Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Di 31. Mai 2011, 10:17

Petra hat geschrieben:Und noch mal zum Vergleich O'Nan/Franzen. Beide Romane haben wirklich ähnliche Themen. Sind aber trotzdem sehr unterschiedlich. Sie haben beide eine ganz eigene Herangehensweise und eine ganz eigene, jeweils sehr intensive, Erzählstimme. Außer vom Thema her sind die beiden Bücher nicht miteinander zu vergleichen.


Interessant, dein Vergleich, damit sind die Korrekturen ein Stückchen nach oben gerutscht.

Und auch weiterhin schön, von dir über Chautauqua erzählt zu bekommen, du tauchst ja auch richtig ein !

Jörg Maurer ist schon witzig, aber nicht so slapstickhaft überzogen wie Klufti, eher nimmt er das bayerische Naturell und das dörflich-provinzielle auf die Schippe, z.T. mit gut beobachteten Alltagssituationen. Gehört habe ich sie noch nicht, aber ich stelle mir das ebenfalls ganz super vor.
Gruss von Steffi

:lesen:
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Di 31. Mai 2011, 10:54

Hallo zusammen,

ich habe noch ein paar wenige Seiten "Alte Meister" von Thomas Bernhard vor mir.

Ein Autor, den man selbst entdecken muß. Man kann weder empfehlen noch abraten. Er grenzt zwischen Genie und Schwätzer :)

Doch steckt in seinen ständigen Wiederholungen (in Alte Meister) etwas gewolltes. Somit bin ich der Meinung, dass man sich über Thomas Bernhard und sein Leben informieren sollte, und wenn es nur grundlegende Dinge sind, z.B. Wikipedia heranziehen. Denn seine Intention die hinter "Alte Meister" steckt, finde ich faszinierend. Er schreibt, als ob er ein Musikstück kreiert, zumindest das Prinzip der Fuge (Musik) und des Kontrapunkts stecken dahinter.

also kein einfacher Autor, aber ein grandioser Grandler, wenn es über Wiener Toilettenkultur geht, Alte Meister, Schulsystem, Stifter, Bruckner, Beethoven ... Da mag man ihn nicht immer folgen ;-)

Es gibt kaum eine äußere Handlung in "Alte Meister", sondern hauptsächlich den Monolog, das macht es nicht einfacher, besonders wenn man diesen Stil nicht gewohnt ist. Man sollte sich mehr auf dem Rhythmus der Sprache treiben lassen, so meine Erfahrung.

Ich habe noch seine 5-Teilige Autobiographie und "Holzfällen" im SUB. Außerdem interessiert mich "Frost", sein Erstlingswerk, doch sehr.

Noch eines kann ich sehr empfehlen. Den Briefwechsel zwischen Siegfried Unseld, seinem Verleger und ihm. Großartige Lektüre. Auch als Hörbuch ein tolles Hörerlebnis.

Mal sehen was ich als nächstes lesen werde.

Edit:

heute ist der letzte Tag im Mai und ich habe beschlossen, heute mit "Mein Name sei Gantenbein" von Max Frisch zu beginnen. Er hatte am 15. Mai seinen 100. Geburtstag.



Gruß,
Maria
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Di 31. Mai 2011, 13:55

JMaria hat geschrieben:
heute ist der letzte Tag im Mai und ich habe beschlossen, heute mit "Mein Name sei Gantenbein" von Max Frisch zu beginnen. Er hatte am 15. Mai seinen 100. Geburtstag.


Da bin ich gespannt, wie es dir gefällt. Wie üblich eine Identifikationsgeschichte, aber dabei diese unterschiedlichen Rollen und Geschichten, ein ganz besonderer Stil - mir hat es damals sehr gut gefallen.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Di 31. Mai 2011, 14:04

Hallo, ihr Lieben,

ich komme gerade nicht sooo viel zum Lesen, weil ich noch ein anderes Hobby ausprobiere. Ich übe mich ein bisschen im Malen. Habe mir eine kleine Grundausstattung gekauft an Stiften und Büchern, eine Staffelei und Papier und möchte mal schauen, ob ich lernen kann, Besseres als meine Schulzeichnereien hinzubekommen.
Aller Anfang ist schwer, kann ich nur sagen, aber es macht unheimlich Spaß, sich auch mal mit etwas anderem die Zeit zu vertreiben.

