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Bücher, die einen betroffen machen

BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 10:43
von Petra
Ihr Lieben,

Binchen *liebwink* hat drüben im Hoerbuecher4um einen Austausch mit einer anderen Forenbesucherin *solualiebwink* über (Hör)Bücher gehabt, die betroffen gemacht haben. Genannt wurden dort "Schloss aus Glas" von Jeannette Walls (wegen der Art wie Eltern da ihre Kinder erziehen, bzw. aufwachsen lassen) und "Kleine Schwester" von Borger & Straub (Binchen kann vielleicht hier näher erklären, warum sie dieses Buch so betroffen gemacht hatte).

Mir fiel in dem Zusammenhang Patrick Redmonds (mystischer) Thriller "Das Wunschspiel" ein. Hier wurde ich richtig mit wütend, weil ein Internatsschlüer von seinen Mitschülern so fertig gemacht wurde, dass ich mir beim lesen bei mir dachte: Egal wie er sich jetzt an den anderen rächt... ich kann es verstehen!!!

Oder mir fällt der arme Heathcliff aus "Sturmhöhe" ein. Auch er hat mich sehr betroffen gemacht. Seine Wut, die da in ihm tobt (und die Gründe dafür), haben mich überaus betroffen gemacht. Zwar ist er eigentlich ja eher böse, aber sein verletztes und leidendes Herz hat wirklich große Betroffenheit in mir geweckt. Diese Aussichtslosigkeit, dass sein Herz Heilung erfährt...

Dann fällt mir noch von Patricia Highsmith "Ediths Tagebuch" ein. Die Hauptfigur Edith hat mich betroffen gemacht. Wie sie am Leben erkrankt. An der Lieblosigkeit ihres Mannes, der sich von ihr abwendet. Und wie sie sich in Einsamkeit (und Wahn) verliert... ja, das hat mich wirklich tief berührt.

Fallen Euch Bücher ein, in denen es Euch aus welchen Gründen auch immer so ging, dass Ihr besonders betroffen wart? Und wenn ja, welche sind es und was genau hat Euch daran betroffen gemacht?

Re: Bücher, die einen betroffen machen

BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 12:04
von Britti
Huhu.

Das ist eine gute Frage.

Manche Bücher schaffen es wirklich das man so tief eintaucht und mit trauert, sich freut oder mit Angst bekommt. Ich denke das zeichnet ein gutes Buch aus.

Da ist die Sturmhöhe ein sehr gutes Beispiel :) Mit Heathcliff konnte auch ich sehr gut mitfühlen, aber auch mit den anderen Charakteren. Das ganze Buch war ja ein einziges Gefühlschaos :D

Ich habe mal ein Buch über die Verhältnisse der Tibeter in China gelesen. Mein Herz lebt in Tibet hieß es. Eine Frau berichtet über ihr Leben in jahrelanger Gefangenschaft im Arbeitslager weil sie dem buddhistischen Glauben nicht abschwören wollte. Die Tibeter werden mit Füssen getreten und das ganze Buch war einfach nur furchtbar. Das hat mich so sehr gerührt. Besonders diese Frau die man dann im hohen Alter entlassen hat und sie sich dann den Wunsch erfüllt hat einmal den Dalai Lama zu treffen. Das Buch hat mich auch noch lange danach beschäftigt. Eigentlich ist das ja derzeit wieder höchst aktuell...

Ach ja und dann fällt mir noch der kleine Frank McCourt ein. Sein Leben hat mich auch ganz tief berührt. Die Armut in der Familie und der Vater der das einzige Geld das sie hatten in den Pub gebracht hat. Man war ich wütend auf den :x

Auch bei dem Thriller Höhenangst hatte ich ganz viel Mitleid und Angst um die Frau. Wie hieß sie doch gleich?

Wie gesagt, ich denke wenn ein Buch solche Gefühle auslösen kann. Das man nicht nur Spaß am lesen hat sondern wirklich eintaucht und mitfühlt, dann ist es wirklich gut :D
Hoffentlich begegnen uns noch viele solcher Bücher im Leben!

Re: Bücher, die einen betroffen machen

BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2008, 17:45
von Nicole
Hallo liebe Petra,

also da fällt mir sofort "Mia" von Liza Marklund ein. Es ist schon viele Jahre her, dass ich dieses Buch gelesen habe und ich kann mich heute noch erinnern, dass ich mehrfach versucht war, es in die Ecke zu pfeffern, weil ich einfach fassungslos war; es handelt sich dabei um eine wahre Geschichte.

Das ist so, was mir jetzt spontan zu dem Thema einfällt.

Re: Bücher, die einen betroffen machen

BeitragVerfasst: Do 17. Apr 2008, 07:22
von Binchen
Fassungslos,

ja das war es auch bei mir und 'Kleine Schwester' - Die Anschuldigungen an ein Kind, dass um Hilfe gebettelt hat, aber keiner hat sie gehört - und anschließend sollte sie noch schuldig sein?

Die Familienehre, unter der alles geschah, was dort geschah, und dass man allle verheimlichen müsse, was die ANDEREN ja gar nichts angehe -

Ich glaube die Lügen und die Suche nach Hilfe haben mich besonders betroffen gemacht. Und die Tatsache, dass noch viele Familien in diese Falle tappen können. Es wirkt zu authentisch - und das griff mich dann doch sehr an.

