1913. Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies habe ich beendet. Auf vergnügliche und intelligente Weise wird man vom Autor durch dieses Jahr geleitet. Ein schönes Buch. Macht sich auch gut als Geschenk !
nun habe ich mit
Niagara von Joyce Carol Oates begonnen. Ich muß sagen, wie die Autorin das gewaltige Naturschauspiel, die Niagara Wasserfälle, in Symbolik und im Erzählfluß einsetzt, reißt einen regelrecht wie ein Strudel mit, dazu kommt noch die Melancholie und die von ihr gern eingesetzten geheimnisvollen Andeutungen, die den Leser vorantreiben um mehr zu erfahren.
1950:
Das frisch vermählte Ehepaar Erskine (beide stammen aus einem Pfarrhaus-Milieu), zwei unaufgeklärte und bigott-erzogene Personen, verbringen ihre Hochzeitsnacht in einem Hotel nahe dem Niagara.
Dreitausend Tonnen Wasser schießen pro Sekunde über den Abgrund. Die Luft donnert, bebt. Als wolle sich die Erde selbst teilen und in kleinen Partikeln in ihr geschmolzenes Zentrum hinabstürzen. Als habe die Zeit zu existieren aufgehört. Die Zeit ist zersprungen. Als sei man dem strahlenden, pochenden, wahnsinnigen Innern allen Seins zu nahe gekommen. Hier werden deine Venen, deine Adern, deine Nerven mit ihrer minutiösen Präzision und Vollkommenheit sofort zerrissen. Dein Gehirn, in dem du wohnst, diese einmalige Heimstatt dessen, was du bist, wird in seine chemischen Bestandteile zerschlagen: Gehirnzellen, Moleküle, Atome. Noch der Schatten und das Echo aller Erinnerung werden ausgelöscht.
Am nächsten Tag, am frühen Morgen, springt der Ehemann, noch dazu ein junger Pastor, in die 'Hufeisenfälle'. Sieben Tage später taucht die Wasserleiche im 'Devil's Whirlpool' auf. (!)
Die leiblichen Überreste des siebenundzwanzigjährigen Gilbert Erskine waren, von Intestinalgasen grotesk aufgebläht, fast nicht mehr als menschlich zu erkennen. Der einst dünne Leib war kugelig wie ein Ballon, war nackt, unbehaart und ohne Zehen- und Fußnägel. Eine schwarze, geschwollene Zunge ragte aus einem bizarr lächelnden Mund über einem nach unten geklappten Unterkiefer heraus. Die Augen waren milchig, lidlos, ohne Iris. Die Genitalien waren gleichermaßen aufgeschwemmt, wie aufgeplatzte Pflaumen. Das Grässlichste war jedoch, dass die oberste Hautschicht abgeschält war und eine rötlichbraune, von geborstenen Kapillaren gefärbte Schicht der Lederhaut freilag. Ein Gestank, giftiger als Schwefeldioxid, stieg von dem Leichnam auf...Zurück bleibt die junge Witwe. Soweit bin ich gerade (S. 129). Wie der Klappentext zeigt, wird die Witwe sich ein zweites Mal verheiraten, Kinder kriegen, ihren zweiten Mann ebenfalls mysteriös verlieren. Die Kinder kommen dann hinter das Geheimnis ... (Soll sich noch in Richtung Umweltverbrechen entwickeln). Im Moment entwickelt sich der Roman sehr interessant.
1913. Der Sommer des Jahrhunderts
Niagara