Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon SilkeS. » Di 23. Feb 2010, 16:16

Hallo zusammen!

Silke, "Die Stadt der träumenden Bücher" habe ich mal als Hörbuch gehört. Das ist doch das Buch von Moers, in dem auch die Szene mit den 100 Seiten Lanzenpflege enthalten ist, nicht wahr? Nee, was habe ich über diese Stelle gelacht! Viel Spaß noch mit dem Buch!

Ähm, 100 Seiten Lanzenpfelge hatte ich bislnang noch nicht. Vielleicht kommt es noch, ich bin erst bei der Häflte.
In meinem Buch geht es um dass geehrte Manuskript, wo Hildegunst von Mythenmetz (allein schon der Name ist herrlich) den Verfasser versucht zu finden und dabei in den Katakomben von Buchheim, der Stadt der träumenden Bücher landet.

Ich lese gerade das Josie: Der Schatten des Windes gelesen hat. Ich höre es grad als HB beim Bügeln und bin total begeistert
Danke auch PEtra für den Tipp in dem Zusammenhang zu dem Buch "DEr Club Dumas" das Buch wollte h mal lesen, unn nun gehe ich mal auf die Jagd :D

Gruß SilkeS.
SilkeS.
 
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon JMaria » Di 23. Feb 2010, 17:59

steffi hat geschrieben:Ich habe mit Herztier von Herta Müller begonnen.

Und ich muss sagen, es ist faszinierend, aber auch anstrengend. Müller hat schon einen sehr eigenen Stil, nicht flüssig wie eine normale Geschichte sondern mehr in Richtung moderne Lyrik. Sie baut Bilder auf, die sie nachher wieder als Metaphern hernimmt, vieles sind Andeutungen und man muss schon sehr aufmerksam lesen und sich voll auf den Text einlassen. Schon durch kleine Worte ergeben sich Gefühle, ein Halbsatz kann eine ganze Geschichte erzählen.

So schreibt sie z.B. über (ihre?) Grossmutter: Das Kind hat zwei Grossmütter. Die eine kommt am Abend mit ihrer Liebe ans Bett, und das Kind sieht zur weißen Zimmerdecke, weil sie gleich beten wird. Die andere kommt am Abend mit ihrer Liebe ans Bett, und das Kind schaut ihre dunklen Augen an, weil sie gleich singen wird. ... Die singende Grossmutter lebt neun Jahre länger als die betende Grossmutter. Und sechs Jahre länger lebt die singende Grossmutter länger als ihr Verstand. Sie erkennt keinen mehr im Haus. Sie erkennt nur noch ihre Lieder.

Durch den Stil gibt es eine große Distanz zwischen der Geschichte oder der Ich-Erzählerin und dem Leser. Mir kommt es vor, als ob ich als Leser diese Distanz überwinden muss, anstatt dass die Geschichte zu mir kommt.


Hallo Steffi,

du hast mich nun doch neugierig gemacht auf "Herztier". Ich dachte, ich könnte einen Bogen um Herta Müller machen. Doch was du schreibst ist im Grunde das, was ich an einem guten Roman schätze.

Liebe Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon steffi » Mi 24. Feb 2010, 10:57

Hallo JMaria,

ich kann dir das Buch ja ausleihen. ;) Für mich ist der Stil schon anstrengend, weil sich mittlerweile die eher lyrischen Passagen abwechseln mit fast normalem Erzählstil. Das unterbricht dann immer meinen Lesefluss, weil mich diese gedichtähnlichen Stellen schon sehr aufhalten und hemmen. Dann kommt wieder ein anderer Rhytmus und ich stürze mich drauf, um gleich danach wieder gestoppt zu werden.

Aber wie gesagt, das ist auch faszinierend und eine Bereicherung.

Ob die anderen Bücher von ihr auch so sind, weiß ich nicht.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon JMaria » Mi 24. Feb 2010, 10:59

Petra hat geschrieben:
Maria, Deine Eindrücke zu Camus' "Die Pest" habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich kenne von Camus ja bereits "Der Fremde" und "Der Fall". Beide sehr interessant - besonders "Der Fremde" hatte es mir angetan. Diese andere Sichtweise auf unsere Existenz. Wenn man nicht urteilt und wertet was gut und richtig ist oder böse und falsch, dann werden Moral und Gesetze aus den Angeln gehoben. Moral,... da gibt es dann eine tolle Szene, in der man sich mit dem Protagonisten gemeinsam fragt, WER hier eigentlich unmoralisch ist... ach... ich werde dieses Hör-Erlebnis nie vergessen! Und bin in dem Fall auch wirklich froh es GEHÖRT und nicht GELESEN zu haben. Denn ich glaube, dass mir der Sprecher (Ulrich Mattes) hier noch von seinem tiefen Verständnis für Camus' Sichtweise vieles weitergeben hat! Wer weiß ob es sonst so nahe an mich herangekommen wäre. "Die Pest" habe ich noch vor mir - ebenfalls als Hörbuch, gelesen von Ulrich Mattes. Vielleicht können wir uns bald über den Stoff austauschen.



