Hallo zusammen,
gestern habe ich atemlos
“Bonbontag“ von Markus Nummi beendet, mit einem Kloß im Hals. Kinder sind in unserer Gesellschaft oft allein gelassen, vernachlässigt oder gar misshandelt. Und das ist alles gar nicht weit weg, sondern passiert täglich, direkt nebenan. Das verdeutlicht Nummi in seinem Roman. Aber auch, wie unfähig die Erwachsenen sich oft zeigen, welche Rolle auch immer sie innehaben: die des Sozialarbeiters, die der berufstätigen Mutter, oder die des Außenstehenden, der eigentlich oft lieber wegschauen möchte, als sich dem Problem eines Kindes anzunehmen, das nicht sein eigenes ist.
Unvergesslich wird mir auch der kleine Tomi bleiben. Oder eher Doc Kilmore, in dessen Rolle sich vieles besser ertragen lässt. Eine
Rezension habe ich auch schon geschrieben.
Da der Herbst sich nun so langsam von seiner kühlen und windigen Seite zeigt, war mir nach einem Krimi-Klassiker. So habe ich zu dem kürzlich erworbenen
“Abschied auf Englisch“ von Peter Lovesey gegriffen. Wie der Untertitel („Mord auf hoher See-und ein Zahnarzt auf Spurensuche“) schon sagt, geht ein Zahnarzt auf einem Schiff auf Mörderjagd. Das amüsante ist, dass er durch eine pikante Sache in den Mordfall verwickelt wird. Denn er gibt sich auf dem Schiff als Inspektor Dew aus. Der Mann, der einst den legendären Dr. Crippen gefasst hat. Als dann an Bord ein Mord geschieht, überträgt der Kapitän dem
Inspektor die Ermittlungen.
Schon die ersten Seiten zeigen, dass der Autor sich Zeit lässt. Zunächst werden die Figuren eingeführt. Erfreulicher Weise sind die nicht oberflächlich gezeichnet, sondern bekommen durch kleine Nebengeschichten Tiefe. So befasse ich mich gerade mit Alma, die sich während eines Zahnarztbesuchs in ihn heillos verliebt. Dumm nur, dass an dem Ringfinger des Zahnarztes ein Ehering aufblitzt. Da die beiden aber gemeinsam auf diese Schiffsreise gehen werden, wie man schon in der Inhaltsangabe erfährt, wird sich da gewiss etwas entwickeln.
Peter Lovesey hat mich dann so richtig gekriegt, als er mir näheres über Alma erzählte. In Kenntnis, dass der Zahnarzt sich als Inspektor Dew ausgeben wird (wahrscheinlich um unerkannt mit seiner Geliebten die gemeinsame Schiffsreise zu unternehmen), musste ich schmunzeln, dass es auch Alma nicht immer so genau mit der Wahrheit nimmt. Sie hat sich mal für ihre Freundinnen eine ganze Liebe zurechtgesponnen. Umwerfend, und so sympathisch!

Ich freue mich aufs weiterlesen. Das ist genau das richtige Buch für den Herbst. Dazu ein feiner Tee, herrlich!
Shaftoe hatte kürzlich, als ich das Buch kaufte, gemeint, dass er diesen Krimi zu seinen Lieblingen zählt, und ihn sogar gern nochmal lesen möchte. Ich beginne das zu verstehen.
@Didonia: Schade, dass „Die Bibliothekarin“ nicht halten kann, was sie zu versprechen schien. Manchmal ist es bei solchen Büchern vielleicht auch so, dass jemand unbedingt etwas mit Nebenthema „Bücher“ schreiben möchte, aber die eigentliche Hauptgeschichte nur als Aufhänger benutzt. Dass das dann nicht so rund und überzeugend wirkt, ist allzu verständlich. Vielleicht ist genau das hier passiert?
Schade, denn das Buch hört sich wirklich so vielversprechend an!
Nun wünsche ich Dir aber viel Vergnügen mit dem Seelenfutter von Nicholas Sparks!
@Sandra: "Einmal rundherum" von den Mann-Geschwistern sagt mir gar nichts. Ich konnte es auch bei Amazon nicht finden. Scheint ja ein amüsantes Buch zu sein. Ich verkürze mir die Zeit beim Zähneputzen ja auch immer – allerdings mit Stöpseln in den Ohren (Hörbuch).
„Die geheime Geschichte“ las ich ja auch vor kurzem. Und da habe ich wirklich oft an Dich gedacht, Sandra, da Du mir das Buch damals so nahe gelegt hat. Es hat mir auch wirklich sehr viel Freude gemacht. Ein wirklich intensives Leseerlebnis mit einer sehr dichten Atmosphäre.
@Bonny: Ja, diese Unruhe und das Chaos im zweiten Buch bringt der Verlauf der Geschichte nun mit sich. Auch das hat Donna Tartt toll eingefangen, wie ich finde. Die Not und der Druck der Täter greift auf den Leser über.