Momos Lesetagebuch

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Hans Fallada / Wolf unter Wölfen (1)

Beitragvon Momo111 » So 12. Aug 2012, 21:58

Erste Buchbesprechung der o. g. Lektüre

Nun habe ich das Wochenende gut genutzt, schon mal 260 Seiten in dem Buch gelesen zu haben, auch wenn ich noch einen riesen Berg vor mir sehe.

Allerdings packt mich das Buch nicht so sehr wie die anderen Werke, die ich von Fallada gelesen habe. Ich werde mit vielen der Figuren nicht wirklich warm und betrachte diese eher mit einer ungewöhnlich großen inneren Distanz, zumal ich nicht auf jede Persönlichkeit eingehen werde.

Am meisten beschäftigt mich der Protagonist des Romans, namens Wolfgang Pagel, genannt Wolf... . Ein junger Mann von 24 Jahren. Er leidet unter einer Spielsucht, mitten in der Inflation in dem Nachkriegsdeutschland des ersten Weltkriegs, und die Summen, um die es dort geht, dreht sich mir ja schon der Kopf... . Komme später darauf näher zu sprechen... . Bei Fallada ist es schon fast normal, dass in seinen Büchern meist Figuren mit einer "Geisteskrankheit" auftreten. Ich passe mich seinem Wortstil an, denn so nennt er psychische Erkrankungen, und ich möchte nah an Fallada bleiben... .

Ich habe woanders schon geschrieben, dass Menschen, die eine Wirtschaftskrise und die Inflation überlebt haben, Lebenskünstler waren... . Unvorstellbar, dass eine Stange Brot zehntausend Mark kostete. Und die Gehälter wurden sehr unpünktlich ausgezahlt, wenn überhaupt:

Der Staatsgerichtshof verurteilte eine Prinzessin wegen Begünstigung des Hochverrats und Meineid zu sechs Monaten Gefängnis - aber der Dollar steht auf vierhundertvierzehntausend Mark gegen dreihundertfünfzigtausend am dreiundzwanzigsten Am Ultimo, in einer Woche, gibt es Gehalt - wie wird der Dollar dann stehen? Werden wir uns zu Essen kaufen können? Für vierzehn Tage? Für zehn Tage? Für drei Tage? Werden wir Schuhsohlen kaufen, das Gas bezahlen können, das Fahrgeld-? Schnell, Frau, hier sind noch zehntausend Mark, Kauf was dafür. Was, ist gleichgültig, ein Pfund Mohrrüben, Manschettenknöpfe, die Schallplatte-oder einen Strick, uns aufzuhängen… nur schnell, Lauf, rasch-!

Wolf pflegt eine Beziehung zu einem jungen Mädchen, die Petra Ledig heißt. Doch Wolf kann sich nicht mit dem Namen Petra anfreunden, da ihm der Name zu biblisch sei und ihn an Petrus erinnern lässt und deshalb nennt er seine Freundin einfach Peter. :mrgreen: Petra lässt ihn gewähren, und überhaupt stellt sie keinerlei Ansprüche an die Beziehung oder an Wolf selbst. Mit dem Nachnamen Ledig kann er sich sehr wohl anfreunden und ist auch der Meinung, dass sie auch so bleiben könne. Daraus geht hervor, dass Wolf sein Mädchen nicht wirklich liebt, was auch an anderen Textstellen bestätigt wird, mir aber noch ein wenig fraglich ist, was er mit dem Mädchen letztendlich will. Wolfgang Pagel stammt aus einer wohlhabenden Familie, die so wohlhabend ist, dass sie auch der Inflation zu strotzen weiß, während viele andere Menschen Hunger leiden müssen, so auch seine Freundin Petra Ledig.

Petra zeigt Wolf gegenüber wenig Selbstbewusstsein, da sie alle Menschen, die wohlhabend sind, als die klügeren und als die besseren Menschen betrachtet:

Es kam ihr immer wie ein Märchen vor, dass sie, eine kleine Verkäuferin, ein uneheliches Kind, das gerade am Versacken gewesen war, in solche Häuser gehen durfte, in denen die gebildeten Menschen saßen, die sicher nie etwas erfahren hatten von all dem Schmutz, den sie so genau hatte kennenlernen müssen. Allein hätte sie sich nie hierher gewagt, obwohl ihr die-Stumm geduldeten - Elendsgestalten an den Wänden bewiesen, dass hier nicht nur Weisheit gesucht wurde, sondern auch Wärme, Licht, Sauberkeit und eben das, was auch eher aus den Büchern aufstieg: feierliche Ruhe.