Hallo Petra,

Ulrich Matthes hat eine sehr intensive Art den Stoff zu verinnerlichen und ihn auf den Hörer zu übertragen. Das spürte ich bei seiner Kafka-Lesung "Das Schloss". Ich habe mir "Die Pest" als Hörbuch bereits auf meinen MP3-Player gespielt und möchte mir die Lesung nach dem Lesen des Buches anhören. Auch deinem Hörerlebnis mit dem "Fremden" möchte ich nachgehen. Das interessiert mich nun doch sehr.

vielen Dank für deine detailierten Ausführungen.

Liebe Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Petra » Mi 24. Feb 2010, 12:10

Hallo Ihr Lieben,

@Silke: Die 100 Seiten Lanzenpflege kommen auf jeden Fall in "Stadt der träumenden Bücher" vor. Habe noch mal recherchiert. Ich hatte das sogar extra in meiner :arrow: Rezension zum Hörbuch erwähnt, weil ich das so drollig (und irgendwie wahr) fand! Hat man oft, was dort geschildert wird! :mrgreen:

Ich wünsche Dir mit dieser Stelle - und natürlich dem ganzen Rest des Buches - noch viel Spaß! :-)

@Maria: An Deinem Vergleich zwischen Buch und Hörbuch zu Camus' "Die Pest" bin ich SEHR interessiert! Denn ein Sprecher bringt ja immer seine eigene Interpretation mit hinein. Ich wäre neugierig darauf, ob Du es von Ulrich Matthes passend interpretiert findest. Oder ob es es sogar noch unterstrichen hat. Oder ob er neue/andere Gedanken auslöst, die Du beim lesen nicht hattest. Sehr spannend fände ich das. Bitte berichte!

"Der Fremde" hat mich wirklich so nachhaltig beeindruckt, dass ich jetzt noch ganz gefangen von der Lesung bin - Jahre nachdem ich sie gehört habe!

Ich finde auch, dass Urlich Matthes ganz besonders intensiv in solche Werke eintaucht und ein besonderes Verständnis dafür hat und auch vermittelt. Auf "Das Schloss" von Kafka hast Du mich schon sehr neugierig gemacht. Und da Du es hier erneut erwähnst, frischst Du diese Neugierde auf. Ich möchte eh meinen neuen iPod noch ausgiebiger bestücken. Beim durchgehen meiner ganzen Hörbücher wird es mir wieder in die Hände fallen und gewiss auf meinen Player wandern.

@Trixie: Das hast Du passend beschrieben. Dass die Schauer-Elemente bei Barbara Michaels eher unauffällig eingebaut sind, machen sie wirklich erst erträglich und überzeugend. Schön beobachtet!

An der Autorin finde ich so faszinierend, dass sie ganz unterschiedliche Bücher/Serien in sogar unterschiedlichen Genres geschrieben hat. Auch ihre Ägypten-Krimis mit der tollen Figur der Amelia Peabody finde ich sehr schön! Ebenso aber auch ihre Mystery-Thriller. Hat alles was - jedes so auf seine Weise. Magst Du mir Deine Lieblinge von Barbara Michaels nennen? Vielleicht habe ich irgendwann mal wieder Lust mich mit solch einem Buch ganz gemütlich auf meinem Sofa einzukuscheln! :-)

Auch ihre beiden anderen Serien, die sie als Elizabeth Peters veröffentlich hat, würden mich mal interessieren, wenn mal Lesezeit dafür übrig ist. Sowohl Vicky Bliss, als auch Jacqueline Kirby würde mich interessieren.

Sie hat übrigens auch Sachbücher unter dem Namen Barbara Mertz veröffentlicht. Interessante Person!

