Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon steffi » Di 11. Mai 2010, 12:56

Yvonne, ich habe auch schon nach dem Doderer-ABC geforscht, aber nichts ... Wenigstens hat es meine Bücherei und ich werde es mir bald ausleihen.

@Rachel: Vor Doderer braucht man wirklich keinen großen Respekt zu haben, er kann ganz fabelhaft Atmosphäre erzeugen und spielt mitunter auch mit dem Leser. Einzig, wie Yvonne und Maria schon sagten, die Personenfülle bzw. deren Verflechtungen untereinander sind etwas verwirrend. Aber wenn dir das Hörspiel schon gut gefallen hat, wirst du das Buch bestimmt auch lieben !
Gruss von Steffi

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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Binchen » Di 11. Mai 2010, 20:46

Ich bin jetzt durch - Ihr Lieben Rankin-Interessierte -

Malcom, Foxy, Fox - ich hab ihn verlassen - und mich ganz gut unterhalten - Ganz gut - meine Wertung wäre ***+ von *****
Die Geschichte war für mich durchweg spannend. Die leicht hölzernen Dialoge störten mich ab ca. Seite 200 nicht mehr. Ich hatte mich dran gewöhnt, dass die Namen von Foxy irgendwie willkürlich gestreut wurden - also nicht Foxy um Nähe zu Kollegen zu signalisieren und Malcom beim Vater, sondern wirklich nach dem Motto: Wir nehmen die Namen und streuen mal den mal den - ich denke bei anderen steht einfach öfter ER und es fällt damit nicht so auf. Die anderen Ermittler werden nicht so oft mit veränderten Namen erwähnt.
Die Geschichte zog an und es interessierte mich dann wirklich, wie es ausging - wie eben Malcom begriff oder doch nicht - was gespielt wurde und wie er damit umging.
Auch tauchte etwas mehr (Galgen)humor auf und ich dachte - es geht doch ... - ich denke Malcom hat Potential - Aber - ich werde mich ganz bald nochmal Logan zuwenden um wieder Gummibärchen naschen zu können.
Merkwürdig: Warum stören mich die Macken bei MacBride nicht - und die von Malcom - Hosenträger, die ständige Erwähnung des Nicht-Trinkens, die Büchersortiererei - waren mir zu aufgesetzt? Wer hat dafür eine Erklärung? Ich verstehe es nicht so ganz, wo es doch ähnlich angelegt ist - und bestimmt nicht abgeschrieben ????
Zuletzt geändert von Binchen am Mi 12. Mai 2010, 10:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Petra » Mi 12. Mai 2010, 08:38

Hallo Binchen,

vielen Dank für Deinen Lese-Bericht zu Malcom, auf den ich ja schon sehr gespannt war. Da liegen wir mit unserer Wertung ja recht nah beieinander. 3+ von 5 bei Dir, 7 von 10 bei mir. Wobei ich ja noch überlege, ob es mit der Wertung noch 0,5 oder 1 bei mir runtergeht. Da möchte ich einfach abwarten, wie bleibend der Eindruck ist, den Malcom bei mir gemacht hat. Ob das Interesse wie es mit ihm weiter geht überwiegt, oder ob Fall 1 bald schon vollkommen verblasst ist.

Dass Du irgendwann über das hölzerne hinwegschauen konntest, ist gut. So war die Spannung nachher für Dich ungetrübt. Ich konnte das leider ja irgendwann nicht mehr ablegen. Hätte ich gekonnt, wenn es mir nicht so sehr aufgefallen wäre. Aber irgendwann hatte es sich dann einfach bei mir eingebrannt und ich wurde empfindlich dagegen.

Wie wirkte eigentlich auf Dich, dass Malcom sich einige Male verplappert hat, mit Details aus dem Leben von Kollegen, die er nicht hätte wissen oder nicht hätte preisgeben sollen, als Mitarbeiter der Inneren? Einmal hätte ich ok gefunden. Aber drei Mal (ich meine es waren drei Szenen) fand ich zu viel, da hätte ich ihm mehr Professionalität zugetraut. Das fand ich auch etwas aufgesetzt.

