Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon SilkeS. » Mo 31. Okt 2011, 09:10

Hallo!

Ich habe nun fast beendet:
Minette Walters: Fuchsjagd
Ich habe ca 100 der 470 Seiten gebraucht um in die Geschichte reinzukommen.
Danach wird die Struktur und gesellschaftlichen Probleme um die es geht und die Verbindungen zwischen den Personen klarer und ich kam besser mit der Geschichte klar.
Direkt spannend fand ich das Buch nun nicht, aber MW versteht es jeden einzelnen Charakter Persönlichkeit zu geben und die gesellschaftlichen Probleme passend dazueinzufügen, daß das Buch schon sehr interessant zu lesen war und man gerne dranblieb.
Kennt ihr jemand das Buch?

Ich meine Petra hätte es als HB?? Hast Du es schon gehört?

'Gruß SilkeS.
SilkeS.
 
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Mo 31. Okt 2011, 14:08

Hallo zusammen,

ich hatte gestern noch etwas Gelegenheit zum lesen, und habe diese auch gern genutzt. Denn Jeffrey Eugenides „Die Liebeshandlung“ ist fesselnd. Ein wenig wundert mich das, denn er streut auch (zumindest in den ersten 80 Seiten – wahrscheinlich geht das aber auch so weiter) viel Theorie ein, in seinen Roman über dieses vom Aussterben bedrohten Motiv (den marriage plot). Madeleine und Leonard, zwei der drei Protagonisten, haben schließlich ein Seminar belegt, in dem es um Literatur und darin um den Marriage-Plot geht. Da ist schon anzunehmen, dass viel über das Thema sinniert wird. Zumal es ja in direkter Verbindung mit dem Plot von „Die Liebeshandlung“ steht. Eugenides genießt es offensichtlich, über dieses Thema zu fachsimpeln, und einiges an Wissen einfließen zu lassen. Das kann dem ein oder anderen schon mal zu viel werden. Zumal es auch von der Romanhandlung, trotz des gleichen Themas (allerdings in Theorie), zeitweilig ablenkt. Es unterbricht den Erzählfluss. Störend wirkt es zum Glück nicht auf mich. Ich finde die Idee faszinierend, den Marriage-Plot in die heutige Zeit (oder eher gesagt in die 80er Jahre) zu überführen, und zu überprüfen, ob solch ein Roman heute noch funktioniert. Und immer wenn er von der Theorie zurück in die Praxis (also die eigentliche Handlung) findet, glänzt er durch sein großes erzählerisches Talent. Ich bin gespannt auf die anderen zwei Teile des Romans. Im ersten wird aus der Sicht Madeleines erzählt. Und das gefällt mir schon mal sehr gut. Ich kann mich gut in diese Studentin einfühlen. In ihr Leben und Liebesleben. Jeffrey Eugenides beschreibt so z. B. einiges ihrer früheren Liebesbeziehungen sehr gekonnt. Madeleine hat sich in einer dieser Beziehungen in eine Liebe hineingesteigert, weil sie sich nicht in der Lage sah, einfach eine körperliche Anziehung als solches zu akzeptieren und zu genießen. So sind wir Frauen schon mal, besonders wenn wir jung sind. Reden uns mehr Gefühl ein, als eigentlich da ist. Interessant beobachtet. So wie vieles andere in dem Roman. Ich bin sehr gespannt aufs weiterlesen, und genieße die Geschichte!

Natürlich weiß ich auch sehr die literarischen Einsprengsel zu schätzen, in denen es um die viktorianischen Liebesromane geht. Da findet man vieles wieder, und wird neugierig auf weitere Romane dieser Art.

@Maria: Schön zu wissen, dass „Die Liebeshandlung“ im Literaturclub überwiegend gut weg kam. Ich bin gespannt auf die Kritik, die daran geübt wird. Ich kann mir das schon in etwa vorstellen, wie ich oben beschrieben habe.

