Hallo zusammen,
@ Steffi: Auf Kappacher hast du mich jetzt neugierig gemacht. Von ihm habe ich noch nie gehört. Werde also deinen Lesebericht interessiert vervolgen.
Nachdem ich "Kamillenblumen" von Ute Bahles fertiggelesen habe, beginne ich nun mit "Der bunte Schleier" und freue mich schon sehr darauf.
@ Petra: Du wolltest wissen, wir mir Kamillenblumen abschließend gefallen würde. Ich versuche mich mal kurz zu fassen (edit: was mir nicht gelungen ist

):
Es schildert die lebenslange Wanderung der Gertrud Feiler (Traud) durch die Eifeldörfer in der ersten Hälfte des 19. Jh. Letztendlich muss man sagen, gibt dieses Leben an sich nicht unbedingt den Stoff her, um ein ganzes Buch zu füllen, so dass sich hier und da einige Längen eingeschlichen haben. Nachdem beispielsweise zum ungezählten Mal erzählt wurde, dass der Rock von Traud schmutzig, die Haare strähnig und die Strümpfe und Schuhe zerlöchert waren, sie völligst runtergekommen ist oder das Traud von A nach B nach C... zog, um dann wieder bei A anzukommen und der Kreislauf von vorne beginnt, und zum x-ten Male die Feld- und Hausarbeit geschildert wurde, war das einfach zu viel des Guten. Auch, dass die Autorin kein persönliches Vor- oder Nachwort zu diesem Buch geschrieben hat, finde ich schade. Das hätte ich mir in diesem Falle schon gewünscht und hätte die Erzählung noch abgerundet.
Warum ich es dennoch zu Ende gelesen habe, lag in erster Linie an der eindrucksvollen und sensiblen Erzählweise der Autorin. So erlebt man, wie Traud von einem jungen, mutigen Mädchen, was mit seinem entbehrungsreichen Schicksal auf der Straße hadert und es nicht akzeptieren möchte, "nicht so viel wert zu sein" wie andere Menschen zu einer erwachsenen Frau heranwächst, die sich ergeben und passiv in ihr Schicksal fügt und sich damit arrangiert bis hin zur alten Traud, die, gebrochen und entmutigt aufgibt, so gar nicht mehr in die moderne Welt passt und in der Nervenheilanstalt Andernach abgeschottet von der ihr so geliebten Freiheit und Natur ihr Lebensende verbringt. Ferner beschreibt die Autorin anschaulich das Leben, die Sorgen, Ängste und Nöte der Eifelbauern und Bewohner der Kleinstädte vor, während und nach den beiden Weltkriegen und arbeitet auf wundervolle Art und Weise die besonderen Charaktere der Menschen in der Eifel, seien sie positiv oder negativ, heraus. Diese Erzählungen erinnern mich an meine längst verstorbene Verwandschaft in der Eifel und an die Berichte meines Opas.
Diese beeindruckenden Schilderungen, bei denen man meinte, vor Ort zu sein und die Lebensumstände live zu sehen sowie die wundervollen Naturbeschreibungen ließen mich das Buch zu Ende lesen und letztendlich blieb ich sogar nachdenklich und berührt zurück und werde wohl noch einen Tag brauchen, bis ich mich Maugham widmen kann.