Ebenso die Macken von Malcom. Die fand ich auch aufgesetzt. Ich war schon sehr gespannt darauf, wie Du auf Malcoms Abstinenz reagierst. Denn die Erwähnung von Alkohol (und somit die Gewichtung von Alkohol) war hier für mich fast häufiger und somit störender, als bei einer Figur, die oft zu tief ins Glas schaut. Ich hatte mir schon gedacht, dass Dich das stören würde, wo Du es mit Alkohol fixierten Figuren so gar nicht hast. Das war aber selbst mir zu viel.

Ebenso die Hosenträger und die Bücherstapel. Auch sie wirkten auf mich aufgesetzt. Ich konnte das ebenso wenig erklären wie Du. Aber ich denke einfach, dass es einigen Autoren gelingt, so etwas ganz fließend einzubauen. Vielleicht weil sie ganz tolle Geschichtenerzähler sind. Anderen merkt man die Absicht zu sehr an. Vielleicht weil es nicht so geschliffene Erzähler sind. Ich weiß es nicht. Wäre nur mein Ansatz zu einer Erklärung. Denn auch die willkürliche Namensnennung wirkte auf mich unbeholfen und unüberlegt. Ja, sogar unelegant. Du hast das schön beschrieben: Rankin hätte das einsezten können um die Beziehung zweier Personen dadurch zu unterstreichen. Vor- und Zunamen, wo man nicht so freundschaftlich miteinander ist, sondern eher geschäftlich. Nur Vornamen bei engen Freunden und Angehörigen. Foxy, wenn seine Kollegen, mit denen er auch befreundet ist, Umgang mit ihm hegen. Nur leider war das doch wirklich willkürlich eingesetzt. Und somit manchmal unpassend. Und für mich dann irgendwann auch störend.

Auf Deinen direkten Vergleich zu Stuart MacBride wäre ich sehr gespannt. Ich brauche erst mal was Zeit, denn Du hast recht: Die Art der Krimis der beiden Autoren sind sehr ähnlich: Handlungsort, viel Ermittlungsarbeit (also wirklich Krimi). Aber ich habe vor, dies Jahr noch einen Stuart MacBride zu lesen. Und auf den freue ich mich sehr. Denn er bereitet mir mehr Spaß. Sein Humor fließt beiläufiger ein. Manchmal so unerwartet, dass ich breit grinsen oder fast auflachen muss. Und einige Figuren dort sind einfach so klasse. Für mich viel dreidimensionaler als Malcom. Der blieb für mich sehr hölzern. Schade, denn dass die Serie (und die Figur des Malcom) Potential hat, finde ich auch. Da könnte man viel draus machen!

Bei meinem derzeitigen Buch - "Hudson River" von Joyce Carol Oates - bin ich mich noch am einlesen. Eigentlich kein so ein gutes Zeichen! ;-)
Ich bin noch nicht ganz drin. Es ist zweifellos toll erzählt. Und auch interessant. Aber ich weiß nicht, ob mir meine Stimmung nicht einen Streich spielt. Ob das Buch nicht zu ausschweifend erzählt ist, für meine derzeitige Leselaune. Mal sehen ob ich dran bleibe oder doch noch zu was anderem umschwenke. Wäre schon schade.

Auch noch etwas, was mich ein wenig hemmt: Es geht um den Verlust eines geliebten Menschen. Hintergründig war das klar. Aber dass auch so viele Szenen (zumindest am Anfang) geschildert werden, die sich mit den Gefühlen des Verlusts beschäftigen, darauf war ich nicht so vorbereitet. Das hat mir gestern ganz schön zugesetzt. Habe meine Verluste noch nicht ausreichend verdaut, um das Thema allzu lang ertragen zu können. Zumindest nicht, wenn ich eigentlich gerade eher amüsante gesellschaftskritische Unterhaltung möchte. Mal sehen.
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Binchen » Mi 12. Mai 2010, 12:25

