Hallo zusammen,
Am Wochenende kam
“Die schottische Selbstmord-Serie“ von John Dickson Carr an, und lag somit am Dienstag griffbereit, um mit auf die Bahnfahrt zur Arbeit genommen zu werden. Mir war ja nach was freundlichem und unterhaltsamen, was einem die Krimi-Klassiker der Dumont Krimibibliothek ja eigentlich immer bieten können. So war das ein glücklicher Griff. Ich amüsiere mich herrlich über die beiden Campbells, die sich zuerst öffentlich in einem Fachmagazin zerstritten haben, um sich dann im Zug wiederzubegegnen, mit demselben Ziel: Burg Shira in den Western Highlands. Allan Campbell, selbst schottischer Herkunft, aber nie dort gewesen, und Mr. Swan – ein Kanadier mit schottischen Wurzeln - lernen die schottischen Eigenheiten der Menschen, und wissen sich daran zu amüsieren – und mit ihnen auch der Leser. Die Begeisterung für die schottischen Eigenheiten, die schottische Landschaft, und die Burgen greift beim lesen auf mich vollends über. Ich würde gerade gern sofort meinen Koffer packen, und mich dorthin begeben. Nun bin ich gespannt, wie sich die Krimihandlung entfaltet, und wann Gideon Fell die Bühne betritt. Ein schöner Tipp – Danke noch mal Trixie!

Und zudem gerade genau das richtige für das immer noch so trübe kühle Wetter. Erwärmend und aufheiternd!
@Trixie: bei dem Krimi von Brian Kavanagh bedauert man mal wieder so richtig, dass er nicht in deutscher Übersetzung erhältlich ist. Klingt richtig gut. Schön, dass Du auch in einem Cosy-Krimi unterwegs bist.
@Maria: Auch Du bist mit einem Krimi beschäftigt. Ich glaube, das ist wirklich gerade das beste, was man bei dem frustrierenden Wetter machen kann. Und Charles Todd, da fällt mir sofort ein, dass Mariposa damals (Du kennst sie sicher noch) von dem Autor sehr begeistert war. Sie hatte fürs Buecher4um auch zwei Rezensionen geschrieben. Einmal zu

