Momos Lesetagebuch

Plattform zum Austausch über Bücher und Themen rund ums Buch.
Forumsregeln
Kommerzielle Einträge werden ohne Kommentar gelöscht!

Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon Momo111 » Fr 19. Okt 2012, 15:33

Der eine Erzähler rollt die Vergangenheit auf um Antworten zu finden, ein fast schon endloser Monolog, auf den es nur wenige Erwiderungen seines Freundes gibt.

Genau das finde ich nicht wirklich authentisch, nach allem, was Henrik, der Monologist, seinem Freund alles vorgeworfen hat, und man bis zum Schluss nicht weiß, ob Henrik mit seinen Antworten dem Freund gegenüber richtig lag. Und sein monologischer Sprachstil, ich komme mir vor, als besteige ich einen Berg... . Viele, viele Wiederholungen seiner Gedankengänge.

Dazu noch sehr moralisch... . Dennoch habe ich mir viele Textstellen markiert, die ich nachher noch ausarbeiten werde.
Momo111
 
Beiträge: 294
Registriert: Sa 4. Aug 2012, 16:13

Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon JMaria » Fr 19. Okt 2012, 15:41

Hallo Momo,

Die Glut:
Ich hatte mir damals notiert, dass der ungarische Titel die Bedeutung einer 'abbrennenden Kerze' hat. Diese Symbolik passt dann doch zu dem langen Monolog, es erschöpft sich und ende. wobei es am ende, wenn ich mich noch recht erinnere, keine Antworten gibt, jedoch ein respektvolles auseinandergehen.
Schöne Grüße, Maria
Aktuell:

250. Geburtstag E.T.A. Hoffmann (24. Jan.)
100. Geburtstag Siegfried Lenz (17. März)
100. Geburtstag Ingeborg Bachmann (25. Juni)
100. Todestag von Rainer Maria Rilke (29.Dez.)


Sie schaffen eine Wüste und nennen das Frieden ( Tacitus )
Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen (Johann Wolfgang v. Goethe)
Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe (Rainer Maria Rilke)
JMaria
Moderator
 
Beiträge: 16899
Registriert: Mo 31. Mär 2008, 11:07

Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon Trixie » Fr 19. Okt 2012, 16:41

Hallo Maria,

JMaria hat geschrieben:Die Glut:
Ich hatte mir damals notiert, dass der ungarische Titel die Bedeutung einer 'abbrennenden Kerze' hat.


der ungarische Titel ("A gyertyák csonkig égnek") lautet übersetzt: "Die Kerzen brennen bis zum Stumpf (herab)". Während dies also einen längeren Vorgang schildert, konzentrieren sich fast alle übersetzten Titel (The Embers/ Die Glut/ Les Braises/ Le Braci) auf das Endergebnis.
Lediglich im spanischen Sprachraum scheint der Roman übrigens wiederum abweichende Titel zu haben: Die ältere Übersetzung aus den 1950ern -vielleicht den langjährigen politischen Machtverhältnissen in Spanien geschuldet- trägt den Titel "A la luz de los candelabros" ("Im (Licht-)Schein der Kandelaber"), die aktuellen Ausgaben "El último encuentro" ("Die letzte Begegnung"/"Das letzte Treffen").

Ich kenne den Roman nicht, aber was meint ihr - welche Variante trifft den Inhalt besser?

Gruß,
Trixie

P.S.: Wie ich gerade sehe, gab es aber auch schon eine deutschsprachige Übersetzung, die sich mehr am ungarischen Originaltitel orientierte: "Die Kerzen brennen ab", aus dem Paul Neff Verlag, Wien, von 1950.
Ich lese gerade:
Gabriela Kasperski: Juwelenraub im Schneepalast

Viel lesen und nicht durchschauen ist viel essen und nicht verdauen.