Huhu liebe Petra,

ich bin auch noch nicht so richtig drin in meinem nächsten Buch: Pia Korittkis erster Fall: Kalter Grund (Eva Almstädt)
nachdem Lucy ihre Leseerlebnisse gepostet hat, habe ich gedacht, das könnte was sein, auch als 'Vortesterin' für unsere Hanau-Tine hab ich mich gesehen, oder auch für Britti, schließlich begeben wir uns mit ihr in die Lübecker Gegend. Es ist der erste Band und nur das Lob, dass sie immer besser wird, hat mich nicht gleich die Flinte ins Korn werfen lassen. Die Atmosphäre erinnert an Tannöd - und die Ermittlerin ist sehr bemüht die weiblichen Klisches nicht zu erfüllen, während die Männer so richtig nett draufhauen - Noch ist mir das alles zu typisiert - hätte ich den MacBride nicht so versteckt gelagert, wäre der sicher zuerst dran gewesen. So hat er gerade Konkurrenz bekommen - Frankie Maschine wartet auch noch.

Aber noch zu Malcom - nein -
ich fand es plausibel, dass er sich verplapperte, denn er ist m.E. kein Vollprofi - er hat sich wesentlich schlechter im Griff als Cassie in Totengleich - bei ihr hängt auch viel mehr davon ab. Und so fand ich es ehe plausibel, dass er sich verplapperte als wenn er perfekter gewesen wäre.

Aber nochwas ist mir aufgefallen, auch Malcoms Vater ist nur 'Beiwerk' er wird in der heißen Phase einfach vernachlässigt und taucht dann wieder auf, als alles vorbei ist. Warum gibt es ihn? Warum seine 'Partnerin' im Heim? Vieles von Malcoms Beiwerk ist einfach nur solches und irgendwie nicht richtig eingepasst. Das ist bei Francis oder bei Tana French z.B. wesentlich besser und stimmiger. Ich denke ich muss mal einen weiteren Rebus lesen, um herauszufinden, ob er es da besser macht. Der erste ist zu lange her.

Oder werden wir mit den guten Autoren einfach anspruchsvoller? Viel anspruchsvoller?
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Doris » Mi 12. Mai 2010, 21:47

Hallo alle zusammen,

@Binchen,
ich glaube ich weiß was du meinst. Was bei einem Schrifsteller aufgesetzt wirkt, stört uns bei einem anderen kaum - ganz im Gegenteil wir können das ohne weiteres durchgehen lassen. Eine Erklärung? Also ich habe keine. Ich weiß nur, dass ich da manchmal sehr unkritisch bin wenn es um Lieblingsschriftsteller oder Figuren geht und gnadenlos kritisch wenn mir ein Schriftsteller nicht liegt obwohl er sich der gleichen "Techniken" bedient. Ist halt so!

@Petra,
ich will dich nicht entmutigen, aber ich glaube Hudson River ist im Moment nichts für dich. Oates ist in diesem Buch so schwarzhumorig, dass es manchmal schon weh tut. Und sie dringt tief unter die Oberfläche. Ich kann mich, da es schon einige Jahre her ist dass ich das Buch gelesen habe, nicht mehr an Details erinnern aber ich habe es als streckenweise sehr unerbittlich empfunden. Ich habe den Begriff in Zusammenhang mit Oates schon des öfteren benutzt -mir fällt aber auch kein anderer ein der besser passt: rasiermesserscharf!
Als du vor ein paar Tagen, das Cover als so schön frühlingshaft bezeichnet hast, dachte ich noch "oh ha, hoffentlich täuscht sie sich da nicht"

Ich habe gestern mit den Briefen von Mark Twain begonnen "Sommerwogen" und ich werde das Buch auch wie "Briefe" behandeln und nicht alle auf einen Rutsch lesen. Die sind sooo schön, die muss man einfach genießen und auf sich wirken lassen.
Maria, ich könnte mir durchaus vorstellen dass du deine wahre Freude damit haben wirst.

Paralell dazu lese ich "Die Liebeslotterie" von Andrew Nicholl und bin ganz verzaubert.

