Mit meinem Lesejahr 2025 kann ich im Großen und Ganzen zufrieden sein, auch wenn es in der ersten Jahreshälfte zuerst nicht danach aussah. Im Januar fing das Jahr noch vielversprechend an, dann ist im Februar meine Mutter gestürzt und das hat unsere Familie vor einige Herausforderungen gestellt. Zeit und Muse zum Lesen gab es da wenig, sodass ich im ersten Halbjahr gerade mal 15 Bücher geschafft habe. Nachdem meine Mutter nach langen Krankenhausaufenthalten und unzähligen Reha-Maßnahmen im Juni dann endlich soweit genesen war, dass sie sich zum Großteil wieder selbst versorgen konnte, nahm mein Lesejahr in der zweiten Jahreshälfte dann Fahrt auf, denn nun hatte ich wieder mehr Zeit für mich und der Nachholbedarf war groß.
Letztendlich habe ich es bis zum Jahresende auf 65 Bücher geschafft, 50 davon habe ich allein in der zweiten Jahreshälfte gelesen. Damit sind es 2025 ein paar mehr Bücher geworden als im Vorjahr. Das ist nicht zuletzt aber auch dem Umstand geschuldet, dass ich viele relativ kurze Bücher gelesen habe. Der Großteil meiner gelesenen Bücher hatte einen Umfang zwischen 200 und 300 Seiten. Nur wenige kamen über 300 Seiten und nur ein einziges Buch war 500 Seiten stark. Die Vorliebe für dünnere Bücher hat sich in den vergangenen drei Jahren bei mir etabliert, 400 Seiten sind für mich mittlerweile die Schallgrenze, alles was darüber geht, wird nicht mehr gekauft. Zum einen ist das dem Umstand geschuldet, dass ich nicht mehr so lange am Stück lesen kann und dadurch bei umfangreicheren Büchern schnell die Lust verliere. Zum anderen lassen sich dünnere Bücher besser transportieren, denn eine feste Lesezeit ist bei mir nach wie vor die Zugfahrt von und zur Arbeit.
Meinen 65 gelesenen Büchern stehen 8 abgebrochene Bücher gegenüber, es gab also auch den einen oder anderen Fehlgriff im vergangenen Lesejahr.
Die Qualität meiner gelesenen Bücher bewegte sich überwiegend im Mittelfeld, ein paar sehr gute Bücher waren aber auch dabei. Näheres dazu habe ich im Top-Flop-Thread geschrieben.
Mit der aktuellen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur kann ich immer weniger anfangen, das hat auch das vergangene Lesejahr gezeigt. Das ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass es offensichtlich kaum noch anspruchsvolle deutschsprachige Romane mit einer positiven Grundstimmung gibt und ich immer mehr das Gefühl habe, dass alles nur noch düster und depressiv oder überzogen frustriert-sarkastisch sein muss. Traurigerweise kamen einige der Bücher, die für mich 2025 zur Enttäuschung wurden, aus Verlagen wie Diogenes oder Eisele, die für mich bisher immer ein Garant für halbwegs gute Bücher waren. Offensichtlich bewegen sich auch diese Verlage weg vom Anspruch hin zu massentauglichem Mainstream.
Die eine oder andere Perle der Gegenwartsliteratur habe ich aber zum Glück trotzdem gefunden, meiner Buchhändlerin sei Dank.
Viele vergnügliche Lesestunden haben mir dagegen wieder die Romane aus der „Golden Age of Crime“ und die modernen Klassiker beschert, hier insbesondere die englischsprachigen und meine Präferenz für Autorinnen, deren Schaffensperiode in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts bis hinein in die 1960er lag, hat sich bei mir fortgesetzt. Der britische Buchmarkt ist hier schier unerschöpflich und es gab auch 2025 für mich wieder einiges zu entdecken. Barbara Pym und Angela Thirkell waren auch 2025 wieder meine bevorzugten Autorinnen, wenn es um Stimmungsaufheller geht. Die meisten Bücher habe ich 2025 allerdings wieder von Agatha Christie gelesen, die mit 6 gelesenen Büchern die Spitzenreiterin ist. Leider war diesmal auch ein Krimi dabei, der mich nicht überzeugen konnte, aber auch eine Queen of Crime darf mal Ausschuss produzieren. Es sei ihr verziehen.
Gefreut hat es mich, dass sich unter meinen 2025 gelesenen Büchern auch wieder ein paar Klassiker befinden, neben Fontane sind es hauptsächlich Werke aus der viktorianischen Zeit. Und ich habe 2025 viktorianische Geistergeschichten für mich entdeckt, nachdem ich zum Geburtstag im Oktober eine schöne illustrierte Ausgabe viktorianischer Geistergeschichten geschenkt bekommen habe.
Literarisch unterwegs war ich auch 2025 wieder fast ausschließlich in Europa und hier zum Großteil in Großbritannien, Deutschland und Österreich, der Rest verteilt sich auf wenige andere europäische Länder und es gab zwei Abstecher auf den nordamerikanischen Kontinent und zwei nach Südamerika. Was Settings betrifft, blieb ich auch 2025 in gewohnten Gefilden.
