Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

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Stefanie Zweig: Die Kinder der Rothschildallee

Beitragvon Didonia » Mi 21. Aug 2013, 23:21

Den zweiten Teil habe ich auch fast durch. Er spielt in der Zeit zwischen 1926 und 1937. Während sie zu Anfang ja noch gehofft haben, als jüdische Deutsche in Deutschland leben zu können, kommt die Bedrohung ihres Lebens nun immer näher.
Die Juden werden immer mehr ausgegrenzt. Und als Leser leide ich mit. Weil Stefanie Zweig ihre Figuren so liebevoll geschrieben hat. Alle sind sie mir nah, keiner bleibt blass oder mir fremd. Und so nach und nach müssen sich alle von ihrer Illusion, friedlich in Deutschland leben zu können, verabschieden. Und das mittlerweile Schlag auf Schlag. Die Männer der Familie verlieren ihre Existenzgrundlagen. Sie dürfen in ihren Berufen nicht mehr arbeiten. Die Mädchen werden in der Schule gemobbt, werden nicht zum Abitur zugelassen. Die "arischen" Dienstboten werden aufmüpfig, wollen nicht mehr für das "jüdische Pack" arbeiten und bestehlen ihre Arbeitgeber obendrein, die sich nicht mal dagegen wehren können.
Die jungen Leute spielen mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen. Doch je mehr Zeit vergeht, wird das immer schwieriger.

Johann Isidor schickt seine uneheliche Tochter außer Haus wohnen. In keinem Papier steht, dass ihr Vater ein Jude ist. Vielleicht bleibt sie so ja unbehelligt von diesem Wahnsinn.

Was für Ängste die jüdischen Menschen ausgestanden haben müssen, hat Stefanie Zweig eindrucksvoll in diesem Abschnitt beschrieben:

Morgens um halb vier schellte im dritten Stock das Telefon. Drei Mal im Abstand von zwei Minuten. Johann Isidor eilte umgehend in den Salon, doch er überwand erst beim dritten Mal seine Angst, den Hörer abzunehmen. Keinen Moment zweifelte er, dass er gleich eine schlechte Nachricht hören würde; er sah Erwin oder auch Fritz verhaftet und ins Gefängnis abtransportiert, und in Sekundenschnelle stellte er sich vor, sie wären zusammengeschlagen worden und würden um ihr Leben kämpfen. Mit pochendem Herzen überlegte Johann Isidor, der in seinem ersten, dem freien Leben bei Freunden und Rivalen dafür bekannt war, dass er nie einer Schwäche nachgab, welche von beiden Möglichkeiten die schlimmere wäre. Ängstigte er sich mehr um seinen Sohn oder um den Mann seiner Tochter? Panik und Scham nahmen ihm den Atem. Er fragte sich, ob der Gott, der nicht mit sich handeln ließ, die Ichbezogenheit der Kleingläubigen und Egoisten ahndete. Oder hatte der Gerechte Nachsicht mit den Entmutigten, den Schwachen und Gejagten? Anna fiel ihm ein. Um ihretwillen durfte er nicht aufgeben. Nie. [...]
"Nein", flüsterte Johann Isidor. Er wiederholte das Wort, konnte kaum noch den Hörer in seiner Hand halten, konnte nicht mehr stehen, fühlte schon den Sturz. Sein geschwächtes Knie gab nach, der rechte Fuß war geschwollen. Er nannte seinen Namen, sagte auch noch "Posamentier und Handelsmann", was er noch nie getan hatte, hörte das Rauschen in der Leitung, duckte sich, um der Bedrohung zu entgehen, doch sie wurde lauter, bedrängender, unausweichlicher. Die Kiefer schmerzten, er kaute Luft und konnte doch nicht sprechen, wollte die kleine Schreibtischlampe neben dem Telefon anknipsen, fand aber den Schalter nicht. Mit Augen, die in ihren Höhlen austrockneten, starrte er in die Dunkelheit und wartete auf den Moment, da ihn seine Angst erwürgen würde.
Da geschah das unfassliche. Ein Felsbrocken, so gewaltig wie der, aus dem Moses Wasser geschlagen hatte, sprengte sich von seiner Brust. Die Stimme, die sein Ohr peitschte, hatte er als die von Frau Meyerbeer erkannt...
"Eine Versuchung wird man nur los, indem man ihr nachgibt."