Ein neues Buch habe ich trotzdem begonnen, nämlich Engelsflügel von Tiffany Baker.

Klappentext
Eine Frau, die aus dem Rahmen fällt...
Bereits bei ihrer Geburt ist Truly Plaice riesig - und sie wächst und wächst. Während ihrer hübschen Schwester im Dorf allgemeine Bewunderung zuteil wird, erfährt Truly nur Hohn und Spott. Einzig der mürrische Arzt Bob Morgan interessiert sich für die außergewöhnliche Frau. Doch eines Tages kommt Truly dem Familiengeheimnis der Morgans auf die Spur - und was sie erfährt, stellt ihr Leben auf den Kopf.


Von dem Geheimnis ist nach 134 noch nichts in Sicht. Aber diese Truly tut mir leid. Das Buch ist eigenartig geschrieben. Truly ist die Ich-Erzählerin. Und sie beschreibt alles, von ihrer Geburt an, wie ein Erwachsener. Ich weiß nicht, wie ich das recht beschreiben soll. Ist schon ungewöhnlich.
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Doris » Di 31. Mai 2011, 15:26

JMaria hat geschrieben:Ein Autor, den man selbst entdecken muß. Man kann weder empfehlen noch abraten. Er grenzt zwischen Genie und Schwätzer :)


irgendwann werde ich ihn mir antun :D

Ich habe in den vergangenen Tagen das grandiose Debüt von Astrid Rosenfeld "Adams Erbe" gelesen. Großartig in jeder Hinsicht! Sowohl sprachlich als auch stilistisch hat mir das Buch sehr gut gefallen. Bei diesem Thema (2. Weltkrieg, Juden, Ghetto) ist es trotz der Vielfalt der verfügbaren Romane immer wieder erstaunlich dass es eine Geschichte gibt, die so noch nicht erzählt wurde.
Eine großartige Autorin von der es hoffentlich bald mehr zu lesen geben wird.

Und wegen der Schwere des Themas muss es jetzt etwas sehr Gegensätzliches sein:

Süß wie Schattenmorellen - Claudia Schreiber

Ich werde berichten

Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Di 31. Mai 2011, 15:38

Hallo zusammen,

ja Steffi, ich tauche wirklich ganz in Chautauqua ein. Aber ich glaube, es geht auch gar nicht anders. O’Nan macht das so eindringlich.

Im Moment beschäftigt er sich ausgiebig mit Ken und seinen Versagensgefühlen. Die finde ich sehr interessant. Besonders seine Gedanken hierbei an seinen Vater, der selbst gar nicht ehrgeizig war. Und auch an seine Kinder keine so hohen Ansprüche gestellt hat. Er war stolz auf sie. Und wenn sie mal versagt haben (z. B. in der Schule eine schlechte Note bekommen haben), dann hatte er dafür Verständnis. Zum einen beschäftigen somit nun Ken Fragen danach, ob er seinem Vater nicht eher Respekt zollt, indem er es ihm gleichtut und seine allzu hohen Ziele (der Traum vom Pulitzer Preis – wie weit weg, wenn man bedenkt, wie schwer Ken sich mit der Kunst des Fotografierens tut) aufgibt. Zum anderen beschäftigt ihn, dass Lise wohl nie wieder so richtig zufrieden mit ihm sein würde. Den Gedanken finde ich sehr nachvollziehbar. Aus welchen Gründen sollte sie auch. Und die Zufriedenheit der Eltern kann man sich nirgendwo anders erwarten.

Mir fällt dazu ein, was ich kurz nach dem Tod meiner Eltern zum ersten mal empfunden habe. Den schmerzlichen Gedanken, dass niemand mehr vorbehaltlos stolz auf mich sein würde. Bei den Eltern braucht man quasi gar nichts großes leisten, sondern nur eine Kleinigkeit erbringen, und schon ist ihr Stolz unermesslich. Das ist ein großer Verlust, aber man bemerkt ihn erst so recht, wenn dieses Gut verloren ist. Ken erinnert mich mit seinen Gedanken gerade daran. Tröstlich, diesen Gedanken hier wieder zu finden.