Vielen Dank für Deine beiden Tipps zu Mary R. Rinehart „Die rote Lampe“ gibt es ja noch. Und ich hoffe auch, dass es dazu bald auch eine Kindle-Version gibt. Aber Du hast mich ermutigt, mich nach „Die Wand“ umzusehen. Ich habe davon noch ein neues Exemplar bei Amazon Marketplace entdeckt, und direkt bestellt. Und eines von „Das Album“. Auch dieser Krimi von Mary R. Rinehart klingt gut. So habe ich auch hiervon ein Exemplar bestellt, es soll „wie neu“ sein. Hoffen wir’s mal. Denn beide Bücher sind noch aus der Dumont Krimibibliothek, die ich schon allein aufgrund ihrer Aufmachung sehr schätze. Ich freue mich! :-)

Deinen Bericht von Michail Bulgakows "Der Meister und Margarita" habe ich sehr interessiert verfolgt. Ich werde das Buch sicher nicht so bald selbst lesen. Durch Dich habe ich so aber mal Einblicke erhalten. Danke für Deinen Bericht!

@Silke: Recht hast Du, Minette Walters „Fuchsjagd“ habe ich als Hörbuch. Gehört habe ich es noch nicht, aber Du machst mir Lust darauf. Dass es nicht durchgängig so richtig gut ist, hatte ich schon mehrfach gehört. Aber durch Deine Beschreibung bekomme ich doch Lust darauf. Denn es scheint schon nicht durch und durch schlecht zu sein. Und Minette Walters Krimis mag ich eigentlich immer gern.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Mo 31. Okt 2011, 15:15

Hallo Petra,

"Das Album" von Mary R. Rinehart habe ich auch noch im SUB :-)
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Mo 31. Okt 2011, 15:36

Ihr Lieben,

Petra, Deine Beiträge zu "Die Liebeshandlung" lese ich ja derzeit mal nicht, das Buch wartet ja noch auf mich :D

Ich habe heute mit Harro Füllgrabes Mission: Abenteuer - Als Extremreporter um die Welt begonnen. Schon das Vorwort von Harro Füllgrabe liest sich gut und lässt auf interessante und spannende Abenteuer hoffen.
Zum Schmunzeln auch die Passage, in der er erzählt, dass früher in seiner Heimatstadt er immer gefragt wurde, ob er nicht der Sohn des Weltenbummlers, Oberstudienrats usw. Füllgrabe sei. Nun fragt man seinen Vater, ob der nicht der Vater des Galileo-Extremreporters Harro sei.

Die erste Reise in diesem Buch führt uns nach Südamerika, genauer, nach Peru. Dort ist Harro mit einer Gruppe Scherentänzern unterwegs. Doch bevor der Schamanentanz beginnen kann, müssen den Göttern Opfer dargeboten werden. Dabei spielt auch Zuckerrohrschnaps eine Rolle. Und so sind alle schon richtig benebelt, bevor der Tanz überhaupt losgeht.
Und während des Tanzes wird Harro in eine Welt entführt, die mit gesundem Menschenverstand nicht zu greifen ist. Und er tut Dinge, die er bei vollem Bewusstsein wohl nie tun würde.
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Doris » Mo 31. Okt 2011, 16:42

Hallo alle zusammen,

...und so tauche ich wieder aus der Versenkung auf, denn Molina habe ich gestern zu Ende gelesen. Das Buch hat mich von allem anderen ferngehalten (mein Haushalt liegt komplett brach ;) )

@Shaftoe, ich bin gespannt was du abschließend zu dem Buch sagen wirst.

@Maria - Bulgakow liegt schon so lange auf meinen SuB, aber dank deiner Äußerung ist es ein gewaltiges Stück nach vorne gerutscht.

So, nun muß ich mich und die Dinge um mich herum erstmal wieder sortieren :)

Solltet ihr Halloween feiern wünsche ich euch eine recht gruselige Party und jede Menge Spaß.

