Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Di 17. Feb 2026, 18:42

Das öde Haus

Ja, ein leeres Haus ist doch ein idealer Ort für Unheimliches.
Wieder haben wir eine Rahmenhandlung und wieder sitzen 3 Männer beieinander, wie in Der Sanctus. Mir fiel auch wegen den Augen und dem Spiegel so gleich der Sandmann ein. Der Unterschied zwischen Nathanael und Theodor ist, dass Nathanael in den Wahnsinn kommt, Theodor jedoch geheilt daraus hervorgeht.

Und wir sind mitgenommen in das Thema der Romantischen Medizin. Es gab Pioniere der "Romantischen Medizin", wie Schubert, Reil, u.a.. Theodor nennt sie in der Geschichte. Es geht um Wahnsinn, Magnetismus, Mesmerismus…

Ich höre derzeit die Hörspiele „Verbrechen und Märchen“ mit den Gebrüder Grimm und ab der 3. Staffel ist auch Dr. Reil mit im Ermittlerteam (Dr. Johann Christian Reil (1759–1813)) :breit_grins:

Es ist schwer, zu unterscheiden, was sich in Theodors Phantasie abspielt und was noch real ist. Gerade auch der Hinweis auf die spalanzanische Fledermaus gibt, wie ich finde, nochmal den Anstoß, dass das meiste eben doch in Theodors Vorstellung passiert. Der Begriff geht auf Lazzaro Spallanzani und seine Erforschung von Fledermäusen zurück, die ja blind mit Echoortung fliegen.


Das finde ich jetzt sehr interessant zu welcher Schlussfolgerung du gekommen bist. :daumen_hoch:
Und wie im Sandmann kommt Spallanzani und seine Forschung vor. ETA Hoffmann gebraucht das selbst Erlebte und reale Personen um seine unheimlichen Geschichten zu konstruieren.
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Mi 18. Feb 2026, 14:07

Das Majorat

…müsste die längste Erzählung unter den Nachtstücken sein.

Der Beginn der Geschichte ist verheißungsvoll:

Dem Gestade der Ostsee unfern liegt das Stammschloß der Freiherrlich von R..schen Familie, R..sitten genannt. Die Gegend ist rauh und öde, kaum entsprießt hin und wieder ein Grashalm dem bodenlosen Triebsande, und statt des Gartens, wie er sonst das Herrenhaus zu zieren pflegt, schließt sich an die nackten Mauern nach der Landseite hin ein dürftiger Föhrenwald, dessen ewige, düstre Trauer den bunten Schmuck des Frühlings verschmäht und in dem statt des fröhlichen Jauchzens der zu neuer Lust erwachten Vögelein nur das schaurige Gekrächze der Raben, das schwirrende Kreischen der sturmverkündenden Möwen widerhallt.


Treibsand, nach düstere Trauer aussehender Kiefernwald, Raben… das sind schon mal ein gute Zutaten für eine unheilvolle Geschichte.

Mal sehen wie es weitergeht.


Ein Majorat =
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon steffi » Do 19. Feb 2026, 19:18

Schön, dass dir der Dr. Reil wiederbegegnet ist !

Ich finde es erstaunlich, wieviel echte Personen, Orte usw. Hoffmann in seine Erzählungen einbaut. Und du hast Recht, die Anfänge machen eigentlich immer neugierig.

Das Schloß in Das Majorat soll dem Herrenhaus Rossittennin Ostpreußen nachempfunden sein.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Fr 20. Feb 2026, 12:03

steffi hat geschrieben:Schön, dass dir der Dr. Reil wiederbegegnet ist !

Ich finde es erstaunlich, wieviel echte Personen, Orte usw. Hoffmann in seine Erzählungen einbaut. Und du hast Recht, die Anfänge machen eigentlich immer neugierig.

Das Schloß in Das Majorat soll dem Herrenhaus Rossittennin Ostpreußen nachempfunden sein.


Und wir befinden uns anscheinend an der Kurischen Nehrung.
Ich habe das Gefühl, dass ETA Hoffmann für spätere Schriftsteller weit aus wichtiger war als gedacht. Ich fühle mich manchmal an Thomas Mann erinnert, sogar ein Eindruck von Fontane kam bei mir auf. Allein wenn ich an das Band am Kleid der Baronin denke, das sich beim Klavierspiel löst.

Das Majorat ist wirklich in Callots Manier geschrieben. Theodor und sein hypnotisch-gesteigertes Empfinden für Saraphine ist sehr übertrieben und in den Wahnsinn treibend.

in Callots Manier" = ein Synonym für eine romantisch-phantastische Betrachtungsweise, die das Leben in bizarren, detaillierten und oft schmerzhaft verzerrten Bildern darstellt.

Ich bin ungefähr bei der Hälfte, als man meint die Baronin ist gestorben. Sehr theatralisch ! Mal sehen ob der Großonkel seinen „Vetter“ bei Vernunft halten kann.

Eine wendungsreiche Geschichte.
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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon steffi » Mi 25. Feb 2026, 16:09

Das Majorat

habe ich beendet. Eine Schauergeschichte mit Familienzwist, Todesfällen und spukenden Gestalten. Die Protagonisten sind durch das Majorat, also die Unteilbarkeit des Nachlasses, schicksalhaft verbunden. Durch die Besitzgier laden sie Schuld auf sich und zerstören in ihrem Wahnsinn letztendlich alles. Es war durchaus spannend und ich denke, die Erzählung kann mit anderen bekannteren Schauerromanen durchaus mithalten. Ich kann mir auch vorstellen, dass Hoffmann andere Schriftsteller damit inspiriert hat.
Gruss von Steffi

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Re: Leserunde: ETA Hoffmann - Nachtstücke

Beitragvon JMaria » Do 26. Feb 2026, 12:32

steffi hat geschrieben:Das Majorat

habe ich beendet. Eine Schauergeschichte mit Familienzwist, Todesfällen und spukenden Gestalten. Die Protagonisten sind durch das Majorat, also die Unteilbarkeit des Nachlasses, schicksalhaft verbunden. Durch die Besitzgier laden sie Schuld auf sich und zerstören in ihrem Wahnsinn letztendlich alles. Es war durchaus spannend und ich denke, die Erzählung kann mit anderen bekannteren Schauerromanen durchaus mithalten. Ich kann mir auch vorstellen, dass Hoffmann andere Schriftsteller damit inspiriert hat.



Du bringst es immer gut auf den Punkt.
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