Kurzbeschreibung:

«Tibo Krovic machte sich Notizen – eine Liste der Dinge, die er für Agathe kaufen würde. Süßigkeiten, insbesondere türkischen Honig, weich, cremig und unglaublich süß. Und Parfum! ‹Tahiti› – er konnte sich an den Namen erinnern. Ehrlich gesagt, hatte er ‹Tahiti› in seine Liste von Lieblingswörtern aufgenommen, die er sich gelegentlich vorsagte. Wenn er es aussprach, hatte er Agathe Stopaks Duft in der Nase, und augenblicklich sah er sich selbst in einer Marineuniform; er lag unter einer nickenden Palme im kalkweißen Sand, und Frau Stopak, eine Bougainvillea im Haar, schmiegte sich in seine Armbeuge. Und Unterwäsche. Männer kauften Unterwäsche für die geliebte Frau, nicht wahr? Hätte er den Mut? Tibo strich das Wort ‹Unterwäsche› energisch aus. In die nächste Zeile schrieb er ‹Dessous› und ließ das Wort stehen. ‹Ich kann jederzeit noch mehr Dinge hinzufügen, wenn mir welche einfallen›, sagte er und schrieb schnell ‹Lotterielos› in die letzte Zeile.» «Das ist ganz klar das Werk eines meisterhaften Erzählers.» The Financial Times «Nach der Lektüre dieses Romans möchte man auf die Straße gehen und sich in jemanden verlieben.» The Sun


Herzlichst, Doris
"Das richtige ist das intensive Buch. Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt und nicht mehr los läßt - bis zum Ende nicht, lies oder stirb! Dann liest man lieber." Kurt Tucholsky
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Petra » Fr 14. Mai 2010, 08:56

Hallo zusammen,

Zu "Hudson River" von Joyce Carol Oates: Doris, vielen Dank für Deine Resonanz zu Joyce C. Oates. Eigentlich ermutigst Du mich jetzt sogar eher, als dass Du mich noch mehr entmutigst. ;-)

Ich hatte eher befürchtet, dass es zu locker (und ausschweifend) über die Probleme der Bewohner Salthills-on-Hudson erzählt. Dass vielleicht nicht genug der Probleme dieser middleage-Figuren herüberkommt - im Verhältnis zur Seitenzahl. Ich befürchtete, dass man es letztendlich vielleicht kürzer hätte fassen können, und es dadurch prägnanter wäre. Aber dass Du mir nun noch mal versicherst, dass sie in diesem Buch tief unter die Oberfläche dringt, ermutigt mich nun doch.

Ich habe Dich etwas irregeleitet mit dem Gedanken, dass das Cover so schön frühlingshaft ist. Ich meinte das wirklich nur auf die Farbgebung bezogen. Nicht auf den Inhalt. Der spielt - wenn ich das richtig verstehe - in einem beschaulichen, sicher auch oft sonnigen Vorort New Yorks. Aber die Menschen dort, sind alles andere als innerlich fröhlich und locker. Ich fand das Cover so schön passend zum Frühling. Aber das konntest Du aus meiner Bemerkung nicht sauber herausinterpretieren - ist mir jetzt klar.

Weitere Zweifel über die richtige Wahl des Buches kamen bei mir in der Szene auf, als Marina Troy zu dem toten Adam Berendt ins Krankenhaus gerufen wird. Diese Verlust-Gefühle, die sie da empfindet. Und diese letzten Minuten mit dem verstorbenen geliebten Menschen, gingen mir sehr nah - zu nah. Denn ich kann mich an meine eigenen Szenen dieser Art noch zu gut erinnern und sie schnüren mir, wenn ich sie heraufbeschwöre, immer noch die Kehle zu. Und mir wurde dann bewusst, dass der Dreh- und Angelpunkt Adam Berendt ist. Und ich hoffe, dass es nicht zu sehr um den Verlust geht. Aber ich denke und hoffe einfach mal, dass es die Figuren immer nur am Rand erwischt, wenn sie die Nachricht bekommen, dass Adam Berendt verstorben ist.

