Hallo zusammen,
ich wollte noch von zwei Literatur-Verfilmungen berichten, die wir im Weihnachts-Urlaub angeschaut haben.
Einmal war das
Drive, nach dem Roman „Driver“ (nach der Verfilmung ist er auch unter dem Titel des Films – „Drive“ – erschienen) von
James Sallis. Rachel war damals sowohl von dem Buch, als auch von dem Film sehr begeistert. Das Buch soll im Film sehr gut umgesetzt sein. Ich selbst habe den Vergleich nicht, war aber von Film sehr angetan! Ein ganz besonderer Film, mit einer sehr eigenen Atmosphäre. Ein wortkarger Held (wie im Buch, da werden Emotionen wohl auch nicht geschildert, sie gehen vielmehr zwischen den Zeilen hervor – so ist es im Film auch. Und trotz dass Gefühle nicht zum Ausdruck gebracht werden, schwingen sie ausgesprochen intensiv mit, vielleicht sogar intensiver als wenn sie in Worte gepackt wären), der sich in seine Nachbarin verliebt, und deshalb deren gerade aus der Haft entlassenem Mann hilft, um die Familie (die Frau und deren Sohn) zu schützen. Die Situation eskaliert, und aus den anfänglichen sanften Tönen entspringt eine brutale Story, in die der Protagonist gerät. Dargestellt ist er ausgesprochen gut von Ryan Gosling, auf den ich durch diesen Film erst aufmerksam geworden bin. Auch die Darstellerin (Carey Mulligan), die die Nachbarin verkörpert, war mir unbekannt, und hat mich ebenfalls fasziniert. Der Soundtrack ist auch eigenwillig, aber sehr ansprechend. Er spiegelt die Melancholie wieder, die die Story ausmacht, und die auch im Buch vorherrschend sein soll. Was ja erstaunlich genug ist, da dort eben auch Gefühle nicht wirklich thematisiert werden. Dennoch solche Schwingungen hervorzurufen, empfinde ich schon als Kunst.
Ein ausgesprochen faszinierender Film mit einer sehr eigenen, unvergleichlichen Atmosphäre. Mich haben die Figuren noch so sehr beschäftigt, dass ich ausnahmsweise überlege, das Buch zu lesen, obwohl ich den Film nun schon gesehen habe. Ist ja auch ein kurzes Buch. Aber ich würde das sehr gern, damit ich das zweite Buch dann lesen kann. Die Fortsetzung ist noch nicht verfilmt, und es gibt auch keine klaren Hinweise darauf, dass daraus wirklich was wird. Ich hoffe es sehr, und ich hoffe auch wieder auf Ryan Gosling als Hauptdarsteller. Was für eine Ausstrahlung er in dem Film hat – sie passt sich so absolut der Figur an, die er verkörpert. Toll!
Dann haben wir
The Raven gesehen. Das ist ja nicht direkt eine Literatur-Verfilmung, aber der Film greift eine Figur auf, die mit der Literatur in engstem Zusammenhang steht.
Edgar Allen Poe. Es geht um seine letzten Tage, über die man nichts weiß, bevor er fast leblos auf einer Parkbank gefunden wurde. Was in der seinem Tod vorausgehenden Woche geschah, darüber stellt dieser Film (wohlgemerkt fantastische) Spekulationen an. Die Theorie entbehrt natürlich jeglicher Grundlage, aber die Idee diese letzte Woche Poes so zu füllen, ist einfach eine klasse Idee für einen Thriller, in dem seine Werke eine große Rolle spielen.
John Cusack gibt einen tollen Poe ab. Und die Werke Poes sind intelligent in die Handlung eingebaut. Auch reine Thriller-Fans (mein Mann z. B. – von Edgar Allen Poe kennt er nichts) kommen absolut auf ihre Kosten. Die Bezüge zu den Werken Poes werden erklärt, so dass jeder es nachvollziehen kann, aber ohne plump auf jene zu wirken, die mit Poes Werk vertraut sind.
Der Film hat wirklich Spaß gemacht. Ein etwas anderer Thriller, mit literarischem Bezug. Und nichts für allzu schwache Nerven.
Ihr seht, wir hatten tolle Film-Abende!