Markus Gasser
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Fr 23. Aug 2013, 09:00

Bei meinen zwei aktuellen Büchern, Amerika (Der Verschollene) von Franz Kafka und Die Freude am Leben von Emile Zola, habe ich mir witzigerweise gleich 2 Protagonisten ausgesucht, die beide so ihre Schwierigkeiten mit dem Leben haben. ;) Pauline, die ihr ganzes Erbe an ihren Pflegebruder Lazare verschwendet, weil sie glaubt, so ihre Liebe beweisen zu können und Karl, der sich in Amerika ebenso gutmütig und naiv durchschlägt. Beide sind auf der Suche nach Zugehörigkeit und lassen sich ausnutzen.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Fr 23. Aug 2013, 09:04

Hallo zusammen,

jetzt ist "Die Stunde des Mörders" von Stuart MacBride auch noch gerade so spannend! Eine liebgewonnene Figur (aus Band 1) ist in Gefahr. Das setzt einem zu. Damit aber nicht genug, muss Stuart MacBride ausgerechnet mit dieser Figur auch noch so brutal verfahren lassen. Mir wurde gerade beim lesen ganz flau im Magen.

Aber weiterhin gilt: Die Gewalt-Szenen sind selten. Und wenn auch sehr heftig, so doch auch glaubhaft. Nicht zum Selbstzweck eingesetzt, sondern es ist schon sehr realistisch geschildert.

Eine tolle Mischung aus realistischer Polizeiarbeit und Kriminalfällen und Figuren, die schräg und liebenswert sind, und bei allem Humor doch echt wirken. Schon lange ist es her, seit ich über einem Buch saß und breit grinsen musste. Selbst in der S-Bahn ist es mir jetzt schon einige Male mit dem Buch passiert. Köstlicher Humor! ;-)

@Sandra: Dass Du erst mal einen Bogen um die Serie machen willst, ist zwar schade, aber total verständlich. Behalte sie Dir einfach mal im Hinterkopf, wenn Du damit wieder besser umgehen kannst. Die Serie ist wirklich verdammt gut! Aber an manchen Stellen auch schonungslos. Inwieweit das im 1. Band mit den Kindern so war, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, es hielt sich im Rahmen. Aber dennoch, ich kann das sehr gut verstehen, dass Du das derzeit nicht an Dich lassen möchtest.

@Steffi: Dank Deines Berichtes bin ich jetzt noch mehr überzeugt, dass es gut war, "Die Spiegelbeichte" zu bestellen. Das Buch könnte mir wirklich gefallen. Ich bin gespannt darauf. Wahrscheinlich liegt es schon in der Packstation und wartet darauf, dass Ayhan es morgen für mich abholt. :-)

Die Themen Deiner beiden aktuellen Bücher finde ich auch interessant. Ich freue mich über Deinen weiteren Bericht. Ich werde mir beides mal näher anschauen.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Manuela » Fr 23. Aug 2013, 13:56

Nachdem ich diese Woche nun Beutezeit und Beutegier von Jack Ketchum sowie Desperate Angels von E.M.Ross verschlungen habe, lese ich nun Die Zahlen der Toten von Linda Castillo.
Da mich die Amisch sehr interessieren bin ich auf die Reihe gespannt.
Was tun die Personen in einem Buch, wenn es gerade niemand liest?
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Sa 24. Aug 2013, 15:45

@Manuela
Die Kate Burkholder Serie von Linda Castillo find ich spannend zu lese, vielleicht auch wegen dem Aspekt mit den Amish Leuten.

Ich habe Kleine Tierkunde in Ostafrika von Nicholas Drayson beendet. Ein wunderbares Sommer-Lesevergnügen. Es ist ein heiteres Lesen, doch werden auch die Missstände des Landes (Kenia) aufgezeigt, war es noch in Kleine Vogelkunde in Ostafrika die Aids-Erkrankungen , ist es hier die Korruption der Regierung. Doch im Grunde ist es ein globales Problem, das wird einem beim Lesen, trotz Heiterkeit, bedrückt klar. Auch sind Natur und Mensch eng miteinander verwoben, das zeigen die schönen Kapitelüberschriften. Ein Beispiel auf S. 222

Der Wurm ist für den Frosch, was der Frosch für die Schlange ist, die Schlange für das Schwein, das Schwein für den Menschen und der Mensch für den Wurm ist.


