Hallo zusammen,
ich hoffe, ihr hattet gestern einen schönen Feiertag - vorausgesetzt natürlich bei euch war gestern auch Feiertag.
Ich hänge gerade mehr oder weniger in
„Das Verschwiegene“ von Linn Ullmann fest. Von der Inhaltsangabe hörte sich das Buch wirklich interessant an, auch wenn ich nicht gerade ein großer Fan von Familiengeschichten bin, aber es gibt Ausnahmen.
Mich stören an dem Buch allerdings zwei Dinge:
Einmal die sehr unstrukturierte Erzählung: Die Autorin schweift in ihrer Erzählung gedanklich ständig ab, um irgendwelche Episoden oder Nebensächlichkeiten aus dem Vorleben der Protagonisten zu erzählen. Normalerweise macht mir dieser Erzählstil nichts aus, denn es gibt Autoren, die beherrschen dieses „Herumgespringe“ in einer Geschichte perfekt. Diese Autorin kann das leider nicht, denn ihre Gedankensprünge tragen weder zur Charakteristik der Personen noch zum Gesamteindruck der Geschichte bei, sie sind oft schlichtweg überflüssig.
Der zweite Punkte der mich stört sind die Figuren an sich: Die Protagonisten sind leider bis jetzt – ich bin in der Hälfte des Buches – allesamt ziemlich farblos und haben kaum Substanz. Durch die ständigen Gedankensprünge bekommt man sie auch nicht richtig zu fassen, wobei wahrscheinlich auch die fehlende Empathie seitens der Autorin eine Rolle spielen könnte, denn der Erzählstil ist schon sehr nüchtern. Dabei ist der Grundgedanke hinter der Geschichte, dass man sich heute in vielen Familien nichts mehr zu sagen hat und nur noch aneinander vorbeiredet und lebt, sehr interessant und bietet so viel Potential, das die Autorin bis jetzt aber nicht mal ansatzweise richtig ausschöpft. In einer Rezension zu einem anderen Buch habe ich mal den Begriff „gepflegte Langeweile“ gelesen und genauso liest sich dieses Buch für mich.
Es gibt hier und da wirklich starke Passagen, die mich dann doch zum Weiterlesen animieren, das Buch war aber auch schon hart an der Grenze zum Abbruchkandidaten.
Die unterschwellig ständig präsente negativ-depressive Grundstimmung, wie sie für viele skandinavische Romane charakteristisch sind, muss man mögen, mich stört sie nicht, da die Autorin diese nicht auf die Spitze treibt.
Es ist definitiv kein Buch, das man mal so nebenher liest und als Zuglektüre ist es auch nicht geeignet, denn man muss es aufgrund der unstrukturierten Erzählweise doch ziemlich konzentriert lesen.
Deshalb hab ich als Zuglektüre mal wieder zu einem Regionalkrimi aus dem Emons-Verlag gegriffen:
„Saupech“ von Veronika Grager. Ein flott erzählter humorvoller Krimi, der auf einem Dorf in Niederösterreich spielt. Die Stärke dieses Romans ist sicher nicht die Krimi-Handlung, denn die ist relativ einfach gestrickt und leicht zu durchschauen. Punkten konnte das Buch für mich aber durch sein wunderbares Lokalkolorit und die Eigenheiten der Menschen, die die Autorin liebevoll und mit einem Augenzwinkern auf die Schippe nimmt. Und mit ihren beiden Protagonisten, der resoluten Gemeindesekretärin Dorli und dem abgehalfterten Wiener Privatdetektiv Lupo hat sie zwei sympathische – wenn auch noch ausbaufähige – Figuren geschaffen.
Alles in allem sicher kein anspruchsvolles Buch aber ein herzerfrischender Schmöker, in den man sich mal paar Stunden fallen lassen kann.