Petra Ledig fängt nun auch an, sich für Bücher zu interessieren und ließ sich von Wolf gerne erzählen, aus welchem Buch er gelesen hatte. Petra möchte von ihm geliebt werden und nicht nur des Körpers wegen, sondern hauptsächlich wegen ihrer Wesensart. Oft war sie in Gedanken versunken und äußerte daraufhin ihrem Freund, dass sie so schrecklich dumm sei:

"Ich lerne und ich lerne auch gar nichts! Ich werde ewig dumm bleiben!"
Aber auch dann wieder lachte er nicht über solchen Aufruf, sondern ging freundlich ernst darauf ein und meinte, im Grunde sei es natürlich ganz egal, ob man wisse, wie Käse gemacht werden. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:. Denn so gut wie der Käsemacher lerne man es doch nie wissen. Dummheit sei, wie er glaube, etwas ganz anderes. Wenn man sich nämlich sein Leben nicht einzurichten wisse, wenn man nicht aus seinen Fehlern lerne, wenn man sich immer wieder unnötig über jeden Dreck ärgere und wisse doch ganz genau, in zwei Wochen sei er schon vergessen, wenn man mit seinen Mitmenschen nicht umgehen könne - Ja, all dies, erscheine ihm recht Dummheit.


Interessant fand ich, als Wolf seine Mutter als Beispiel erwähnte, die recht spießige Lebensansichten pflegt und auch oft gegen Menschen gerichtet sind, die entgegen ihrer Vernunft beispielsweise ihrer Vorstellung gegenüber treten:

Ein wahres Musterbeispiel sei seine Mutter, die, soviel sie auch gelesen und erfahren habe und so klug sie auch sei, ihn nun glücklich mit lauter Liebe und Besserwissen und Gängeleien auf dem Haus getrieben habe, und er sei doch wirklich ein geduldiger, umgänglicher Mensch (Sagte er.) Sie, Petra, dumm-? Nun, sie hätten sich noch nicht einmal gestritten, und wenn sie auch oft kein Geld gehabt hätten, schlechte Tage hätten sie darum doch nicht gehabt und grimmige Zornesmienen auch nicht. Dumm-?! Was Peter denn meine? Natürlich genau das, was Wolf auch meinte! Schlechte Tage? Grimmige Miene? Sie hatten die allerherrlichste Zeit von der Welt miteinander gehabt, die schönste Zeit ihres ganzen Lebens-schöner konnte es nun überhaupt nicht mehr werden! Im Grunde war es ihr ja auch ganz egal, ob sie dumm oder ob sie nicht dumm war (klug kam trotz all seiner Erklärung nicht in Frage), solange er sie nur gerne hatte und ernst nahm.

Ein Fünkchen Wahrheitskern steckt wohl in dem oben genannten Zitat, aber nur ein Fünkchen. Petra ist gar nicht fähig, ihren Wolf zu sehen wie er ist. Die Liebe zu ihm führt sie in die Abhängigkeit, so dass sie alles an ihm duldet, sogar die Spielsucht, mit dem Ziel, dass er ja nur bei ihr bleibt. Eigentlich auch eine recht labile Persönlichkeit... .

Petra Ledig wird in dem Mutterhaus ihres Freundes alles andere als geduldet. Wolf sucht den Kontakt zu seiner Mutter nur noch sporadisch auf. Doch in dem Elternhaus wird trotzdem zu jeder Mahlzeit für Wolf miteingedeckt. Den Vater gibt es schon lange nicht mehr, er ist früh verstorben. Doch Wolf ist immer verschuldet. Er verspielt das ganze Geld, sogar die Kleider von Petra werden eingelöst und so bleibt Petra fast nackt in dem Zimmer zurück und wartet auf ihn... .

In dem Haus seiner Mutter lebt seit zwanzig Jahren auch eine Bedienstete, Minna, die sehr gut die familiären Verhältnisse dort durchschaut. Es folgt nun ein Zitat, das mich hat ein wenig schmunzeln lassen, aus dem Gespräch zwischen Minna und Wolfs Mutter:

"Der junge Herr" meinte Minna, "hat es immer zu leicht gehabt. Er hat keine Ahnung, wie ein armer ein Mensch Geld verdient. Erst haben Sie ihm alles leicht gemacht, gnädige Frau - und jetzt tut es das Mädchen. Manche Männer sind so - das ganze Leben brauchen sie ein Kindermädchen - und es ist komisch, sie finden auch immer eins."

