Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Di 25. Jun 2013, 09:09

Peter Carey - Oscar and Lucinda: nach fast der Hälfte des Buches treffen die beiden Protagonisten nun an Bord der Leviathan aufeinander. Dieses langsame Erzählen gefällt mir, vorallem, da Carey mit einer guten Prise Sarkasmus und Witz die Figuren wunderbar skurill zeichnet. Beide sind vom Glücksspiel besessen, Oscar ist sehr bigott und naiv und denkt, dass sein Gewinn nur von Gott kommen kann. Lucinda ist genau das Gegenteil, sie trägt z.B. keine Krinolinen sondern Bloomers und mag Fabriken. Beide haben jedoch Schwierigkeiten, Beziehungen zu knüpfen. Besonders fein sind die Respektlosigkeiten, da die Geschichte aus der Sicht des Urenkels erzählt wird.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon YvonneS » Mi 26. Jun 2013, 11:09

Hallo zusammen,

ich habe mit „Wenn das Herz im Kopf schlägt“ nun auch den letzten Roman der Autorin Mechtild Borrmann gelesen, den ich noch nicht kannte. Eigentlich ist dies ja ihr Debütroman, ich habe ihre Bücher also „chronologisch rückwärts“ gelesen, sozusagen entgegen ihrer jeweiligen Erscheinungstermine. War auch mal ganz interessant, das Werk eines Autors „von hinten aufzurollen“. „Wenn das Herz im Kopf schlägt“ lässt schon gewisse Qualitäten erahnen, die die Autorin nach und nach in ihren Romanen entwickelt. Auch wenn ich ihren Debütroman durchaus lesenswert fand, hat er noch nicht das Niveau ihrer späteren Romane wie z. B. „Wer das Schweigen bricht“, für den sie 2012 den Deutschen Krimipreis erhielt oder „Der Geiger“, der für mich das bisher beste Buch der Autorin ist. Jetzt warte ich schon gespannt auf ihren nächsten Roman, der wohl aber erst im nächsten Jahr erscheinen wird.

Begonnen habe ich jetzt mit „Jakobs Mantel“ von Eva Weaver, die Geschichte eines jüdischen Puppenspielers im Warschauer Ghetto und zugleich die Geschichte eines ganz besonderen Mantels. Schon die ersten Sätze des Prologs nahmen mich im Buchladen gleich gefangen und doch habe ich den Kauf des Buches erstmal verschieben müssen. Glücklicherweise habe ich das Buch bei meinem letzten Büchereibesuch dann aber unter den Neuerwerbungen entdeckt und mir das Buch gleich „gekrallt“. Her damit!!! :D Und es ist mal wieder ein Grund, ein dickes Dankeschön an unsere Augsburger Stadtbücherei zu schicken, die viele Neuerscheinungen immer relativ fix im Bestand hat.

@steffi
Ich verfolge hier ganz interessiert deine Eindrücke zu „Oscar und Lucinda“. Ich habe das Buch vor ein paar Jahren als englisches Hörbuch gehört, gelesen von Ralph Fiennes, der ja in der Verfilmung des Romans neben Cate Blanchett und Ciaran Hinds den Oscar spielt. Den Film kann ich dir übrigens wärmstens empfehlen, falls du ihn nicht sowieso schon kennst.

Erinnern kann ich mich, dass ich anfangs doch ein paar Schwierigkeiten hatte, in das Buch reinzukommen, letztendlich hat es mir dann aber sehr gut gefallen und ich bin gespannt, was du hier noch so zu berichten hast.
Liebe Grüße
Yvonne



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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Manuela » Mi 26. Jun 2013, 21:38

Heute ging es gleich weiter mit Das Böse in uns - Cody Mcfadyen, dem 3.Fall von Smoky Barrett und ihren Team.
Eigentlich wollte ich eine Smoky-Pause einlegen, da ich ja nur noch 2 Bücher habe und der 5.Fall erst nächstes Jahr erscheinen soll....aber nichts da mit Pause, hab nur mal kurz reingelesen und bin schon wieder mittendrin.
Was tun die Personen in einem Buch, wenn es gerade niemand liest?
Michael Ende
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Do 27. Jun 2013, 08:20

Yvonne, du machst einen schon sehr neugierig auf Mechtild Borrmann ! Ich hab mir daher mal eine Leseprobe von "Wer das Schweigen bricht" auf den Kindle geschickt. Hört sich auf jeden Fall sehr gut an !