@Rachel: Stimmt, da habe ich gar nicht dran gedacht. Für Dich bedeutet es noch etwas mehr (bzw. etwas anderes) mal ein Buch eines deutschen Autoren zu lesen. Denn dann liest Du wirklich mal in deutscher Sprache, was ja wieder auch ein anderes Erlebnis ist.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Binchen » Mi 24. Feb 2010, 13:44

Huhu liebe Petra,

ein paar von den anderen Büchern von Elizabeth Peters subben schon bei mir. Bei Gelegenheit lass ich Dich mal reinschauen, die meisten gibt es eh 2nd Hand.
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Trixie » Mi 24. Feb 2010, 17:01

Hallo Petra,

Petra hat geschrieben: Magst Du mir Deine Lieblinge von Barbara Michaels nennen? Vielleicht habe ich irgendwann mal wieder Lust mich mit solch einem Buch ganz gemütlich auf meinem Sofa einzukuscheln! :-)

Auch ihre beiden anderen Serien, die sie als Elizabeth Peters veröffentlich hat, würden mich mal interessieren, wenn mal Lesezeit dafür übrig ist. Sowohl Vicky Bliss, als auch Jacqueline Kirby würde mich interessieren.


einige Romane von Barbara Michaels subben bei mir noch, d.h. ich habe sie mir begeistert beschafft, als sie gerade günstig und überhaupt noch zu bekommen waren (inzwischen sind viele Titel leider schon vergriffen), und seitdem horte ich sie, komme aber nicht zum Lesen.
Von zwei Romanen allerdings habe ich auf meiner HP-Seite zu Peters/Michaels eine Rezi. Ich war von Das Haus der bösen Ahnungen recht angetan (dort hat sue diese gruseligen Elemente, für die sich am Schluß rationale Erklärungen finden, ebenfalls schön subtil gestaltet. Weniger kam ich mit Here I Stay zurecht. Wobei ich gar nicht mal sagen könnte, warum eigentlich. Es war wohl diese Atmosphäre, die Michaels darin aufbaute: etwas gruselig-unheimlich und generell bedrückend, was schließlich auch auf meine Stimmung beim Lesen abfärbte. Im Grunde ist das natürlich ein Merkmal für die Qualität der Autorin, wenn sie derart wirkungsvoll schreiben kann, aber unterm Strich muß ich sagen, daß mich diese Lektüre nicht zufriedengestellt hatte.

Die Romane, die sie als Elizabeth Peters geschrieben hat, kenne ich zahlreich: Von Amelia Peabody war ich seit ihrem ersten Abenteuer sogleich gefesselt, wenn auch nicht so sehr wirkliche Kriminalfälle das bewirkten als vielmehr die hervorragende Mischung aus Geschichte, Archäologie und Humor. Die Familiengeschichte der Emersons habe ich bis zu Die goldene Göttin ins Jahr 1917 verfolgt, die weiteren Bände habe ich zwar, allerdings -komme ich auch hier nicht zum Lesen :cry: . Ich sollte die Reihe vielleicht noch einmal von Anfang an starten, sie lohnt sich...
Vicki Bliss mag ich ebenfalls, sie hat so interessante Fälle, die mich als Kunsthistorikerin natürlich begeistern. Aus dieser Reihe ist übrigens jüngst Laughter of Dead Kings erschienen (die Taschenbuch-Ausgabe), die Vicki nach Ägypten führt.
Jacqueline Kirby ist eine etwas seltsame Figur: eine Biliothekarin mittleren Alters, die manchmal der Teufel reitet - und ihre Erschafferin, glaube ich, auch. In dieser Reihe läßt sie ihren Humor viel öfter einfließen. Auch Jacqueline kommt ziemlich in der Welt herum.
Und dann gibt es noch einige ganz tolle Einzelromane, die sie als Elizabeth Peters schrieb. Von denen ist mir zweifellos Dead Sea Cipher/ Das Geheimnis der alten Schriftrollen der liebste, schon allein wegen des Konzepts (eine Busreisegruppe durch den Libanon/Syrien/Israel, von denen offenbar alle irgendwie in einen Mordfall verwickelt sind). Ich liebe spannende Geschichten vor exotischer Kulisse, weswegen z.B. M.M. Kayes Krimis ja auch meine absoluten Lieblinge sind und bleiben werden. Für Autor(inn)en, die diesen unaufdringlichen aber dennoch fesselnden Erzählstil, diese Mischung aus Abenteuer, Romantik und Krimi beherrschen, bin ich eine ideale und sehr dankbare Leserin. Leider sind sie eine wirklich aussterbende Rasse, denn es fällt mir immer schwerer, in dieser Richtung noch Bücher zu ergattern.

Gruß,
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Josie » Mi 24. Feb 2010, 20:26

Liebe Petra,

danke für den Tipp "Der Club Dumas". Der Titel sagt mir zwar was, aber er hat mich nie gereizt mal zu schauen, worum es in dem Buch eigentlich geht. Es hört sich jedoch danach an, als ob es 100 % in mein Beuteschema passt und bin daher wirklich glücklich für deinen Hinweis auf das Buch. :D Ist es empfehlenswert, vorher "Die drei Musketiere" gelesen zu haben?

