@Petra: Ich kenne ja bisher nur "Die Strudlhofstiege" und "Ein Mord ..." von Doderer (allerdings liegen die "Wasserfälle von Slunj" schon bereit).
So von dem Vergleich der beiden kann ich JMaria zustimmen. Die Strudlhofstiege ist komplexer und vermittelt sicher Doderers Stil und Ansinnen besser, neben der reinen Handlung liegt das Hauptaugenmerk auch auf der Vermittlung der Atmosphäre und den Beschreibungen, die dadurch wieder zu einem Teil der Handlung werden (genial gemacht !), aber Doderer lässt auch viel von seiner Philosophie und Lebensauffassung einfliessen. Das macht das Lesen nicht immer einfach. Dies fällt bei " Ein Mord ..." zum größten Teil weg. Um einen ersten Eindruck vom Stil und überhaupt von Doderer zu bekommen, würde ich zu "Ein Mord ..." raten, mir haben beide Romane in etwa gleichgut, nämlich einfach überwältigend gut gefallen. Ich bin schon sehr auf die "Wasserfälle von Slunj" gespannt, ob auch dort dieses wunderbare Zusammenspiel von Handlung und Beschreibungen/Atmosphäre so rüberkommen. Auf jeden Fall finde ich es direkt schon skandalös, dass Doderer so unbekannt ist. Solche Beschreibungen (man meint, man steht direkt in der Szene) habe ich noch nirgendwo gelesen !
Nachdem ich gestern ganz unbedarft den podcast "Stromausfälle, Chaos und pralle Lebenslust" von Buchzeichen im DRS 1 gehört habe, habe ich spontan zu
Adaobi Tricia Nwaubani - Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy gegriffen. Ich wusste nämlich zu Anfang beim podcast gar nicht, um was es genau geht. Und da ich Nwaubani bereits auf meinem SUB hatte ...
Das Buch hat mich sofort fasziniert, obwohl Afrika ja nicht so meine Lesewelt ist. Es geht eigentlich um das Bildungsbürgertum in Nigeria, das im Süden christlich und westlich geprägt ist. Die Kinder der Familien, die es sich leisten können, erhalten eine sehr gute westlich orientierte Ausbildung, gleichzeitig leben sie aber in einer Welt, in der noch die alten Traditionen und die hergebrachte Denkweise eine sehr große Rolle spielen. Das wird zu Anfang ganz genau geschildert, wobei einem bei dem oft humorvollen Tonfall schon mal das Lachen im Halse steckenbleibt. Hauptfigur ist Kingston, studierter Chemie-Ingenieur, der aber, aufgrund fehlender Beziehungen, keinen Job in der Ölindustrie bekommt. Dabei hängt von seinem Gelderwerb als ältester Sohn die ganze Familie ab, auch die Ausbildung seiner weiteren Geschwister, zumal der Vater krank ist. Und auch seine große Liebe scheint aus traditionellen Gründen nicht in Erfüllung gehen zu können, da er mit 26 keine Frau ernähren und somit auch nicht heiraten kann.