Oscar and Lucinda - den Film kenne ich noch nicht, wobei ich mir Raplp Fiennes nicht unbedingt als Oscar vorgestellt hätte, denn der ist ja rothaarig und nicht gerade hübsch ;) Ich kann mir auch vorstellen, dass es mit einem englischen Hörbuch am Anfang schwierig ist, auch, weil Carey viele australische und alte englische Ausdrücke verwendet. Ich habe das englische Wörterbuch auf dem Kindle am Anfang fleißig benutzen müssen.
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon YvonneS » Do 27. Jun 2013, 08:50

steffi hat geschrieben:Oscar and Lucinda - den Film kenne ich noch nicht, wobei ich mir Raplp Fiennes nicht unbedingt als Oscar vorgestellt hätte, denn der ist ja rothaarig und nicht gerade hübsch ;) .

Naja, wenigstens ist Fiennes in dem Film rothaarig und seine Darstellung des Oskar macht sein zu gutes Aussehen dann wieder wett. ;)

steffi hat geschrieben: Ich kann mir auch vorstellen, dass es mit einem englischen Hörbuch am Anfang schwierig ist, auch, weil Carey viele australische und alte englische Ausdrücke verwendet. Ich habe das englische Wörterbuch auf dem Kindle am Anfang fleißig benutzen müssen

Oh ja, daran kann ich mich auch gut erinnern, ich habe mir manche Passagen mehrmals anhören müssen und so manches mal das Wörterbuch zu Hilfe nehmen müssen. Da Fiennes eine sehr gute Aussprache hat, ging das dann aber mit der Zeit relativ gut.
Liebe Grüße
Yvonne



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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Petra » Do 27. Jun 2013, 16:11

Hallo zusammen,

ich habe vor ein paar Tagen “Postkarten“ von Annie Proulx begonnen. Schon lange wollte ich wieder etwas von der Autorin lesen, von der ich in ihrem Roman „Schiffsmeldungen“ so begeistert war. Das Buch ist mir so intensiv im Gedächtnis geblieben, und zählt für mich zu den besten. Annie Proulx’ Sprache hat etwas einzigartiges, und ihre Gabe Menschen und die Natur zu beschreiben ist ganz besonders. So auch in „Postkarten“.

Ihre Sprache ist karg, aber bildgewaltig. Mit den von ihr verwendeten Beschreibungen erzeugt sie sofort Bilder. Ich bewundere und genieße das. Darüber hinaus wirken ihre Beschreibungen der Farm und der Familie Blood so überaus authentisch. Man kann beinahe den Kuhmist riechen, die Anstrengung und Ermüdung spüren, die Hoffnungslosigkeit spüren, von der ihr Alltag durchzogen ist.

Auch Loyal (der Name ist sicher nicht zufällig gewählt), einer der Söhne der Bloods, der eine dumme Tat begeht, und die Farm fluchtartig verlassen muss, und seither unterwegs ist, ist famos beschrieben. Auch die Ironie, dass er, der nie von der Farm wegwollte nun unterwegs ist, und sie (Billy), die unbedingt fort von dort wollte, dort geblieben (durch ihren Tod), ist sehr schön herausgearbeitet.

Ganz toll auch, wie Annie Proulx jedem Kapitel eine Postkarte vorausschickt, die dann in (manchmal nur abstraktem) Bezug zum Inhalt des Kapitels steht, und manchmal erklärend wirkt.

Dass Annie Proulx für ihr Debüt „Postkarten“ damals mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichnet wurde, geschah ganz gewiss zu Recht. Und dass sie für den darauf folgenden Roman „Schiffsmeldungen“ mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, ebenfalls.

Selbst das Cover ist sehr schön. Ich habe die Taschenbuch-Ausgabe von btb. Die Bücher von dem Verlag gefallen mir eh meistens - sowohl vom Inhalt als auch von der Gestaltung her.

Ich freue mich sehr aufs weiterlesen. Das könnte mein erstes Jahreshighlight werden.

@Bonny: Oh ja, „Abschied von Chautauqua“ lies unbedingt dieses Jahr im August. :-)

Und falls Zeit für ein weiteres Buch in den nächsten Wochen bleibt, dann vielleicht wirklich Jane Austen – freut mich, dass Du meine Empfehlung für den Einstieg („Stolz und Vorurteil“) berücksichtigen willst.

Stimmt, „Schiffbruch mit Tiger“ hat auch den Booker Prize gewonnen – jetzt wo Du es sagst. Wie kommst Du denn voran?

@Steffi: Mir geht es mit den Booker Prize Gewinnern auch so, dass sie mir sehr oft so richtig liegen. Schön, dass es Dir auch so geht. Und Deinen Bericht zu „Oscar und Lucinda“ fand ich sehr schön.