Mit Charlotte MacLeod bin ich nach wie vor beschäftigt. Ich war die letzten Tage kaum zu Hause, hatte überall eigentlich mit vielen Warte- und somit Lesezeiten gerechnet, wo ich dachte, ich käme währenddessen in den Genuss des ausgiebigen Lesens und habe das Buch daher hoffnungsvoll überall hin mitgeschleppt ebenso wie "Die Buchhandlung" und "Melnitz" (falls ich MacLeod beende, womit ich fest gerechnet habe). Aber das war leider nicht der Fall. Seit Mitte letzter Woche kam ich nicht eine Seite weiter :| . Aber gleich werde ich es mir auf der Couch damit gemütlich machen und freue mich schon darauf. Wie immer, ist es herrlich entspannend. :)
Liebe Grüße
Claudia


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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Petra » Do 25. Feb 2010, 12:38

Hallo zusammen,

@Alle: Gestern habe ich Leon de Winters "Das Recht auf Rückkehr" beendet. Ich bin mit Befürchtungen an dieses Buch dran gegangen. Da er diesmal sehr politisch wird und sich zudem sein Lieblings-Thema ausgesucht hat (Israel), zu dem er sich ja auch gern in der Öffentlichkeit äußert (und oft auch hier und da aneckt), habe ich befürchtet, dass er mir zu radikal oder einseitig herüberkommt und mich abstößt. Abgestoßen hat er mich nicht, radikal ist er trotzdem mit der hier erzählten Geschichte. Aber auch nachdenklich stimmend. Ein wenig hat - wie ich befürchtet habe - sein großes Erzähltalent gelitten unter dem großen Thema, das er hier in den Mittelpunkt rückt (sonst hat er es in seinen Romanen ja auch immer mal einfließen lassen - aber immer nur nebenher). Aber wirklich nur ein wenig. Nur in so fern, dass mir z. B. "Sokolows Universum", "Leo Kaplan" und "Malibu" mehr am Herzen liegen, weil die Figuren noch unvergesslicher sind als die Figur des Bram hier. Aber es ist hier kein totaler Absturz seiner Erzählkünste, es handelt sich nur um leichte Einbußen zugunsten des Themas.

Alles in Allem hat er mir aber wieder große Lesefreude bereitet und mich spannend unterhalten. Und zu Gedanken um dieses brisante Thema hat er mich angeregt. Gut fand ich, dass er ein Zukunftsszenario gewählt hat und die Geschichte nicht im Hier und Jetzt spielt. Denn das würde dann zu sehr in einer Unterstellung ausarten. So ist es nur eine Vision von vielen möglichen. Eine nicht so undenkbare - schon heute nicht. Somit auch mutig es anzusprechen, es zum Thema zu machen. Solange man weiß, dass es nur eine Möglichkeit ist, finde ich es letztendlich schon lesens- und durchdenkenswert.

Wer mehr wissen will, sollte sich lieber meine :arrow: Rezension durchlesen. Da gehe ich noch mehr in die Tiefe.

Gestern Abend musste ich mir dann schnell ein neues Buch aussuchen und meine Wahl ist auf "Frankie Machine" von Don Winslow gefallen. Das gefiel mir in der Buchhandlung ja schon beim reinlesen so gut. So wollte ich meine Neugierde darauf nicht länger zügeln und habe heute morgen die ersten Seiten angefangen. Sehr vergnüglich bisher. Ich werde weiter berichten. Meine ersten Eindrücke dazu möchte ich gleich noch im Thread Literarische Weltkarte - wo befindet ihr euch? schildern.

Übrigens: Ich habe mein Bewertungssystem bei den Rezensionen noch ein weiteres Mal durchdacht, da ich auch mit 5 möglichen Sternchen nicht zufrieden war. Es verdeutlicht die Abstufungen meiner Begeisterung immer noch nicht ausreichend. Und wenn ich die Bewertung schon ändere, so dachte ich mir, dann mache ich es auch richtig. Somit habe ich mich jetzt entschieden nicht mehr Sternchen, sondern Punkte zu vergeben - max. 10.