Um an Geld zu kommen, verkauft Wolf ein Gemälde aus der Familie, dass er sich bei der Mutter erpresst hat. Der Kunsthändler, der bekannt ist in Wolfs Familie und er alle Gemälde des Hauses kennt, wundert sich über den Verkauf des wertvollen Kunstobjektes. Doch Wolf hakt ein, dass man ohne Bilder sehr wohl leben könne aber nicht ohne Geld :mrgreen: . Auch hier, so finde ich, steckt wieder eine große Portion Ironie.


Szenenwechsel:

Wir befinden uns in einer Strafheilanstalt, in der die Häftlinge heftig protestieren, weil sie schlecht versorgt werden. Das Brot ist hart und ungenießbar. Mehr bekommen sie nicht zu essen. Unangemeldeter Besuch eines Reporters, jemand von der Sozialdemokratischen Pressekonferenz, der die Absicht hat, die Häftlinge darüber zu interviewen, ob sie mit Lebensmitteln ausreichend versorgt werden. Der Direktor versucht sich zu rechtfertigen in der Form, dass die Einrichtung nur mit minderwertigem Mehl beliefert werde, und sie keine andere Möglichkeit habe, Vollwertbrot herzustellen. Doch der Reporter lässt nicht locker:

Direktor: "Ich kann es nicht ändern, das Brot ist nicht gut - aber was soll ich machen?! Unsere Verpflegungssätze hinken um vier Wochen hinter der Geldentwertung drein. Ich kann kein vollwertiges Mehl kaufen - was soll ich tun?!"
"Anständiges Brot liefern. Schlagen Sie doch Krach im Ministerium. Machen Sie Schulden für die Justizverwaltung, alles gleich - die Leute sind nach Vorschrift ausreichend zu beköstigen."
" Jawohl", sagte der Direktor bitter. "Ich riskiere Kopp und Kragen, damit meine Herren genug zu Essen haben. Und draußen hungert das unbestrafte Volk, was?"


In dem letzten Satz steckt doch eine große Portion Ironie. Schließlich macht die Inflation ja nicht vor den Kerkertüren halt. Und es ist doch ein wenig makaber, dass es Gesetze gibt, die vorschreiben, dass die Häftlinge ausreichend versorgt werden müssen, während die Menschen draußen Hunger leiden. Ich wage mir kein Urteil zu bilden, weiß selbst nicht, was richtig und falsch ist, aber mir geht es um die Ironie, die ihre Berechtigung hat. Könnte eine Regierung auch für das gesamte Volk einstehen, vor allem für die, die wenig haben, fände ich das noch ein bisschen gerechter. Ich habe Verständnis für die Häftlinge, aber auch Mitleid für das hungernde Volk... .

Interessant finde ich auch die Romanfigur namens Baron von Bergen. Eine stark vom Krieg gezeichnete traumatisierte Persönlichkeit, der mit dem Paragraphen 51 in einer psychiatrischen Heilanstalt geschlossen untergebracht ist. Baron von Bergen bezeichnet sich selbst als geisteskrank, auf mich macht er ein wenig den Eindruck eines Paranoikers... Er ist aus der Heilanstalt geflohen, geht in ein Hotel, und geißelt ein paar Leute hinter verschlossener Hoteltür und zwingt diese, in Übermaß Cognac zu trinken, sonst würde er sie erschießen.

Wer nicht trinkt wird erschossen. Ich habe den Paragraphen 51, mir passiert nichts. Ich bin der Reichsfreiherr Baron van Bergen. Kein Polizist darf mich anfassen. Ich bin geisteskrank.-Trinkt! (…) Ich konnte das Schießen im Felde nicht vertragen, alle schossen immer nur auf mich. Seitdem schieße ich allein.-Trinkt!"

Interessant fand ich auch die Ansicht vieler zurückgekehrter Soldaten, die sich ein wenig als Helden feiern, auch wenn der Krieg als verloren galt und sie andere Kameraden eher verachten, die "Nie wieder Krieg" rufen. Sie werden als Feiglinge, als Drückeberger und als Verräter beschimpft. Es ist nicht so, dass jeder Mann, der aus dem Krieg zurückgekehrt ist, zu einem Pazifisten wird. Das war bei Remarque so, und auch bei Borchert. Nein, es gibt viele Soldaten, die immer wieder zurück in den Krieg marschieren würden, und sie würden immer wieder von neuem töten, töten, töten... .

