Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Fr 13. Mai 2011, 10:25

Hallo Didonia

danke für die Rezi zu Uwe Timms Roman. Du hast mich überzeugt, sehr schnell etwas von ihm zu lesen. :-)

viel Spannung, die du bestimmt haben wirst, wünsch ich dir mit Poe.

ich lese derzeit "Leon und Louise" von Alex Capus. Seit der Lesung, die ich besucht habe, habe ich seine Stimme im Ohr :-D

und als Zweitlektüre "Der Sommer ohne Männer" von Siri Hustvedt.

viele Grüße
Maria
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Fr 13. Mai 2011, 10:39

Ich lese gerade "Der Eisvogel" von Uwe Tellkamp.

Der Beginn klingt seltsam vertraut (S. Lenz !!), denn der Protagonist Wiggo Ritter (jaja, ich denke, dass Tellkamp da wieder mal sprechende Namen verwendet ;) ) liegt verletzt im Krankenhaus, nachdem er zuvor Mauritz erschossen hat. Nun erzählt er, ganz wunderbar in einer sehr schönen Montagetechnik gemacht, von seiner Kindheit, seiner Begegnung mit Mauritz usw. Tellkamp lässt ihn unbemerkt vom Standpunkt des Ich-Erzählers über Erinnerung, innerem Monolog und tatsächlichem Erzählen wechseln.

Die Thematik dreht sich bisher um die Entwicklung der Gesellschaft zwischen Monetarismus und Humanismus. Tellkamp verwendet wieder reichlich Metaphern und ich meine, dass sein Stil ein bißchen in Richtung Doderer geht; wobei Doderer der kraftvollere ist und deutlicher auf den Punkt kommt.

Nachdem ich doch ein Buch erwartet hatte, das etwas mehr Zuwendung braucht, bin ich positiv überrascht.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Fr 13. Mai 2011, 11:02

steffi hat geschrieben:Ich lese gerade "Der Eisvogel" von Uwe Tellkamp.

Der Beginn klingt seltsam vertraut (S. Lenz !!), denn der Protagonist Wiggo Ritter (jaja, ich denke, dass Tellkamp da wieder mal sprechende Namen verwendet ;) ) liegt verletzt im Krankenhaus, nachdem er zuvor Mauritz erschossen hat. Nun erzählt er, ganz wunderbar in einer sehr schönen Montagetechnik gemacht, von seiner Kindheit, seiner Begegnung mit Mauritz usw. Tellkamp lässt ihn unbemerkt vom Standpunkt des Ich-Erzählers über Erinnerung, innerem Monolog und tatsächlichem Erzählen wechseln.

Die Thematik dreht sich bisher um die Entwicklung der Gesellschaft zwischen Monetarismus und Humanismus. Tellkamp verwendet wieder reichlich Metaphern und ich meine, dass sein Stil ein bißchen in Richtung Doderer geht; wobei Doderer der kraftvollere ist und deutlicher auf den Punkt kommt.

Nachdem ich doch ein Buch erwartet hatte, das etwas mehr Zuwendung braucht, bin ich positiv überrascht.



wie schön, du liest den "Eisvogel".
Da ich "Heimatmuseum" viel später nach dem "Eisvogel" gelesen habe, ist mir die Ähnlichkeit mit dem im krankenhausliegenden Erzähler noch nicht aufgegangen. Im Gegensatz zu Zygmunt ist der Wiggo allerdings ein zorniger Philosoph, so habe ich ihn noch in Erinnerung. Dein Vergleich mit Doderer ist interessant.

toll, dass du positiv überrascht bist, vielleicht bleibt es ja so :-)

Zitat:
Ich mag Fußball nicht, und ich lese keine Unterhaltungsromane. Ich will nicht unterhalten, sondern herausgefordert werden; ich will kämpfen gegen ein Buch, und es muß gut kämpfen, hart, präzise, intelligent. Ich will von der Welt nicht abgelenkt werden, ich will ihr ins Auge sehen, sie erkennen und ... sie besiegen. - Der Eisvogel


Schöne Grüße
Maria
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Fevvers » Fr 13. Mai 2011, 13:28

Hallo Maria,

schönes Zitat! (Wieder mal. *eg*) Ich mag auch keinen Fussball...
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Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Fr 13. Mai 2011, 15:27

Hallo Didonia,

Dankeschön für Deine Rezension zu Uwe Timms "Am Beispiel meines Bruders". Wie sehr Uwe Timm das Tagebuch seines Bruders zugesetzt haben muss, kann ich mir vorstellen. Das muss ja schlimm sein. Allein schon was Du daraus in Deiner Rezension zitierst ist so unfassbar.

Da hattest Du aber ein sehr intensives Buch, wie mir scheint. Mich machst Du auf alle Fälle sehr neugierig auf den Autor. Und speziell auf dieses Buch.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Fr 13. Mai 2011, 21:01

Liebe Petra,

das Buch passt auf jeden Fall zu Deinem Leseprojekt. Vor allem: Es hat in mir eine Frage aufgeworfen, über die ich bisher noch gar nicht nachgedacht habe; oder vielleicht auch nicht wollte?

Wir stellen die Frage nach der Schuld der Eltern, Großeltern während des Zweiten Weltkrieges.
Was ist mit der Schuld, die wir heute auf uns laden? Man braucht nur nach Afrika schauen, oder die Kinderarbeit in den verschiedensten Ländern oder die Länder, in denen das Menschenrecht nichts gilt, in denen derzeit Krieg herrscht.
"Eine Versuchung wird man nur los, indem man ihr nachgibt."

