Guten Morgen zusammen,
ich habe
“Die Herrin von Wildfell Hall“ nun zu Ende gelesen. Ein wunderbarer Roman, wie bisher alles was ich von den Brontë-Schwestern gelesen habe. Auch abschließend muss ich sagen, dass ich finde, dass sie zu Unrecht im Schatten ihrer Schwestern steht. Das Nachwort von David Wells nimmt sie da auch etwas in Schutz. In diesem Roman erahnt man, welche eigenen schlimmen Erfahrungen und Beobachtungen (Sucht, Maßlosigkeit) sie hat einfließen lassen, und unwillkürlich denkt man da an Annes Bruder. Im Nachwort wird auch diese Annahme vertreten, es wundert nicht. Auch dass sie gesagt haben soll, dass sie den Roman eher aus eine Pflichtgefühl heraus geschrieben hat, als aus eigenem Vergnügen, zeigt, dass sie die Themen des Romans sehr beschäftigten, und ihr daran gelegen war, Menschen vor diesen Ausschweifungen zu bewahren, in dem sie ihnen aufzeigte, was daraus entsteht.
Die tiefe Religiosität, von der Anne Brontës Figur Helen beseelt ist, spiegelt sicher auch viel von Anne Brontë selbst wider.
Ein schön zu lesender Roman, doch mehr als nur ein guter Schmöker. Auch heute noch zerstört die Sucht (seien es Alkohol, Drogen oder sonstiges) Beziehungen und Familien und gefährden das Leben und die Gesundheit. Anne Brontë zeigt sehr stimmig auf, was sie selbst auch an ihrem Bruder erlebt und beobachtet hat. Doch am interessantesten war für mich der Aspekt, was Frauen damals (und in einigen Ländern ist es heute ja noch nicht anders) mitzumachen hatten. Es ist eines, darauf zu verweisen, dass Männern alle Rechte zustanden. Doch wie das aussehen kann, wenn der Mann seine Macht zudem noch missbrauchte, erfüllt beim Lesen mit Schrecken. Und für die meisten Frauen dürfte es viel schlechter ausgegangen sein, als für die mutige Helen. Die Ehe als Gefängnis, in dem eine liebende und gute Seele welken und verkümmern muss. Wie traurig! Und wie wichtig, dass darauf aufmerksam gemacht wurde!
Auch mit
"Tamara Drewe" komme ich nun gut voran. Abends auf dem Sofa vertreibe ich mir damit wunderbar die Zeit. Dazu schreibe ich bald noch was im Graphic Novels-Thread.
@Doris: Ich habe eben mal bei Amazon nachgesehen, da mir weder die Autorin noch das Buch etwas sagten. Das klingt aber verlockend, ganz besonders, da Du Dich mit dem Buch sehr gut amüsiert hast. Und dass Maria von der Autorin schon lange mal was lesen wollte, verstärkt meine Neugierde.
@Didonia: Dass Dir auch diese Reihe von Ann Granger so gut gefällt, dass Du am liebsten gleich weitere Teile lesen würdest, freut mich. Mich erinnert das, was Du darüber berichtest, ein wenig an das, was ich über Anne Perrys Pitt-Krimis gehört habe, die ich eigentlich ganz gern mal irgendwann lesen würde. Das soll ja auch viel gesellschaftskritisches bei sein. Finde ich gut.
@NatiFine: „Taberna Libraria: Die magische Schriftrolle“ hat aber wirklich ein schönes Cover, und zudem eine interessant klingende Inhaltsangabe. Das könnte doch auch was für Didonia sein, dachte ich mir sofort.
@Steffi: Deine Eindrücke zu „Der Trümmermörder“ interessieren mich auch sehr.
Dass die Serie „Deadwood“ doch recht anders sein soll als das Buch, lässt mich nun auch dazu tendieren, das Buch doch zu lesen, und trotzdem auch die Serie zu schauen. Was Du über Pete Dexter schreibst, stimmt absolut. Er hat wirklich ein ganz außergewöhnliches Talent, seine Figuren bis ins Absurde zu führen, ohne es albern wirken zu lassen. Seine Szenen behalten immer ihren ernst und durch die komische Note an so mancher Situation wird eine eigenartige Melancholie erzeugt, finde ich.
@Yvonne: Ich habe in den literarisch bereisten Ländern gesehen, dass Du „Später Frost“ von Voosen/Danielson gelesen hast. Wie hat es Dir gefallen? Interessiert mich sehr, da ich mir kürzlich das Hörbuch kaufte, und es bald hören möchte.