Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Bonny » Mo 22. Jul 2013, 09:24

Guten Morgen zusammen,

ich habe am Wochenende meinen Schiffbruch mit Tiger beendet. Es ist ein Buch, das auf jeden Fall sehr zum Nachdenken anregt, und ich könnte es mir gut als Schullektüre vorstellen, da viel Raum für Interpretation bleibt. Nachdem sich der Anfang ja für mich ein wenig zog, war der Mittelteil dann sehr fesselnd. Dann kam eine recht kuriose Passage, und der Schluss... nun ja, er überrascht sehr, erklärt aber auch viel und je mehr ich drüber nachgedacht habe, desto schlüssiger finde ich die Dinge.
Nun bin ich sehr gespannt auf den Film, aber darauf werde ich wohl noch etwas warten müssen, da ich ihn mir entweder auf DVD zum Geburtstag im September wünsche oder auf die Ausstrahlung im Fernsehen warte, denn im Kino läuft er ja leider nicht mehr...
Aber meist ist es ja gar nicht so schlecht, ein wenig Zeit zwischen Lesen und Ansehen verstreichen zu lassen ;).

Für "zwischendurch" habe ich mich nun für das dritte Buch von Nicolas Barreau - Das Lächeln der Frauen entschieden.
Liebe Grüße,
Sabine

:lesen_und_nachdenken:
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Mo 22. Jul 2013, 11:46

Hallo zusammen,

ich habe am WE "Zia Maria von Grazia Deledda" (1871 - 1936) gelesen. Untertitel - Roman einer Liebe.

Die Geschichte spielt auf Sardinien, der Heimat der Literaturnobelpreisträgerin von 1926. Einprägsame Natur- und Landschaftsbeschreibungen, die Menschen reagieren leidenschaftlich, Haß und Liebe sind dicht beeinander, ebenso wie Schuld und Sühne. Die Menschen richten sich nach dem Rhythmus der Natur und religiösen Traditionen.

Die stolze Tochter eines Grundbesitzers verliebt sich wider besserer Vernunft in einen Knecht. Interessant ist wie es dazu kam, daß sie die Liebe des Knechtes plötzlich erwidert. Gute psychologische Studie. Gefällt mir sehr.
Schöne Grüße, Maria
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250. Geburtstag E.T.A. Hoffmann (24. Jan.)
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100. Geburtstag Ingeborg Bachmann (25. Juni)
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Sie schaffen eine Wüste und nennen das Frieden ( Tacitus )
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Di 23. Jul 2013, 09:44

JMaria hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich habe am WE "Zia Maria von Grazia Deledda" (1871 - 1936) gelesen. Untertitel - Roman einer Liebe.


Fein, dass es dir gefallen hat. Ich kann mich auch sehr gut an die Landschaftsbeschreibungen erinnern und wie alles miteinander verwoben ist.

Ich habe Gegen die Welt von Jan Brandt beendet. Mir hat der Roman super gefallen, er stand nicht umsonst auf der shortlist zum Deutschen Buchpreis 2011.

Zitat: Die Wirklichkeit ist eine Grenzerfahrung, die sogar die stärksten Geister in den Wahnsinn treibt.

Schwierig, etwas über den Inhalt zu erzählen, zu sehr geht Brandt ins Detail und zu oft baut er vielerlei Beziehungen zwischen den Details auf, so dass man sich schnell als Insider fühlt. Ich mag solche Bücher ! Die Personen sind mit einer gewissen Distanz geschildert, man kommt auch an den Protagonisten Daniel nicht richtig heran, was aber zum gesamten Stil des Buches passt und mich auch nicht gestört hat. Denn eine Aussage war für mich, dass nichts ist, wie es scheint und man sowieso die Welt nicht in ihrer Realität erfassen kann. Fantasie ist eben sehr persönlich !

Alles das ist eingebettet in eine aus pubertierenden (?) Augen gesehene 80er-Jahre-Dorfprovinzgeschichte, natürlich mit ganz konkreten Anspielungen die von Star Trek über Schlecker oder Heavy Metal reichen, aber auch Uwe Johnson oder Thomas Mann oder die Bibel und konkrete Politik nicht ausspart. Denn auch thologische und politische Fragen werden thematisiert. Dieser Kosmos ist herrlich geschildert, auch mit einer guten Portion Sarkasmus. Und nicht nur einmal legt Brandt den Finger genau in die Wunde, beobachtet genau und schafft es auch, das Lebensgefühl zu vermitteln. Auf jeden Fall ein Top 2013-Buch !

