Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Petra » Mo 28. Jun 2010, 10:36

Hallo zusammen,

viel Lesezeit hatte ich nicht (wie auch, bei solch einem Fußball-Spiel? :D ), aber "Erbin des verlorenen Landes" liest sich auch weiterhin gut an. Viel Atmosphäre und viele Eindrücke. Sowie liebenswerte Figuren. Heute morgen auf der Fahrt zur Arbeit hatte ich schon einen kleinen Kloß im Hals, bei einer Szene, in der der Koch (ein Dienstbote - die sind immer verdächtig) eine Demütigung von Polizisten hinnehmen musste. Wie er - und auch die 16-jährige Sai - damit umgeht, hat mich berührt. Und auch der Schreibstil von Kiran Desai überzeugt mich sehr. Wie sie von den Welten in den Kellern der New Yorker Restaurants erzählt, die sich dort sammeln. Wie oben, im Restaurant, die Erste Welt speist, während unten die Dritte Welt (unterschiedlicher Nationen) kocht und abwäscht. Allein durch diese bildhafte Art zu erzählen regt die Autorin sehr zum nachdenken an und verleiht dem Roman eine ganz eigene Stimmung, derer man sich nicht entziehen kann. Ich bin gespannt wie sich die Geschichte weiter entwickelt.

Rachel, Du siehst, hier sind schon meine neusten Leseeindrücke. Ich werde Dich - und alle anderen, die es hier interessiert - gern auf dem Laufenden halten! :-)
Wenn Du "Der Guru im Guavenbaum" liest, berichte bitte. Es ist inhaltlich absolut nicht mein Ding. Deshalb glaube ich nicht, dass ich es lesen werde. Umso interessierter wäre ich aber durch Deine Eindrücke ein wenig daran teilhaben zu können.

Die :arrow: Rezension zu "Hingabe" habe ich inzwischen auch fertig. Und zum Benni Harper-Krimi "Die geheime Botschaft" habe ich auch noch eine :arrow: Rezension geschrieben.

Maria, auf Tony Hillerman machst Du (und einige andere hier) mich immer wieder neugierig! Schade, dass die meisten Bücher aus seinen Serien vergriffen sind. Sag, es gibt ja eine Reihe um Leaphorn eine um und Chee (zu der ja "Tod der Maulwürfe" der erste Band ist). Und es gibt eine Reihe mit beiden Ermittlern gemeinsam. Wie sollte man diese drei Reihen lesen? Ist es völlig egal, ob man zuerst die Chee-Reihe und dann die Leaphorn-Reihe liest? Oder sollte man mit den Bänden anfangen, wo beide eine Rolle spielen? Ich bin da etwas ratlos. (Wer nachschauen möchte, welche Bände zu welcher Reihe gehören, findet bei der :arrow: Krimi-Couch eine Auflistung.)

Silke, Carlos Ruíz Zafons "Das Spiel der Engel" scheint ja wieder genauso eine tolle und einzigartige Atmoshäre wie in "Schatten des Windes" zu erzeugen. Das freut mich zu hören, denn ich habe das Hörbuch noch vor mir.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon JMaria » Mo 28. Jun 2010, 11:14

Hallo Petra,

Petra hat geschrieben: Maria, auf Tony Hillerman machst Du (und einige andere hier) mich immer wieder neugierig! Schade, dass die meisten Bücher aus seinen Serien vergriffen sind. Sag, es gibt ja eine Reihe um Leaphorn eine um und Chee (zu der ja "Tod der Maulwürfe" der erste Band ist). Und es gibt eine Reihe mit beiden Ermittlern gemeinsam. Wie sollte man diese drei Reihen lesen? Ist es völlig egal, ob man zuerst die Chee-Reihe und dann die Leaphorn-Reihe liest? Oder sollte man mit den Bänden anfangen, wo beide eine Rolle spielen? Ich bin da etwas ratlos. (Wer nachschauen möchte, welche Bände zu welcher Reihe gehören, findet bei der :arrow: Krimi-Couch eine Auflistung.)



da ich weiß, dass du gerne die Entwicklung des Ermittlers mitverfolgst und wie sich diese aufbaut, würde ich dir raten zumindest ab der Jim Chee Reihe "Tod der Maulwürfe" zu beginnen, automatisch kommst du dann in die Reihe, in der beide, Chee und Leaphorn ermitteln. Jim Chee bekommt immer mehr Konturen und es ist sehr interessant, wie er zwischen Tradition und Moderne den Spagat findet.

