um wieder herunter zu kommen nach "Jeder stirbt für sich allein", habe ich mir spontan ein Buch gekauft, das ich auch sofort begonnen habe: "Wenn die Nacht anbricht" von Gin Phillips. Die Entscheidung für das Buch traf ich, weil es a) in den Südstaaten spielt und ich mich schon lange lesend dorthin begeben wollte, und ich b) beim reinlesen sehr angetan davon war, wie es die Sinne anspricht. Gerüche, sommerliche Wärme, Geräusche, Bilder, Geschmäcker... die Autor beschreibt sehr bildlich.
Inhalt:
In der Stille eines heißen Sommerabends nimmt ein großes Geheimnis seinen Anfang Alabama im Sommer 1931: Die neunjährige Tess Moore sitzt allein auf der hinteren Veranda des Hauses und genießt die laue Nachtluft, den Duft von frischem Maisbrot und die Gesprächsfetzen, die vom Haus herüberwehen, als sie beobachten muss, wie eine Frau wortlos ein Baby in den Brunnen der Familie wirft. Die Tat setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die Tess und ihre ältere Schwester Virgie zwingen, den Blick auf das Leben jenseits der eigenen Haustür zu richten. Die Wirtschaftskrise hält die ganze Welt in Atem. Kohlebergbau, Hunger und Rassismus bestimmen den Alltag in Carbon Hill. Und während Tess und Virgie versuchen, den Mord aufzuklären, sind die Einwohner des Städtchens auf gegenseitige Hilfe angewiesen. Und allmählich rücken sie immer enger zusammen ...
Es liest sich flott und das sinnliche setzt sich fort. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der fünf Familenmitglieder (Tess, ihre Schwester, ihr Bruder, ihr Vater, ihre Mutter). In jedem Kapitel wechselt die Perspektive.
Was mir (in kleinem Maße) auffällt: Die Erzählstimmen den Kinder klingen zu erwachsen. Allerdings wird die Geschichte wohl als Rückblende erzählt. Das geht aber nicht immer aus den Kapiteln hervor. Das hätte die Autorin vielleicht etwas feiner machen können. Auch finden sich andere kleine Ungenauigkeiten oder leise Widersprüche. Zumindest werde ich beim lesen das Gefühl nicht los, dass die Autorin manchmal ihre eigenen Aussagen vergisst. So hasst die Mutter das Kühe melken, scheint diese stille und vertraute Arbeit kurz drauf aber fast zu genießen. Vielleicht nehme ich es aber auch nur so wahr. Es sind jedenfalls ganz leichte Mängel bisher.
Wenn man über diese kleinen Schwächen hinweg sieht, ist es aber schön, lebendig und vor allem sinnlich erzählt. Man erlebt diese Sommertage dort in den 30ern in Alabama mit. Und genau darum ging es mir ja. Ich bin gespannt wie es weiterhin auf mich wirkt, und vor allem, wie die Geschichte nun anläuft. Noch ist nicht viel geschehen, seit das Baby in den Brunnen geworfen wurde.
@Sandra: "Jeder stirbt für sich allein" kann ich Dir wirklich sehr empfehlen. Aber ich finde auch, dass man einen Zeitpunkt für das Buch wählen sollte, in dem man sich innerlich gefestigt fühlt und sich dem Thema stellen kann und will. Dreiviertel des Romans sind gut verträglich. Aber im letzten Viertel wird es richtig hart! Muss auch so sein. Aber man sollte sich einen guten Zeitpunkt für das Buch und das Thema auswählen.
Dafür hast Du mich aber nun auf "Der melancholische Mörder" von Francois Emmanuel sehr neugierig gemacht! Das könnte glatt was für mich sein. Ich bitte Dich sehr um abschließenden Bericht!
Wusste ich's doch, dass es für mich mit Dir wieder teuer wird!
@Didonia: Ich bin auch gespannt, was Du noch sagen wirst, wenn Du Uwe Timms Buch beendet hast. Ob er Schuldzuweisungen treffen wird oder nicht. Ich würde es auch eher so einschätzen, dass das nicht sein Anliegen ist. Wäre aber sehr an Deinen Eindrücken interessiert, um mir Gewissheit zu verschaffen. Er wird das wohl viel auch für sich selbst aufgearbeitet haben. Bestimmt ein interessantes Buch.