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Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon JMaria » Mo 13. Aug 2012, 10:23

Hallo Momo,

man erkennt aus deinem Bericht wie facettenreich "Wolf unter Wölfen" ist. Es ist unvorstellbar, wie die Wirtschaftskrise und die Inflation das Leben derart verteuerte. Kürzlich las ich Hemingways Kolumnen, die er für den Toronto Star schrieb, u.a. war er auch zu dieser Zeit in Frankreich und hat Deutschland besucht und konnte spottbillig mit seinen Canada-Dollars einkaufen. Ein älterer deutscher Mann fragte ihn, was er denn für die Äpfel bezahlt hatte und ging kopfschüttelnd und betrübt weiter, weil er sich Äpfel nicht leisten konnte. Das ging alles so schnell, dass es Hemingway bedauerte, ihm nicht einen Apfel geschenkt zu haben.

Das ging mir beim Lesen doch sehr nahe.

dass du mit den Figuren nicht warm wirst, kann sich vielleicht noch ändern, oder auch nicht .... Manchmal ist ein Abstand zu den Personen garnicht von Nachteil, aber ich kann verstehen, dass es einen auch stört.

PS:
deine Fontane-Signatur gefällt mir sehr. Ich lese seine Bücher überaus gerne.
Schöne Grüße, Maria
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Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon Momo111 » Mo 13. Aug 2012, 11:51

JMaria hat geschrieben:Hallo Momo,

man erkennt aus deinem Bericht wie facettenreich "Wolf unter Wölfen" ist. Es ist unvorstellbar, wie die Wirtschaftskrise und die Inflation das Leben derart verteuerte. Kürzlich las ich Hemingways Kolumnen, die er für den Toronto Star schrieb, u.a. war er auch zu dieser Zeit in Frankreich und hat Deutschland besucht und konnte spottbillig mit seinen Canada-Dollars einkaufen. Ein älterer deutscher Mann fragte ihn, was er denn für die Äpfel bezahlt hatte und ging kopfschüttelnd und betrübt weiter, weil er sich Äpfel nicht leisten konnte. Das ging alles so schnell, dass es Hemingway bedauerte, ihm nicht einen Apfel geschenkt zu haben.

Das ging mir beim Lesen doch sehr nahe.

dass du mit den Figuren nicht warm wirst, kann sich vielleicht noch ändern, oder auch nicht .... Manchmal ist ein Abstand zu den Personen garnicht von Nachteil, aber ich kann verstehen, dass es einen auch stört.

PS:
deine Fontane-Signatur gefällt mir sehr. Ich lese seine Bücher überaus gerne.



Hallo Maria,
manche Dinge in dem Buch müssen sich erst mal setzen, weil sie einfach absurd sind und es mir an Sprache fehlt, diese auszudrücken. Von daher gebe ich dir recht, dass sich die Beziehung zu den Figuren noch ändern kann. Ich musste erst einmal eine Nacht darüber schlafen, um eine Szene zu Petra Ledig festzuhalten, was ich im Folgenden versuchen werde, aber auf einem anderen Dokument, die ich später hier hinein kopieren werde... .

Was du zu Ernest Hemingway gechrieben hast finde ich voll interessant. Das mit den Äpfeln ist doch auch ein wenig absurd... . Hoffen wir, dass sich solche Zeiten niemals wiederholen werden.

Ja, Fontane liebe ich auch. Habe schon einige Bücher von ihm gelesen... .

Ich grüße euch alle!
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Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon JMaria » Mo 13. Aug 2012, 12:10

Momo111 hat geschrieben:
Was du zu Ernest Hemingway gechrieben hast finde ich voll interessant. Das mit den Äpfeln ist doch auch ein wenig absurd... . Hoffen wir, dass sich solche Zeiten niemals wiederholen werden.



das ist schön, dass dich das interessiert. Ich möchte dich nicht zutexten mit anderen Bücher, denn es ist ja eigentlich dein persönlicher Thread. Du sagst einfach, wenn ich zuviel 'rede' :-)

ja, die Depeschen sind wirklich empfehlenswert zu lesen. Das Buch heißt "49 Depeschen" von Ernest Hemingway, sie beinhalten seine Kolumnen zwischen 1920 - 1956.