So einfach ist das!


Natürlich mußte sich noch so einiges aufklären. Das Auffinden der gestohlenen Registrierungsurkunde des Clubs, die Vorbereitungen einer Hochzeit, die Safari der Clubmitglieder, das Wiedersehen zwischen Mr Malik und Rose und seinem Rivalen Mr. Khan. Herrlich erzählt! Und ein alter wahrer Kriminalfall, der sogar verfilmt wurde (Die letzten Tage in Kenya) spielt auch eine nicht unbedeutende Rolle. Eine Lesevergnügen und eine Empfehlung wert!


@Steffi
Die Freude am Leben von Emile Zola.
Ich seh du hast dir deinen Lieblingsschriftsteller wieder vorgenommen. Dann gibt es bestimmt bald eine Zusammenfassung im Zola-Ordner. Ich freu mich auf deinen Bericht.
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Bonny » So 25. Aug 2013, 15:35

Hallo ihr Lieben,

ich bin wieder da aus dem Urlaub. In Prag waren wir nun allerdings doch nicht, und in Leipzig auch nur kurz, aber dafür um so mehr in Dresden selbst und Umgebung (Meißen, Bautzen, Moritzburg, Elbsandsteingebirge etc.). Hier kann man wunderbar auch knapp zwei Wochen "rumbringen", da hast du Recht, liebe Yvonne :).

Es war wunderbar und wir hatten auch fast die ganze Zeit traumhaftes Wetter. Ich hab nicht so viel gelesen wie sonst und bin daher immer noch mit dem Abschied von Chautauqua beschäftigt.

Das Buch gefällt mir gut. Ich mag die Aufteilung in die einzelnen Wochentage, so hat man immer mal wieder einen kleinen Abschluss. Was mir auch gut gefällt, ist, dass alle Familienmitglieder sozusagen mal zu Wort kommen und jedes Kapitel aus einer anderen Sicht geschrieben ist, manchmal sogar aus der des Hundes ;).
Ich finde es erstaunlich, wie viel man in Verhaltensweisen anderer interpretieren kann und dadurch dann seine eigenen, unter Umständen falschen, Schlüsse ziehen kann... viele der Konflikte könnten wahrscheinlich vermieden werden, wenn die Leute einfach normal miteinander reden könnten... es ist eine sehr aufgeladene Atmosphäre im Sommerhaus am Lake Chautauqua und ich bin gespannt, wie alles ausgeht...
Liebe Grüße,
Sabine

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Mo 26. Aug 2013, 09:05

Bonny hat geschrieben:Ich finde es erstaunlich, wie viel man in Verhaltensweisen anderer interpretieren kann und dadurch dann seine eigenen, unter Umständen falschen, Schlüsse ziehen kann... viele der Konflikte könnten wahrscheinlich vermieden werden, wenn die Leute einfach normal miteinander reden könnten...


Ja, da hast du Recht und ich finde, dass das in dem Buch auch sehr gut rüberkommt. Oft ist es ja so in Familien, man denkt, man kennt sich zu gut oder man traut sich nicht, Dinge direkt anzusprechen.
Abschied von Chautauqua ist daher eines meiner Lieblingsbücher von O'Nan.

Ich habe Amerika von Franz Kafka beendet. Es ist ja unvollendet und hat daher keinen richtigen Schluss. Auch ist es relistischer als seine anderen Romane. Trotzdem gibt es einige skurrile Personen, die auf Karl einen schlechten Einfluss haben bzw. er ist zu gutmütig und zu passiv, um sich zu wehren. So entwickelt er sich auch nicht weiter, obwohl er sozusagen von Station zu Station kommt. Ein bißchen repräsentiert das ja auch Kafkas Leben, der sich nie von der Familie und dem Vater lösen konnte, obwohl er sehr unter allem gelitten hat.

@JMaria: Kleine Tierkunde in Ostafrika hört sich gut an und es ist schön, dass dir auch der zweite Band so gut gefallen hat. Ein heiteres Buch mit so einem Thema zu schreiben ist sicherlich nicht einfach.