Dass wir mit Fanny und somit mit unseren Empfindungen zu „Mansfield Park“ gleich lagen, freut mich auch.

@Yvonne: Auf die Verfilmung von „Oscar und Lucinda“ hast Du mich nun jetzt aufmerksam und neugierig gemacht.

Auf „Jacobs Mantel“ hast Du mich schon mit dem Zitat des ersten Satzes so neugierig gemacht. Toll, dass Du solch einen Schatz in der Bücherei entdeckt hast. Die scheint wirklich schöne Neuerscheinungen einzukaufen.

Auch was Du zu Mechtild Borrmann schreibst, weckt Neugierde. Bei Gelegenheit muss ich mir die Romane von ihr auch mal näher anschauen. Leider fehlt mir im Moment die Zeit dazu, aber ich hoffe darauf, hier noch mal daran erinnert zu werden, wenn Du wieder von ihr berichtest.

@Maria: Wie läuft es bei Dir mit den „Parallelgeschichten“? Wie weit bist Du inzwischen eigentlich?

@Didonia: Von James A. Michener kenne ich noch nichts. Aber Deine Begeisterung weckt Neugierde in mir. Wenn man schon traurig ist, wenn man ins Bett muss, dass man ein Buch zuschlagen muss, heißt das schon was.

@Manuela: Ist Deine Sommergrippe inzwischen abgeklungen? Ich wünsche Dir gute Besserung – gute Unterhaltung hast Du ja mit Cody Mcfadyen.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Fr 28. Jun 2013, 12:54

Moin miteinander,

herrlich Deine Schwärmerei zu Postkarten, Petra :) Viel Spaß weiterhin damit :)

Dresden, Pennsylvania ist für mich echt ein Knaller. Heute Abend schaffe ich die letzten Seiten.
Wer sich ein bisschen für die Entstehung eines Buches interessiert, dem kann ich es wärmstens empfehlen.
Die Geschichte wird aus viererlei Sicht erzählt: vom Autor, der Lektorin, dem Kritiker und der Leserin. Alle vier haben ihr eigenes Kapitel.
Sie kennen sich untereinander alle. Besonders interessant ist, wie unterschiedlich sie ein und dieselbe Sache sehen.
"Eine Versuchung wird man nur los, indem man ihr nachgibt."

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon steffi » Fr 28. Jun 2013, 16:54

Ja, Didonia hat recht, deine Schwärmerei für Postkarten ist ansteckend ! Dresden, Pennsylvania hört sich aber auch nach einem Lesevergnügen an !

Ich habe Löcher: Die Geheimnisse von Green Lake von Louis Sachar reingeschoben. Es ist Schullektüre (8.Klasse) und auf die stürze ich mich immer gerne ;) Eine spannende, märchenhafte Geschichte von Stanley Yelnats (Achtung: Palindrom !) der in einer Art Boot Camp Löcher in den Wüstensand graben muss. Wie sich dann herausstellt, ist das aber gar nicht so sinnlos und sein Schicksal erfüllt sich. Neben witzigen, nachdenklichen und gruseligen Episoden geht es auch um Freundschaft und Persönlichkeit. Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen !
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon JMaria » Sa 29. Jun 2013, 09:40

Hallo Petra,

oja, an "Postkarten" denke ich gern zurück, ein tolles Leseerlebnis. Zwar ist "Schiffsmeldungen" unübertroffen für mich, aber Proulx lakonische Sprache und wie sie Natur, Menschen, Situationen unbeschönigt beschreibt, wirkt auch in "Postkarten". Schön, es dir ähnlich geht beim Lesen und du nicht enttäuscht bist.


@Maria: Wie läuft es bei Dir mit den „Parallelgeschichten“? Wie weit bist Du inzwischen eigentlich?



bei mir läuft es sehr gut. "Parallelgeschichten" ist in drei Büchern eingeteilt und ich habe das zweite Buch beendet, d.h. 935 von 1724 Seiten gelesen. Es ist ein Roman, der es dem Leser schwer macht. Was mich an dem Buch fasziniert ist das, was den Roman zusammenhält und nur schwer zu finden ist, es ist wie ein feines Spinnengewebe. Denn auf den ersten Blick scheinen die Parallelgeschichten sich nicht zu berühren und viele Handlungsstränge laufen ins Leere. Doch manchmal ist es nur ein Wort, ein Ort, eine Farbe, eine Philosophie usw. die das Gefüge zusammenhält. Ich bin fasziniert (auch wenn es Beschreibungen gibt von Körperfunktionen, die ich in der Art und Weise noch in keinem Buch gelesen habe, aber nach über 900 Seiten, gehört das dazu, der Autor wagt viel)
Schöne Grüße, Maria
Aktuell:

250. Geburtstag E.T.A. Hoffmann (24. Jan.)
100. Geburtstag Siegfried Lenz (17. März)
100. Geburtstag Ingeborg Bachmann (25. Juni)
100. Todestag von Rainer Maria Rilke (29.Dez.)