Rätselforum
Trixies Platz
Benutzeravatar
Trixie
 
Beiträge: 2784
Registriert: Di 23. Dez 2008, 12:57
Wohnort: Bayern

Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon JMaria » Fr 19. Okt 2012, 17:25

Hallo Trixie,

vielen Dank für die Übersetzung. Ich finde sie sehr hilfreich zwecks besseren Verständnis.

da der Monolog eine gewisse Zeit beansprucht und dennoch begrenzt ist und erlischt, ist die Übersetzung "Die Kerzen brennen ab" näher am Text.

Auf der anderen Seite ist dieser alte Titel nicht sehr lyrisch.

Jetzt ist zwar eine "Glut" eine Verbrennung ohne Flammenbildung, doch wenigstens 'glüht' auch eine Glut eine zeitlang bevor sie ausgeht.. Somit finde ich dieser kurze Titel "Die Glut" poetischer und auch ausdrucksstark und gefällt mir persönlich besser.
Schöne Grüße, Maria
Aktuell:

250. Geburtstag E.T.A. Hoffmann (24. Jan.)
100. Geburtstag Siegfried Lenz (17. März)
100. Geburtstag Ingeborg Bachmann (25. Juni)
100. Todestag von Rainer Maria Rilke (29.Dez.)


Sie schaffen eine Wüste und nennen das Frieden ( Tacitus )
Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen (Johann Wolfgang v. Goethe)
Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe (Rainer Maria Rilke)
JMaria
Moderator
 
Beiträge: 16899
Registriert: Mo 31. Mär 2008, 11:07

Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon Momo111 » Fr 19. Okt 2012, 20:10

Also, ich wusste bis dato mit dem Titel nichts anzufangen. Aber durch eure Übersetzung macht sie Sinn. Ich finde den deutschen Titel nicht wirklich passend ausgewählt.
Danke euch!

Hallo Trixie,

es gibt tatsächlich mehrere Ausgaben. Weiß nicht, wie die anderen sich lesen.
Kann dir daher keine Antwort geben.

Maria,

eine ganz wesentliche Antwort, eine von sooo vielen Fragen, ist zum Schluss in angedeuteter Form gegeben, zumindest habe ich sie rausgelesen, aber was die Affäre mit Henriks Frau und Kónrad betrifft, bleibt offen, aber sie lässt trotzdem auch hier eine "eindeutige" Antwort zu.

Nähre Gedanken könnt ihr aus meinem Blog entnehmen.
Momo111
 
Beiträge: 294
Registriert: Sa 4. Aug 2012, 16:13

Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon JMaria » Sa 20. Okt 2012, 10:47

Momo111 hat geschrieben: Nähre Gedanken könnt ihr aus meinem Blog entnehmen.


schöne Abschlußworte hast du zu der "Glut" von Sandor Marai gefunden, Momo.
Schöne Grüße, Maria
Aktuell:

250. Geburtstag E.T.A. Hoffmann (24. Jan.)
100. Geburtstag Siegfried Lenz (17. März)
100. Geburtstag Ingeborg Bachmann (25. Juni)
100. Todestag von Rainer Maria Rilke (29.Dez.)


Sie schaffen eine Wüste und nennen das Frieden ( Tacitus )
Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen (Johann Wolfgang v. Goethe)
Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe (Rainer Maria Rilke)
JMaria
Moderator
 
Beiträge: 16899
Registriert: Mo 31. Mär 2008, 11:07

Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon Momo111 » Sa 20. Okt 2012, 10:58

JMaria hat geschrieben:
Momo111 hat geschrieben: Nähre Gedanken könnt ihr aus meinem Blog entnehmen.


schöne Abschlußworte hast du zu der "Glut" von Sandor Marai gefunden, Momo.

Oh, Dankeschön, Maria!

Ich mache jetzt mit Fallada weiter, "Der Trinker". Freue mich so sehr darauf und ich finde es toll, dass der aufbau-Verlag den Autor neu entdeckt hat. Es werden immer mehr Fallada-Bücher wieder neu aufgelegt.
Momo111
 
Beiträge: 294
Registriert: Sa 4. Aug 2012, 16:13

Hans Fallada / Der Trinker

Beitragvon Momo111 » So 21. Okt 2012, 13:11

Hat jemand das obige Buch gelesen?

