von Petra » So 13. Mär 2011, 16:12
Hallo zusammen,
ich bin weiterhin gefesselt von MRRs Leben. Egal ob es seine Begegnungen mit Brecht (eine amüsante Passage), Böll, Lenz (so liebenswert, wie ich ihn mir aufgrund seiner Bücher vorstelle), Grass, Seghers, etc. sind, oder die politischen Entwicklungen und Umstände in Polen in der Nachkriegszeit, die Kriegsjahre, die Vorkriegsjahre, MRRs beruflicher Werdegang, der ihn immer wieder zur deutschen Literatur zurückzog. Aber auch seine außerehelichen Episoden, die er hier aufrichtig gesteht und nicht verschleiert, obwohl sie ihn in einen nicht so glorreichen Licht dastehen lassen. Aber vielleicht gehören auch diese Episoden in ein Leben wie seins, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen er Tosia kennen gelernt hat. Und unter welchen Voraussetzungen die Ehe geschlossen wurde. Sicher haben die beiden einen ganz besonderen Zusammenhalt durch ihre gemeinsamen prägenden Erlebnisse. Ob sie ohne diese dauerhaft zusammen geblieben wären? Diese Frage bleibt völlig offen, nicht einmal wird sie wirklich gestellt. Wie auch, es ist sicher schon schmerzhaft genug (für seine Frau), der Vollständigkeit auch diese Szenen seines Lebens hier aufzuführen.
Auf allerhand Bücher und Autoren werde ich beim lesen von MRRs Autobiografie aufmerksam. Viele habe ich schon in anderen Threads erwähnt. Noch nicht Leon Uris, dessen Weltbestseller MRR erstaunlicher Weise benennt. Erstaunlich, da Unterhaltungsromane. Als solche benennt er sie auch. Eine Erwähnung waren sie ihm erfreulicher Weise trotzdem wert. Denn Leon Uris "Exodus" habe ich damals sehr gern gelesen. Ein fesselnder Roman über die Entstehung des Staates Israel. Dass Leon Uris auch über den Aufstand im Warschauer Getto geschrieben hat wusste ich ebenso wenig, wie dass MRR in der titelgebenden Straße "Mila 18" (allerdings nicht in der Hausnummer 18) gewohnt hat, nachdem sie bei einer der letzten Selektionen in eine andere Wohnung verfrachtet wurde. Übrigens eine gespenstische Szene: In eine fremde Wohnung zu kommen, in der vor 4 oder 5 Stunden noch Menschen gelebt, geliebt und gehofft hatten, und die jetzt auf dem Weg in die Gaskammer oder bereits tot sind.
Ich denke, dass Leon Uris heute nichts mehr für mich wäre. Aber das von ihm in "Mila 18" behandelte Thema finde ich sehr interessant und bin MRR dankbar für die Info, zumal ich damals in sehr jungen Jahren seinen "Exodus" fasziniert gelesen habe.
@Maria: Ja, die Ausgabe des Briefwechsels ist wunderschön! Ich habe mir jetzt auch das Buch gerade mal gegriffen und drin geblättert. Man könnte in den Briefen versinken. Wie wunderbar, dass man sich so dem Leben Goethes und Schillers nähern kann, so lange Zeit nachdem sie gelebt und diese Briefe einander geschrieben haben.
@Barbara: An Deinem aktuellen Lesestoff bin ich sehr interessiert. Sowohl von der Geschichte her (die Persönlichkeitsveränderung durch die Hirnschädigung, die Liebe, die sich hier noch stärker zeigt), als auch vom Ort (NY) her. Berichte mal bitte über Deine Eindrücke.
Wie hat Dir denn "Der Club Dumas" gefallen?