in Chautauqua zieht wieder schönes Wetter auf. Aber es sind nur noch zwei Tage bis zur Abreise.
Ich bin weiterhin vollends versunken in die kleinen Welten der Figuren dort. Was für ein dichtes Porträt einer Familie. Die Probleme, die die Trennung von Meg und Jeff mit sich bringt. Und Megs immer noch labiler psychischer Zustand. Auch für die Kinder. Diese Probleme äußern sich so leise, doch dafür umso authentischer. Emilys Gedanken über ihre Tochter Meg. Erschreckend und nachvollziehbar. Und Emily selbst. So hart und manchmal auch leicht boshaft. Aber versteckt. Auch gegen ihre Schwiegertochter Lise. Das alles ist wunderbar und einzigartig eingefangen.
O’Nan versteht es aber auch, sich in jede seiner Figuren einzufühlen. Selbst in die heranwachsende Sarah und ihre Gefühle für Mark. Erstaunlich. O’Nan kann sich besser in solch ein Mädchen reinversetzen, als ich selbst es ohne seine Hilfe könnte. Dabei waren mir Sarahs Sorgen und Probleme doch selbst mal nicht fremd. War ich doch selbst mal in ihrem Alter. Dass Stewart O’Nan sich in die Jungs so gut einfühlen kann, ist noch nachvollziehbar. Aber selbst in die weiblichen Charaktere fühlt er sich so präzise ein.
Auch Justin, dem man die Unsicherheiten, die die Probleme seiner Eltern in ihm ausgelöst haben, anmerkt, ist so nachvollziehbar dargestellt.
Und ganz anders Sam. Der erschreckt mich weiterhin sehr. So berechnend. Hier schildert O’Nan erstklassig (und trotzdem unauffällig, beinahe beiläufig) wie er seine Eltern gegeneinander ausspielt. Er weiß genau, das sein Vater nachgiebiger ist als seine Mutter.
Ein so toller Buch-Tipp! Muss ich einfach noch mal sagen, Maria und Steffi!
@Doris: Du machst mir eine Wahnsinns Lust auf Jonathan Lethem, und besonders auf „Motherless Brooklyn“. Auch wegen Deiner sprachlichen Einordnung Lethems. Aber auch wegen des Themen-Mix: Kleinganoventum, Tourette, Buddhismus, Großstadtroman.
Dass Du die Figur des Lionel aus „Vincent will Meer“ nicht abschütteln konntest, ist schade. Hat man schon mal, wenn man – wie hier durch das Tourette-Syndrom – gedanklich eine Figur aus einem Buch mit einer Figur aus einem Film miteinander in Verbindung bringt. Mich stört das aber auch dann kolossal. Das ist auch der Grund, warum ich ungern Bücher lese, zu denen ich schon eine Verfilmung kenne. Meine Bilder im Kopf werden dadurch leider beeinflusst. Und das stört mich beim lesen.
@Lesemaus: „Das Parfüm“ sollte man wirklich nicht als Krimi lesen. Wenn Du es zu Ende gelesen hast, dann erklärt sich vielleicht einiges besser für Dich. Es geht u. a. um die Beeinflussung der Menge und um Täuschung, um instinktives Handeln…
„Das Parfüm“ wird ja gern auch als Schullektüre verwendet. Es wurden auch Interpretationshilfen veröffentlicht. Es steckt also mehr dahinter.
Ich habe das Buch vor langer Zeit gelesen. Sprachlich wirklich sehr gut. Inhaltlich hat es mich nicht umgehauen. Besonders den Mittelteil, als Grenouille sich auf diesen Berg zurückzieht, fand ich unnötig. Aber auch das Ende war nicht meins. Berichte bitte mal, wenn Du durch bist.
Die Verfilmung ist allerdings sehr schön. Er lohnt schon allein wegen der Bilder.


