Hallo Maria,
ich habe Kap. Xff. nochmals gelesen und bin trotz Deiner Hinweise kein bisschen schlauer als nach dem ersten Lesen. Eine Assoziation (wie z.B. die Arche) reiht sich an die nächste, doch sie fügen sich nicht zu einer Einheit zusammen. Vielleicht liegt es daran, dass ich keinerlei Erfahrung mit utopistischer Literatur habe. Vielleicht auch daran, dass die zwar Sprache raffiniert ist, die Symbolik jedoch des öfteren mehr oder weniger mit dem Holzhammer daherkommt und das Ende des "alternativhistorischen" Romans vielleicht nur eine einzige "große Albernheit" ist? Siehe die z.T. ratlosen Rezensionen bei Perlentaucher
Die Szenen im Réduit: ein ziemlich abgedrehtes, intelektuelles Gedankenwirrwarr, das der Protagonist selbst zutreffend als dekadent empfindet. Verdeutlicht an dessen wahnsinnigen Bewohnern: allen voran Brazhinsky selbst; oder der Typ, der an einer Überdosis Gold sterben wird; der Alpen-Maler, der Hodler-ähnliche Landschaftsgemälde fabriziert. Dazu die Erlösungsphantasien; die archaisch anmutenden Felsenzeichnungen, die neue Kommunikationsform etc. Alles in allem ein wilder kulturhistorischer Mix, wenn auch interessant! Die Bewohner befinden sich in einem Transformationszustand, doch wohin geht die Entwicklung genau, gesellschaftlich, politisch, menschlich? Der Politkommissär verändert sich ebenfalls gravierend, seine blauen Augen fallen auf.
Das letzte Kapitel stimmt versöhnlich: Die Menschen kehren in ihre Dörfer zurück, in eine Art natürlichen Urzustand. Sie lassen die Städte hinter sich zurück, der Architekt kann daraufhin nicht anders, als sich zu erhängen angesichts verlassener Gebäude und Strassen. (Eine sehr drastische Form der Architekturkritik *g*)
LG, Fevvers