Re: Bücher, die einen betroffen machen

BeitragVerfasst: Do 24. Apr 2008, 08:32
von treogen
Oh ja, da gabs mal einen Roman.
Ich kann ja eigentlich viel ertragen...
Aber Evil von Jack Ketchum ist mir total an die Nieren gegangen. Ich wußte zwischendurch echt nicht, ob ich diesen Roman nicht einfach ungelesen zur Seite lege. Nicht weil er so schlecht ist, sondern weil er an die Grenzen des Ertragbaren geht und sie manchmal überschreitet.

Meg und Susan verlieren ihre Eltern bei einem Autounfall und kommen zu ihrer Tante. Während sich die beiden Mädchen anfangs noch fast gut umsorgt fühlen, beginnt Tante Ruth bereits mit kleinen dahingestreuten Bemerkungen, Demütigungen und später Tätlichkeiten, die idylische Welt der Kinder einzureißen. Das geht soweit, dass die Mädchen im Keller eingesperrt werden, von Tante und Cousins und sogar von den Nachbarskindern gefoltert werden.

Die Geschichte ist aus der Sicht von David, einem Nachbarsjungen, geschrieben. Seine Zerrissenheit zwischen seiner Zuneigung zu Meg und der Faszination am Zusehen und teilweise auch Mitmachen ist so echt beschrieben, dass man sich unweigerlich zwischendrin fragt: "Wie hätte ich mich verhalten."

Nach dem Lesen dieses Buches hatte ich einen Stein im Magen - und ich muß zugeben, dass ich mich bis heute nicht an einen weiteren Ketchum herangetraut habe.

Das Buch ist im Horrorsegment gelistet. Vielleicht, weil er dann erträglicher ist. Man könnte sich nach der Lektüre ja einfach dadurch schützen, dass all das nur Fiction sei.
Leider ist dem nicht so. Der Roman basiert auf einer wahren Geschichte (einfach mal nach Sylvia Likens googlen). Menschen wie Ruth und ihre Söhne und auch Wegseher wie David gibt es wirklich - und eigentlich kann man selbst nicht sicher sein, zu welcher Sorte Mensch man selbst gehört.

Ich habe schon einiges gelesen. Gerade auch viel aus dem Bereich Horror. Dieses Buch war das Härteste, Brutalste, Widerwärtigste und Ekelerregendste, was ich je gelesen hatte.
Mir gings jedenfalls nach der Lektüre des Romanes richtig schlecht.

LG
Treogen

Re: Bücher, die einen betroffen machen

BeitragVerfasst: Do 24. Apr 2008, 10:25
von Britti
Hallo Torsten.

Das klingt aber in der Tat sehr gruselig und dann noch eine wahre Geschichte... manchmal kann man es einfach nicht fassen das es so etwas tatsächlich gibt, was?!
Ich habe eben mal auf deinen Tipp hin gegoogelt *gänsehaut* und habe gesehen das es sogar verfilmt wurde (an american crime). Ich glaube dann ist mir lesen lieber als ansehen.
Eigentlich sind solche Bücher aber wichtig damit die Menschen aufmerksam werden und nicht zu "wegsehern" werden und sich selbst hinterfragen, wie du schon schriebst, wie würde ich mich verhalten???

Re: Bücher, die einen betroffen machen

BeitragVerfasst: Fr 25. Apr 2008, 09:53
von Petra
Hallo Torsten,

vielen Dank für die ausführliche Beschreibung Deine Leseerlebnisses von damals! Das ist wirklich interessant! Ich kann mir vorstellen, wie übel Dir danach war! Und ich schließe mich Britti an: Wohl wichtig, solche Bücher, damit man sich selbst hinterfragen kann. Welche Sorte Mensch wäre ich? Sehr interessant!

Aber schrecklich - keine Frage! Ich frage mich nicht zum ersten Mal, wie Menschen eigentlich dazu in der Lage sind, anderen Menschen SOLCHE Dinge anzutun. Mir ist das immer wieder unbegreiflich. Ich würde es gern ein bisschen verstehen. Bin da aber noch nicht hinter gekommen. Klar, jeder hat mal böse Gedanken. Und spielt einem anderen übel mit, aus Neid, Rache oder was auch immer. Aber das bewegt sich alles in einem - sagen wir mal - menschlichem Rahmen. Aber es gibt Dinge, die gehen so deutlich über den Rahmen des "noch normalen". Und zudem wird so etwas oft an Menschen ausgeübt, die man nicht mal näher kennt. Was ist das im Menschen, das ihn zu solchen Dingen veranlasst?

Danke für den "Buchtipp" inklusive WARNUNG!

Re: Bücher, die einen betroffen machen

BeitragVerfasst: Sa 26. Feb 2011, 16:46
von lesemaus
Hallo zusammen!
Auch bei mir gibt es einige Bücher die mich sehr Betroffen gemacht haben. Vor allem sind es bei mir Bücher die auf Tatsachen beruhen. Lg Jana :oops:

Re: Bücher, die einen betroffen machen

BeitragVerfasst: Sa 26. Feb 2011, 17:27
von Barbara
Liebe Jana,

das geht mir auch so.
Aus diesem Grunde lese ich auch am liebsten Bücher, die einen realen Bezug oder Hintergrund haben. Sie "geben mir mehr" und lassen mich weitaus tiefer in die erzählten Geschehnisse eintauchen und mitleben. Rein fiktive Geschichten berühren mich auch, haben aber nicht diese emotional Nachhaltigkeit oder Beständigkeit, was ja auch verständlich ist.