Beste Grüße
"Das richtige ist das intensive Buch. Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt und nicht mehr los läßt - bis zum Ende nicht, lies oder stirb! Dann liest man lieber." Kurt Tucholsky
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Do 3. Nov 2011, 12:29

Hallo zusammen,

nachdem ich "Der Meister und Margarita" von Bulgakow (Topp) beendet habe, lese ich nun wieder in "Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein" von Hallgrimur Helgason.

Seine Sätze bringen mich zum Lachen und das Lachen bleibt zugleich im Hals stecken; eine verwirrende Mischung von Humor, Schmerz und Gewalt. Auch macht es der Autor dem Leser nicht leicht der Geschichte zu folgen. Der Protagonist, ein alternder Schriftsteller glaubt tot zu sein und in einem seiner frühen Romane gefangen zu sein. Dieser weiß so ungefähr wie der Lauf der Geschichte ist, wenn er auch vieles vergessen hat, aber der Leser hingegen ist sozusagen mit zwei Geschichten konfrontiert, von denen er von beiden nicht weiß, wohin es geht. Ein Buch das Ausdauer und Aufmerksamkeit fordert. Was aber der Lesequalität des Romans keinen Abbruch tut, im Gegenteil.

als ebook lese ich gerade "Die Germania" von Tacitus, was zu meinem Leseprojekt "In Seumes Tornister" gehört. Man weiß zwar, dass Seume etwas von Tacitus auf seiner Wanderung nach Syrakus dabei hatte, ob es "Die Germania" war, bin ich mir nicht sicher, doch es war ein Buch das ich griffbereit hatte.
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Do 3. Nov 2011, 15:30

Hallo miteinander,

liebe Bonny,

ich könnte mir vorstellen, dass Deinem Mann das Buch gefallen wird. Ich habe es mit so viel Vergnügen gelesen, hätte ich anfangs nicht gedacht.
Heute Abend versuche ich mich an einer kleinen Rezi, ein paar Notizen sind schon gemacht :)

Mein nächstes Buch wird ein Jugendbuch sein, welches zu meinem Lieblingsgenre gehört :mrgreen:

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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Do 3. Nov 2011, 16:31

Hallo zusammen,

ich habe nun das erste Drittel von Jeffrey Eugenides „Die Liebeshandlung“ hinter mir. Der erste Teil spielte im letzten Jahr auf dem College und Dreh- und Angelpunkt war Madeleine, die eine Arbeit über den Marriage-Plot in den viktorianischen Romanen schreibt. Der Theologie-Student Mitchell verehrt sie, traut sich aber nicht so recht, da sie kein Interesse an ihm zeigt. Dafür zeigt Madeleine starkes Interesse an Leonhard, den sie in einem Semiotik-Seminar kennenlernt. Mit ihm erweist sich die Beziehung allerdings direkt zu Anfang schon als schwierig, zumal er manisch-depressiv ist.

Im zweiten Teil nun wechselt der Blickwinkel zu Mitchell. Frisch vom College mit dem Abschluss in der Tasche, reist er mit seinem besten Freund Larry bis nach Indien. Erster Stopp ist Paris, wo Larry eine Freundin hat, was sich gut eignet, da sie mit ihrem Geld umsichtig sein müssen, da die Reise im besten Fall insgesamt ein Jahr dauern soll. Schon diese ersten Szenen bei Claire, der Freundin, zu Hause bereiteten mir großes Vergnügen! Sie, ganz Feministin, wettert gegen den jüdischen Glauben (sie ist selbst Jüdin) und die Religionen im Allgemeinen, da sie frauenfeindlich sind. Mitchell steht bei ihr als studierter Theologe unter Beschuss. Da hat Eugenides sehr fein beobachtet. Mitchell verteidigt – gesteht er sich selber ein – ebenso reflexartig, wie die Feministinnen anklagen. Wie menschlich! Und so ergibt sich mal gerade direkt am ersten Tag ein Streit, der in einem unüberlegten Ausspruch Mitchells und einer völlig empörten Claire endet. Mir blieb fast die Luft weg, als ich den Ausspruch Mitchells las. So nachvollziehbar und so unpassend war er. Köstlich! ;-)