Von Emily und Arlene habe ich gerade (sie sind in ein Restaurant gegangen, in das sie früher gerne gingen) erfahren, dass sie gerne gemeinsam ins Kino gehen. Bevorzugt schauen sie sich Jane Austen-Verfilmungen an. Wie sympathisch. :-)

Mit Sam hatte ich auch ein Erlebnis, das mir kurz den Atem nahm. Sam wurde bestraft, weil er gelogen hat (er wollte seine Ruhe – zum Gameboy spielen – und log, er habe sich bereits die Zähne geputzt). Seine Gedanken haben mich erschreckt. Er wägt innerlich ab, was er verloren hat (für den Tag seinen Gameboy) und was ihm nicht genommen wurde (der Besuch in der Spielhalle). Sam wusste bereits vorher, dass es leere Drohungen sind, dass er nicht ins Kasino dürfe. Und er hatte recht und wird hämisch darüber. Lacht sich ins kleine Fäustchen und fühlt sich insgesamt als Sieger. Und am Ende zieht er Resümee. Er hat etwas gelernt: Beim nächsten Mal alle paar Minuten den Spielstand abspeichern. Ja bitte, wie abgebrüht und berechnend ist das denn? Er lernt also nicht, beim nächsten mal Pflichten wahrzunehmen oder nicht zu lügen. Sondern seine übrigen Verluste noch mehr einzudämmen. Das ist hart. Welche Handhabe haben Eltern da noch gegen ihre Kinder? Und was genau haben Ken und Lise falsch gemacht?

Ein wenig muss ich Emily ja beipflichten. Sam hatte um halb elf Uhr morgens noch kein Frühstück. Da sollten Eltern sich aber schon drum kümmern. Ich werde weiter beobachten. Ich bin ganz gebannt.

@Steffi: Dass Jörg Maurer seine Regionalkrimis mal nicht so gnadenlos überzieht, finde ich interessant. Danke, dass Du mich das wissen lässt. Er rückt ein Stück höher. Denn eigentlich würde ich mir auch mal einen etwas ernsthafteren oder gemäßigteren Ermittler in den Regionen der Kluftis und Eberhofers wünschen. Nun freue ich mich direkt noch mehr auf die Hörbücher. :-)

@Maria: Sehr interessiert lausche ich Deinem Bericht über Dein Thomas Bernhard-Leseerlebnis. Ich werde bei Gelegenheit mal in einige seiner Bücher reinlesen, um mir ein genaueres Bild machen zu können.

Vielen Dank auch für Deine Erinnerung an den Briefwechsel zwischen ihm und Siegfried Unseld, über den ich immer wieder stolpere. Der interessiert mich auch. Aber erst mal weiter für den Hinterkopf, da ich noch andere Briefwechsel ungelesen zu Hause habe. Das Hörbuch ist gewiss aber eine Alternative, zu der ich schneller mal greifen könnte.

Schön, dass Du noch Max Frisch eingeschoben hast. War dann ja noch rechtzeitig.

@Didonia: Ja, sich in der Freizeit auch mal mit etwas anderem zu beschäftigen, ist wohltuend. Ich hatte solch eine Phase auch, die ich teilweise kreativ ausgenutzt habe. Viel Freude dabei! :-)

Vielleicht ist demnächst dann ja auch eine Biografie über einen Maler reizvoll? Ich kann eine Film-Biografie sehr empfehlen: „Séraphine“ ( :arrow: DVD) mit Yolande Moreau und Ulrich Tukur. Diese Malerin hat mich über alle Maßen beeindruckt. Ein toller Film! Ganz ruhig und leise, und sehr eindrucksvoll und Lust auf Malerei machend.

„Engelsflügel“ von Tiffany Baker klingt tatsächlich merkwürdig. Was Du mit dem seltsamen Erzählstil meinst, verstehe ich. Hier scheint es wohl Absicht zu sein. Manche Autoren geben ihren Figuren für meine Begriffe in jungen Jahren ein viel zu erwachsene Stimme. Das kommt mir dann auch schnell seltsam und unstimmig vor. Ich hoffe, dass es hier nicht zu sehr stört, so dass Du das Buch genießen kannst.

