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Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: So 29. Mai 2011, 14:29
von Petra
Hallo zusammen,

es ist nichts neues, dass man aus Büchern lernen kann. Es wäre auch schade, wenn man sich nicht aus den meisten Büchern etwas mitnehmen würde. Dennoch fällt mir in meinem Leben etwas auf, das ich ganz eindeutig von einem Buch "übernommen" habe. Und mich würde interessieren, ob Euch schon ähnliches passiert ist. Ich wäre an Euren Erlebnissen interessiert.

Ich habe etwas aus dem Roman "Durch dunkle Wälder" von Joseph Boyden übernommen, und ich fühlte mich gerade daran erinnert, weil ich in einem anderen Thread über Louise Erdrich schrieb, in deren Büchern auch die Vergangenheit und Gegenwart von Indianern thematisiert wird. Wie in Boydens Roman auch.

In Boydens "Durch dunkle Wälder" habe ich von dem Ritual der Cree-Indianer erfahren, die sich bei ihrer Beute bedanken. Sie bedankten sich für das Leben, dass das getötete Tier gelassen hat, damit sie, die Indianer, etwas zu Essen haben. Das zeugt von großem Respekt gegenüber der Nahrung, den ich persönlich in viel zu geringem Maße hatte.

Nun sage ich seither nicht Meegwetch (oder Danke) für mein Essen. Aber ich versuche (gerade bei Fleisch) bewusster einzukaufen. Nicht zu viel, so dass etwas weggeworfen wird. Denn wenn ein Lebewesen dafür sein Leben hätte lassen müssen, wäre das so traurig, sinnlos und von mir respektlos. Das habe ich mir aus diesem Buch mitgenommen, mir durch das Gelesene bewusst gemacht. Ich betrachte Lebensmittel seither mit viel mehr Respekt. Und bin mir bewusster, dass sie nicht selbstverständlich sind. Denn leider sind sie das irgendwie für uns hierzulande ja doch allzu leicht.

Ich bin gespannt, was Ihr aus Büchern kennengelernt, oder Euch bewusster gemacht habt.

Re: Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: So 29. Mai 2011, 17:39
von Turni
Mir geht es öfters so bei Wer wird Millionär. Da kommt die Frage und bevor die Antwortmöglichkeiten erscheinen schreie ich schon: Das habe ich gerade in dem Buch ... gelesen. :mrgreen:

Anderseits betont meine "liebste" Kollegin gerne - lesen verblödet. Wobei sie schon - nicht nur von mir - passende Antworten bekommen hat.

Re: Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: Mo 30. Mai 2011, 10:42
von JMaria
Hallo Petra,

ich nehme mir aus den Büchern eher die Reaktionen in bestimmten Lebenssituationen raus um sie mir zu analysieren. Das sind oft Romane, in dem sich der Protagonist einer unabänderlichen Situation ergibt, sich nicht aufbegehrt oder dagegen wehrt.

Das ist mir in meinem jetzigen Lebensabschnitt wichtig geworden, da man in jüngeren Jahren ja doch eher aufbegehrt und etwas verändern möchte, bis man bemerkt, dass manches sich für immer ändert. Vom Kopf her weiß man das, das Herz spielt jedoch manchmal nicht mit und dabei helfen mir diese Romane.

Liebe Grüße
Maria

Re: Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: Mo 30. Mai 2011, 11:18
von Petra
Hallo Maria,

sehr interessant Dein spezielles Beispiel. Und es stimmt: In jungen Jahren möchte man noch die Welt verändern. Auch in den Dingen, die nicht in unserer Hand liegen. Diese Unabänderlichkeiten, diese Veränderungen hinzunehmen, das muss man lernen. Sich davon etwas in Büchern abschauen, ist ein guter Weg. Denn es ist schwer, sich im hinnehmen zu üben.

Mir geht es auch deutlich öfter so, dass ich mir aus dem Verhalten der Figuren was mitnehme, als wie in meinem Beispiel ein Ritual. Deshalb ist es mir auch gewiss so besonders aufgefallen. Denn ich schaue mir solche Dinge wirklich selten ab.