Liebe Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Rachel » Di 29. Jun 2010, 12:09

Hallo Petra,

schön, dass Dir "Erbin des verlorenen Landes weiterhin gefällt. :)

Petra hat geschrieben:Wenn Du "Der Guru im Guavenbaum" liest, berichte bitte. Es ist inhaltlich absolut nicht mein Ding. Deshalb glaube ich nicht, dass ich es lesen werde. Umso interessierter wäre ich aber durch Deine Eindrücke ein wenig daran teilhaben zu können.

Nur aufgrund der Thematik hätte ich mir das Buch sicher auch nicht gekauft, aber ich war von "The Inheritance of Loss" einfach viel zu begeistert, um mir ein weiteres Buch von Kiran Desai entgehen zu lassen. Außerdem ist die Aufmachung der englischen Ausgabe deutlich weniger abschreckend als die der deutschen. ;)
Liebe Grüße,
Rachel

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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon SilkeS. » Fr 2. Jul 2010, 08:30

Hallo!

Ich habe es endlich geschafft den neusten Dan Brown zu lesen anzufangen.
Das Buch spaltet ja die Gemüter. Die einen finden ihn spannend und gut, anders finden, er geht garnicht.
Das Buch war ja etwa Zeitliche mit dem neusten Schätzing rausgekommen und man konnte in Artikeln über Vergleiche der beiden Bücher lesen, daß es hieß, der Brown wäre sehr oberflächlich und schlecht recherchiert geschrieben.
Für mich ist es bislang ein typischer Dan Brown: packend, voll mit Informationen über wissenschaft und Mytisches...


Habt ihr ihn gelesen? Wie habt ihr ihn empfunden?

Gruß Silkes.
SilkeS.
 
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Petra » Fr 2. Jul 2010, 09:39

Hallo zusammen,

Rachel, auch weiterhin gefällt mir "Erbin des verlorenen Landes" ausnehmend gut! Ich habe eben schon im Thread Literarische Weltkarte ein wenig über meinen Aufenthalt in Indien berichtet. Und den Nebenschauplätzen New York und England, die für Menschen aus einem Dritte Welt-Land nicht weniger deprimierend sind, wie Indien. Da kann man der Autorin nur ein ganz großes Kompliment aussprechen! Sie lässt den Leser alles mit den Augen der Figuren ihres Romans sehen. Dieser Blick ist um einiges nüchterner, als der zweite Blick, der unbewusst auf alles fällt. Nämlich der Blick mit den Wertmaßstäben des Lesers auf alles. Der nicht Armut leiden muss - mehr noch: Im (das wird einem hier erst mal so richtig bewusst!) maßlosen Luxus lebt. Mit diesem Blick schaut man unbewusst ein zweites Mal auf das, was man da liest. Und man merkt, wieviel größer, schlimmer, doller man die Armut und das Elend wahrnimmt, durch diesen zweiten Blick, der sich über den ersten legt.

Ehrlich gesagt beschämt mich das Buch. Meine kleinen Problem, ob ich ein Kilo zu viel habe (wo Essen für diese Menschen einfach nur existenziell ist und man schon froh ist, wenn man überhaupt irgendetwas hat, und sei es dreckiger Reis, mit Steinchen durchsetzt, an denen man sich die Zähne ausbeißt), ob meine neueste Lieferung (Bücher, Klamotten etc.) schon angekommen ist (wo der Koch selbst Alufolie so oft säubert und wiederverwendet, bis nur noch Fetzen oder Klumpen übrig sind und er sie dann immer noch nicht wegwirft, weil man sie ja noch mal irgendwie gebrauchen könnte), wohin ich bloß reisen soll (wo die Menschen z. B. dort in Indien an ihre Heimat festgebunden sind, oder höchstens illegal auswandern können und dann in dem Land, in das sie ausgewandert sind, festgenagelt sind, während sich andere Koffer kaufen um die Welt zu bereisen).

So kann das Buch Zweierlei: Die Augen öffnen für die Armut anderer Menschen! Sie scheint auf einmal nicht mehr so weit weg. Sondern fassbar. Und auf der anderen Seite (entgegen dieser deprimierenden Erkenntnisse) kann es Dankbarkeit und Freude hervorrufen. Für das was wir haben, was uns gegönnt ist. Den puren Luxus, in dem wir leben, schätzen lernen und uns bewusst machen. Beides wertvolle Erkennnisse.

