Hallo zusammen,
mit
“Bonbontag“ von Markus Nummi habe ich nun tatsächlich ein Buch ausgewählt, das mich dranbleiben lässt. Erst musste ich mich etwas einlesen, was aber sicher an mir liegt. Die letzten Tage kam so gar nichts recht an mich heran. Doch jetzt bin ich drin.
Erzählt werden verschiedene Geschichten. Mittelpunkt ist der neunjährige Tomi, der in seiner Fantasie Doc Kilmore ist, und eine Prinzessin zu retten hat. In Wahrheit ist Tomi ein vernachlässigter Junge, und die Prinzessin ist ein Mädchen aus der Nachbarschaft, das ihrerseits von ihrer Mutter auf eine andere Art vernachlässigt wird. Die Mutter hat die Trennung von ihrem Mann zu verarbeiten, und ihre Karriere nimmt ihre Zeit in Anspruch. Dass sie dem Kind nicht mehr gerecht werden kann, überfordert sie. Und so sperrt sie das Mädchen als Bestrafung für einen (in ihren Gedanken) begangenen Vertrauensbruch tagelang in ihrem Zimmer ein. Der soziale Dienst wird von Doc Kilmore über die Gefangenschaft des Mädchens benachrichtigt. Doch dieser nimmt den Hilferuf nicht ernst. Denn wer ist schon Doc Kilmore? Ganz sicher ein Kind. Es muss ein Scherz sein, und die Infos sind auch zu dürftig, um einer Spur nachgehen zu können.
Dann ist da noch Ari, ein Schriftsteller und Drehbuchautor, der nicht recht vom Fleck kommt. Er wird in die Geschichten hineingezogen, als er Tomi eines Tages an der Kasse eines Supermarkts begegnet, und ihm aushilft, weil er kein Geld für einen Schokoriegel hat. Und eine Sozialarbeiterin begleiten wir durch ihren Alltag. Da kristallisiert sich so langsam heraus, dass sie sich für das Wohl der Kinder einsetzt, und ihren Job auch sehr ernst nimmt. Doch ihre eigenen Kinder laufen nur so nebenher. Sie liebt ihren Job, und erfüllt ihre Pflicht an den Kindern. Aber ebenso oft vertröstet sie sie auch.
In den Kapiteln wechselt immer der Blickwinkel. Mal wird aus Tomis Sicht berichtet, mal aus dem Blickwinkel der überforderten Mutter. Mal folgen wir Ari, oder der Sozialarbeiterin. Sehr schön gelungen ist, wie sich innerhalb der einzelnen Kapitel die Leben der Figuren des Romans einander streifen. Auch den leisen, eher kühlen Ton des Romans finde ich angebracht. Sprachlich hätte es sicher noch etwas ausgefeilter sein können. Markus Nummi beschäftigt sich in „Bonbontag“ mit einem sozialkritischen Thema: Vernachlässigung von Kindern, aber auch Lieblosigkeit in der Gesellschaft.
Jetzt wo ich drin bin, freue ich mich sehr aufs weiterlesen.
Dann habe ich mich gestern auch endlich, nach unzähligen angefangenen Leseproben, endlich für ein neues ebook entschieden. Mir war noch mal nach einem Klassiker, habe ich festgestellt. Da jetzt die kühle Jahreszeit beginnt, ist der richtige Zeitpunkt, um mit
“David Copperfield“ von Charles Dickens zu beginnen. Da das Buch 1.000 Seiten umfasst, und ich nur sporadisch mit dem Kindle lese, wird es einige Zeit in Anspruch nehmen. Das ist mir aber gerade recht. Denn ich möchte dieses Buch lange schon lesen, und unbedingt in der Winterzeit. Und dahin werde ich es garantiert mitnehmen. Auch freue ich mich, wenn ich dann in der Weihnachtszeit oder aber im Januar die BBC-Verfilmung sehen kann. Denn die hatte ich vor Jahren mal im TV gesehen, und war so begeistert. Leider aber hatte ich nur den ersten Teil aufgenommen, da ich nicht wusste, dass es einen zweiten gibt, da die Verfilmung sehr ausführlich ist. Das habe ich sehr bedauert! Nun ist genug Zeit verstrichen. Ich weiß nicht mehr viel von der Verfilmung, und habe nicht mehr das Gefühl, die Geschichte schon halb zu kennen. Ich freue mich aufs lesen, und habe gestern angefangen. Aber nur wenige Seiten. Besonders freut mich auch, dass diesem kostenlosen ebook die Übersetzung von Gustav Meyrink zugrunde liegt. Diese entspricht auch der Buchausgabe, die ich zu Hause habe, und ich würde darauf nicht verzichten wollen. Man sagt ihm nach, der beste Dickens-Übersetzer zu sein, und bisher mochte ich seine Übersetzungen sehr.
@Rachel: Ja, ich finde es auch sehr schade, dass ich in „Die Finkler-Frage“ nicht so recht hinein gekommen bin. Interessant, was Du bei Deinem Vergleich Original/Übersetzung festgestellt hast. Das könnte wirklich ein Grund sein, warum ich die Sprache manchmal unnötig kompliziert fand. Aber ich denke, ich werde dem Buch irgendwann noch mal eine zweite Chance geben. Denn ich hatte solch eine ungewöhnliche Urlaubswoche, dass ich auch irgendwie den Kopf nicht frei hatte. Denn auch auf dem Kindle hat mich ja nichts gelockt. Manchmal ist es sicher besser, ein Buch erst mal zur Seite zu legen. Bleibt nur noch, wie ich beim erneuten lesen mit Treslove zurecht komme. Seine Art ist natürlich wichtig, um den Roman überhaupt so aufbauen und die Fragen so anders angehen zu können. Ob es mir dann bei einem erneuten Versucht liegt, wird sich zeigen. Denn richtig: die vielen negativen Rezensionen zum Original zeigen auch, dass man das Buch unterschiedlich empfunden hat.
Auf jeden Fall habt Ihr – Doris und Du – mich ermuntert, das Buch noch mal zur Hand zu nehmen, wenn ich einen besseren Zeitpunkt erwische. Denn Doris’ Höchstwertung, und Deine Aussage, dass es eines Deiner Jahreshighlights ist, machen schon neugierig. Und falls es auch beim zweiten Anlauf nicht klappt, dann weiß ich, dass es mir nicht liegt.
Auf „Bonbontag“ wurde ich auch wieder durch Doris aufmerksam.
@Bonny: Schön, dass Du in “Die geheime Geschichte” so gut reingekommen bist. Da es ja sehr dünne Seiten sind, bist Du ja doch schon relativ weit gekommen, in dem dicken Buch. Ja, Donna Tartts Beschreibungen der Umgebung sind so atmosphärisch, dass auch der Herbst (und später Winter) so richtig schön auf mich übergriff. Genau richtig also für unsere Lieblingsjahreszeit – genau!

