Hallo Wolf,
vielen Dank, daß du diesen Thread eröffnet hast!
Wolf hat geschrieben: Momentan lese ich den ersten Band von
Ikkyu von Hisashi Sakaguchi, ein in deutscher Übersetzung bei Carlsen erschienener Manga, der vier Teile umfaßt. (....) Eingebettet ist das alles in eine Darstellung des geschichtlichen und kulturellen Hintergrunds des mittelalterlichen Japan. Wenn man das liest, merkt man erst, wie wenig Ahnung man von japanischer Geschichte hat.

Die Namen der Herrscher und Herrscherhäuser sind einem völlig unvertraut, aber man wird beim Lesen durch erläuternde Fußnoten unterstützt, außerdem enthält der Band am Ende noch hilfreiche Anmerkungen.
Ah, ich kann nachvollziehen, wie es einem da geht. Irgendwie schwach, daß man in deutschen Schulen von Weltgeschichte nicht viel gelehrt bekommt, alles, was über Europa (vielleicht noch die wichtigsten Eckdaten amerikanischer Geschichte) hinausgeht, fällt ja der knappen Unterrichtszeit zum Opfer. Ob die Japaner mit dem Geschichtsunterricht generell früher beginnen als wir (7. Klasse)? Denn die werden ja offenbar recht ausführlich mit abendländischer Geschichte in den Schulen konfrontiert...
Mein derzeit liebster Manga ist auch historisch:
"Tail of the Moon" von Rinko Ueda (oder besser: Ueda Rinko). Die Handlung ist in der Tensho-Zeit (2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.) in Iga angesiedelt und kreist um Ninjas, aber auch um ihre Bedrohung durch die Eroberungspläne des Territorialherrn Oda Nobunaga. Der Manga beginnt noch recht amüsant, Hauptfiguren sind Usagi, die fünfzehnjährige Enkelin des Vorstehers eines der Ninja-Dörfer, und Hanzou Hattori, der Anführer einer anderen Ninja-Siedlung, als dessen Verlobte sie bestimmt wird, weil sie wegen ihrer ungeschickten Art als Ninja selbst nicht taugt. Zunächst sind Usagis Mißgeschicke bei ihren Bemühungen, Hanzou zuliebe doch noch ein brauchbarer Ninja (weiblich: Kunoichi) zu werden, sehr witzig und die sich entwickelnde Beziehung zwischen dem eher ablehnenden Hanzou und Usagi anrührend. Doch in den folgenden Bänden wird die Geschichte ernster, denn die historischen Ereignisse nehmen zunehmend Einfluß auf die Handlung.
Der Manga ist außer in Japan bislang nur in den USA, bei Viz Comics, verlegt worden und ist in 15 Bänden abgeschlossen. Auch dieser Verlag liefert grundsätzlich in seinen Manga-Bänden einen Anhang, in dem auf ein paar Seiten die fremden Begriffe, Personen oder historischen Daten erläutert werden.
Wolf hat geschrieben: Trotz des vielleicht etwas schwierig erscheinenden geschichtlichen Hintergrunds, in den man sich als Nichtjapaner erst mal einfinden muß, liest sich die Geschichte dann doch erstaunlich flott, man folgt gerne der eigenwilligen und bemerkenswerten Figur des Ikkyu, von dessen Leben natürlich nicht alle Einzelheiten bekannt sind, weshalb der Autor und Zeichner hier auch seine eigene Phantasien und Ideen einfließen ließ.
Ich habe in Ikkyu mal kurz reingesehen - der Zeichenstil erinnert mich an irgendeinen Mangaka, aber -kopfkratz- ich komme nicht drauf, an welchen...
Übrigens: Auch Ueda berichtet in den Randkolumnen von ihren Recherchen zu dem Manga, so hat sie z.B. die erhaltenen bzw. wiederaufgebauten Ninja-Siedlungen besucht, die in Iga als eine Art Freiluftmuseum zu besichtigen sind, und wo man auch über diverse Handwerksberufe, Waffen, Kleidung und Gifte der Ninjas mehr erfahren kann. Ich finde den Manga vor allem wegen dieser ausgewogenen Mischung aus Komik, Ernsthaftigkeit und dem faszinierenden historischen Hintergrund so lesenswert. Und nach ein paar Bänden ist man wirklich am Schauplatz und in der Handlung"drin".
Gruß,
Trixie