„
Auf dünnem Eis“ und einmal zu

„
Dunkle Spuren“. Ich weiß noch, wie sie mir damals begeistert von dieser authentischen Figur mit ihren Kriegsneurosen berichtet hat. Da dachte ich mir, das muss ich auch mal lesen. Du erinnerst mich nun daran.
Ich habe direkt mal Trixies Idee aufgegriffen, und die schriftstellerische Verbindung (Mutter und Sohn) im Schriftsteller-Familien-Thread aufgenommen.
@Maria: Bei Carson McCullers ist man wirklich eher der stille Beobachter. Das hast Du gut geschrieben. Während man bei Brian Moore, Richard Yates oder Fitzgerald die Einsamkeit spürt, als sei sie auch ein bisschen die eigene, bleibt man bei Carson McCullers außen vor. Bei anderen Themen würde mich das vielleicht nicht so stören. Aber einfach die Einsamkeit beobachten war mir dann hier doch zu wenig. Aber ich denke auch, dass das Hörbuch eine gute Alternative ist. Ein weiteres Mal werde ich es aber wohl trotzdem mit ihr versuchen. Ich könnte mir vorstellen, dass ihr Stil in „Spiegelbild im goldenen Auge“ besser greift. Neugierig genug bin ich noch darauf. Irgendwann versuche ich es damit.
@Shaftoe: Vielen Dank – was Du über „Die nachhaltige Pflege von Holzböden“ erzählst, klingt genauso amüsant wie der Titel. Gefallen hat mir auch, dass man ihm bei Amazon einen guten Erzählstil bescheinigt. Ich mag es, wenn Humor ansprechend verpackt ist, und nicht platt daher kommt. Ich werfe bei Gelegenheit einen Blick in das Buch. Mir scheint es einen Blick wert!
@Bonny: „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ klingt nach einer wirklich wunderbaren Geschichte mit Tiefgang. Das, was dort über Harold Fry gesagt wird (dass er noch nie weiter als bis zu seinem Auto gegangen ist, und dass er entweder jetzt – ohne Vorbereitung – auf seine Reise nach Schottland gehen muss, oder es nie tun wird), trifft gewiss auf viele Menschen zu. Mich erfüllt so etwas immer mit einer großen Traurigkeit. Sehen, welche Gelegenheiten Menschen ungenutzt lassen, die Dinge nicht tun, die sie tun wollen, nicht sind, wer sie sein könnten oder gar möchten. Das Leben ist irgendwann vorbei – schneller als uns lieb ist. Und dann ist es nicht mehr wieder gut zu machen. Es ist wichtig, in sich zu horchen, und das umzusetzen, was man dort im Inneren findet. Ich glaube, ich werde mir dieses Buch mal näher anschauen. Vielleicht auch als Hörbuch – ich meine es gibt eines dazu.
Dass ich Deinen Blick schon auf Christian Jungersens „Ausnahme“ lenken konnte, freut mich sehr. Ich finde auch dieses Thema sehr wichtig. Und ja, durch unserer Vergangenheit verstellen wir uns oft den Blick auf die Völkermorde in anderen Ländern. Das sollten wir nicht tun, denn auch der Blick auf andere Länder und ihre Verbrechen an der Menschheit öffnen uns den Blick dafür, dass so was, was hier passiert ist, jederzeit wieder passieren kann. Es liegt in uns Menschen.
@Steffi @Bonny @Maria: Auf „Der Besucher“ macht Ihr mich nun noch neugieriger. Und was Du über den Schreibstil sagst, Bonny, hatte ich beim reinlesen auch so empfunden. Ich glaube, das ist ein Buch, das ich auch gerne lesen würde, weil mir der Stil so behagt. Maria, Dir viel Spaß mit der Lektüre. Ich bin gespannt, ob es Dich auch zu fesseln vermag, oder ob Dir dieser Ich-Erzähler, dem nicht zu trauen ist, ein Bein stellt.
@Didonia: Deine Zusammenfassung von „Jeder stirbt für sich allein“ habe ich gern gelesen. Und auch, dass es Dich auch so bewegt hat. Zu den vorgenommenen Kürzungen hatten wir in unserer Leserunde einen guten Vergleich, denn unserer Leserunde lagen beide Versionen zugrunde: Die unzensierte Neuausgabe und die alte Ausgabe. So konnten wir einiges vergleichen. Und in der unzensierten Neuausgabe wurde auch über die ursprünglichen Streichungen Stellung genommen. Ich habe aus einem meiner Postings zur Leserunde mal zitiert:
Petra hat geschrieben: Die Bearbeitung des Romans durch den Lektor Paul Wiegler beinhaltet wohl insbesondere Frau Quangels Verehrung für den Führer und ihrem Posten in der Frauenschaft. Dies sind wohl insbesondere die Punkte, die aus Falladas Manuskript herausgestrichen wurden. Besonders im 17. Kapitel, wenn ich es recht verstehe, ist von dem 17. Kapitel so wenig übrig geblieben, dass man es dem ursprünglich 18. Kapitel zugeschlagen hat. Maria, Deine Ausgabe dürfte somit nur 72 Kapitel haben? Ist das richtig?
Fallada sollte zu den zunächst nur kritisierten Punkten Stellung beziehen. Durch seinen Gesundheitszustand (und Klinikaufenthalte) kam es jedoch nicht mehr dazu. Und die Streichungen wurden vorgenommen. Aus Falladas Vision eines Romans über eben nicht typische Widerständler, sondern ursprüngliche Mitläufer, wurde somit ein Roman, der doch wieder nur aufzeigt, dass es auch gute Menschen gab, die sich Hitler widersetzt haben. Das entspricht aber nicht den Hampels, und nicht den Quangels, und somit nicht dem, was Fallada erzählen wollte. Die Gründe für die Streichungen werden wohl in der gewünschten Entnazifizierung der Zeit, zu der Fallada den Roman schrieb, gesehen. Die Quangels passten da nicht rein, mit ihrer ursprünglichen Regimetreue. Falladas Roman wurde auch wegen anderer Punkte (Ungenauigkeiten) kritisiert, und wohl auch zum Teil überarbeitet. In der mir vorliegenden Neuausgabe sind fast alle Korrekturen und Änderungen zurückgenommen, und somit der Originaltext wiederhergestellt worden. Von kleinen logischen Fehlern, Satzzeichen und ausgelassenen Wörtern abgesehen. Ich denke, wir werden einiges zu entdecken haben. Das Nachwort hat mir ein wenig Aufschluss darüber gegeben, an welchen Stellen man diese Stellen suchen kann. Man sagt, der Roman sei dadurch rauer geworden, aber auch authentischer.
Mehr Infos finden sich im
Lit-Chatten-Thread zu dieser Leserunde.