Guten Morgen zusammen,
ich bin wieder ganz versunken im Leben von Michael Collins Figuren. In diesem Buch ("Schlafende Engel") erzählt er von Lawrence (einem Polizisten), der von seiner Frau verlassen wurde. Nicht die Einsamkeit allein ist es, die ihm zu schaffen macht, sondern vor allem dass er seinen Sohn kaum mehr sehen darf. Das kommt in dem Buch so gewaltig und so glaubhaft rüber, dass es den Leser mit schmerzt. Michael Collins große Stärke ist das einfangen kleiner feiner Szenen und Gefühle. Einzigartig, wie ich finde!
Auch die Szenen mit Lawrences Hund sind wunderschön. Man verliert sich ganz in der Stimmung dieses Buches. Und das schöne ist, das passiert direkt schon auf den ersten Seiten.
Da finde ich es fast schon immer ein bisschen schade, wenn es wieder um die Kriminalgeschichte (eigentlich sicher eher eine Korruptionsgeschichte) geht. Nicht, dass die uninteressant wäre. Aber die nebensächlichen Szenen sind so stimmungsvoll, dass man sich da ganz ungern rausreißen lässt. Ich könnte Lawrence noch unendlich weit folgen. Zum Glück habe ich noch die Hälfte des Buches vor mir. Und zum Glück habe ich noch zwei Bücher von dem Autor in Reserve. Und ein neues ist auf Englisch angekündigt. Hoffentlich gibt es demnächst die Übersetzung.
Mich wundert jedenfalls nicht, dass Michael Collins mit "Schlafende Engel" den 1. Platz der Krimiwelt-Bestenliste belegte!
@Josie: Mich freut sehr, dass Dir "Der bunte Schleier" von Maugham auch so gut gefallen hat! Danke für Deinen Bericht! Seine minimalistische Erzählweise habe ich auch sehr bewundert. Ich liebe es, wenn ein Autor so viel überträgt, mit so wenigen Worten. Das ist Kunst. Die konnte ich letztes Jahr auch J. M. Coetzee bescheinigen, als ich "Schande" las. Keine Ahnung, wie das geht, dass man so viel über die Auswirkungen des Rassimus über Generationen erzählt, ohne es so ganz direkt anzusprechen. Irre!
@Silke: Dir - und Maria und Binchen mit ihren Beiträgen - Danke fürs erinnern an Erich Kästner. Und halte uns über Deine Leseeindrücke weiter auf dem Laufenden.
@Binchen: Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, dass Donna VanLiere dies Jahr ein Weihnachtsbuch mit demselben Titel herausbringt wie der Weihnachts-Anne-Perry. Bzw. die deutschen Titel gleich sind. Schon wirklich merkwürdig und irritierend. Dir jedenfalls vie Spaß mit dem Weihnachts-Perry!