Weiter geht es, als Mitchell eines der mitgeschleppten Bücher aus dem Rucksack zieht. Hemingway. Völlig verständlich, warum er ihn mit auf die Reise genommen hat. „Paris, ein Fest fürs Leben“ – der Titel sagt es schon: Die geeignete Lektüre für einen Besuch in Paris. Doch ebenso weiß er, wie unpassend es ist, von diesem Schriftsteller vor Claires Nase ein Buch zu lesen. Suggeriert er ihr doch zwangsläufig damit, welch ein Frauenfeind er ist, dass er Bücher des als frauenfeindlich geltenden Hemingway liest. Das ist alles sehr fein beobachtet und gezeichnet, und entbehrt nicht einer gewissen, sehr leisen Komik, die ich sehr schätze. Eugenides schafft Möglichkeiten, die Themen seines Romans behutsam auf den Weg zu bringen. Durch die Hintertür. Mitchell macht sich, laut Inhaltsangabe, auf den Weg, um über den Sinn des Lebens, die Existenz, und darüber, was Liebe ist, nachzudenken. Ich glaube ich stoße auf dem Weg mit ihm gemeinsam noch auf viele interessante Gedanken und denkwürdige Situationen. Zu welchem Ergebnis er mit seinen Überlegungen kommt, darauf bin ich sehr gespannt. Und auch wie die Reise sich gestaltet. Es tun sich schon wieder neue Hindernisse auf, die er galant umgeht. ;-)

Jeffrey Eugenides kann wirklich toll erzählen. Viele die bereits „Middlesex“ von ihm gelesen haben, finden dass „Die Liebeshandlung“ nicht heranreicht. Weil er noch gewandter erzählen kann und weil es thematisch gegen „Middlesex“ banaler sein soll. Ich kann das nicht beurteilen, da dies meine erste Begegnung mit Jeffrey Eugenides ist. Vielleicht ist es gut, dass ich dieses Buch zuerst lese. Denn auch ich kann mir, trotz meiner Lesefreude und meiner Begeisterung, gut vorstellen, dass er noch mehr kann. Ich denke, er ist ein ganz großer Erzähler.

Mir gefällt sehr, dass Eugenides bei dem Versuch, in der modernen Zeit einen Marriage-Plot-Roman anzusiedeln, nicht den Fehler macht, einen Abklatsch auf die viktorianischen Romane dieser Gattung zu verfassen. Seine Figuren sind modern (na gut, die 80er immerhin :mrgreen:) und denken und handeln nach den Grundsätzen ihrer Zeit. Sind keine Lady und keine Gentlemen, die in die moderne Zeit gebeamt wurden, sondern authentische junge Menschen, die versuchen Fuß zu fassen. Im Leben und in der Liebe. Eugenides nimmt sein Experiment ernst. Gelingt es, aus diesen Zutaten, die uns das normale Leben heute gibt, den Marriage-Plot-Roman wiederzubeleben? Oder ist diese Gattung ausgestorben, mit dem Wegfall der Notwendigkeit der Ehe? Je mehr ich verstehe, dass es ihm ernst ist, mit diesem Experiment, umso mehr kann ich die Handlung genießen. Ein toller Versuch, auf dessen Ausgang ich sehr gespannt bin!

