Petra hat geschrieben:Hallo zusammen,
@Yvonne: Du hast mich sehr neugierig auf „Ein Brief aus England“ von Brigitte Beil gemacht. Berichte bitte auch abschließend wie es Dir gefallen hat, ja?
Hallo Petra und alle anderen,
"Ein Brief aus England" habe ich mittlerweile beendet. Es hat nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllt, die ich zu Beginn der Geschichte hatte, aber es war trotzdem ein sehr schönes Buch. Gefallen hat mir der zurückgenommene und schnörkellose Erzählstil fernab jeder Sentimentalität oder übertriebener Emotionen. Manchem mag er vielleicht zu nüchtern sein, meiner Meinung nach passte er jedoch sehr gut zum Charakter der Hauptfigur. Da die Autorin diese ihre Geschichte in Ich-Form selbst erzählen lässt, hat sie natürlich die Möglichkeit, tief in das Seelenleben ihrer Protagonistin einzudringen und die geheimen Winkel ihres Denkens auszuleuchten. Ich konnte mich lange Zeit mit der Protagonistin nicht anfreunden, ihre frostige Art und ihre Gefühlskälte wirkten auf mich manchmal regelrecht abstoßend. Doch je weiter sich die Geschichte entwickelte und man mit der Vergangenheit der Protagonistin konfrontiert wurde und mit den Umständen, die sie zu einem so harten und verschlossenen Menschen gemacht haben, je mehr sich die Protagonistin öffnete, sich ihrer Vergangenheit stellte und die Mauern um sie herum Risse bekamen, umso greifbarer und sympathischer wurde sie. Psychologisch ausgefeilt und tiefgründig, klug und mit vielen Momenten, die zum Nachdenken anregen – alles in allem ein wirklich schönes und lesenswertes Buch.
Leider gab es zwischendrin auch mal die eine oder andere Länge, deshalb ist dieses Buch letztendlich für mich knapp am TOP-Buch vorbeigeschrammt.
Jetzt mache ich weiter mit einem weiteren Buch aus dem btb-Verlag:
„Die Hummerschwestern“von Beverly Jensen.
Nachtrag„Die Hummerschwestern“ habe ich nach gut 200 Seiten abgebrochen, Stil und Sprache sind einfach nicht meins. Sorry, aber ein Buch, in dem nahezu auf jeder Seite geflucht wird und die Wörter „gottverdammt“ und „verflucht“ die meistverwendeten Adjektive sind, möchte ich nicht lesen.
Während der 1. Teil (von insgesamt 4) noch gut und vielversprechend war, driftete die Erzählung ab dem 2. Teil nur noch in eine Aneinanderreihung von Episoden im Leben hauptsächlich der älteren Schwester Idella ab. War sie in einem Kapitel noch ein 19jähriges Dienstmädchen, das zum ersten Mal in die Oper geht, ist sie im darauffolgenden Kapitel drei Jahre älter und tollt mit einem Mann am Strand herum, der wohl ihr künftiger Ehemann werden soll. Wo und wann sie in kennengelernt hat, erfährt man in einem kurzen Nebensatz. Im nächsten Kapitel ist sie dann bereits ein paar Jahre verheiratet und muss sich mit der ungewollten Schwangerschaft ihrer Schwägerin auseinandersetzen usw. Die jüngere Schwester taucht nur hier und da mal auf.
Die Anhäufung von Klischees ist kaum zu ertragen, die Figuren sind farblos und schablonenhaft. Da ich dieses Buch unmittelbar nach „Ein Brief aus England“ gelesen habe, fallen seine Defizite natürlich um so stärker auf.
Der Roman wurde posthum veröffentlicht und ist auch der einzige Roman der Autorin. Ob er überhaupt zur Veröffentlichung gedacht war, wage ich zu bezweifeln. Vielmehr vermute ich, dass die Erben das Manuskript im Nachlass gefunden haben und sich einen „Zugewinn“ versprochen haben, wenn sie es zur Veröffentlichung bringen. Dafür spricht wohl auch, dass zuerst nur einzelne, wahllos aus dem Ganzen gegriffene Episoden in verschiedenen einschlägigen Publikationsorganen erschienen sind– ich vermute mal als Test, wie sie aufgenommen werden, bevor das Ganze als Buch auf den Markt geworfen wurde.
Die überschwänglichen Lobhudeleien von Stephan King sind allerdings aberwitzig, ein Blick in die Danksagungen lässt vermuten, dass King wohl ein Bekannter der Familie ist und sein Lob eigentlich nur Marketingzwecken dient und die Verkaufszahlen in die Höhe treiben soll.
Um von diesem Fehlgriff erstmal wieder Abstand zu bekommen, lese ich jetzt
„Tod hinter dem Stephansdom“ ,den 3. Teil der Wien-Krimi-Serie von Beate Maxian, auf den ich schon lange gewartet habe.