Das ist also mein Hauptproblem zur Zeit mit dem Roman. Und hinzu kommt eine totale Unentschlossenheit, was ich lesen soll. Ich habe ja für meine Begriffe sehr lange gebraucht mich für ein neues Buch zu entscheiden. Und als ich dieses dann anfing, war ich bald schon nicht mehr sicher, ob oder ob nicht... vielleicht hat das auch viel mit meiner derzeitigen Unentschlossenheit zu tun, die wahrscheinlich daher herrührt, dass ich zuvor ja zwei Bücher gelesen habe, die mir nicht so recht gefallen haben.

Zu "Ein reines Gewissen" von Ian Rankin: Damit dann auch noch mal zu Rankin. Ja, ich denke schon, dass wir immer anspruchsvoller werden. Hat man eine richtig gute Serie (natürlich subjektiv) für sich gefunden und liest dann eine weitere, ähnliche, dann ist es ja nur allzu verständlich, dass sie einen nicht vom Hocker haut, wenn sie der anderen ein wenig ähnlich ist und die andere einem einfach besser gefällt.

Und auch generell: Man wird anspruchsvoller, glaube ich.

Vielleicht sind diese Störfaktoren wirklich unerklärlich. Bei dem einen Autor stören sie einen, bei einem anderen nicht - weil einem der Autor ingesamt vielleicht mehr liegt. Das erklärt dann auch, warum anderen das Buch gefällt. Damit wäre es nämlich subjektiv, bzw. Geschmacksache. Vielleicht liegt es aber auch manchmal daran, dass ein Autor es besser kann als sein Kollege. Wäre ja auch nur allzu normal, denn in jedem Beruf gibt es welche, die besser sind und welche die schlechter sind. Ich denke hier liegt es am handwerklichen. Oder am Talent. Dem einen fließt es direkt flüssig und korrekt aus der Feder, ein anderer verzettelt sich vielleicht etwas schneller.

Mir ging das mal mit Petra Hammesfahr so, als ich noch meine Thriller-Phase hatte. "Das letzte Opfer" las ich von ihr. Und es war ziemlich wirr geschrieben. Wohl etwas, was man bei Hammesfahr - wie ich gehört habe - häufiger anfinden kann: eine wirre Art zu erzählen. Ich konnte ihr das aber nachsehen (nicht übersehen!), da der Thriller ansonsten unerträglich spannend war. Somit gilt auch hier wieder: Dem einen verzeiht man es, dem anderen nicht (oder weniger).

Bei Ian Rankin hätte ich die Dinge, die mir störend aufgefallen sind, sicher eher verziehen, wenn die Story an sich für mich noch mehr Spannung beinhaltet hätte. Ich habe schon spannenderes, aufregenderes, interessanteres gelesen. Auch schlechteres - wohlgemerkt! Aber es reichte nicht, um die Mankos wett zu machen. Vielleicht kann ich es mir für mich hiermit erklären. Ja, ich denke schon.

Malcoms Vater: Ja Binchen, den hatte ich zum Schluss hin auch nur noch als Beiwerk empfunden. Zunächst hatte Rankin ihn ja als relativ gewichtig eingeführt. Und dann fand er nur noch am Rande Erwähnung, als der Fall in Bewegung kam. Ich denke, Rankin hat diese Nebenfigur über mehrere Bände ausgelegt. Aber trotzdem: Mir schien dadurch Band eins nicht runder. Ich habe das so empfunden wie Du auch: Diese Nebenfigur verlief in diesem ersten Band im Sande.

Binchen hat geschrieben:Vieles von Malcoms Beiwerk ist einfach nur solches und irgendwie nicht richtig eingepasst.


Habe ich auch so empfunden!

Binchen hat geschrieben:nein - ich fand es plausibel, dass er sich verplapperte, denn er ist m.E. kein Vollprofi - er hat sich wesentlich schlechter im Griff als Cassie in Totengleich - bei ihr hängt auch viel mehr davon ab. Und so fand ich es ehe plausibel, dass er sich verplapperte als wenn er perfekter gewesen wäre.


Wobei sich Cassie ja auch mal verplappert hat. Aber es war viel stimmiger und nicht so plump eingebaut. Und zumal Cassie ja auch viel mehr improvisieren musste. Ein bisschen geschickter stelle ich mir jemanden aus der Inneren schon vor. Und ich finde, er ist genauso viel oder wenig Vollprofi wie Cassie: Er ist in der Inneren und sie geht in einen Undercover-Einsatz und war früher in der entsprechenden Abteilung.