Hier noch ein link, man bekommt z.B. bei den Bewohnern oder dem Register einen ganz guten Eindruck:
http://www.gegendiewelt.de/jericho/?page_id=81
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Di 23. Jul 2013, 10:58

steffi hat geschrieben:
Ich habe Gegen die Welt von Jan Brandt beendet. Mir hat der Roman super gefallen, er stand nicht umsonst auf der shortlist zum Deutschen Buchpreis 2011.

Zitat: Die Wirklichkeit ist eine Grenzerfahrung, die sogar die stärksten Geister in den Wahnsinn treibt.

Schwierig, etwas über den Inhalt zu erzählen, zu sehr geht Brandt ins Detail und zu oft baut er vielerlei Beziehungen zwischen den Details auf, so dass man sich schnell als Insider fühlt. Ich mag solche Bücher ! Die Personen sind mit einer gewissen Distanz geschildert, man kommt auch an den Protagonisten Daniel nicht richtig heran, was aber zum gesamten Stil des Buches passt und mich auch nicht gestört hat. Denn eine Aussage war für mich, dass nichts ist, wie es scheint und man sowieso die Welt nicht in ihrer Realität erfassen kann. Fantasie ist eben sehr persönlich !

Alles das ist eingebettet in eine aus pubertierenden (?) Augen gesehene 80er-Jahre-Dorfprovinzgeschichte, natürlich mit ganz konkreten Anspielungen die von Star Trek über Schlecker oder Heavy Metal reichen, aber auch Uwe Johnson oder Thomas Mann oder die Bibel und konkrete Politik nicht ausspart. Denn auch thologische und politische Fragen werden thematisiert. Dieser Kosmos ist herrlich geschildert, auch mit einer guten Portion Sarkasmus. Und nicht nur einmal legt Brandt den Finger genau in die Wunde, beobachtet genau und schafft es auch, das Lebensgefühl zu vermitteln. Auf jeden Fall ein Top 2013-Buch !

Hier noch ein link, man bekommt z.B. bei den Bewohnern oder dem Register einen ganz guten Eindruck:
http://www.gegendiewelt.de/jericho/?page_id=81
[/quote]


Das klingt ja fantastisch !
Der Link ist ja informativ. Manischer Realismus - auch Bolanos "2666" wird so benannt.

Siehst du eine Ähnlichkeit ?


Ich lese nun Garten der Menschheit von Pramoedya Ananta Toer, das mir Steffi ausgeliehen hat.

Minke, ein Adliger Javaner, beginnt um die Jahrhundertwende unter dem Einfluß europäischen Geistes das Wertesystem seines Volkes und seinen Lebensweg zu hinterfragen. Er verliebt sich in die Tochter von Nyai Ontosoroh, eine Frau die an einen holländischen Geschäftsmann verkauft wurde und nun seine Geschäfte führt und von der Gesellschaft verachtet und auch bewundert wird.

Thema des Buches ist die Suche nach Identität von Land (Indonesien) und Minke, als Stellvertreter einer Volksgruppe in der wechselhaften Kolonialgeschichte des Landes.
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Mi 24. Jul 2013, 09:06

JMaria hat geschrieben:Der Link ist ja informativ. Manischer Realismus - auch Bolanos "2666" wird so benannt.

Siehst du eine Ähnlichkeit ?


Ja, im Erzählstil gibt es schon Ähnlichkeiten, z.B. dass man manchmal nicht weiß, ob es Realität oder Fantasie ist, offener Anfang, offener Schluß. Und offene Fäden, wobei das insgesamt überhaupt nicht stört. Und es gibt immer wieder Stellen, in denen der Wahnsinn in die Realität einfließt.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Do 25. Jul 2013, 13:59

steffi hat geschrieben:
JMaria hat geschrieben:Der Link ist ja informativ. Manischer Realismus - auch Bolanos "2666" wird so benannt.

Siehst du eine Ähnlichkeit ?


Ja, im Erzählstil gibt es schon Ähnlichkeiten, z.B. dass man manchmal nicht weiß, ob es Realität oder Fantasie ist, offener Anfang, offener Schluß. Und offene Fäden, wobei das insgesamt überhaupt nicht stört. Und es gibt immer wieder Stellen, in denen der Wahnsinn in die Realität einfließt.



Und prompt auf meine Kaufliste gelandet :mrgreen:
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Fr 26. Jul 2013, 11:32

JMaria hat geschrieben:
Und prompt auf meine Kaufliste gelandet :mrgreen:

Brav - ich kanns dir natürlich auch gerne ausleihen, musst es nur sagen !

