JMaria hat geschrieben:Trixie hat geschrieben:Ging mir z.B. so mit dem spanischen "Marianela" von Benito Pérez Galdós. Hat etwas gedauert, aber dann habe ich eine günstige spanische Ausgabe ergattert.
Kannst du mehr über Benito Pérez Galdós schreiben oder über seinen Roman "Marianela"? Hast du ihn bereits gelesen? oder etwas anderes von ihm? Wie kamst du auf ihn?
Ich habe bei Wikipedia nachgeschaut und da fielen in Zusammenhang mit seinem Romanwerk einige interessante Hinweise auf Balzac und Dostojewski. Außerdem war er der Geliebte von Emilia Pardo Bazán. Von ihr habe ich im SUB(-Gerangel) "Das Gut von Ulloa".
Puh.... Wie bin ich darauf gekommen...??? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr, nur daß es nicht durchs Studium war, obwohl da der Name Pérez Galdós sicherlich gefallen war. Aber vor drei oder vier Jahren geriet irgendwie der Titel in mein Augenmerk, und durch die Inhaltsangabe wurde ich sehr neugierig gemacht. Darum geht es in dem Roman:
Auf dem spanischen Land führt Marianela, ein unansehnliches Mädchen aus der Arbeiterklasse, ein eher trostloses Leben - wäre da nicht Pablo, ein junger Mann aus vermögendem Hause. Da Pablo blind ist, verläßt er sich in seinem Bild von der Welt und den Menschen weitgehend auf Marianelas Erzählungen, die für ihn als eine Mischung aus Gesellschafterin und Freundin fungiert. Doch ihre Gefühle gehen über ein Dienstverhältnis hinaus, denn die beiden verlieben sich ineinander. Als Pablo dann aber die Diagnose erhält, doch noch sein Sehvermögen wiedergewinnen zu können, stürzt das ihn in ebenso große hoffnungsvolle Freude wie Nela in Verzweiflung, denn sie hat Pablo in seinen Annahmen nie verbessert, sie müsse äußerlich ebenso schön und anziehend sein wie in ihrem Wesen. Und sie zweifelt daran, daß Pablos Gefühle die Wahrheit überstehen können...
Ich habe den Roman in der spanischen Fassung gelesen, und obwohl er nicht sehr lang ist, fand ich die Handlung doch recht schwer zu verfolgen. Mag sein, daß es eben an der Fremdsprache lag, aber ich muß auch sagen, daß ich schon einfachere Satzkonstruktionen erlebt habe und Autoren, die zur Kerngeschichte vorgedrungen sind, ohne so weit auszuholen. Zudem herrscht von Anfang an eine unterschwellig bedrückende Atmosphäre im Roman, irgendwie trostlos, obwohl das nicht unbedingt durch die Handlung, sondern vielmehr durch die Darstellung der Schauplätze, der Landschaft, der Witterung etc. so auf mich gewirkt hat. Eigentlich hätte ich von einem Spanier nicht den positiven, geradezu märchenhaften Roman erwarten dürfen, den ich aber doch erwartet habe, denn immerhin habe ich durch zahlreiche Lektüren während des Studiums erkennen müssen, daß spanische Autoren (zumindest die des 19. Jahrhunderts und nachfolgende) entweder geradezu distanziert-neutral schreiben oder eben in diesem melancholischen Stil. Entsprechend war die Entwicklung im Roman und sein Ausgang dann auch anders als von mir erwartet, aber trotzdem war es, nachträglich betrachtet, eine intensive Lektüre.
Gruß,
Trixie