Sie schaffen eine Wüste und nennen das Frieden ( Tacitus )
Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen (Johann Wolfgang v. Goethe)
Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe (Rainer Maria Rilke)
JMaria
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Re: Leseerlebnisse 2013... Ich lese gerade...

Beitragvon Didonia » Sa 29. Jun 2013, 12:34

Moin miteinander,

das halbe Jahr ist um und ich kann sagen, ich habe mein bisheriges Jahreshighlight gefunden.

Diese Geschichte scheint ein wenig aus der Rolle zu fallen. Michener hat bisher wohl hauptsächlich historische Romane geschrieben, in denen er sich mit einem bestimmten Land oder US-Bundesstaat von den Anfängen bis zur Gegenwart beschäftigt.
Diese Geschichte spielt zwar in Dresden, Pennsylvanien, die wahrscheinlich deutscheste Region Amerikas, und wir lernen einige urige Einwohner dieser Region kennen, aber hauptsächlich handelt das Buch von Büchern, der Literatur, dem Buchwesen. Der Originaltitel "The Novel" passt daher viel besser zum Buch, als der deutsche Titel.

Das Kapitel über die Lektorin Yvonne Marmelle hat mir sehr gut gefallen. Wir erfahren dort, dass sie schon als kleines Kind Bibliothekarin werden wollt. Das kam durch ihren Onkel Judah, der Bücher liebte, der sie schon frühzeitig an Jugendbücher heran führte, obwohl sie vom Alter her in der Bibliothek eigentlich nur Kinderbücher ausleihen dürfte.
Für Yvonne war es

eine so sensationelle Erfahrung, mit dem Leben anderer Menschen in Berührung zu kommen, daß ich bei der Rückgabe des Buchs die Bibliothekarin fragte: "Ist das alles tatsächlich passiert?" Und sie hat mir erklärt: "Es ist passiert, aber nur im Kopf der Schriftstellerin. Und natürlich auch in deinem Kopf. Das macht einen Roman aus. Er ist ein Austausch von Träumen."


Schon in jungen Jahren konnte sie einen guten Roman unterscheiden von einem, der des Lesens nicht wert war. Yvonne wurde zwar nicht Bibliothekarin, dafür aber eine erfolgreiche Lektorin, die allerdings privat nicht viel Glück hatte.

Auch das Kapitel des Kritikers Karl Streibert ist sehr interessant und spannend. Und in dem der Leserin Jane Garland fügt sich dann alles zusammen. Hier treffen wir sie alle wieder und werden sehen, was aus ihnen wird. Wie sich nach Glück und Trauer ihr Leben weiterentwickeln wird.

Zum Schluss möchte ich noch ein Zitat bringen. Es sind Sätze von Leserbriefschreibern an Lukas Yoder, die es fast immer auf die gleiche Weise ausgedrückt haben (mir geht es auch oftmals so, wenn ich ein schönes Buch beende):

Wenn ich mich den letzten Seiten eines Romans von Ihnen nähere, dann empfinde ich ein Gefühl ehrlichen Bedauerns, weil ich merke, daß ich eine Beziehung mit Figuren aufgeben muß, die ich liebgewonnen habe. Und eine Ecke der Welt wieder verlassen muß, wo ich lohnende Wochen und Monate verbracht habe. Ich lese nämlich langsam und gründliche. Wenn die Seiten weniger werden, kommt es mir vor, als ob mir etwas weggenommen würde, etwas Kostbares, das unersetzbar ist.
Vielleicht lachen Sie über das, was ich jetzt sagen möchte, aber wenn ich sehe, wie wenig Seiten mir noch bleiben, rationiere ich sie. Dann erlaube ich mir täglich nur einige wenige Seiten, und wenn die letzte Seite kommt und ich das Buch zuschlage, dann starre ich minutenlang auf die Karte auf dem Vorsatzpapier und bin mir bewußt, daß mich etwas Wertvolles angerührt hat.
"Eine Versuchung wird man nur los, indem man ihr nachgibt."

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