Beendet habe ich meinen alljährlichen Sommer-Fontane: Graf Petöfy Eine hübsche Geschichte um einen alten Grafen, der eine junge Schauspielerin heiratet, rein platonisch, eigentlich damit er kurzweilige Unterhaltung hat. Leider entpuppt sich das dann als große Lebenslüge, eigentlich ein sich selbst belügen. Und dazu passend setzt Fontane Wasser als Leitmotiv ein. Man denkt bei diesem Thema nicht umsonst auch an Undine. ;)

Nachdem mir JMaria wieder ein paar Bücher geliehen hat, habe ich mit 1913 von Florian Illies begonnen, erstaunlich, auf was er alles kommt. Ein kurzweiliges Lesevergnügen ! Und von WS Maugham habe ich Fußspuren im Dschungel begonnen. Ein Erzählband, in dem auch die Ashenden-Kurzgeschichten enthalten sind.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Fr 26. Jul 2013, 16:36

Hallo Steffi,

ich liebe es wie Fontane das Melusinenmotiv bereits in seinen anderen Werken eingesetzt hat. Graf Petöfy werd ich demnächst lesen. Du hast mir Lust darauf gemacht!


JMaria hat geschrieben:Ich lese nun Garten der Menschheit von Pramoedya Ananta Toer, das mir Steffi ausgeliehen hat.

Minke, ein Adliger Javaner, beginnt um die Jahrhundertwende unter dem Einfluß europäischen Geistes das Wertesystem seines Volkes und seinen Lebensweg zu hinterfragen. Er verliebt sich in die Tochter von Nyai Ontosoroh, eine Frau die an einen holländischen Geschäftsmann verkauft wurde und nun seine Geschäfte führt und von der Gesellschaft verachtet und auch bewundert wird.

Thema des Buches ist die Suche nach Identität von Land (Indonesien) und Minke, als Stellvertreter einer Volksgruppe in der wechselhaften Kolonialgeschichte des Landes.



In Garten der Menschheit von Pramoedya Ananta Toer kommt Minke zu seiner Familie zurück. Er hat fürstliches Blut in sich (Javaneser) und seine Vorfahren sind korrupte Beamte gewesen, so sieht auch die Zukunft seines Bruders aus. Minke glaubt allerdings an die Selbstverwirklichung und die Freiheit eines jeden Menschen. Es schockiert ihn wie schnell er wieder in alte Muster verfällt, die er abzuschütteln gedachte.

Ich hob die Hände gefaltet über den Kopf, wie es die Punggawas vor meinen Großvater und Eltern ... als Ehrerbietung taten. Und ich dürfte die Hände nicht herunternehmen, bis dieser Bupati sich gesetzt hatte. Mit meiner huldigenden Geste schien sich mein ganzes Leben, das ich in all den Jahren eifrig erlernt hatte, in nichts aufzulösen. Verschwunden war die Schönheit der Welt, wie sie die Wissenschaft versprach, nichtig der Enthusiasmus meiner Lehrer über die strahlende Zukunft der Menschheit. -Rororo S. 123f

Erniedrigung und Demütigung , sich auf der Erde hinstrecken, so handhabt man es in seiner Familie. Ich bin gespannt wie es mit Minke weiter geht.
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Sa 27. Jul 2013, 10:08

Moin miteinander,

Die russische Gräfin von Anne Perry ist schon der 7. Band der Monk-Reihe. Die letzte Reihe, die ich so schnell bzw. noch schneller gelesen habe, war die über die Antiquariatsbuchhändlerin Dido Hoare.

In diesem Krimi geht es um Kronprinz Friedrich vom deutschen Fürstentum Felzburg, der auf seine Thronansprüche verzichtet hat und die bürgerliche Gisela geheiratet hat. Es war das Jahrhundert-Liebespaar. Die beiden leben im Exil und sind an allen Adelshäusern gern gesehene Gäste. Bei einem solcher Besucher erlitt Friedrich einen Reitunfall und stirbt nach einigen Tagen überraschend, da er sich schon wieder wohler fühlte.

Gräfin Zorah Rostova beschuldigte Gisela öffentlich des Mordes. Diese wiederum setzte eine Zivilklage in Gang und die Gräfin wendet sich an Oliver Rathbone, der übereilt zusagt. Übereilt, weil es schier unmöglich ist, zu beweisen, dass Gisela ihren Mann getötet hat. Ganz im Gegenteil: Sie ist die einzige, die es nicht getan haben kann.
Rathbone braucht unbedingt Monks Hilfe, der sich nun auf den Weg nach Italien begibt, wo er versucht, so viele Informationen wie möglich zu sammeln. Aber auch er findet nichts Belastendes.


