Hallo zusammen,
erst einmal: Maria, kein Problem. Ist doch schön, dass Du den Faulkner-Abschnitt rausgeschnitten und ihm einen eigenen Thread gewidmet hast. Hier nun mein Posting von heute Vormittag:
Hallo zusammen,
gestern habe ich Anna Katharina Hahns "Kürzere Tage" zu Ende gelesen. Eine
Rezension habe ich dazu auch schon verfasst.
Meine abschließende Meinung dazu: Sehr lesenswert!
Anfänglich war ich da skeptisch. Es fing richtig intensiv an. Gefiel mir wirklich sehr. Doch dann fürchtete ich, es plätschert jetzt ewig so weiter und ich verliere das Interesse daran. Dabei ist dieses "plätschern" das Lebensgefühl von Judith und Leonie. Sie übernehmen den lethargischen Anteil in dieser Gesellschaftsstudie. Es folgen noch zwei (bzw. inklusive einer Nebenfigur) weitere Figuren, die andere Facetten aufzeigen. Das zum einen.
Aber zum anderen habe ich den Fehler gemacht zu sehr auf die Stimmen zum Buch zu hören. Die sind zwar letztendlich allesamt ganz richtig. Aber mir schien, als ginge es ausschließlich darum aufzuzeigen, dass jeder sein Leben selbst gestaltet. Darauf war ich fokusiert und das enthielten die einzelnen Lebensläufe nicht mit der Intensität, die ich erwartet hatte. Diese falsche Erwartung an die Erzählung konnte ich dann aber ablegen. In der Endaussage tauchten diese Gefühle zwar dann doch auf (ein Überdenken des eigenen Lebens und das Leben von Menschen, die ich kenne und die vielleicht auf den ein oder anderen hier geschilderten Typus passen könnten), aber eigentlich erhält der Leser eine Millieu- oder besser noch Gesellschaftsstudie. Eine sehr interessante, eine sehr treffende und auch berührende. Trotz, oder gerade wegen der Sachlichkeit, in der die einzelnen Alltagssituationen geschildert werden.
Die Schilderungen werden eh erst rund und perfekt, als die Kontraste (Das alte Ehepaar Posselt und der Jugendliche Marco, der aus einer ganz anderen sozialen Schicht kommt) aufgezeigt werden. Da fängt das Bild an rund zu werden.
Mich hat Anna Katharina Hahn mit ihren Schilderungen und Betrachtungen sehr berührt. Und für die Szenen mit den Posselts möchte ich sie ganz besonders loben. Wunderschöne Prosa - ganz eindringlich und anrührend. Das allein schon macht das Buch lesenswert! Ebenso der sichere, nüchterne Stil der Autorin. Und ihre Kunst nicht zu viel zu plaudern. Man hätte aus all dem auch ein weitaus dickeres Buch machen können. Wie gut, dass sie das nicht getan hat, sondern ihr Talent/Können es ihr erlaubt hat, so viel zu erzählen mit verhältnismäßig wenig Seiten.
Nun habe ich zu etwas lockerem gegriffen. "Mord unter Freunden" von Maria Ernestam. Und wie ich über das Buch gelesen habe, soll es weniger ein Krimi, als viel mehr ein Psycho-Drama sein. Somit habe ich die Hoffnung, dass ihr hier ähnliches gelingt wie mit ihrem "Die Röte der Jungfrau", das mir damals so ausnehmend gut gefallen hatte. Ich werde berichten! Heute morgen las es sich schon gut an. In dem Stil, den ich an der Autorin so mag und schätze.