Hallo zusammen,
ich habe
Jane Austens „Mansfield Park“ beendet; morgen lese ich nur noch das Nachwort.
Schön, dass ich nun auch diesen umstrittenen Roman von Jane Austen kenne. Unter der Kritik steht die Heldin Fanny, die im Vergleich zu einer temperamentvollen Elizabeth Bennet und einer keck taktierenden Emma blass aussieht, und allzu tugendhaft daher kommt. Das ist auch so. Das kann man gar nicht abstreiten. Wohl aber kann man diese Heldin verschiedentlich bewerten. Die einen, die Jane Austen für ihre Protagonistinnen mit den spitzen Zungen lieben, werden an Fanny einiges vermissen und ihre Tugendhaftigkeit als langweilig und nervig empfinden. Die anderen wissen zu schätzen, dass die Figur der Fanny sehr authentisch ist. Als arme Verwandte wächst sie bei den gesellschaftlich viel höher gestellten Tanten und Onkel auf. Ihre Zurückhaltung und Fügsamkeit, ergeben sich aus dieser Situation. Und dass sie nicht auffallen sondern gefallen möchte (also sich überaus korrekt und tugendhaft verhält), erklärt sich auch daraus. Ich habe Fanny aus beiden Blickwinkeln beim lesen wahrgenommen, und fand sie zwar nicht langweilig, aber nervig mit ihrer Tugendhaftigkeit. Fand das aber gleichzeitig auch gut und richtig, denn für mich ist sie die vielleicht authentischste Heldin Jane Austens, und hat mir somit viel über ihre Zeit erzählt. Hat mir sehr gefallen!
Da sich durch meine Sympathien für Fanny und auch für ihren Cousin Edward durch ihre Tugendhaftigkeit in Grenzen hielten (so recht das Herz erwärmen können sie nicht), hätte ich mir beinahe ein anderes Ende gewünscht. Eines, in dem Fanny durch das stetige Werben von Mr. Crawford die Liebe zu ihm entwickelt und Mr. Crawfords Wesen dadurch gebessert wird. Und eines, in dem Edward Miss Crawford ehelicht. Doch dann wäre es – zumindest was Fanny angeht – dem Märchen Aschenputtel gleich gekommen, und hätte nicht die Aussage gehabt, die Jane Austen sehr geschickt herausgearbeitet hat.
Wie jedes Mal: toll gemacht, Miss Austen!
Am Wochenende werde ich mir neuen Lesestoff aussuchen. Da ich „Mansfield Park“ schon vor meinem Urlaub begonnen habe, und im Urlaub ja nie zum lesen komme, war ich jetzt sehr lang mit dem Buch beschäftigt, so dass ich mich freue, mich jetzt etwas neuem zuwenden zu können. Ich bin selbst gespannt was es wird.
@Bonny: Lesen bei der Hitze geht bei mir auch schlecht. Ich habe sowieso in letzter Zeit oft mit Konzentrationsschwäche zu kämpfen, da es bei mir auf der Arbeit so chaotisch zugeht, aber bei Hitze wird das noch schlimmer. So ging es bei mir auch nur zähflüssig voran.
Dass Dir die Serie von Linda Castillo weiterhin gut gefällt, ist schön. Wenn die Vergangenheit von Protagonisten zu sehr überstrapaziert wird, nervt mich das auch schnell. Gut, dass der Spaß an der Serie aber überwiegt.
Mit „Schiffbruch mit Tiger“ erleidest Du gerade
Schiffbruch – das ist schade. Aber wenn es jetzt was abkühlt, geht es vielleicht besser.
Solltest Du demnächst was von Jane Austen lesen, so fange nicht mit „Mansfield Park“ an. Am besten wirklich mit „Stolz und Vorurteil“. Aber „Mansfield Park“ ist ungeeignet.
@Steffi: Auf „Die Schönheitslinie“ habe ich nun noch mehr Lust bekommen. Danke für Deinen Bericht. Und toll, dass Du damit ein weiteres Jahreshighlight hast. Die Booker Prize Gewinner sind schon meistens wirklich sehr lesenswert! Ein tolles Projekt, auf das ich fast neidisch bin.
@Manuela: Vielleicht gar nicht das schlechteste, einen eiskalten Thriller bei der Hitze zu lesen.
