern. Dabei sind Blicke die flitzen nicht mein Kritikpunkt eher das Gefühl, das beim Lesen erzeugt wird.
Auch das hast Du gut geschrieben, und ich will es aufgreifen: Denn mich störte auch stets unterschwellig die Sprache, weil sie hölzern auf mich wirkte. Manchmal gestellt. Manchmal etwas unstimmig. Wäre das nicht gewesen, hätte ich über die
flitzenden Augen sicher hinweggelesen (wobei überlesen sicher nicht, denn es ist schon eine sehr merkwürdige Formulierung

).
Übringens ging es mir manchmal auch mit den Dialogen so. Manche fand ich gut und lebensnah (wie Du schon meintest, beim Umgang mit seiner Schwester z. B.). Andere irgendwie nicht so rund. Nicht so natürlich. Nicht so in sich schlüssig. Kann man ganz schwer beschreiben. Mir lag die Sprache Rankins nicht so gut. Oder aber wie Du es schreibst, denn das trifft es im Grunde sehr genau (so hatte ich das jedenfalls auch empfunden): "...eher das Gefühl, das beim Lesen erzeugt wird." Genau!
Binchen hat geschrieben:Andererseits gefällt mir Foxy. Seine Gedanken, sein Umgang mit den Kollegen, seine Scheu sich bei seiner Schwester einzumischen , seine Zurückhaltung. Ich bin gespannt, wie sich seine und Jamies Wege noch kreuzen werden.
Das schrieb ich auch in meiner Rezension. Eigentlich hat Foxy großes Potenzial. Aus ihm könnte ein richtig interessanter Serienheld werden. Band eins lässt mich allerdings leider befürchten, dass Rankin es nicht ausschöpft, wie ich es mir jedoch wünschen würde.
Ich lausche Deinen Eindrücken gebannt! Bitte versorge mich (uns) reichlich damit. Ja?
Doris: Ich kann Dir diese Serie leider nicht empfehlen. Mag sein, dass sie Dir dann doch gefallen würde (die Stimmen im Internet dazu sind ja durchweg sehr positiv), aber ich persönlich kann Dir das Buch wirklich nicht empfehlen. Dein Wunsch Dich wieder mal einer Serie zuzuwenden, kann sich aber vielleicht bei Stuart MacBride entladen? Den könnte ich Dir sehr empfehlen. Ein Polizeikrimi, mit Humor (aber intelligent und wohl dosiert eingesetzt), interessanten Figuren und viel Atmosphäre. Wie gesagt: So unendlich viele Bände gibt es davon noch nicht. Vielleicht wäre das doch eine gute Alternative für Dich?
"Die vier Ecken des Himmels" wäre wegen dieser Navy-Verherrlichung (und das Thema Navy überhaupt - im Film noch ok für mich, als Buch mag ich mich in dem Bereich nicht so gern aufhalten) auch nicht so unbedingt mein Ding. Und dass der Autor dann irgendwann allzu geschwätzig wird, hört sich auch nicht gut an. Sowas mag ich auch nicht, weiß ich durch meine langsam steigende Leseerfahrung besser einzuschätzen. Ein Roman sollte immer auch in gewisser Weise straff sein, sein Ziel verfolgen. Gern darf man auch mal innehalten, wenn der Autor denn ein guter Erzähler ist und er es versteht Interesse zu erzeugen, auch wenn es mal von der eigentlichen Handlung ein wenig abweicht. Aber bitte nicht 200 Seiten lang.
So bin ich mal gespannt, ob der Aufwand Dich bis zu Ende hin jetzt flotter trägt.
Ich habe mir gestern übrigens noch kein neues Buch gegriffen. Ich hatte zuletzt zwei weniger gute Leseerlebnisse (Maria Ernestams "Mord unter Freunden" und Ian Rankins "Ein reines Gewissen"). Ich möchte jetzt ein wenig Sicherheit für meine neue Lektüre haben, was für den Griff zu einem meiner Lieblingsautoren spricht. Andererseits locken auch viele neue Bücher/Autoren. Mal sehen. Gestern hatte ich keine Ruhe was neues auszusuchen, da mein Schatz gestern Nacht in seine Heimat geflogen ist. Wir waren deswegen beide sehr aufgeregt und außerdem war mein Bruder da, weil er ihn netter Weise zum Flughafen gefahren hat. Heute Abend werde ich dann mal nach neuer Lektüre Ausschau halten.