Hiermal der Wechselkurs von 1922:
Als Hemingway Kehl besuchte, wechselte er 10 France (= ca. 90 Canada-cents) um und bekam 650 Mark.

oder seine Berichte wie ihm Granaten um die Ohren flogen, als er in Spanien zwischen 1936 und 1939 über den Bürgerkrieg berichtete und er ins Kampfgebiet fuhr. Das war sehr mutig. Ich muß immer daran denken, wenn ich Berichte von den Journalisten im Fernsehen sehe, die in Syrien berichten. Solange ist es also garnicht her, als auch in Europa ein Kampf stattfand und Faschisten die Demokratie angriffen und sogar eine zeitlang siegreich hervor kam.

PS:
in einer seiner vielen Kurzgeschichten erzählt er von einem Mann, der wegen der Artillerie von seinem Hof flüchten mußte, auf dem er allerlei Tiere hütete; 1 Katze, 2 Ziege und 4 Paar Tauben. Er blieb ganz erschöpft an der Brücke stehen und wollte nicht mehr weiter, ein Reporter kam vorbei und gesellte sich zu ihm. Der alte Mann sagte in seiner Erschöpfung, dass er seine Tiere zurücklassen mußte; um die Katze machte er sich keine Sorgen, die könne sich versorgen, aber die Ziege und die Tauben ... ein Gespräch ging hin und her, am Ende sagte der alte Mann erschöpft Ich habe doch nur Tiere gehütet. ... "Alter Mann an der Brücke"

Das sind Momente, da liebe ich Hemingways ganz besonders!
Somit ist Hemingway immer sehr nahe Menschen, auch heute noch, wenn man das liest.
Schöne Grüße, Maria
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Hans Fallada / Wolf unter Wölfen (2)

Beitragvon Momo111 » Mo 13. Aug 2012, 12:42

Also, von Hemingway habe ich unbedingt vor, eine (Auto)Biografie zu lesen. Du hast mich jetzt nochmals daran erinnert, Maria, werde gleich mal schauen, was es dazu gibt. Deine Buchempfehlung finde ich auch voll interessant. Danke dir... .

Du bist hier in meinem Lesetagebuch herzlich willkommen, so wie auch die anderen UserInnen. Es gibt doch nichts Schöneres, was Gesprächsthemen betreffen, sich über Literatur auszutauschen. Besser als Smalltalk :mrgreen: .


______________________
Zweite Buchbesprechung der o. g. Leküre

Ich bin gestern Nacht mit Fallada ins Bett gegangen. Manche Szenen in dem Buch müssen sich erst einmal setzen, weil sie mir, wie oben schon geschrieben, einfach zu absurd erscheinen und es mir an Sprache fehlt, diese auszudrücken :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: .

Ich musste eine Nacht darüber schlafen, um Worte zu finden... .

Petra Ledig befindet sich im Hof, angezogen mit einem Sommermantel ihres Freundes, andere Kleider besitzt sie ja nicht mehr, und wartet auf Wolf, der die Absicht hatte, sich mit ihr auf dem Standesamt zu vermählen, so dass er mit hübschen Kleidern, mit Nahrungsmitteln und mit Geld zurückkehren wollte. Doch Wolf lässt auf sich warten... .

Petra ist total ausgehungert und übergibt sich auf dem Hof. Zufälligerweise kommt ein Polizeiinspektor vorbei, der sich auf dem Weg zur Arbeit befindet, und befragt das ärmlich aussehende Mädchen. Er gibt sich zwanzig Minuten mit ihr ab, zu lang, um noch pünktlich seinen Dienst auf dem Revier anzutreten, was ihm äußerst peinlich wäre.

Nun kommt das Absurde:
Damit er seine Unpünktlichkeit kaschieren kann, nimmt er Petra Ledig einfach fest und stellt sie auf dem Revier mit dem Haftbefehl wegen Erregung des öffentlichen Ärgernisses vor.

Und nun sitzt Petra Ledig für einen längere Zeitraum unschuldig im Knast, damit der Beamte sein Zuspätkommen als ein dienstliches Anliegen deklarieren konnte... .

Den Ausgang dieser Szene lasse ich offen, da ich nicht zu viel verraten möchte.