So langsam beginnt mich zu faszinieren, was Jeffrey Eugenides mit dem Roman bezweckt. Denn die Form, in der er das tut, wird mir mit jeder Seite bewusster. Er möchte wirklich ein Experiment wagen. Ist es möglich, heute, wo die Heirat nicht mehr wichtig und notwendig ist (Versorgungsgründe etc.), einen Roman mit einem marriage-plot zu schreiben? Ist der Marriage-Plot-Roman, den man aus der viktorianischen Zeit kennt, tot? Oder kann er wiederbelebt werden? Diesen Versuch nimmt Eugenides ernster, als ich dachte. Und das fasziniert mich daran so. Denn er versucht nicht eine Handlung aus einem viktorianischen Roman auf modern zu trimmen, und aus der Zeit gefallene Charaktere zu bemühen, die man im wahren Leben so nicht antreffen würde. Seine Handlung spielt in der modernen Zeit (na gut, die 80er Jahre :mrgreen:), seine Charaktere sind authentisch. Sie lieben und leben nach den Regeln des späten 20. Jahrhunderts. Und ihre Probleme sind echt. Diese Probleme haben junge Erwachsene heute. Keine künstlich in die Neuzeit transportierten Probleme und Themen. Sondern das pure Heute. Kann es in dieser unserer Zeit noch einen Marriage-Plot-Roman leben? Ich bin gespannt, ob Jeffrey Eugenides am Ende dieses Experiment glückt.

Und wie ich sehe, bin ich nicht die einzige, die interessanten Lesestoff am Wickel hat. :D
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Mo 7. Nov 2011, 10:50

JMaria hat geschrieben: "Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein" von Hallgrimur Helgason.

Seine Sätze bringen mich zum Lachen und das Lachen bleibt zugleich im Hals stecken; eine verwirrende Mischung von Humor, Schmerz und Gewalt. Auch macht es der Autor dem Leser nicht leicht der Geschichte zu folgen. Der Protagonist, ein alternder Schriftsteller glaubt tot zu sein und in einem seiner frühen Romane gefangen zu sein. Dieser weiß so ungefähr wie der Lauf der Geschichte ist, wenn er auch vieles vergessen hat, aber der Leser hingegen ist sozusagen mit zwei Geschichten konfrontiert, von denen er von beiden nicht weiß, wohin es geht. Ein Buch das Ausdauer und Aufmerksamkeit fordert. Was aber der Lesequalität des Romans keinen Abbruch tut, im Gegenteil.



abschließend - es ist das verwirrendste Buch das ich in 2011 las. Das Spiel mit Fiktion, Realismus, Literatur und der Wunsch nach Unsterblichkeit eines Autors, ist auf ungewöhnliche Art und Weise niedergeschrieben worden, in einem auffallend kraftvollen Stil.


@Steffi,
ich bin auf deine Meinung sehr interessiert.
Schöne Grüße, Maria
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Re: Leseerlebnisse 2011 - Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Mo 7. Nov 2011, 11:23

Hallo zusammen,

ich bin am Wochenende auch wieder ein Stück weiter gekommen. Und ich bedauere jetzt schon, dass "Die Liebeshandlung" irgendwann ausgelesen sein wird. Umso glücklicher bin ich darüber, dass ich "Middlesex noch vor mir habe.

Je weiter der Roman fortschreitet, umso mehr verliert sich die Theorie, die Jeffrey Eugenides hat einfließen lassen, und umso mehr gewinnt die eigentliche Handlung an Fahrt. Wobei es eine gemächliche Fahrt ist. Die Leben der drei Hauptfiguren entwickeln sich, und berühren einander. Ich mag mich gar nicht mehr aus der Geschichte lösen. Mir gefällt dieser Roman ausgezeichnet. Wäre er mir zu Anfang schon 9 von 10 Punkten wert gewesen, so strebt er gerade die Höchstwertung an.

@Maria: Dein Bericht macht Lust auf den Roman und auf weitres von Hallgrimur Helgason. Wie er Steffi gefällt, darauf bin ich dann auch nun gespanntl.
Liebe Grüße,
Petra


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