Guten Morgen Ihr Lieben,
gestern habe ich noch mal Gas gegeben und die letzten Seiten von
"Hingabe" von Esther Verhoef verschlungen. Das war echt spannend! Endlich mal wieder ein richtig guter, fesselnder Psychothriller mit Lesesog. Darüber hinaus (von einem spannenden Thriller erwarte ich nicht unbedingt mehr), bot das Buch für mich aber auch interessante psychologische Aspekte. Wie sich die Hauptfigur verliert (ein zweites Mal, nachdem sie sich von ihrem Ex-Freund getrennt hatte) und wiederfindet, war nachvollziehbar geschildert. Und so manch ein Leser wird ähnliches auch schon mal erlebt haben. Ich fand es interessant, Margots Verhaltensweise zu beobachten. Was sie innerlich treibt, was sie so blind und unsicher macht... doch, das war gut! Den Plot fand ich auch intelligent gemacht. Die Autorin spielt mit dem Leser sehr geschickt. Wer gerne Psychothriller liest, dem sei dieser hier empfohlen! Den Vergleich mit Simone van der Vlught und Nicci French will ich hier nochmal aufgreifen und bestätigen. Wer die guten Bücher dieser beiden Autoren mag, liegt bei Esther Verhoefs "Hingabe" richtig. Eine Rezension folgt die Tage noch.
Gestern musste ich mich dann für was Neues entscheiden, und das fiel mir auch diesmal nicht leicht. Zum Schluss hatte ich die Auswahl wenigstens auf zwei Möglichkeiten beschränkt. Entweder mal wieder was von Jane Austen oder aber
"Erbin des verlorenen Landes" von Kiran Desai, auf das dann auch letztendlich meine Wahl gefallen ist. Ein bisschen Jane Austen bekomme ich dabei auch, denn eine der Hauptfiguren (die 16-jährige Sai) liest gern Jane Austen-Romane.

Schon auf den ersten Seiten hat mich die Autorin für diese Geschichte und die Figuren begeistert. Der Richter, seine Enkelin Sai und der Koch (dessen Sohn Biju in Amerika lebt und sich mit häufig wechselnden Jobs über Wasser hält), so wie Mutt, der kleine Hund des Richters, bilden am Fuße des Himalaja eine bizarre Wohngemeinschaft, in einem dickwändigen Steinhaus, in dem Kälte und Feuchtigkeit längst die Vorherrschaft übernommen haben.
Auch sprachlich verspricht das Buch schon viel auf den ersten Seiten. Eine sehr bildhafte Sprache, die viel Atmosphäre erzeugt. Der liebevolle Blick auf die (bestimmt nicht immer liebenswerten) Figuren (der Richter - soviel weiß der Leser schon - war mal verheiratet und hat ein Portweinglas nach seiner Frau geworfen, weil ihn angeekelt hat, wie sie gekaut hat), tut ein Übriges.
Besonders thematisch wird das Buch bestimmt bereichernd sein. Ich weiß so gar nichts von dem politischen Konflikt der 80er Jahre, von dem Kiran Desai hier erzählt. Und auch die Einflüsse, die die Kolonialzeit auf die Menschen genommen hat, werden hier sicher interessant abgebildet. Und die ersten Seiten lassen mich bereits darauf vertrauen, dass dies - bei allem Ernst - auf sehr unterhaltsame Weise passieren wird - und in einer Sprache, die man genießen darf! Wenn es so bleibt, dann wundert mich nicht, dass die Autorin für diesen Roman den Booker Prize bekam.
Schon auf den ersten Seiten fällt mir auf, dass die Figuren sehr viel Persönlichkeit ausstrahlen, obwohl zwei von ihnen (der Richter und der Koch) nicht mal beim Namen genannt werden. Das spricht sehr für die Erzählkunst der Autorin. Ebenso die sich vor dem Auge so rasch aufbauende Landschaft - auch das ist den Fertigkeiten von Kiran Desai zu verdanken.
Rachel, von Dir habe ich den Tipp ja vor einiger Zeit bekommen. Jetzt schon mal Danke dafür! Ich werde hier weiter über meine Leseeindrücke berichten. Für Dich war es ja ein Highlight-Buch. Meine ersten Eindrücke lassen mich das bereits verstehen!