Aber gut, da sieht man, dass manches wirklich unterschiedlich aufgenommen wird.

Binchen, ich hoffe, Du hast Dich in Dein neues Buch inzwischen besser eingefunden? Oder bist Du zu "Frankie Machine" oder Stuart MacBride umgeschwenkt? Typisierte Figuren hört sich nicht so toll an...
Liebe Grüße,
Petra


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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon DorisV » Fr 14. Mai 2010, 20:26

In der Zwischenzeit ausgelesen habe ich Nagib Machfus' "Das Buch der Träume", das mich ein wenig ratlos zurückgelassen hat.

Dann habe ich bereits fast fertig gelesen (im Moment flutscht das Lesen nur so dahin) Ismail Kadare mit The Successor (Der Nachfolger).

Für mich ein total interessantes Buch, da ich einerseits Ismail Kadare sehr gerne mag, andererseits kaum etwas über die albanische Geschichte weiß. Der Name Enver Hoxha ist mir zwar ein Begriff, aber das war es auch schon. Das Buch hat mich total in seinen Bann gezogen und ich werde es morgen vermutlich zu Ende bringen.

Im Buch geht es um Enver Hoxha und seinen designierten Nachfolger Mehmet Shehu, die allerdings nicht mit Namen genannt werden. Der Nachfolger (Shehu) wird eines Morgen im Dezember 1981 tot aufgefunden und es bleibt unklar, ob er Selbstmord begangen hat oder vom Regime ermordet wurde. Kadares Roman beschreibt die Folgen und Auswirkungen diese Todes.

Liebe Grüße
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Binchen » Fr 14. Mai 2010, 20:36

Ihr habt mich nun wenigstens den Bonbonpalast auf den Wunschzettel setzen lassen. Das Buch kommt ja demnächst in der SZ-Bibliothek heraus. Das ist eine Gelegenheit zuzugreifen, finde ich.

Ja ich bin drin ... Pia ist mir zwar noch nicht ansHerz gewachsen aber sie macht sich. Sie ermittelt clever und die 'Männerwelt' ist realistischer geworden. Letztendlich würde ich den Roman zwar nicht gerade Dir ans Herz legen, liebe Petra, aber Martina könnte ihn sicher mögen. Ich grüble gerade wo der Fall hinläuft - Kalter Grund - ja diese einsamen Höfe bergen ihre Geheimnisse. Außerdem macht Lucy ja Hoffnung, dass es noch besser wird *strahl*

Aber auch Frankie und Stuart MacBride liegen schon parat - letzterer war eigentlich schon fast da wo er hingehörte - er hatte sich nur in eine Tasche verkrochen *g*
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Binchen » Sa 15. Mai 2010, 19:48

Am Ende hat sie sich dann doch einen Platz erobert, bzw. die nächsten beiden Bände sind nun ertauscht.

Pia entpuppt sich dann doch noch - ein paar Wendungen bei ihren Ermittlungen und ich war beeindruckt. Sie verspricht gute Entwicklungen.

aber nun ist Stuart MacBride dran DI Steel koddert wieder einmal daher und der Kaffee, den PC Jackie Watson serviert, möchte ich nicht gerne trinken ...
Nun warte ich noch auf die ersten Gummibärchen um mich ganz heimisch zu fühlen ...