@Doris: Edit: Doris, ich habe gerade Deinen Juni-Stapel gesichtet. So interessante Bücher befinden sich darauf! Besonders ungeduldig warte ich darauf, was Du zu "Ein Winternachtsmord" von Michael Malone sagst. Du musst bitte unbedingt davon erzählen, ja?

Und "Karte und Gebiet" von Houellebecq. Da bin ich auch sehr gespannt auf Deine Eindrücke.

Welches Buch war im Mai Dein Monatshighlight? Weißt Du es schon?
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Binchen » Di 31. Mai 2011, 21:00

nachdem ich den neuen Nele Neuhaus mit viel Spannung und Vergnügen zu Ende gelesen habe -

habe ich nun zu dem Gartenkrimi von Rosemary Harris: Der weiße Garten gegriffen. Der ist nett gemacht - locker, recht aktuell und nicht altbacken - leicht und unterhaltsam. Wer sich zusätzlich ein wenig für die Anlage von Gärten interessiert, wird hier freundlich bedient.

Bei 'Wer Wind sät' hat mir gefallen, dass sich das Ermittlerteam auch weiter entwickelt und mit 'normalen' Problemen herumschlägt. Im Hörbuch wird das sicher wieder 'gekürzt' -
Winke Binchen
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Mi 1. Jun 2011, 08:25

Liebe Petra,

vielen Dank für Deine Filmempfehlung. Die Inhaltsbeschreibung klingt sehr interessant. Und es geht ier nicht nur um eine Malerin, wie ich gelesen habe, ihr Förderer ist auch ein Schriftsteller. Ich bin sehr gespannt.
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Mi 1. Jun 2011, 10:08

Petra hat geschrieben: @Doris: Edit: Doris, ich habe gerade Deinen Juni-Stapel gesichtet.

Und "Karte und Gebiet" von Houellebecq. Da bin ich auch sehr gespannt auf Deine Eindrücke.



Hallo Doris,

ich habe "Karte und Gebiet" als ebook. Aber du wirst bestimmt schneller als ich sein. Darum bin ich auf deine Eindrücke gespannt.

ich war etwas schockiert, wie Houellebecq im Interview mit Denis Scheck auftrat. So abgerissen ! :roll:

Liebe Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Mi 1. Jun 2011, 16:10

steffi hat geschrieben:
JMaria hat geschrieben:
heute ist der letzte Tag im Mai und ich habe beschlossen, heute mit "Mein Name sei Gantenbein" von Max Frisch zu beginnen. Er hatte am 15. Mai seinen 100. Geburtstag.


Da bin ich gespannt, wie es dir gefällt. Wie üblich eine Identifikationsgeschichte, aber dabei diese unterschiedlichen Rollen und Geschichten, ein ganz besonderer Stil - mir hat es damals sehr gut gefallen.



Hallo Steffi,

die Montagetechnik gefällt mir schon mal gut und nach Thomas Bernhard, der es einem ja nicht einfach macht, bin ich gut in den "Gantenbein" reingekommen. Beim ersten Reinlesen vor ein paar Wochen fand ich es etwas gewöhnungsbedürftig.

Rollenspiele zur Identifikation:
Max Frisch benutzt Zeitebenen, Spiegel, Verkleidung ... kommt mir wie ein Vexierbild vor. Ich durchschau es nach 75 Seiten nur wage. Finde es aber sehr interessant.

Interessant ist, dass der Titel im Konjunktiv I ist (... sei ... )
sagt meines Erachtens auch schon viel aus.

Wie meist bei (modernen) Klassiker nähere ich mich dem Autor über seine Technik und die von Frisch (wie auch zuvor die von Thomas Bernhard) finde ich doch sehr reizvoll. Die Verschiebung von Realität und Phantasie ist interessant dargestellt.

Es gibt auch schöne Sätze wie z.B.

"...der Stoff, aus dem Lippen gemacht sind, ist zu fremd"

"...und die Uhren zeigen immer jetzt."

"Geschichten gibt es nur von außen, daher unsere Gier nach Geschichten".

Schöne Grüße
Maria
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