Ein Verhalten, aus dem ich etwas lerne, kann sich aus ganz verschiedenen Situationen ergeben, in denen Figuren sich anders verhalten, als ich es vielleicht würde. Daraus lässt sich unheimlich viel lernen. Über einen selbst, über andere Menschen. Und es hilft verstehen. Die Welt und andere Menschen.

Re: Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: Mo 30. Mai 2011, 11:21
von steffi
Ein Buch, aus dem ich viel gelernt habe, war "Haben oder Sein" von Erich Fromm. Es geht darum, dass sich jeder für eine bestimmte Sicht des Lebens entscheiden muss bzw. entscheidet, entweder für "was hast du" (=Haben) oder "wer bist du" (=Sein). Nur mit Konsum oder Konkurrenzkampf kann man seine Persönlichkeit nicht weiterentwickeln, sein Glück nicht festhalten.

Re: Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: Mo 30. Mai 2011, 14:21
von Petra
Hallo Steffi,

"Haben oder Sein" von Erich Fromm hatte ich schon mal recht weit oben auf meiner Wunschliste. Es ist wieder abgerutscht. Doch Du rückst es gerade wieder ein ganzes Stückchen höher durch Deinen Beitrag. Ein sehr interessantes und wichtiges Thema in unserer Gesellschaft.

Re: Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: Mi 8. Jun 2011, 21:19
von Britti
Hallo zusammen.

Petra, das ist ein sehr interessantes Thema das du hier eröffnet hast.
Ist es nicht toll das wir aus unseren Büchern etwas fürs Lebenmitnehmen können?!

Haben und Sein klingt sehr interessant liebe Steffi. Darüber denke ich sehr häufig nach. Wieviele Menschen Statussymbolen hinterher jagen und dabei die wichtigen Dingen des Lebens aus den Augen verlieren.

Liebe Petra, auch das Thema Nahrung beschäftigt mich sehr. Deine Literatur dazu klingt auch gut und es ist toll das sie dir diese Erkenntnis gebracht hat.

Auch das Thema Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit als Frau wird mir in vielen Büchern bewusst. Dinge die für uns so selbstverständlich sind, aber anderswo auf der Welt eben nicht. Dafür war 1000 strahlende Sonnen von Khaled Hosseini ein gutes Beispiel nachdem man sich erstmal Gedanken darüber macht.

Momentan beschäftigt mich Mobbing sehr. Durch mein aktuelles Buch "Ausnahme" mache ich mir gerade viele Gedanken zum Thema wie eins zum anderen kommt und aus Kleinigkeiten irgendwann Katastrophen werden. Mobbing habe ich selber mal erfahren müssen und das war eine schlimme Zeit, deshalb kann ich mich da gerade gut rein denken.

Man wird sich durch das Lesen bestimmter Bücher also über einges bewusst und es beschäftigt einen. Daraus lernen wir dann - klasse!

Re: Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: Do 9. Jun 2011, 20:19
von Binchen
@Britti,

so, wie Du jetzt etwas über das Mobbing mitbekommst, ist es mir neulich bei Still Missing mit Zwangshandlungen gegangen. Bei mir ist es selten das Sachbuch, das mich bei solchen Themen erreicht, sondern wenn es ein Buch schafft einen Protagonisten zu zeichnen, der mich interessiert und der hat dann ein nachvollziehbares Problem, eine Schwäche, ... - dann wird das Problem auch an mich herangetragen.

Bei StillMissing ist es gelungen, ganz greifbar herüberzubringen, wie das Entführungsopfer zu den Zwangshandlungen kommt - und wie schwer es ist, diese wieder loszuwerden. Vorher hätte ich sie beinahe mit Schulterzucken abgetan, weil ich sie nicht mitempfinden konnte, sondern nur verstehen.