Das Buch ist fantastisch, total authentisch geschrieben. Es liest sich von der ersten bis zur aktuellen Seite mit großem Interesse. Ich befinde mich gerade auf der 200sten Seite.

Ich habe ein wenig von meinem letzten Autor gelernt, von Sándor Márai, dass man Lebensweisen und Erfahrungen wertneutral betrachten sollte, da jede Erfahrung für den, der sie macht, eine Botschaft bereithält.

Der Trinker, ist Fallada super gut gelungen, die Figur darzustellen. Da ich mit dieser Gruppe von Menschen beruflich zu tun habe, kann ich wirklich sagen, Fallada ist ein Menschenkenner, Alkoholiker, da er selber auch einer war, gut und differenziert in der Charakterisierung zu beschreiben war. Selbstmitleid, Opferhaltung, Sensibilität aber auch auch Güte, so erscheint die Hauptfigur. "Der böse Trinker", oder "das geschieht ihm ganz recht, dass er eingesperrt worden ist", solche Gedanken kommen mir nicht. Im Gegenteil, in mir kommt das Gefühl auf, dass jeder in solche Situationen geraten kann.

Ob es Erwin Sommer, der Trinke,r ist oder seine Frau, in ihren Kämpfen habe sie beide recht, deshalb ziehe ich mich mit meinem Urteil zurück und lese hauptsächlich nur... .
Zuletzt geändert von Momo111 am So 21. Okt 2012, 16:48, insgesamt 2-mal geändert.
Momo111
 
Beiträge: 294
Registriert: Sa 4. Aug 2012, 16:13

Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon Didonia » So 21. Okt 2012, 14:13

Das stimmt, das jeder in so eine Situation geraten kann. Ich denke aber, als Familienangehörige, die mit einem Alkoholiker zusammen leben müssen (ich spreche da aus jahrelanger Erfahrung aus meiner Kinderzeit) sieht man das wahrscheinlich nicht so neutral. Ich konnte das jedenfalls nicht.
Heute kann ich besser damit umgehen, da ich gestärkt aus dieser Misere herausgegangen bin. Obwohl auch heute immer noch Nachwirkungen übrig geblieben sind.
"Eine Versuchung wird man nur los, indem man ihr nachgibt."

Markus Gasser
von meinem Lieblingsliteratur-Podcast "Literatur ist alles"
Benutzeravatar
Didonia
 
Beiträge: 4362
Registriert: Di 18. Jan 2011, 17:49
Wohnort: Niedersachsen

Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon Momo111 » So 21. Okt 2012, 16:51

Didonia hat geschrieben:Das stimmt, das jeder in so eine Situation geraten kann. Ich denke aber, als Familienangehörige, die mit einem Alkoholiker zusammen leben müssen (ich spreche da aus jahrelanger Erfahrung aus meiner Kinderzeit) sieht man das wahrscheinlich nicht so neutral. Ich konnte das jedenfalls nicht.
Heute kann ich besser damit umgehen, da ich gestärkt aus dieser Misere herausgegangen bin. Obwohl auch heute immer noch Nachwirkungen übrig geblieben sind.


Ja, Didonia, auch ich bin durch Erfahrungen dieser Art geprägt, hauptsächlich beruflicher Art. Dieses ständige Gejammere Betroffener, wie schlecht doch die Welt ist, und die Welt ist schuld, dass ich schwach geworden bin, das kenne ich selbst auch.

Hast du das Buch auch gelesen? Falls nicht, ich kann es nur empfehlen!
Zuletzt geändert von Momo111 am So 21. Okt 2012, 17:24, insgesamt 1-mal geändert.
Momo111
 
Beiträge: 294
Registriert: Sa 4. Aug 2012, 16:13

VorherigeNächste

Zurück zu Diskussionsforum

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 29 Gäste

cron