Mich hat eine Szene ganz besonders traurig gemacht. Als der Richter noch ganz jung war und zum studieren nach England gegangen ist. Wie minderwertig er sich gegen andere gefühlt hat. Das wird so nüchtern und so wortkarg beschrieben. Und ist doch so verständlich und intensiv. Mensch... wie sich zwanghaft wäscht, damit niemand mehr sagen kann, dass er stinkt (damit er diese Demütigung nicht mehr ertragen muss!). Und wie er später selbst beim (seltenen) Lächeln die Hand vor den Mund hält, da er solch eine Kluft zwischen sich und den anderen sieht (die anderen ganz oben, er ganz unten), dass es ihm zu intim erscheint, wenn jemand seine Zähne sieht. Etwas aus seinem Inneren. Als wäre sein Körper etwas, was anderen eine Belästigung ist. Mensch, das setzt wirklich zu.

Und auch Biju tut mir so leid. Ich kann mir vorstellen, dass ich an seiner Stelle große Skrupel hätte, meinem Vater zu schreiben, wie unglücklich ich dort in New York bin. Welch Außenseiter und welch Abschau ich dort für die Menschen bin. Quasi nicht existent. Eine Schattengestalt. Und dass ich nicht mehr zu Essen und zum Leben habe, als in Indien. Denn ich wüsste, dass mein Vater sich für mich eine große Zukunft dort in den USA erhofft. Dass er ganz fest glaubt, dass es JEDEM in den USA besser geht als in Indien. Wie soll man seinem Vater diesen festen unerschütterlichen Glauben, seinen Stolz (auf den Sohn, der es nach Amerika geschafft hat), und sein Gefühl, dass es seinem Sohn gut geht, kaputt machen. Mir tut das Herz weh, wenn ich daran denke, was der Koch fühlen würde/müsste, wenn sein Sohn ihn das wissen lässt. Zwar erhält der Leser keine Info darüber, wie Biju das sieht. Aber ich kann mir das gut vorstellen. Doch die Tatsache, dass er seinem Vater auf dessen Bitte sich um andere aus Indien anreisende Bekannte zu kümmern, nicht sagt, dass er das gar nicht könnte (weil er selbst NICHTS hat und auch keinen Einfluss auf irgend etwas nehmen kann), zeigt mir, dass in Biju ähnliches vorgehen muss: Er kann seinem Vater das nicht sagen. Wieviel einsamer mag jemanden in Bijus Lage das machen?!

Auch die Szene, als der Richter mit seiner Frau verheiratet wird und seine vierzehnjährige Ehefrau ihn anfleht, sie zu verschonen. Das drückt so viel aus! Was heißt solch eine Ehe für eine Frau (ein Mädchen)? Welche Ängste hat sie, dem Mann (auch - oder besonders - sexuell) ausgeliefert zu sein. Alles mit sich machen zu lassen, ganz gegen ihren Willen. Und was heißt das auch für einen Mann. Einen Mann wie den Richter. Der ja kein böser oder schlechter Mensch ist. Nicht mal ein einfach nur rücksichtsloser Mann. Wie kann er je zu Zärtlichkeiten kommen? Wie kann er je körperliche Liebe erleben mit seiner Ehefrau? Er wäre ja gezwungen sie wirklich zu vergewaltigen. Da ist aber nicht jeder Mann in der Lage zu. Nicht mal auf eine möglichst schonende und milde Art und Weise, sich seiner Frau aufzudrängen. Nein, wie traurig das alles.

Kiran Desai erzählt mir so viel! Über die Menschen im indischen Dorf Kalimpong. Über Indien. Über die Menschen der Dritten Welt. Und über die Menschen der Ersten Welt. Über mich. Ich bin wirklich beeindruckt!

Rachel, spiegelt das auch die Empfindungen wider, die Du durchlebt hast, beim lesen?

Unvergessliche Szenen jedenfalls. Dabei so ruhig und unspektakulär (und eigen) erzählt. Und bildhaft. Nie werde ich Bilder vergessen, wie diese parallel zu der mir bekannten Welt existierenden Keller-Welten in den Restaurants (nicht nur in New York), in denen die Illegalen leben und miteinander teilweise nicht mal verständigen können. Diese illegalen Einwanderer, die mit nach Hause gehen meinen, in Gebäude (nicht mal wirklich ein Mietshaus) zurückzukommen, in denen sie mit unzähligen anderen fremden Menschen hausen müssen.

Wie wunderschön ist meine Wohnung! Es kommt mir vor wie ein Schloss! Und wie unfassbar glücklich macht mich meine vollkommene Freiheit, wenn ich über diese in ihren engen Grenzen lebenden Menschen lese, die (im Grunde) keine Chance haben, da heraus zu kommen.

