Hallo zusammen,
ich habe in Marcel Reich-Ranickis "Mein Leben" gerade die Kriegsjahre hinter mir gelassen. Auch wenn man all diese Dinge, die man den Juden angetan hat, weiß, so ist es doch so schrecklich wenn man es anhand einzelner Schicksale über die Literatur miterlebt. Und hat der Krieg (wie jeder Krieg) auch die grausamsten Wesenszüge der Menschheit hervorgebracht, so hat er auch wahre Helden aus ganz normalen Menschen gemacht. Z. B. die wenigen, die den Juden geholfen haben. Mehr sei nicht gesagt, aber in MRRs Leben gibt es mindestens einen Helden - und vor Ehrfurcht weiß ich kaum, was ich dazu sagen soll. Sehr ergreifende Kapitel liegen hinter mir. Mal sehen, wie es jetzt mit den beiden - Marcel und Tosia - nach dem Krieg weiter geht.
Im Anschluss will ich unbedingt die Verfilmung schauen. Ich freue mich sehr darauf! Und ich weiß, das wird auch Ayhan gefallen!
@Doris: Ich bin auch sehr gespannt wie mir "Wir sind die Könige von Colorado" gefallen wird. Ich habe Deine Rezension entdeckt. Eine 2 in der Benotung ist gut. Aber auch die leisen Kritikpunkte habe ich vernommen. Ich bin gespannt, wie es auf mich wirken wird. Überladene Romane werden mir auch schnell zu viel. Aber mal sehen. Das reinlesen hatte mir bereits sehr gefallen. Ich hoffe, es hält so ungefähr was es verspricht.
Du liest also gerade Andrea Levy - oder bist vielleicht auch inzwischen schon fertig. Ich habe von ihr noch sehr dringlich liegen "Eine englische Art von Glück". Mal sehen, wann es dran kommt. Auf Deine abschließenden Eindrücke zu "Das lange Lied eines Lebens" bin ich sehr gesapnnt. Denn thematisch interessiert mich auch das sehr!
@Steffi: Sehr ansprechend, was Du über Deine Eindrücke zu Alain Claude Sulzers "Privatstunden" berichtest. Ich sehe schon, ein interessanter Autor. "Ein perfekter Kellner" lockt mich von ihm auch noch sehr. Den hast Du, und einige andere hier, ja schon gelesen.
@Maria: Vielen Dank für Deine abschließenden Worte zu Per Pettersons "Pferde stehlen". Diese Aussage, die das Buch für Dich hatte, spricht mich sehr an. Ich freue mich schon, wenn es bei mir - hörender Weise - mal an der Reihe ist. Es ist fest notiert, so dass ich es mir bei nächster Gelegenheit auf meinen iPod laden werde.
@Barbara @Maria: Durch Deine Begeisterung für den Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller schürst Du weiter meine Neugierde darauf, Maria. Ich habe davon ja eine wunderschöne Ausgabe! Danke fürs motivieren, endlich mal dazu zu greifen.
Was Ihr über Schillers Schädel schreibt, hat mich an etwas anderes denken lassen: Schillers Schreibtisch. Dazu habe ich noch ein ausgesprochen interessantes Buch zu Hause von Dieter Kühn: "
Schillers Schreibtisch in Buchenwald". Dieses Thema passt gerade sehr zu meiner aktuellen Lektüre. Denn auch Marcel Reich-Ranicki beschwört oft diese Absurdität herauf, dass im Land der Kultur, der großen Dichter - wie Goethe und Schiller - solch ein Unrecht an Menschen verübt wird. Hier mal die Kurzbeschreibung von Dieter Kühns Buch:
Das Erbe eines Genies und einer Gewaltherrschaft. Von Schillers berühmtem Schreibtisch stehen in Weimar zwei Exemplare: das Original in Schillers Wohnhaus, mit Globus, zwei Kerzenhaltern, Feder, und eine maßgetreue Kopie in einem Lagerraum. Die Nachbildung wurde zwischen 1942 und 1943 hergestellt - anderthalb Jahre war Schillers Schreibtisch in einer Werkstatt-Baracke im Zentrum des KZ Buchenwald deponiert, als Vorlage für eine Kopie, die im Schillerhaus wegen der Gefahr von Bombenangriffen aufgestellt werden sollte. Ein Häftling des KZ fertigte die Kopie an. Dieter Kühn hat erstmals die genauen Umstände des Nachbaus recherchiert und erzählt diese deutsche Geschichte. Zum einen zeichnet er Schillers Weg zu einem freien Schriftsteller nach: Schiller auf der Flucht, auf der Suche nach einem Schreibtisch und schließlich seine Arbeit am Schreibtisch. Andererseits beleuchtet Kühn den Schillerkult des NS-Regimes. Eindrucksvoll schildert er, wie der Tisch, an dem Schiller seine Ideen der Freiheit formulierte, dort kopiert wurde, wo Menschenwürde nichts mehr galt.