Weißt Du, was ich lustig fand? Dass die Zwillinge Camilla und Charles heißen. Als Donna Tartt das Buch schrieb, konnte sie ja nicht wissen, dass Prinz Charles seine Camilla mal ehelichen würde.

Mein Urlaub war wirklich sehr schön, bzw. auch vor allen Dingen ungewöhnlich erholsam! Ich zehre noch davon, und kann mir gut vorstellen, dass die gesammelte Kraft erst mal anhält. Ich hatte das auch nötig. Gut, dass ich es so gut angetroffen habe, an der Mosel. War wirklich herrlich! Und so viel schöne Natur. Verreis ruhig mal alleine. Ich weiß, was Du meinst. Das ist manchmal sehr Kraft spendend. Da ich nicht so gern mit auf Familienbesuch gehe, wenn mein Freund in seine Heimat reist, da ich die Sprache kaum verstehe, und die sich so viel zu erzählen haben, da sie sich so lange nicht gesehen haben (und die Familie ist riesengroß), bietet sich so manche Zeit dafür an. So braucht er kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mich nicht mit unterhalten kann. Und ich habe eine erholsame Zeit für mich, und kann mich dann auch mal ganz um mich kümmern.
@Steffi @Bonny: Ja Steffi, geht mir auch im Urlaub immer so. Ich komme kaum zum lesen, bzw. raffe mich dazu nicht so gerne auf. Dabei liebe ich das im Alltag doch so. Aber irgendwie ist das auch mal gut. So kann man sich mal ganz anderen Dingen zuwenden. Eigentlich hätte ich es wissen müssen, da es mir bei Heim-Urlauben auch nicht anders geht. Warum sollte es anders sein, wenn ich verreise. Einen Krimi hatte ich ja auch bei. Der zündete aber auch nicht. Und auf dem Kindle habe ich auch ganz viele Leseproben zu Krimis gelesen, die mich eigentlich sehr interessieren. Aber nichts konnte mich locken. Alles ermüdete mich direkt. Ich hätte es einfach sein lassen sollen.

Und noch besser wäre gewesen, wenn ich die Bücher auch nicht mitgeschleppt hätte. Denn meinen Koffer habe ich alleine schon gar nicht die Treppen rauf und runter bekommen. Geschweige denn ins Gepäcknetz. Aber ich habe überall Hilfe bekommen, und so haben sich sehr schöne Gespräche ergeben, die die Fahrten noch verschönt haben. Wozu Bücher alles gut sind!

Aber richtig, wenigstens „Nana“ habe ich zu Ende lesen können. Das ging dann wiederum erstaunlich gut. Aber wahrscheinlich, weil ich da schon mitten drin war.
Bonny, dass es Dir im Urlaub so ganz anders geht, kann ich aber auch verstehen. Eigentlich ist es ja auch so, dass man im Urlaub mehr Zeit und Ruhe hat, und den Kopf frei. Bei mir ist es erstaunlicher Weise andersherum: Ich kann am besten das Lesen in meinen Alltag integrieren. Irgendwie ist mein Kopf dann im
Training. Im Urlaub knipst der sich irgendwie aus.
Mich hat auch sehr gefreut, dass Du an der Ostsee doch noch so viel zum lesen gekommen bist. Denn wenn Du schon schöne freie Zeit hast, und sie nun nicht hättest nutzen können zum lesen, dann wäre es schade, wo Dir im Alltag die Lesezeit ja oft fehlt.