Ich habe gestern ein bißchen in The Sea, the Sea von Iris Murdoch hineingelesen, per Leseprobe auf meinem Kindle. Das ist der Booker-Preis Gewinner 1978. Ein älterer Theaterdirektor zieht sich in ein Haus an der Küste zurück, es gibt keine Elektrizität und das nächste Dorf ist 2 Meilen entfernt. Das versprach schon mal ein interessantes Leben zu sein. Das Buch fängt an mit wunderbaren Beschreibungen des Meeres, was mir eigentlich ganz gut gefiel, aber noch nicht vom Hocker riß - dann überlegt er, was er da eigentlich schreibt, ein Tagebuch, seine Autobiografie (er ist ein bißchen eitel) oder philosophische Betrachtungen. Und tatsächlich findet man alles bunt gemischt darin - diese Idee gefiel mir ebenfalls ganz gut. Aber als er dann beschreibt, was er zu Mittag aß, hatte mich das Buch ! Denn das Essen ist fast ebenso liebevoll beschrieben wie das Meer, ich mag so etwas ! Also habe ich schnell das eBook runtergeladen :mrgreen: Faszinierend ist tatsächlich die Mischung aus Tagebuch, Autobiografie und Nachdenken über das Leben.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Do 29. Aug 2013, 10:47

Hallo zusammen,

schade, bald muss ich die Grampian Police („Die Stunde der Mörder“ von Stuart MacRae) wieder verlassen. Wie schön, dass mir zum Geburtstag der 3. Teil geschenkt wurde, und mir bald (beim Treffen) ausgehändigt wird. :-)

@Manuela: Die Serie von Linda Castillo möchte ich auch demnächst beginnen, allerdings als Hörbuch. Dass die amish peoples darin im Mittelpunkt stehen, finde ich auch sehr interessant und spannend. Viel Lesespaß!

@Maria: Dass „Kleine Tierkunde in Ostafrika“ ein ebensolches Lesevergnügen ist wie „Kleine Vogelkunde Ostafrikas“, freut mich zu hören, da ich ja beides noch vor mir habe. Danke für Deine Beschreibungen, und den interessanten Hintergrundinfos zum Kriminalfall, der in den 2. Band mit eingearbeitet wurde.

Dass in solch einem heiteren Buch auch die Missstände des Landes aufgezeigt werden, gefällt mir. Zuletzt ist mir das ganz positiv aufgefallen bei „Rupien! Rupien!“ von Vikas Swarup, das mir sehr gefallen hatte. Beinahe eine märchenhafte Geschichte, und doch so viele schlimme und wahre Dinge, die darin aufgezeigt werden. Schön, wenn so etwas gelingt!

@Steffi: Spannend, was Du über Dein verhaltenes Annhähern an Iris Murdochs Buch schreibst, und über die Mischung, die darin enthalten ist. Besonders aber dass Du die Beschreibungen so liebst, denn diese Vorliebe teile ich mit Dir. Wenn die Dinge so liebevoll beschrieben sind, dann fängt ein Buch mich auch schnell ein. Viel Spaß damit, und ich bin sehr gespannt darauf, was Du weiter über das Buch berichten wirst.

@Bonny: Deine Eindrücke vom Lake Chautauqua wecken Erinnerungen in mir. Auch mir gefiel an dem Buch sehr, dass jeder mal zu Wort kommt, und so verschiedene Sichten aufgezeigt werden. Wie recht Du hast: Man interpretiert allzu oft Dinge ins Verhalten anderer Menschen, was zu Fehlschlüssen führt. Stewart O’Nan zeigt das in dem Roman wirklich ganz wunderbar auf. Und die Szenen, in denen der Hund zu Wort kommt, fand ich auch klasse. Besonders, da O’Nan ja ein sehr nüchterner, realistischer Erzähler ist, und man das gar nicht so erwarten würde. Viel Spaß weiterhin mit dem Buch!

Schade, dass es für Prag nicht gereicht hat, und die Zeit für nur einen kurzen Besuch von Leipzig gereicht hat. Aber im Grunde ist es vielleicht besser so. Denn so kann man sich auf eines (in diesem Falle Dresden – und dann noch bei so tollem Wetter!) voll und ganz konzentrieren, und nimmt nicht nur oberflächliche Erlebnisse und Eindrücke mit. Prag läuft ja nicht weg, und ist ebenfalls eine ausführliche Reise wert!

