Hallo NatiFine,
mit deinem Posting und deinen Überlegungen rennst du bei mir zum Teil offene Türen ein. Auch ich mußte jetzt ziemlich lange überlegen, bis mir eine deutsch(sprachig)e Serie einfiel, die ich derzeit bzw. in der neueren Vergangenheit gerne gesehen habe. Das war "Mord mit Aussicht", die einzige Serie hierzulande, die ich als "Cozy-Krimi" bezeichnen würde, und die ist auch schon beendet.
Für das von dir beschriebene Phänomen, daß seit einigen Jahren die britischen Serien so erfolgreich sind, während man die meisten aus deutscher Produktion in der Pfeife rauchen könnte, hätte ich gleich mehrere Erklärungen:
Zum einen können die Briten von Haus aus auf eine Vielzahl von Themen, Schauplätze und Epochen zurückgreifen, die sowohl für ihr heimisches wie ausländisches (in diesem Fall deutsches) Publikum sehenswert sind, also eine gewisse Zuschauerquote garantieren können, man denke nur an all die historischen Serien wie Die Tudors, Poldark, Die Onedin-Linie usw. Selbst Serien, die in den Kriegsjahren (wie aktuell Downton Abbey z.T. im Ersten Weltkrieg) spielen, werden vom britischen Publikum sicher ganz anders gesehen und angenommen, weil diese Zeit für sie doch einen positiveren Verlauf und vor allem Ausgang nahm. Kann man sich eine Serie, die zu den selben Zeiten in Deutschland spielt und für das gleiche Publikum gedacht ist, ebenso vorstellen? Ich sehe schon vor mir, wie depressiv die ausfallen würde. Wer will sich sowas denn da schon freiwillig ansehen...?
Und so traurig es ist: Bei den Sendern zählt eben zu 99% die Quote und der Gewinn, der sich mit Fernsehen erzielen läßt. Daß sie sich irgendwie als Bildungsträger verstehen, kann man heutzutage -wenn überhaupt- nur noch den öffentlich-rechtlichen Sendern (und selbst dort nur mit zunehmend gutem Willen) abnehmen. Immerhin sind es ja auch gerade Sender wie das ZDF, ZDFneo, ARTE usw., die die hier genannten britschen Serien aufgegriffen und ausgestrahlt haben. Vermutlich, weil sie als einzige bemerkt haben, daß man mit den Zuschauern, die sich tatsächlich etwas Anspruchsvolleres wünschen als die unzähligen Reality-Shows, Talente-, Star- und Bäuerinnensucher oder Frauen-, Oma- und Häusertauscher, immer noch eine sehr ansehnliche Zuschauerzahl erreichen kann, und sie haben entsprechend reagiert. Ein Hoffnungsschimmer, immerhin.
Denn was ich für mich als einen besonders deutlichen Grund für die derzeitige Fernsehlandschaft in Deutschland ausgemacht habe, ist eine ganz bestimmte Haltung, nämlich mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Sendezeit zu füllen: Natürlich ist es bequemer und vor allem billiger, Serien einfach aus dem Ausland zu kaufen, statt selbst welche zu produzieren. Und selbst wenn da etwas Heimisches auftaucht, ist es oft nur -nicht mal besonders gut getarnter- Abklatsch von amerikanischen Vorbildern. Ausgerechnet. Es weckt nicht gerade viel Bewunderung in mir für den Einfallsreichtum deutscher Produzenten und Drehbuchautoren, denn auch Deutschland und die deutsche Geschichte würden viel Stoff hergeben.
Gruß,
Trixie