Liebe Doris, danke für Deinen Erklärungsversuch - ich bin mir noch immer nicht sicher. Logan ist wieder sofort sympathisch und die Welt der GrampienPolice wirkt so echt. Warum konnte Foxy das einfach nicht.
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Re: Leseerlebnisse 2010 - Ich lese gerade

Beitragvon Petra » Mo 17. Mai 2010, 09:11

Hallo zusammen,

ich habe Ende letzter Woche dann doch "Hudson River" zur Seite gelegt. Es ging mir dann doch zu oft um den Verlust eines geliebten Menschen (habe auch mal ein wenig vorgeblättert). Das ist eigentlich in dem Buch nicht das Hauptthema. Aber Adams Tod ist Dreh- und Angelpunkt, und somit immer wieder Ausgangsbasis für all die Menschen (die Joyce Carol Oates hier entlarvt) in Salthill-on-Hudson. Mich konfrontriert es somit zu oft und zu viel mit dem Verlust-Thema, dem ich mich im Augenblick nicht stellen möchte. Zumal es nicht das Hauptthema des Buches ist. So bringen mich die intensiven Gefühle, die Oates in mir aktiviert, immer weiter von der Handlung weg. Ich werde es ein andernmal mit dieser sicher sehr interessanten (sie hat eine schöne Art zu erzählen) Autorin versuchen. Mit einem anderen Buch. Und vielleicht irgendwann sogar mal mit ihrem "Du fehlst" - wenn ich mich aber bewusst mit dem Verlust-Thema beschäftigen und auseinandersetzen möchte.

So war ich abermals ratlos, was ich nun lesen soll. Ich habe in einen Benni Harper-Band reinglesen und das hat mir gefallen. Ich hoffe, dass das nun das richtige für mich ist, um mich aus meinem kleinen Lesetief herauszuholen! Ich mochte den Museumsmörder damals ja so sehr! Und lange schon wollte ich mehr von Earlene Fowler lesen. Das dumme ist ja nur, dass der Verlag (btb) die Serie nicht chronologisch übersetzt hat. Nach Band 1 ("Der Museumsmörder") muss man auf Deutsch mit Band 6 ("Die geheime Botschaft") weitermachen. Wie schade! Ich hatte immer gehofft, dass ich warten könnte, bis Band 2 übersetzt wird. Aber das ist bislang nicht abzusehen. Zuletzt erschien 2008 etwas von Earlene Fowler bei btb. Und in den aktuellen Verlagsvorschauen (also bis Anfang 2011) ist nichts neues angekündigt. Ob das also noch mal was wird, ist fraglich. So werde ich mich nun mit "Die geheime Botschaft" versuchen. Ich habe die ersten Seiten gelesen und fühle mich im Moment sehr gut aufgehoben. Wieder diese liebevolle Atmosphäre, mit den liebevollen Neckereien. Und ein erstes Gespräch zwischen Benni und Gabe habe ich auch schon miterleben dürfen - wie nett, dieses Wiedersehen! :-)

Hier mal die Kurzbeschreibung: "Benni Harper, Leiterin des Volkskundemuseums im kalifornischen San Celina, hat eine Erbschaft gemacht. Ihre Freude darüber ist allerdings getrübt, denn sie kannte den verstorbenen Jacob Chandler gar nicht, er sie dafür aber anscheinend umso besser. Außerdem hat er eine Bedingung gestellt: Sie muss zwei Wochen in seinem Haus wohnen, bevor sie die Erbschaft antreten kann. Auch wenn ihr die Geschichte nicht geheuer ist, siegt schließlich die Neugier der Hobbydetektivin. Doch erst, als es fast zu spät ist, findet Benni heraus, was sie mit dem alten Mann wirklich verbindet und was sein letztes Geschenk an sie ist ..."

Nun noch kurz zu Euch:

@Binchen: Danke für die Eindrücke zu Stuart MacBride. Den schnappe ich mir demnächst auch wieder einmal! :-)
Und ich verspreche mir davon auch ein gut aufgehoben fühlen. Ich habe seine Szenerie (auch wenn sie stellenweise absurd ist - ich sage nur Gummibärchen *g*) auch als sehr viel echter empfunden als die bei Rankin.
Schön, dass Du dieses Gefühl bei der Grampian Police wiedererleben kannst und es mit uns teilst!

@DorisV: Bei Dir geht es mit dem Lesen gerade genau andersherum als bei mir: Bei Dir fluppt es - bei mir stagniert es. Ich hoffe, ich habe mit meinem neuen Buch einen guten Griff getan, damit es bei mir auch wieder fluppt! Vielen Dank für Deine interessanten Leseberichte! :-)
Liebe Grüße,
Petra


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