Schade, dass Euer Urlaub schon wieder rum ist, aber schön, Dich wieder hier zu haben. :D
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Bonny » Do 29. Aug 2013, 15:07

Petra hat geschrieben:Schade, dass Euer Urlaub schon wieder rum ist, aber schön, Dich wieder hier zu haben.

Das hast du aber lieb geschrieben, vielen Dank! :)

Ja, ich glaube auch, dass es gut und richtig war, uns jetzt auf Dresden und die nähere Umgebung zu konzentrieren. Und Dresden ist wirklich ganz, ganz toll!!!
Prag ist ganz sicher eine eigene Reise wert, und die werden wir auch auf jeden Fall einmal machen!

In Chautauqua geht es langsam dem Ende zu, der vorletzte Abend ist angebrochen und dann bleibt nur noch ein Tag...
Die Charaktere sind wirklich alle ganz unterschiedlich, und das hat Stewart O'Nan auch sehr gut herausgearbeitet. Ich finde, er stellt auch das Gefühlsleben der Kinder gut dar, denn Kinder machen sich ja ganz andere Gedanken als Erwachsene, und für sie sind auch ganz andere Dinge wichtig.
In manche Personen kann ich mich gut hineinversetzen, manche verstehe ich aber auch überhaupt nicht. Vor allem Lise, die eigentlich nur diese Woche hinter sich bringen will und versucht, alles so zu planen, dass sie möglichst wenig mit ihrer Schwiegermutter zu tun hat.
Überhaupt kommt bei mir an, dass hinter vielen der Dinge, die dort stattfinden oder unternommen werden, ein Zwang steht, weil es sich eben so gehört oder Tradition ist. Eigentlich betrifft das die ganze Woche, die Reise dorthin überhaupt... jeder hängt ja auch seinen eigenen Problemen nach und hat sein Päckchen zu tragen, keiner ist wirklich frei...
Meine Lieblingsfigur ist übrigens Arlene :).
Liebe Grüße,
Sabine

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Fr 30. Aug 2013, 15:16

Hallo zusammen,

ich habe “Die Stunde des Mörders“ heute beendet. Auf jeden Fall ein Jahreshighlight, und das passiert mir selten, dass ein Krimi zu meinen Top des Jahres gehört. Hier stimmt einfach alles: Figuren, Krimihandlung, Polizeiarbeit, Humor. Der nächste Band bleibt gewiss nicht so lange ungelesen wie der 2.

Die Danksagung von Stuart MacBride war auch interessant. Zum einen bekommt man ein Bild davon, auf welche Art er sich mit der Polizeiarbeit und dem Dienstalltag in Aberdeen auseinandergesetzt hat. Es ist somit kein Zufall, dass dieser Aspekt der Serie so authentisch wirkt. Zum anderen zeigt sich in der Danksagung MacBrides Humor, der dem Leser auch aus den Krimis vertraut ist. Zu gern würde ich wissen, von welchen Käsefotos da die Rede ist. :mrgreen:

Sehr sympathisch finde ich auch, dass eine seiner Informationsquellen (eine Rechtsmedizinerin namens Ishbel aus Aberdeen) der Pathologin Isobel Pate gestanden hat – zumindest namentlich.

Schade, dass das Buch zu Ende ist. Jetzt heißt es was neues aussuchen. Ich werde berichten.

@Bonny: Arlene mochte ich auch sehr. Da darfst Du Dich auf ein Wiedersehen in „Emily, allein“ freuen. :-)

Stimmt, es ist bei dieser Familie, wie bei sicher vielen: Rituale werden erfüllt, weil es immer so war. So richtig dabei sind die meisten nicht. Außer die ältere Generation, bei der nichts Neues mehr im Leben passiert, und die keinen Alltag mehr haben, der sie fordert. Für sie ist so ein Treffen oft ein Highlight. Und sie hängen gern den wehmütigen Erinnerungen nach, die solche Treffen und Orte mit sich bringen. Stewart O’Nan hat das ganz fein beobachtet und zu Papier gebracht.
Liebe Grüße,
Petra


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