Hallo zusammen,
ich habe gestern
John Hart "Das letzte Kind" abgebrochen. Nicht weil es schlecht war. War es nicht. Sogar mal was anderes. Die meisten Rezensenten sind von dem Thriller durch und durch begeistert. Und das kann ich auch verstehen. Dichte Atmosphäre, ein junger (13-jähriger) Held - Johnny -, der seine Zwillingsschwester verloren hat. Vater ist gegangen, Mutter ist mit prügelndem Lebensgefährten zusammen und betäubt sich mit Drogen. Nur ein verbissener Cop steht auf der Seite des Jungen. Beide können - jeder auf seine Art - die Suche nach Johnnys Schwester nicht aufgeben. Das hätte eine wunderbare Mischung sein können. War es auch. Aber es kommen weitere Figuren hinzu. Und damit waren dann ein paar Klischees auch schnell etwas strapaziert. Und genau da setzen die Kritiken an dem Buch an - d. h. von den Rezensenten, die nicht so begeistert sind. Zu viel schwarz-weiß, zu viel Zufälle, zu viel Gott und Dämonen, zu viel von allem. Und das stimmt irgendwie. Das dürfte aber für manche Leser genau richtig sein. Denn man bekommt hier eine vielschichtige, besondere Geschichte mit eigenwilligen Figuren. Aber mir wurde es zu unrealistisch. Zu viel passierte, genau diesem Jungen. Und die Menschen in seiner Umgebung entsprachen mir alle einer gewissen Kategorie Mensch. Das war mir zu gemalt. Zu unrealistisch. Aber wer sich gern gut und spannend unterhalten lassen möchte, der liegt hier genau richtig! Auch die Zufälle, die mich gestört haben, werden erklärt und erhalten Sinn. Mir wäre es nur zu viel gewesen, durch das ich mich durchlesen muss (immer mit dem Gedanken im Kopf, dass mir das nicht nah genug am Leben ist... zu überzeichnet... ein bisschen zu viel schwarz-weiß). Denn dafür habe ich zu viele Bücher zu Hause liegen, die auch reizen. Ich fand es teils schade, das Buch aufzugeben. Teils weiß ich aber auch, dass ich nicht gaaaaanz die richtige Leserin dafür bin. Aber ich möchte es dennoch denen empfehlen, die denken, dass sie mit ein paar Klischees weniger Probleme haben, wenn dafür die Atmosphäre und die Figuren sehr eigenwillig und gut gelungen sind. Interessant war die Handlung auf jeden Fall. Wenn mir auch ein bisschen zu... unrealistisch, da zu viel in Johnnys Umfeld passiert. Ich bin da manchmal etwas fantasielos. Kann schlecht einfach mal was hinnehmen, was im Buch nun mal so ist. Ich würde mich schon freuen, von anderen hier mal zu hören, wie sie das Buch empfinden. Ich könnte mir vorstellen, dass es einigen hier besser mit dem Buch ergehen würde wie mir.
Heute morgen habe ich dann zu
Alison Lurie gegriffen. Auf die Autorin bin ich erst dies Jahr aufmerksam geworden und wollte sie für mich entdecken. So habe ich
"Ein ganz privater kleiner Krieg" angefangen. Habe ich für 3,95 € kürzlich bei Jokers gekauft. Ich bin gespannt, wie es mir gefällt und ob das jetzt im Moment das richtige ist oder ob ich doch nochmal umschwenke. Es fängt jedenfalls interessant an - ist auf jeden Fall was für mich. Falls nicht zu diesem Zeitpunkt, dann zu einem anderen. Aber ich habe es heute mal mit zum genaueren reinlesen.
@Binchen: Ja, ich dachte mir, dass Du den Hinweis gut gebrauchen kannst, dass diese Abhängigkeit noch zu einer Erkenntnis bei der Hauptfigur führt. Und schön, dass ich recht hatte, dass es Dir - auch wenn das Thema Dir schwer fällt - auch so spannende Unterhaltung bieten wird wie mir! Ich bin mal gespannt, ob Du am Ende überrascht warst oder nicht! Ich lag richtig!

Wirklich ein Thriller, den ich sehr genossen habe! So lebensnah geschildert. Und so spannend! Freut mich, dass ich Dich damit anstecken konnte und er Dir (trotz des Abhängigkeits-Themas) gefällt!
@Martina: Ist ja witzig, dass Du den 3. Sigurdardottir doch noch bei Dir gefunden hattest. Auch wenn Dir das peinlich ist (wäre mir auch, wenn ich es nicht mehr gewusst hätte), ich finde das drollig. Und bin ja immer froh, wenn es anderen auch mal so geht!
@Doris: Wie Dir "Zeit der Versuchung" von Peter Hedges gefällt, musst Du unbedingt ausführlich berichten! Der steht nämlich auf meiner Wunschliste! Kann ich mir sehr interessant vorstellen. Kann aber natürlich in der Umsetzung her auch daneben gehen. Bitte berichte, ja?
Vielen Dank auch für Deine nähere Beschreibung zu "Shantaram". So weiß ich, was ich davon zu erwarten habe, und dass ich es besser lese, wenn ich mal viel Zeit am Stück für ein Buch habe. Das ist bei mir im Moment nie der Fall. Aber sowas ändert sich ja auch phasenweise immer mal wieder. Ich halte es auf jeden Fall im Hinterkopf, wo es Dir und Deinem Mann so gut gefallen hat!
Auch "Würde" kann ich nach Deinem Posting und Deiner schönen Rezi (vielen Dank dafür!) besser einschätzen/einordnen. Das ist sehr hilfreich und ich sage Dankeschön!
@Steffi: Nun machst Du mich auch noch auf "Föhnlage" neugierig! Da kann ich ja froh sein, dass ich es bereits als Hörbuch zu Hause liegen habe. Das hatte Rachel ja kürzlich gehört und sie war ganz angetan. Und ich weiß, für mich kommt es eher als Hörbuch in Frage, mangels Lesezeit.