Derzeit lese ich Reich durch Hartz IV - Wie Abzocker und Profiteure den Staat plündern von Rita Knobel-Ulrich. Es ist nicht zu fassen, was mit den Hartz IV-Menschen für eine Geldverdienmaschinerie veranstaltet wird. Nur, dass sie selber absolut nichts davon haben. Ganz im Gegenteil: An ihnen wird gespart bis zum geht nicht mehr.
Zuletzt geändert von Didonia am Sa 27. Jul 2013, 10:16, insgesamt 1-mal geändert.
"Eine Versuchung wird man nur los, indem man ihr nachgibt."

Markus Gasser
von meinem Lieblingsliteratur-Podcast "Literatur ist alles"
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Sa 27. Jul 2013, 10:16

Hallo Ihr Lieben,

ich komme derzeit nur langsam mit dem Lesen voran. Viel Arbeit und der Kopf deshalb nicht so frei. Aber ich habe mit “Postkarten“ trotzdem den richtigen Roman erwischt. Annie Proulx packt mich mit ihrer Sprache auch in diesem Roman, wie schon auf so unvergessliche Weise in „Schiffsmeldungen“. Keine Seite von Loyals Odyssee ist langweilig. Annie Proulx malt mit Worten Bilder. Sie zeichnet Gefühle, Natur und Menschen damit so unglaublich intensiv nach, dass ich nur staunen kann. Alles kommt einem so nahe. Herbststürme, die Sträucher über das Land fegen, Feuer, dass sich ausbreitet, Samen, die sich durch den Wind über die Erde verteilen. Alles wird so plastisch, und mich wundert das insbesondere, da Annie Proulx Sprache eigentlich knapp ist. Nie wird sie ausschweifend. Und doch bleibt nichts oberflächlich. Sie zeichnet in „Postkarten“ wirklich ein Panorama der USA, jenseits des amerikanischen Traums. Ganz toll gemacht! Um dieses Panorama zeichnen zu können, hat sie Loyal auf eine unendliche Reise (Flucht) geschickt, die ihn in die verschiedensten Teile Amerikas führen, zu den verschiedensten Menschen, zu den verschiedensten Tätigkeiten. Aber sie zeichnet das Bild auch anhand des Rests der Familie Blood, die ohne Loyal klar kommen muss, und einen aussichtslosen Kampf ums Überleben der Farm führen. Ich finde auch dieses Bild des langsamen Verfalls imposant. Und wie sich irgendwann die Natur alles zurückholen wird, wenn wir Menschen unser Fleckchen Erde verlassen haben oder verlassen müssen, und andere, die übernommen haben, auch irgendwann nicht mehr sind. Für uns ist alles so wirklich, und unumstößlich, was uns umgibt. Und doch ist alles im ständigen Wandel, in ständiger Erneuerung. Das Buch löst viele gewaltige Gedanken beim Lesen aus – ich liebe das!

Nächste Woche werde ich noch brauchen, mal gucken, was ich mir dann als nächstes aussuche.

@Steffi: Bedauert habe ich, dass ich Deinen Bericht über „Gegen die Welt“ nur lesend begleiten konnte, was ich aber mit großem Interesse getan habe. Denn dieses Buch reizt mich auch sehr, und ich hatte sogar (manchmal ist es komisch) kurz bevor Du es begonnen hattest, in Erwägung gezogen, es zu lesen. Ich hatte mich dann aber doch für „Postkarten“ entschieden. Ich glaube das es vielleicht kein Zufall ist, dass der Roman von Jan Brandt uns zur ungefähr gleichen Zeit eingefallen ist. Für mich ist es ein Roman, den ich mir am besten vorstellen kann, in den Sommertage zu lesen. Irgendwie verbinde ich mit dem Inhalt (die zeitliche Ansiedlung) meine Kindheit, von der ich die lebhaftesten Erinnerungen in den Sommertagen habe. Vielleicht liegt es daran? Und vielleicht geht es Dir ähnlich, dass er für Dich auch eher zum Sommer passt. Würde mich interessieren, was Dich gerade jetzt hat zu dem Roman greifen lassen.

