von Trixie » Mi 14. Mai 2014, 15:15
Hallo Sandra,
wir schauen uns die Serie auch an. Sie reißt uns zwar nicht zu Begeisterungsstürmen hin, aber sie ist ordentliche Montagabend-Unterhaltung.
Angeregt von den ersten Folgen in der vorletzten Woche habe ich daraufhin meine eigenen Father-Brown-Bücher herausgeholt und angefangen, einige Geschichten daraus zum Vergleich zu lesen. Und dabei entdeckt man schon gravierende Unterschiede zwischen Buchvorlage und der filmischen Umsetzung durch die BBC - allerdings auch zur Umsetzung im deutschen Film aus den 1960ern mit Heinz Rühmann in der Rolle des "Pater Brown" (das sind die Verfilmungen, die wiederum ich als einzige frühere Adaptionen kenne, jene mit Josef Meinrad ist mir gänzlich unbekannt, obwohl ich diesen Schauspieler immer sehr mochte. Allerdings kann ich ihn mir seiner Erscheinung und seiner Art nach auch eher schlecht in der Rolle des Father Brown vorstellen).
Der offensichtlichste Unterschied zwischen Vorlage und BBC-Verfilmung ist natürlich die Verlegung in eine andere Zeit, statt ca. 1909 bis frühe 1930er, als die Geschichten auch geschrieben wurden, in die 1950er Nachkriegsjahre. Damit stellen sich für die Handlung oft ganz andere Voraussetzungen und Einflüsse, die eine Rolle spielen. Aber ich muß sagen, daß sie diese bislang auch recht stimmig eingearbeitet haben.
Und vermutlich wollte man vor allem auf einen "Cozy-"Effekt für die Serie setzen, deswegen auch die Verlegung gänzlich aufs Land, in eine einzige, ganz bestimmte Gemeinde und ihre Umgebung. Das hat es vermutlich auch ermöglicht, ein kleines, festes "Personal" (Mrs. McCarthy, Susie, Lady Felicia, Inspector Valentine, Sid) einzuführen, das -soweit ich jetzt einige Fälle gelesen habe- in den Geschichten Chestertons so nicht vorkommt.
Alles nicht unbedingt die schlechtesten Ideen, aber du hast schon recht - die Serie ist so vor allem etwas für Zuschauer, die die Atmosphäre eines "unaufgeregten" Cozy-Krimi mögen.
Nebenbei erwähnt: Mich stört viel mehr, daß sich in den letzten ein, zwei Staffeln von Agatha Christies Poirot Handlung und Atmosphäre derart verdüstert haben - teilweise übrigens durch sehr drastische Veränderungen gegenüber der Buchvorlage und das Einbringen von Aspekten, die, wie ich meine, dem Stil Christies überhaupt nicht entsprechen. Bei den jüngsten Verfilmungen von Marple fiel mir dieses Ärgernis schon sehr viel früher auf, aber da die Serie mit David Suchet nun schon so lange läuft (1989) und über die meiste Zeit eine ganz andere Qualität hatte, hätte ich diese Veränderung nicht erwartet. Vielleicht will man aber auch nur den Zuschauer so langsam auf das Finale vorbereiten. Denn Vorhang muß ja unweigerlich eine andere Atmosphäre erwecken...
Gruß,
Trixie
Ich lese gerade:
John Dickson Carr: The Curse of the Bronze LampViel lesen und nicht durchschauen ist viel essen und nicht verdauen.Rätselforum
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