Hallo zusammen,
ich liege in den letzten Zügen von "Erbarmen". Mensch, ist das spannend! Zum Schluss hin zieht die Spannung noch mal so richtig an! Mit meiner Vermutung, was hinter der Tat steckt, lag ich richtig. Das enttäuscht mich aber ganz und gar nicht. Zwar war das nicht völlig unvorhersehbar. Aber dadurch nicht minder spannend. Denn ich fragte mich ja die ganze Zeit, ob ich wohl recht haben mag, mit meiner Vermutung. Davon ganz abgesehen, finde ich es so authentisch. Besser als wenn so manch ein Autor einen total abstrusen Zusammenhang herbeizaubert, auf den man von allein nicht kommen kann.
Und überhaupt lebt dieser Thriller für mich nicht unbedingt vom Plot (der aber in meinen Augen gut und nachvollziehbar ist), sondern einerseits von den Figuren. Und andererseits von der Eindringlichen Schilderung von Meretes Gefangenschaft all die Jahre. Das ist unglaublich gut geschildert. Da muss sich der Autor schon wirklich in seine Figur hineinversetzt haben, was es bedeutet, von der Welt abgeschieden von Unbekannten in einem Verlies gefangen gehalten zu werden. So gar nicht reißerisch - und dadurch umso eindringlicher geschildert. Dass der Autor es schafft, vor dem Ende die Spannung noch mal so richtig zu erhöhen, ist auch so gar nicht künstlich gemacht. Sondern die Spannung ergibt sich ganz natürlich aus dem Zusammenlauf der Erzählebenen. Die Ebenen (Ermittlungen / Meretes Gefangenschaft) laufen am Ende zeitlich zusammen - ein wahrhafter Wettlauf mit der Zeit!
Morgen werde ich damit fertig werden. So sehr ich dem Ende entgegenfiebere, so sehr bedaure ich auch, dass das Lesevergnügen dann vorbei ist und ich mich von Carl Mørck und Assad erst mal verabschieden muss.
Wer weiß, was dann als nächstes dran kommt. Ich bin ganz froh, dass ich das Wochenende über Zeit habe mir was neues auszusuchen. Denn nach einem so mitreißendem Leseerlebnis fällt es manchmal ja schwer, sich von jetzt auf gleich auf etwas Neues einzulassen. So kann ich mir Zeit nehmen, das richtige zu finden.
Nun zu Euch:
@Josie: Vielen Dank für Deine ausführlichen und interessanten abschließenden Gedanken zu "Kamillenblumen". So war es ein zwiespältiges Leseerlebnis. Einerseits tiefgehend und berührend, andererseits auch ermüdend. Schön, dass Du es bis zum Ende durchgehalten hast, denn das positive scheint hier zu überwiegen. Und dass sich das bei Dir erst mal setzen muss, bevor Du zu Maugham greifen kannst, kann ich gut verstehen. Die Zeit sollte man sich auch nehmen (ich bin da selbst leider manchmal zu ungeduldig), denn sonst wird man dem neuen Lesestoff manchmal nicht ganz gerecht, weil man gedanklich noch bei dem beendeten Buch ist.
@Doris @Binchen @Rachel @Maria: Doris, als Du von "Wölfe" von Hilary Mantel erzähltest, dachte ich auch direkt an Binchen. Seit sie Dorothy Dunnett kennt, vermisst sie in vielen historischen Romanen den Humor. Schön, dass der bei Hilary Mantel nicht zu kurz kommt. Trotz Booker Prize leider nichts für mich, weil ich historische Romane wirklich so gar nicht gerne lese. Schade eigentlich. Aber gut, es gibt noch genug andere Booker Prize-Gewinner, die ich lesen kann!

Und für Binchen ist gewiss auch schade, dass es von "The Brothers of Gwynedd" keine Übersetzung gibt. Denn auch das hört sich ja nach etwas für sie an... nicht wahr, Binchen?
Aber richtig, liebe Doris! In "Wölfe" kann Binchen ja bald bei Dir reinschnuppern! Und mich lasst Ihr sicher auch mal schauen... auch wenn ich fürchte, dass es aus o. g. Gründen nichts für mich ist. Aber wer weiß - Du kannst sonst ja auch nicht so mit historischen Romanen.
Oh, und ich sehe, Maria hast Du auch schon angsteckt!