Mit Deinem Bericht machst Du mir jedenfalls große Lust darauf, ihn endlich selbst zu lesen. Leider komme ich die letzte Zeit nur sehr langsam mit dem Lesen voran, da das (Arbeits-)Leben mich sehr beansprucht, und ich wenig Zeit finde, und der Kopf auch oft nicht so klar ist, dass sich die nötige Ruhe einstellt. Und der Sommer dauert ja nicht mehr ewig, und es locken mich noch einige Bücher, die ich gern unbedingt im Sommer lesen möchte. Oder ich muss Kompromisse eingehen, und lesend den Sommer strecken. ;-)

Zu Ian McEwan möchte ich auch noch was sagen. Ich war begeistert von seinem Roman „Liebeswahn“. „Unschuldige“ kenne ich noch nicht, klingt aber gut. „Der Zementgarten“ kenne ich auch noch nicht, aber ich habe darüber auch viele nicht so positive Meinungen gelesen, so dass mein Interesse daran etwas verhalten ist. „Saturday“ habe ich von ihm noch gelesen. Es war sehr gut, aber langwierig. Somit kann ich von ihm am ehesten „Liebeswahn“ empfehlen. Falls Du noch mal Lust auf etwas von ihm haben solltest.

@Maria: Mit "Englische Passagiere" von Matthew Kneale erinnerst Du mich gleich an ein weiteres Buch, das ich unbedingt (und schon allzu lange) lesen möchte. Damals hatte wirn mir davon mal vorgeschwärmt. Oder war es Martine? Oder alle beide? Wie auch immer, ich verspreche mir davon ein besonderes Lesevergnügen, und Du bestätigst mir das mit Deinem Bericht, Maria.

Dass es zudem so gut zu Deinem Leseprojekt "Imperialismus/Kolonialismus" passt, ist ebenfalls schön. Toll fand ich hier auch die Beobachtung von Steffi, mit den 3 Vertretern der europäischen Kolonialpolitik, die ausgerechnet auf dem Schiff „Aufrichtigkeit“ zusammenfinden. :mrgreen: Auch das Wortspiel, das Du erwähnst, Maria, ließ mich lächeln.

Den familiären Zusammenhang zwischen Matthew Kneale und der Schriftstellerin Judith Kerr poste ich bei Gelegenheit noch in dem Thread über Schriftsteller, die miteinander in familiärer oder ehelicher Verbindung stehen, damit uns das nicht verloren geht, ja? Schön entdeckt! :-)

Vielen Dank auch noch verspätet für Deine Worte zu „Postkarten“. Ich bin auch sehr froh, dass sie mich mit diesem Buch im Vergleich zum (ja, unübertroffenen) „Schiffsmeldungen“ nicht enttäuscht, sondern ein weiteres Mal überzeugt und überwältigt.

@Didonia @Trixie: Das mit den Krimis, die im Zug spielen, wusste ich auch nicht, Trixie. Didonia, die verlinkte Auflistung finde auch ich sehr interessant. Und gut zu wissen, dass ein Monk-Krimi von Anne Perry auch im Zug spielt. Ich liebe es, solche Details über Bücher zu wissen.

@Bonny @NatiFine: Auf „Schiffbruch“ mit Tiger bin ich nun doch neugieriger geworden. Ich überlege ob Hörbuch (das wäre für mich eine schöne Alternative zum Buch, Danke für den Hinweis, NatiFine). Aber es wäre für mich auch interessant, ob die Gedanken über Gott und die Welt in dem Film gut wiedergespiegelt werden. Denn dann würde für mich der Film vielleicht auch reichen. Deshalb freut mich ungemein zu lesen, dass Du nun doch auch den Film schauen möchtest, Bonny. Bitte, bitte berichte, auch in Bezug darauf, wie gut das Buch in dem Punkt (und in anderen Aspekten) wiedergespiegelt wird.

@Sandra: Agatha Christies „Der Vorhang“ habe ich auch als Buch gekauft – vor ein oder zwei Jahren. Einer der Poirots, die mich besonders interessieren. Klar, da es der letzte ist. Viel Freude damit, und berichte, wenn Du ihn gelesen hast. Schön, dass Du Deinen Nicht-Kauf-Vorsatz für Agatha Christie dann doch gebrochen hast. :-)

Und mit William Somerset Maugham hast Du ja mal wieder zu Deinem Lieblings-Schriftsteller gegriffen. Ich kenne bisher nur ein Buch von ihm. Ich las es in einer Zeit, als Du nicht so oft im Forum warst, deshalb noch mal an der Stelle: Ich las „Der bunte Schleier“ und war überaus begeistert von diesem Buch! Es hat mich innerlich sehr berührt. Und ich habe beim lesen ganz oft an Dich gedacht! :-)
Liebe Grüße,
Petra


Ich lese gerade: :lesen:
Cyril Hare - Mord auf dem Landgut (HC)
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Ich höre gerade: :kopfhoerer:
Simon Beckett - Die ewigen Toten (ungekürzte Lesung)

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