Dass Du auf "Der Guru im Guavenbaum" trotz eigentlich auch für Dich nicht lockenden Inhalts neugierig bist, kann ich verstehen, Rachel. Eine ganz besondere Autorin. Ich selbst werde es zwar wohl trotzdem nicht lesen. Aber ich kann Dein 100%-iges Interesse für die Autorin gut verstehen!

@Maria: Vielen Dank für Deine Einschätzung wo man bei der Chee-Reihe einsetzen sollte. Richtig, mir wäre die Reihenfolge wichtig.

Wie ist es denn mit der Leaphorn-Reihe? Sollte man die auch lesen, bevor man die Chee/Leaphorn-Reihe liest? Wahrschein, oder? Und sollte man die Leaphorn-Reihe vor der Chee-Reihe lesen? Oder andersherum?

Wie ich im Thread Literarische Weltkarte gelesen habe, hast Du Dir nach "Tod der Maulwürfe" gleich noch einen Band von Tony Hillerman vorgenommen. Da scheint es Dir ja richtig gefallen zu haben. Schön! :-)
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon JMaria » Fr 2. Jul 2010, 14:45

Hallo zusammen,

Petra hat geschrieben:
@Maria: Vielen Dank für Deine Einschätzung wo man bei der Chee-Reihe einsetzen sollte. Richtig, mir wäre die Reihenfolge wichtig.

Wie ist es denn mit der Leaphorn-Reihe? Sollte man die auch lesen, bevor man die Chee/Leaphorn-Reihe liest? Wahrschein, oder? Und sollte man die Leaphorn-Reihe vor der Chee-Reihe lesen? Oder andersherum?

Wie ich im Thread Literarische Weltkarte gelesen habe, hast Du Dir nach "Tod der Maulwürfe" gleich noch einen Band von Tony Hillerman vorgenommen. Da scheint es Dir ja richtig gefallen zu haben. Schön! :-)



die ersten 3 Bände mit Leaphorn kannst meiner Meinung nach auch nachträglich lesen, denn in jedem Fall mit Jim Chee oder die gemeinsamen Fälle wird Joe Leaphorns Werdegang kurz umrissen.


Mir persönlich kommt es vor, als ob Hillerman zu beginn seiner Krimireihe ganz bewußt einen Navajo genommen hat, der nur an das glaubt, was er sieht, vielleicht kam Hillerman damit zuanfangs besser zurecht, und als Hillerman mehr Spiritualität ins Spiel bringt, brauchte er eine junge neue Figur und der gibt er eine besondere Entwicklung.

Liebe Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon JMaria » Mo 5. Jul 2010, 10:05

Hallo zusammen,

ich habe die ersten 100 Seiten von "Salammbô" gelesen, Autor ist Gustave Flaubert.

Der Roman spielt 241 v. Chr. und es geht um den damaligen Söldneraufstand. Flaubert mischt hier geschichtliche Ereignisse mit Fiktion, z.B. gab es Hamilkar Barkas, Hanno, Hannibal und den Söldneraufstand ,... Salammbô, die als Tochter Hamilkars auftritt, ist fiktiv.

Besonders herausragend sind die Landschaftsbeschreibungen und die Beschreibungen der verschiedenen Völkergruppen unter den Barbaren. Das kommt nicht von ungefähr, denn Flaubert bereiste dieses Gebiet im Jahr 1858. Parallel zu "Salammbô" lese ich seinen Reisebericht "Reise nach Karthago".

Erwähnenswert ist außerdem, dass Flaubert eine sehr schonungslose, gewaltbereite Atmosphäre aufbaut, nicht zu vergessen, hier gehts um die Barbarentruppen, die ihren Sold nicht bekamen. Die Gewalt ist psychologisch derart greifbar aufgebaut, dass es mich erschaudern lässt. Denn solche Szenen gibt es auch heute noch unter verfeindeten Völkern, wenn die Massen außer Kontrolle geraten. Ein Innenleben von den Personen ist kaum beschrieben. Also nichts für zarte Gemüter. Aber für diejenigen Leser, die sich nach einem gutrecherchierten historischen Roman sehnen. Erste Klasse!