Für meine Highlights des Jahres habe ich mir vorgenommen, dass die Wertung über 9 Punkte liegen muss. Also mindestens 9,1. Nicht jedes Highlight muss 10 Punkte haben. Die Highlights waren auch ein Grund, warum ich noch mal umgedacht habe. Denn bei den 5 Sternchen, die ich kürzlich als maximal gesetzt hatte, hätten es mir gefühlsmäßig schwer gemacht, einen Roman mit 4 Sternchen oder 4-5 Sternchen als Highlight zu werten. Dennoch hatte ich bereits mit "Winter in Maine" ein Buch, dem ich nicht die volle Punktzahl geben möchte, aber fast die volle. Dieser größere Spielraum (bis max. 10 Punkte) macht mir das jetzt gefühlsmäßig leichter. Nun bin ich zufrieden! :-)

@Josie: Das ist ja schade, dass Du in den letzten Tagen dann doch nicht die erhoffte Lesezeit hattest und dann auch noch die Bücher vergebens mit Dir herum geschleppt hast. Das tut dann noch mehr weh, wenn sie so nah sind und man sich doch nicht damit befassen kann! Umso schöner, dass Du Dich anscheinend dann gestern mit Charlotte MacLeod auf die Couch verkrümeln konntest! :-)

"Der Club Dumas" war für mich wirklich ein unvergessliches Leseerlebnis! Dumas Musketiere muss man davor nicht lesen. Kannst sofort mit Perez-Reverte anfangen! Den Tipp habe ich Dir sehr gern gegeben - dieses Buch empfehle ich wirklich von Herzen! Wie schön, dass er so hervorragend in Dein Beuteschema passt! :-)

@Binchen: Au ja, in die anderen Reihen von Elizabeth Peters würde ich gern mal reinschauen! Bitte bringe sie bei Gelegenheit doch mal mit! :-)

Von der Vicky Bliss-Reihe sind (zumindest die ersten Bände) noch lieferbar. Oder wieder... denn die Reihe ist ja aus den 70er Jahren, wenn ich das recht im Kopf habe. Und die wurden vor ein paar Jahren noch mal neu aufgelegt.

@Trixie: "Das Haus der bösen Ahnungen" kenne ich schon. Fand ich auch gut, wenn es auch schon zu lange her ist um genauer sagen zu können worum es da ging und warum es mir gefallen hatte. Es ist noch dieses Sofa-Kuschel-Leseerlebnis im Hinterkopf. Ebenso bei "Die Spur der Rose", der mir damals auch gut gefallen hat. Danke für den Link zu Deinen Rezis - ich schaue sie mir gleich mal näher an. Freue mich drauf!

Du bist also im kunsthistorischen Sektor bewandert. Klar, dass die Vicky Bliss-Reihe dann etwas für Dich ist! Sag: Der erste Band spielt in Rothenburg auf Schloss Drachenstein. Gibt es dieses Schloss wirklich? Ich wollte es mir gestern im Internet ansehen und habe darüber nichts gefunden, was mich sehr gewundert hat. Weißt Du dazu was (oder sonst jemand hier)?

Die Jacqueline Kirby-Reihe machst Du mir aber auch schmackhaft! Ich mag nämlich seltsame Figuren. Und Humor (ist natürlich immer eine Gratwanderung bzw. dann letztendlich im Einzelfall Geschmacksache) auch.

Die Einzelromane scheinen aber auch sehr interessant zu sein! Von denen wusste ich noch nichts. Danke für den Hinweis darauf! (Und natürlich an die Erinnerung an die Autorin M.M. Kayes!)

Die Amelia Peabody-Reihe habe ich Ende letzten Jahres als Hörbuch begonnen. Bereits der erste Teil hat mir wirklich gut gefallen, so dass ich die Serie gern weiter verfolgen möchte. Mangels Lesezeit aber wohl als Hörbuch. Zumal die weiteren Bände auch von Dagmar Heller gesprochen werden, die mir in Band eins wirklich ausgezeichnet gefallen hat. Ich denke sie unterstreicht passenden den Charme der Peabody-Reihe. Vielleicht auch eine Möglichkeit für Dich wieder in die Reihe einzusteigen: Die ersten Bände sind als Hörbuch verfügbar.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Binchen » Do 25. Feb 2010, 13:27

Hallo Ihr Lieben,

ich lese auch noch - Dank Martinas Intervention hab ich zu Rubinrot gegriffen, bin aber abends zu müde, obwohl es sich so schnell wegliest - ist schließlich ein Jugendbuch - aber es hat halt auch 350 Seiten.

@Bewertungsschema,

wie man bei den Hörbüchern lesen kann, experimentiere ich da auch gerade. Ich versuche es jetzt mal mit den ***** wobei nur ein wirklich außergewöhnliches Buch die ***** bekommen wird.

Allerdings liebäugle ich auch mit der 100% Skala - bzw. den Gradzahlen, wie z.B. bei der Krimicouch. Aber wie immer bei mir - das entwickelt sich *g*
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