___________________
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Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon JMaria » Mo 13. Aug 2012, 17:11

Also, von Hemingway habe ich unbedingt vor, eine (Auto)Biografie zu lesen. Du hast mich jetzt nochmals daran erinnert, Maria, werde gleich mal schauen, was es dazu gibt. Deine Buchempfehlung finde ich auch voll interessant. Danke dir... .


Erlebnisberichte von ihm persönlich gibt es mehrere, soweit ich weiß . Sehr ans Herz legen kann ich dir Paris, ein Fest fürs Leben, darin berichtet er über seine junge Ehe (1. Ehefrau) und seinen Aufenthalt in Paris und der Beginn seiner Karriere, manchmal unter Muehsal und Geldnoeten. Vielleicht sein persönlichstes Werk.

In Die Wahrheit im Morgenlicht ist Hemingway mit seiner 4. Ehefrau Mary 1953 für ein halbes Jahr in Kenia und auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Dieses Buch würde für später empfehlen, wenn man mehr über ihn weiß und über seinen Erzaehlstil.

Kürzlich kaufte ich mir die Monographie über ihn, hab's aber noch nicht gelesen:
http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&Los=Los& ... bucherf-21

Auf meinem Wunschzettel ist der Bildband:
http://www.amazon.de/s?ie=UTF8&Los=Los& ... bucherf-21
Schöne Grüße, Maria
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Beitragvon Momo111 » Mo 13. Aug 2012, 17:54

Ich habe mir vorhin schon drei bestellt. Eine davon steht auch auf deiner Liste... .
Ich kann nicht alle empfohlenen Bücher kaufen, da ich schon 150 Bücher habe, die ich noch lesen muss... .
Danke trotzdem, liebe Maria. Und von den 150 Büchern tue ich mir oftmals sehr, sehr schwer, was die Auswahl der nä. Lektüre betrifft.

Hemingway wird demnach sich dem Stapel anreihen, kann aber noch dauern, bis er dran ist. Seien wir ehrlich, es gibt zu viele interessante Bücher... . Und so viele LeserInnen, die noch mehr empfehlen... .
Irgendwann muss ich eine Grenze ziehen, da die Bücher für mich erst dann einen wirklichen Wert bekommen, wenn ich sie auch gelesen habe, unabhängig davon, ob sie mir gefallen haben oder nicht.

Ja, mein Fallada beschäftigt mich weiter und werde heute mein Lesepensum, das aus 150 Seiten bestehlt, wohl schaffen. Zudem steht noch eine Buchbesprechung an.

Mal schauen was wird. Jetzt mache ich eine kleine Pause, da gleich meine Flötenschülerin kommt... .

Hoffe, ihr hattet alle einen schönen Wochenstart... .
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Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon JMaria » Mo 13. Aug 2012, 18:41

Hallo Momo,

das ist klar, sind alles nur Empfehlungen, alles zu lesen dazu bräuchte man mehr als ein Leben. So wie jeder kann . Welche Bücher hast du dir bestellt, wenn ich fragen darf?

Schönen Abend :)
Schöne Grüße, Maria
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Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon Momo111 » Mo 13. Aug 2012, 19:02

Hallo Momo,

das ist klar, sind alles nur Empfehlungen, alles zu lesen dazu bräuchte man mehr als ein Leben.

So ist das, Maria.

Welche Bücher hast du dir bestellt, wenn ich fragen darf?


1. Paris, ein Fest fürs Leben (Autobiografie)
2. Hans-Peter Rotenberger "Hernest Hemingway"
3. A. E. Hotchner "Papa Hemingway".

Und habe mir von Siegfried Lenz: Schweigeminuten bestellt.

Demnach wieder vier neue Bücher für meinen SuB :o
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Re: Momos Lesetagebuch

Beitragvon Barbara » Mo 13. Aug 2012, 19:45

Liebe Momo,

A. E. Hotchner "Papa Hemingway"

ist eine tolle Biografie. Ich erinnere mich noch gut daran, dass mein Mann sie sehr gerne gelesen hatte und sie auch so aussah. ;) Da es sie nicht mehr gab, habe ich sie, nach langem Suchen, bei einem Antiquariat gefunden und dann direkt für meinen Mann bestellt.

Viel Spaß mit Deinen Neuzugängen. Den wirst Du gewiss haben.
:lesen_und_nachdenken:
Liebe Grüße
Barbara
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