"Der Hass der Liebenden" gestaltet sich gut. Der Kriminalfall ist interessant. Die Figuren auch - wer könnte es gewesen sein? Motive gäbe es für einige.
Sprachlich bleibt das Buch besonders. Der Sprache vermittelt einen vornehmen Eindruck. Die Sätze sind zuweilen lang, aber erhalten dadurch ihren eigenen Charme. Und ein wenig Humor ist zwischenzeitlich auch aufgeblitzt. Ein sich durch einen Schlagabtausch ergebender, unaufgeregter Humor, der mich aber gerade dadurch noch mehr amüsiert hat.
Die Stimmung im Buch ist auch besonders. Dieses abgelegene Hotel an der Atlantikküste, der Sandsturm, der selbst die Sicht durch die Fenster nimmt. Die dicke Luft in den Räumen. Das Gefühl sich unter Wasser (es ist eigentlich ja Sand) zu befinden, einem U-Boot gleich, dass sich in den Meeresgrund bohrt... sehr eigenwillig. Aber gut.
Zahlreiche Anspielungen - auch literarischer Natur. Das dürfte Dich, liebe Maria, wirklich sehr freuen. Michael Innes, Thomas Mann, Franz Kafka, Victor Hugo...
Es gibt auch viele Anspielungen auf andere Dinge. Das macht diesen Roman recht intellektuell. Allerdings kann ich mit den meisten Anspielungen nicht viel anfangen. Sie sind in den Anmerkungen erklärt. Aber ich habe zu wenig Wissen über sie, um dem Text damit mehr Sinn zu geben. Finde sie auch manchmal nicht 100%ig passend. So mag es sein, dass sie ein wenig zu gewollt sind. Die Autoren unbedingt ihr Wissen über alles Mögliche einfließen lassen wollten und sich auch mit zweitklassigen Möglichkeiten dazu zufrieden gegeben haben. Ich kann aber auch keineswegs ausschließen, dass ich sie einfach nur nicht vollends erfasse und sie mir deshalb auch mit Erklärung in den Anmerkungen noch nicht 100%ig zur jeweiligen Szene passend erscheinen. Maria, Du bist in so etwas bewanderter und geduldiger. Vielleicht kannst Du, wenn Du das Buch mal liest, sagen, ob sich wirklich jede Anspielung vollends passend in den Text einfügt. Ich glaube bei zwei oder drei Anspielungen ist das nicht der Fall. Aber da würde ich mich gern eines besseren belehren lassen. Denn ehrlich: Abschließend kann ich das nicht beurteilen.
Fest steht für mich aber, dass das überhaupt nicht stört. Man kann die Anspielungen auch einfach völlig überlesen. Man versteht den Text trotzdem absolut. Ich verbeiße mich deshalb auch nicht unnötig in die endgültige Klärung, da mir das weiterlesen wichtiger ist. Wenn dann ein paar Anspielungen an mir vorbei gehen, dann sei es drum.
Andere Anspielungen sind aber auch interessant und lehrreich. Die literarischen gefallen mir natürlich. Aber auch welche aus der Homöopathie. Und wie gesagt: Die anderen stören auch absolut nicht!
Bei meinen Eindrücken überwiegt auf jeden Fall die eigenwillige Stimmung, die so eigenen Figuren und der interessante Kriminalfall. Macht mir viel Freude. Deshalb habe ich auch nur noch 50 Seiten (und das Nachwort von Heinrich Steinfest, auf das ich mich auch schon sehr freue!) vor mir. Hat aber auch nur rd. 190. Und viele Kapitel. Und ein sehr angenehmes Schriftbild. Also keine Hexerei... für mich dennoch ein äußerst flottes Lesetempo - so eine neu gewonnene abendliche Lesezeit hat schon was!
@Silke: "Der Hass der Liebenden" würde ich Dir auch nicht empfehlen. Ich schätze Dich so ein, dass dieses Buch eher nicht Dein Ding wäre. Du siehst es anhand meiner Beschreibung genauso. Action ist da definitiv nicht allzu viel.
Dass Du und Deine Freundin so sehnsüchtig auf "Nebelsturm" warten, kann ich gut verstehen! "Öland" war zu vielversprechend, um dem Erscheinen (als TB) des nächsten Bandes nicht entgegen zu fiebern. Ich finde die Geschichte hört sich auch wieder interessant an!
@Lucy: Dass "Nebelsturm" bei Dir schon auf dem SUB liegt, ist fast zum neidisch werden!
Passt aber auch zur kommenden Jahreszeit. Kann ich also gut verstehen, dass Du den bald lesen willst! Berichte dann bitte, wie er Dir gefällt, ja?
Dass Dich Tana French mit "Totengleich" in Bann gezogen hat, kann ich nur allzu gut verstehen. Man versinkt in ihrer Welt. Cassie, Daniel und die anderen... Das war auch für mich ein sehr intensives Lesevergnügen! Richtig, die Frau kann erzählen! Deshalb freue ich mich auch schon sehr auf Dezember, wenn "Sterbenskalt" erscheint. Zwar mag ich Franky nicht so gern. Aber ich traue Tana French zu, dass sie mich dennoch wieder so richtig kriegt! Viel Spaß noch!