Kurzbeschreibung
"Karthago 241 vor Christus ist Schauplatz dieser üppig-exotischen Phantasie. Kein anderer Roman Flauberts ist so von verzehrender Leidenschaft erfüllt. Matho, ein junger, aufständischer Söldnerführer, verliebt sich in die Tochter der Feldherrn Hamilkar - Salammbo, Priesterin der Göttin Tanit. Tollkühn raubt er den zauberkräftigen Schleier der Göttin und bezwingt damit die widerstrebende Priesterin. Damit scheint auch die Stadt in seiner Hand - bis die Priester dem furchtbaren Gott Baal lebendige Opfer bringen ...


Salammbo

Gruß,
Maria
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Petra » Mo 5. Jul 2010, 10:26

Hallo Maria,

vielen Dank für Deine Einschätzung. So weiß ich, dass ich die Leaphorn-Bände auch nachträglich lesen könnte. Interessant Deine Gedanken zu Tony Hillerman. Könnt gut sein, dass er Leaphorn zunächst brauchte. Mag aber gut sein, dass es mir als Leser auch so geht. Jetzt wo Du es ansprichst. Vielleicht wäre es für mich auch eine allmählichere Heranführung an die Spiritualität des Jim Chee. Auf jeden Fall ein interessanter Autor mit spannenden Figuren, wie mir scheint.

Und viel Lesegenuss mit Flaubert. Nicht mein Thema (bzw. ist mir zu historisch), das er da behandelt. Umso interessanter aber Deine Leseeindrücke zu verfolgen, da ich das Buch nicht an mich lassen werde.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Petra » Mi 7. Jul 2010, 09:14

Hallo zusammen,

"Erbin des verlorenen Landes" fasziniert mich auch weiterhin. Während sie über das Leben der verschiedenen Hauptfiguren ihres Romans schreibt, enthüllt sich dem Leser so vieles mit großer Gewichtung. Und immer findet sie ihre eigene Stimme dabei. Das steigert die Faszination umso mehr.

So erzählt sie z. B. anhand eines einfachen Beispiels vom Mitläufertum. Wie sich ein schon historischer Hass wieder (wie sie so schön passend sagt) aufwärmen lässt. Und auch Menschen mitreißt, die diesen Hass nicht ehrlich in sich spüren. Man kann ihn schüren. Das wird hier so einfach und beinahe blumig geschildert. Sie hat solch eine leichtfüßige, interessante, besondere Sprache. Doch trotz der Poesie darin, wird der Schrecken des erzählten deutlich.

Auch wie eine sehnsüchtige Liebe plötzlich in Hass umschlagen kann. Weil man dem bösen Gedankengut Raum lässt. Das ist toll geschildert. Manchmal ist es so. Manchmal reicht eine Kleinigkeit und man betrachtet etwas mit ganz anderen, neuen Augen. Manchmal leider zum schlechten hin. Und man lässt sich hinreißen, mitreißen. Das ist hier sehr bildhaft und deutlich geschildert. Trotz dass es in ganz kleinen Szenen erzählt wird. Eine tolle Leistung!

Auch Gründe, die hier aufgeführt werden, warum man sich ungerecht behandelt fühlt. Und dass die große gesamte Ungerechtigkeit auf einmal Bilder im eigenen Umfeld findet. Auf einmal erscheinen eben noch akzeptable Dinge im Leben anderer Menschen als Angriff.

Man kann es kaum in Worte fassen. Umso erstaunlicher, wie scheinbar spielend und mit wie leichter Hand es hier Kiran Desai gelingt.

Von ihrer Art zu erzählen bin ich wirklich beeindruckt. Allein schon an Hand des Beispiels hier, wie sie dem Leser aufzeigt, wie jemand einfach so zum Mitläufer wird. Und wie sie die Echtheit seines Protestes in Frage stellt. Meisterhaft!
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Martina » Mi 7. Jul 2010, 11:15

Hallo Ihr Lieben,

ich habe gestern "Nehmt Herrin diesen Kranz" beendet. Das war wieder ein richtig schöner Schacht-Krimi in gewohnter Qualität.

Wie in meiner Signatur gerade noch steht, habe ich davor "Das gefrorene Licht" gelesen. Im Gegensatz zu Band 1 hat dieser mir so richtig gut gefallen. Der hat mir diesmal Lust auf mehr von Yrsa Sigurdadottir gemacht. Band 1 hatte das leider nicht geschafft, wenngleich ich nicht weiß, woran das lag.

Jetzt überlege ich, ob ich bis morgen warte und dann "Das Spiel des Sängers" beginne, welches ich noch kaufen muss, oder ob ich heute Abend "Die Liebe des Wanderchirurgen" beginnen werde. Mal sehen, wieviel Lesezeit ich heute erübrigen kann.
Liebe Grüße
Martina
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