Re: Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: Do 9. Jun 2011, 20:24
von Britti
Ja Binchen, da hast du recht.
Meist kommt so etwas näher an einen heran als ein Sachbuch. Mir ging es damals auch bei dem Buch Schlangenlinien so, als ich durch den Roman einiges über das Tourette Syndrom erfahren habe.

Re: Aus Büchern lernen

BeitragVerfasst: Fr 10. Jun 2011, 20:12
von Petra
Hallo Britti,

sehr interessante Aspekte und Bücher nennst Du hier zum Thema.

Das Thema Mobbing ist in "Ausnahme" wirklich toll gezeichnet. So nachvollziehbar, wie man sich gegen eine Person verbündet und immer enger zusammen steht, und immer selbstverständlicher eine Person mehr und mehr ausgrenzt. Und ganz schwer verletzt. Das ist wirklich eindringlich gezeichnet, und man kann ganz viel über das Thema lernen. Auch finde ich toll, dass sich letztendlich ein Bogen zieht, bis hin zum Thema Genozid. Hier schließt sich später noch ein Kreis, der aufzeigt, dass beides nicht so weit auseinander liegt. Das eine ist Ausgrenzung im Kleinen, das andere im Großen.

"Schlangenlinien" von Minette Walters fand ich damals auch lehrreich. Man konnte sich gut eindenken in die Thematik Tourette.

Nicht wahr?! "Haben und Sein" klingt wirklich ausgesprochen interessant! Gerade in der heutigen Zeit und hierzulande, wo - Du sagst es so treffend - die Menschen Statussymbolen hinterher jagen und dabei die wichtigen Dingen des Lebens aus den Augen verlieren. Da hast Du sehr recht! Das Sein wird oft völlig vergessen.

Dass Dich das Thema Ernährung, bzw. Nahrung, stark interessiert, finde ich immer wieder gut. Denn das ist auch so etwas, worüber man sich leider viel zu wenig Gedanken macht. Du solltest unbedingt mal :arrow: "Tiere essen" von Jonathan Foer lesen. Das ist ganz bestimmt was für Dich! Ich selbst habe noch zu viel Angst vor dem Buch. Ich fürchte, ich verkrafte die Wahrheit nicht, bzw. kann danach mit meinem Handeln (bestimmt durch Bequemlichkeit und Gewohnheit) noch schlechter leben. Das Buch gibt es übrigens auch als :arrow: Hörbuch. Doris hat das Buch gelesen. Ich habe bei ihr zu Hause mal kurz reingelesen. Foer schreibt auch sehr gut. Davon konnte ich mich schon in "Extrem laut und unglaublich nah" überzeugen.

Britti hat geschrieben:Deine Literatur dazu klingt auch gut und es ist toll das sie dir diese Erkenntnis gebracht hat.


Ja, das war eine schöne Erkenntnis, die ich dadurch gewonnen habe, und die sich auch sehr tief eingeprägt hat. Wenn Bücher so etwas können, dann ist das einfach toll!

Vielen Dank auch, dass Du mich an Khaled Hosseini erinnerst. Die Themen Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit als Frau sind immens wichtig. Ich mag Bücher, die sich mit diesen Themen beschäftigen sehr. Aber auch Bücher, die sich mit Immigranten beschäftigen. Heimatlosigkeit, Verlust von Heimat, aufeinander treffen verschiedener Kulturen. Alles Themen, auf die wir heute überall bei unseren Mitmenschen stoßen. Ich finde es wichtig, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen.

Britti hat geschrieben:Dinge die für uns so selbstverständlich sind, aber anderswo auf der Welt eben nicht.


Oh ja. Und hier können Bücher uns sensibler machen für diese Dinge. Den Blick auf das richten, was wir für selbstverständlich erachten, anderswo auf der Welt aber alles andere als selbstverständlich ist.

Britti hat geschrieben:Ist es nicht toll das wir aus unseren Büchern etwas fürs Lebenmitnehmen können?!


Ja, das ist toll! Und ich freue mich, dass Du diesen Thread so schön bereichert hast. :-)