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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Trixie » Fr 13. Mai 2011, 22:17

Hallo alle,

ich war mal wieder wegen technischer Probleme (für die nach wie vor keiner die Ursachen benennen kann, sie bleiben ein Mysterium :| ) mehrere Tage offline. Das gab mir, wenn ich's positiv sehen will, immerhin die Gelegenheit und Zeit, um mal wieder zum Lesen zu kommen. Ich habe daher auch mit einem meiner letzten Erwerbungen angefangen:
Sujata Massey: Die Tote im Badehaus , ich befinde mich derzeit also in Japan, in der fiktiven Stadt Shiroyama in der (realen)Präfektur Gifu. Es ist der erste Fall von Rei Shimura, die es über die Neujahrsfeiertage zu einem Kurztrip in die "Japanischen Alpen" verschlägt. Sie rechnet natürlich nicht damit, daß ausgerechnet in der feinen traditionell geführten Familienpension einer der Gäste ermordet wird und Rei sich plötzlich in die Ermittlungen der Polizei hineingezogen sieht.
Ich habe die ersten 100 Seiten in einem Rutsch gelesen und bin sehr angetan von Masseys Erzählstil. Natürlich ist das Buch in erster Linie ein Krimi, aber man erfährt schön beiläufig sehr viele Details zu den kulturellen und gesellschaftlichen Eigenheiten der Japaner, über den auf der realen Stadt Takayama basierenden Schauplatz und über seine Geschichte und eine ganzen Menge anderer Dinge. Auch der Mordfall entwickelt sich angemessen zügig, es kommt keine Langeweile beim Lesen auf. Soweit bin ich also begeistert von dieser Reihe.
Und ganz nebenbei, es paßt zum Thema Japan und Krimi: Heute hat meine Schwester den 14. Detektiv-Conan-Film mitgebracht, der gerade auf DVD veröffentlicht wurde. Da können wir es auch kaum erwarten, ihn uns anzuschauen.

Gruß,
Trixie
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Sa 14. Mai 2011, 10:14

Trixie hat geschrieben: Und ganz nebenbei, es paßt zum Thema Japan und Krimi: Heute hat meine Schwester den 14. Detektiv-Conan-Film mitgebracht, der gerade auf DVD veröffentlicht wurde. Da können wir es auch kaum erwarten, ihn uns anzuschauen.

Gruß,
Trixie


wünsche viel Spaß mit der neuen Folge :-D
(schön, dass du wieder online bist)

Gruß,
Maria
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Sa 14. Mai 2011, 15:53

Hallo zusammen,

@Trixie: Schön, dass Du wieder online bist! Und dann noch mit solch einem schönen Lesebericht. Du erinnerst mich daran, dass ich mir das Buch schon ganz lange wiederbeschaffen wollte. Ich hatte es mal als Rezensionsexemplar, aus Zeitmangel aber weitergegeben. Es reizt mich, mal wieder (der letzte war "Die Umarmung des Todes" von Natsuo Kirino, der mir sehr gut gefallen hatte) einen Krimi im modernen Japan zu lesen. So habe ich eben zugeschlagen, und das vergriffene Buch ergattert. Hoffentlich wie angekündigt ein "wie neues" Exemplar. Danke für Deinen anregenden Bericht.

@Didonia: Ich habe es jetzt auch direkt mal in mein Leseprojekt mit aufgenommen. Denn es passt wirklich ganz toll da rein. Es zeigt einen wiederum ganz anderen Blick auf das Thema. Genau solche Bücher möchte ich im Rahmen meines kleinen Projekts im Lauf der Zeit lesen. Danke noch mal für den schönen Tipp!

Didonia hat geschrieben:Vor allem: Es hat in mir eine Frage aufgeworfen, über die ich bisher noch gar nicht nachgedacht habe; oder vielleicht auch nicht wollte?

Wir stellen die Frage nach der Schuld der Eltern, Großeltern während des Zweiten Weltkrieges.
Was ist mit der Schuld, die wir heute auf uns laden? Man braucht nur nach Afrika schauen, oder die Kinderarbeit in den verschiedensten Ländern oder die Länder, in denen das Menschenrecht nichts gilt, in denen derzeit Krieg herrscht.


Genau Didonia! In jeder Zeit gibt es Dinge, für die wir eine (wenn vielleicht auch kleine) Mitschuld tragen. Mir wurde das einmal ganz deutlich bewusst, als ich das Hörbuch "Ein gewöhnlicher Mensch. Die wahre Geschichte hinter 'Hotel Ruanda'" hörte (hier meine :arrow: [url=Rusesabagina, Paul]Rezension[/url]) hörte. Die Welt hat weggeschaut beim Völkermord in Ruanda. Nur ein Beispiel von so vielen.

Es gibt so viele Ungerechtigkeiten, gegen die jeder ankämpfen sollte. Aber so wenige tun es. Umso wichtiger, wenn Autoren in ihren Büchern sensibel dafür machen. Seien es Genozide, Menschenrechtsverletzungen, Umweltschutz, unwürdige Tierhaltung - es gäbe so viel. Und in all den Themen laden wir auch Schuld auf uns. Das stimmt nachdenklich. Und das ist auch gut so.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Binchen » So 15. Mai 2011, 20:17

Der geheime Brief hat es vom Briefkasten, fast direkt auf den Nachttisch geschafft.

Die ersten 100 Seiten versprechen endlich den Ernestam, den ich mir erhofft hatte. Wieder die schönen sprachlichen Bilder, die sie schafft. Thema : Trauerbewältigung und Erster Weltkrieg im Skagerak. Eine psychische Störung ist auch wieder beteiligt.

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